fischer baumler

Lize Spit Und es schmilzt

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Inhaltsangabe zu „Und es schmilzt“ von Lize Spit

Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt.

Mit geschlossenen Augen hätte Eva damals den Weg zu Pims Bauernhof radeln können. Sie könnte es heute noch, obwohl sie viele Jahre nicht in Bovenmeer gewesen ist. Hier wurde sie zwischen Rapsfeldern und Pferdekoppeln erwachsen. Hier liegt auch die Wurzel all ihrer aufgestauten Traurigkeit.

Dreizehn Jahre nach dem Sommer, an den sie nie wieder zu denken wagte, kehrt Eva zurück in ihr Dorf – mit einem großen Eisblock im Kofferraum.

Die junge Bestsellerautorin Lize Spit wagt sich mit ihrem ersten Roman 'Und es schmilzt' an die Grenzen des Sagbaren.

Preis des niederländischen Buchhandels für den besten Roman des Jahres

Das radikalste Update zu 'Der Fänger im Roggen'!

Pressestimmen:

'Dieser Roman ist eine Granate, die erst nur einen dunklen Schatten wirft und dann mit kaltblütiger Präzision einschlägt.' De Standaard

'Geschrieben mit der Treffsicherheit eines Messerwerfers. Ein Todesstoß.' Bregje Hofstede

'Diese Geschichte packt Sie an der Kehle.' De Standaard

'Übertrifft alle Erwartungen!' De Morgen

'Aufregend, manchmal lustig, am Ende beängstigend und ergreifend.' Het Nieuwsblad

'›Und es schmilzt‹ besetzt eine besondere Stelle in Ihrem Kopf – irgendwo zwischen Behaglichkeit, Unruhe, Vertrautheit und Entsetzen.' Saskia de Coster

'Dieses Buch knistert vor Spannung. Vertraut, überraschend, einfallsreich, erbarmungslos.' De Standaard

Stimmen aus dem Buchhandel

'Wow! Was für ein Buch. Ich habe es zugeschlagen und hätte es am liebsten gleich noch einmal von vorn begonnen. Das ist großartig erzählt, hat einen unglaublichen Sog. … Tesje werde ich sicher nie mehr vergessen. '

Juliane Barth, Dussmann, Berlin

'Lize Spits Erzählkraft ist beispiellos und treibt dem Leser mitunter Schweißperlen auf die Stirn. ›Und es schmilzt‹ ist ganz großes beklemmendes Kopfkino!

Thomas Bleitner, Buchhandlung Lüders, Hamburg.

'Das Buch hat mich überrascht, beeindruckt, abgeschreckt, fasziniert, begeistert!. Mutig und kompromisslos! Eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann … es haut einen einfach um!

Brigitte Drees, Buchhandlung Köhl, Erftstadt

'Ein Meisterwerk mit einer ganz eigenen Stimme und Stimmung, das man gelesen haben muss.'

Alex Schütz, Pieper Bücher, Saarlouis

'Man wird über dieses Buch reden, reden müssen, weil man sich nach der Lektüre austauschen will.'

Frank Menden, Stories! Die Buchhandlung, Hamburg

Intensiv. Verstörend. Lesenswert. Die nüchterne Sprache und die emotionale Distanziertheit der Protagonistin bilden eine perfekte Symbiose.

— Wiebke_Schmidt-Reyer

Ungewöhnliche Geschichte

— brauneye29

Großartiges Buch; brutal, sentimental, polarisierend und hat mich lange beunruhigt zurückgelassen.

— ClaraOswald

Konnte mich trotz des guten Schreibstils nicht packen: Zu lang, zu ausschweifend, um wirklich fesselnd zu sein

— LinusGeschke

Konnte meine Erwartungen nicht erfüllen!

— Kiwi1989

Brutal, grausam ehrlich, gnadenlos offen: Dieses Buch erfüllte für mich alle Erwartungen, die von Lobgesängen geschürt worden waren.

— once-upon-a-time

Direkt, unverblümt und schonungslos

— BookfantasyXY

Ich kann mir vorstellen, dass dieses Buch sehr stark polarisiert. Mich konnte es nicht überzeugen!

— Hennie

Sehr clever, für mich aber zu konstruiert.

— Boris

Bestes Buch, das ich in diesem Sommer gelesen habe, hat mich noch lange gedanklich beschäftigt.

— EOS

Stöbern in Romane

Lied der Weite

Was ist ein gelingendes Leben? Warmherziger Roman um diese Frage; Figuren, die man mit nach Hause nehmen möchte. Großartig!

alasca

Die Hauptstadt

Geistreich, ja, stellenweise amüsant, aber zu großen Teilen zäh und verzettelt. 3-4 Sterne.

Apfelgruen

Der verbotene Liebesbrief

Kein klassisches Buch von Lucinda Riley aber dennoch unglaublich fesselnd!

Miii

Schloss aus Glas (Filmausgabe)

Eindrückliche Biografie über einer Kindheit zwischen Alkoholismus, Gewalt, Vernachlässigung, Geschwisterliebe, Freiheit und Träumen.

black_horse

Underground Railroad

Ein bedrückendes Buch, dass leider noch immer aktuell ist.

sofalxx

So, und jetzt kommst du

Das Buch hat einen starken Eindruck hinterlassen und klingt immer noch nach!

Mira20

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  • Ungewöhnliche Geschichte

    Und es schmilzt

    brauneye29

    10. December 2017 um 14:12

    Zum Inhalt: Dreizehn Jahre nach dem Sommer, an den sie nie wieder zu denken wagte, kehrt Eva zurück in ihr Dorf – mit einem großen Eisblock im Kofferraum.  Meine Meinung: Es hat mich echt Kraft gekostet, dieses Buch bis zum bitteren Ende zu lesen. Ich fand das Buch einfach sehr anstrengend zu lesen und auch den Schreibstil sehr anstrengend und wenig eingängig. In langen Sequenzen wird in die Vergangenheit geblickt, in kurzen sind wir in der Gegenwart und erfahren auch irgendwann, was es mit dem Eisblock auf sich hat. Interessante Idee übrigens. Insgesamt hat mich das Buch nicht einfangen könben, obwohl die Geschichte gar nicht so uninteressant war. Warum ich am Ende eher negativ eingestellt war, hat wohl hauptsächlich damit zu tun, dass mich der Schreibstil nicht hat abholen können. Fazit: Interessante Geschichte, die mich aber nicht abgeholt hat.

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  • zutiefst beeindruckend

    Und es schmilzt

    katze102

    01. December 2017 um 16:24

    Lize Spit läßt Eva ihre eigene Geschichte in zwei Handlungssträngen erzählen; der eine beschreibt den Verlauf des heutigen Tages, der andere Erlebniss in ihrer Familie und zusammen mit ihren beiden Freunden Pim und Laurence im Jahr 2002. Zudem erfährt man, dass in anderen Familien ebenfalls Schicksalsschläge deren kleine Welt verändert haben.Eva wuchs in einem kleinen Dorf in Belgien auf; in ihrer Familie herrschten keine wohlbehütenden Verhältnisse, sondern Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, hochprozentige Konfliktlösung bzw. Alltagsbewältigung nach einem Schicksalsschlag und ihr eigener sowie der Wunsch ihrer beiden Geschwister aus diesen Zuständen errettet zu werden oder zumindest für Stunden zu entfliehen. So hält sie lange an der Freundschaft zu Pim und Laurence fest; die drei verstehen sich als Musketiere ( „einer für alle“...), bis zu einem Ereignis, das für Eva vieles verändert...Zunächst liest sich die Beschreibung ganz harmlos, doch je mehr man von Evas Erlebnissen und Erinnerungen aus der Vergangenheit erfährt, umso hoffnungsloser und erdrückender zeichnet sich das Gesamtbild ihres Lebens, das ihrer Geschwister und anderer ab. Die Geschichte ist sehr komplex dargestellt und ich möchte gar nicht zuviel Inhalt verraten; es gibt etliches, bei dem man sich fragt, wie es möglich ist, dass so viele nichts bemerkt oder einfach weggesehen haben. Es gibt Beschreibungen, besonders eine, die in ihrer Ausführlichkeit zutiefst betroffen machen.Lize Spits Schreibstil hat mir sehr gefallen; der Aufbau der Geschichte und diese selber beeindruckt zutiefst. Erzählt wird so nuancenreich und trotz allem eher sachlich, aus vielen Teilstücken zusammengesetzt, dass der Leser nach und nach ein immer bedrohlicheres Bild erhält, so stimmig, dass ich mich nach Beenden des Buches gefragt habe, ob alles erdacht oder auch teilweise Biographisches enthalten war. Insgesamt hat mich da Buch tief beeindruckt und in seinen Bann gezogen.

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  • Grausam ehrlich und gnadenlos offen

    Und es schmilzt

    once-upon-a-time

    24. November 2017 um 21:06

    Mit einem Eisblock im Kofferraum fährt Eva zurück in das Dorf ihrer Kindheit und damit zurück in die Vergangenheit – ihre eigene, die ihrer Familie, die ihrer Freunde und die der anderen Dorfbewohner. Was ist passiert, damals in jenem verhängnisvollen Sommer und wer trägt die Schuld daran? „Die Einladung traf vor drei Wochen ein und war übertrieben frankiert.“ (S. 7) Schon das Cover dieses Buches hat mir wahnsinnig gut gefallen, auch wenn ich mich immer wieder arg wundere, was die Gestaltungsmenschen deutscher Romanausgaben sich bei ihrer Arbeit so denken – man vergleiche dazu einfach einmal die niederländische oder englische Ausgabe mit der deutschen um festzustellen, dass die Unterschiede größer sind als die Parallelen. Mir fehlt auch der Zusammenhang der deutschen Gestaltung zum Inhalt des Buches, wieder einmal, und trotzdem gehört dieses Buch für mich zu den schönsten dieses Jahres. Allein das kräftige Grün in Kombination mit dem dunklen Violett gefallen mir sehr gut. Wenn es zum Inhaltlichen kommt, ist es gar nicht so einfach, etwas über dieses Buch zu sagen. Während ich es gelesen habe, wurde ich mehrfach von Freunden gefragt, worum es ginge, und in den seltensten Fällen konnte ich darauf eine zufriedenstellende Antwort geben.Viel eher löst das Buch ein diffuses Gefühl der Unbehaglichkeit aus. Es erinnert daran, wie wir selbst vielleicht sogar einmal waren, und an all die Dinge, die wir lieber vergessen wollten und so sicherlich auch vergessen haben. Lize Spit legt ihren Finger dorthin, wo es wehtut, und manchmal tut es sogar weh, ihre Worte zu lesen, so ehrlich und erschütternd, so gnadenlos offen sind sie; sie stellt mehr Fragen als sie beantwortet. Das ist zugleich gut und beunruhigend.Nicht ganz glücklich bin ich mit der Übersetzung, auch wenn ich nicht zu packen vermag, woran das liegt. Häufig klingt die Wortwahl für meine Ohren hölzern, mir ist noch immer nicht klar, ob Eva von ihrer Kommunion oder ihrer Firmung spricht, und auch diverse andere Kleinigkeiten sind mir sauer aufgestoßen. In meinen Augen ist eine Übersetzung, über die ich als Leser stolpere, keine gute. In den Figuren findet man wieder, was auch schon den Inhalt so atemberaubend gut gemacht hat. Sie sind schmerzhaft realistisch. Es tut weh, ihnen zuzuschauen, weil sie so sind, wie man selbst auch sein könnte, gewesen sein könnte, oder sogar so, wie man war und ist. Lize Spit beschönigt auch hier nichts und man möchte eigentlich wegschauen von dem Unheil, das sich zusammenbraut, während man zugleich wissen möchte, wie es ausgehen mag. Alles in allem sind auch die Charaktere, wie schon die Handlung, beängstigend gut. „Auch wenn wir auf dasselbe schauen, Elisa und ich, werden wir doch immer verschiedene Dinge sehen.“ (S. 261) „Ich passte nicht mehr so hinein, wie ich immer hineingepasst hatte. Ich war das Duplomännchen in einem Legohaus.“ (S. 287) „Vielleicht kann man sie daran erkennen, die Familien, in denen die grundlegendsten Dinge schieflaufen – zum Ausgleich haben sie eine Unmenge lächerlicher Regeln und Prinzipien.“ (S. 387) Es hatte mich skeptisch gemacht, wie über diesen Roman geredet wurde. Nicht, weil ich glaubte, die Brutalität zu grausam zu finden, sondern weil ich befürchtete, dass das Buch den Erwartungen nicht gerecht werden könnte. Mein Fazit ist jedoch recht einfach: Es kann.

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  • Verstörend und berührend

    Und es schmilzt

    Gise

    22. November 2017 um 13:06

    Eva fährt mit einem Eisblock im Kofferraum in ihr Heimatdorf. Nach dem plötzlichen Ende ihrer Freundschaft zu ihren beiden ältesten Freunden war sie jahrelang nicht dort gewesen. Doch dann bringt eine Einladung all die Erinnerungen wieder zurück, die sie seitdem verdrängt hat. In zwei Zeitebenen erzählt die Autorin Lize Spit Evas Geschichte. Die Gegenwart ist gedrängt auf wenige Stunden, die Vergangenheit erhält dafür umso mehr an Gewicht. Immer steht im Hintergrund die Frage, welche Rolle der Eisblock spielt – dann allerdings ist der Leser in den Sog der Geschichte geraten, für die letzten gut 100 Seiten musste ich eine Nachtschicht einlegen, weil ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Scheinen die störenden Momente anfangs nur kurz in die angebliche Idylle hinein, mehren sich die Hinweise auf die Gefahr im Lauf der Erzählung, bis der Leser sie in allen Einzelheiten greifen kann. Rückwirkend erscheint alles so radikal in einem anderen Licht, dass man an den Anfang blättern muss, aber ja, hier sind sie, die Anzeichen, die Eva auf diesen erbarmungslosen Weg schicken. Zimperlich ist die Autorin dabei nicht, sie mutet ihrer Protagonistin und dem Leser einiges zu. Und gerade deswegen wird das Buch sicherlich polarisieren.Evas Geschichte ist eine, die sonst eher nicht erzählt wird, genau das aber macht dieses Buch so einzigartig. Es kann nicht uneingeschränkt empfohlen werden, wer sich mit den grausamen und manchmal vulgär geratenen Episoden nicht anfreunden kann, sollte es lieber links liegen lassen. Mich selbst hat das Buch verstört und gleichzeitig tief drinnen berührt. Deshalb eine Leseempfehlung von mir und vier von fünf Sternen.  

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1927
  • Ein Roman, der einen an die Grenzen bringt

    Und es schmilzt

    BookfantasyXY

    20. November 2017 um 13:31

    Ein Dorf mitten in Belgien – bäuerlich, klein und idyllisch. Dennoch trügt die Idylle, wenn man hinter die Fassaden der Familien schaut. Auf der einen Seite sind die Geschwister Jolan, Eva und Tesje, und auf der anderen Seite sind Evas‘ Schulfreunde Pim und Laurens. In Pims‘ Familie lebt noch der ältere Bruder Jan. Die Geschichte erzählt von den Dorfkindern in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Dazwischen liegen einige Jahre. Zum Teil leben die Eltern noch in dem Dorf, der sie verstarben an den üblichen Krankheiten oder an Altersschwächen. Eva verbringt in ihrer Kindheit häufig die freie Zeit mit Pim und Laurens. Pims Vater besitzt einen Bauernhof; bei der Arbeit hilft häufig der ältere Sohn Jan mit. Laurens Eltern vermarkten in ihrem Geschäft die einheimischen Schlachtprodukte der Tiere. Zum Glück wächst Eva an der Seite eines starken Bruders auf, der immer ein Auge auf seine jüngeren Schwestern hat. Tesje dagegen scheint eher ein Sorgenkind zu sein. Außerdem vernachlässigen Evas Eltern die Geschwister, besonders die Mutter, die dem Alkohol kaum aus dem Weg gehen kann. Aber auch in Pims Familie existieren Probleme. Eines Tages verschwindet Jan. Die in Flandern geborene Autorin Lize Spit bringt die Leserschaft mit ihrer direkten – zum Teil vulgären Sprache – an ihre Grenzen. Wenn man daneben stehen würde, könnte man als Erwachsener den Kopf schütteln und sich schämen. Aber gerade das will die Autorin erreichen. Schaut man auf den Fokus des Geschehens, oder schaut man lieber weg und will von dem Übel des Teenagerlebens nichts wissen. Ungeschminkt erzählt Lize Spit die pubertären Auseinandersetzungen der Teenager mit sich selbst und zwischen den Geschlechtern. Besonders Pim und Laurens leben ein Stück ihre sexuellen Fantasien aus, bei denen sie nicht ihre eigenen Grenzen und die der anderen erkennen. Eva – dargestellt als Figur im Mittelpunkt der eigenen Familie und der Freunde - möchte in der Gegenwart einen Schlussstrich ziehen unter diesen Teenagererfahrungen von damals. Sie muss erst erwachsen werden, um den Mut aufzubringen und dementsprechend zu handeln. Pim und Laurens leben mittlerweile in ihren eigenen Familien. Dennoch lastet ein Schatten der Vergangenheit auf die Gegenwart.  Ein Eisblock, den Eva ins Dorf bringt, steht symbolisch für die Zeit, die von damals verronnen ist, um Verletzungen zu heilen. In der Vergangenheit wie in der Gegenwart scheint es gerade Pim und Laurens nicht bewusst gewesen zu sein, was sie vor allem bei Eva, aber eventuell auch bei den anderen Mädchen im Dorf ausgelöst haben. In der Gegenwart erfährt man kaum etwas über die Mädchen von damals, deshalb kann man nur vermuten, wie es den Mädchen in den Situationen erging. Eine Geschichte zu schaffen, die nicht blühende und idyllische Landschaften erzählt, verschafft womöglich Unbehagen bei der Leserschaft, und bringt kein einfaches Lesevergnügen hervor. Es bleibt letztendlich einem überlassen, ob man das Buch weglegt oder sich dem Fokus des Geschehens, der in die jeweilige Wunde bohrt, stellt. Auf jeden Fall stellt dieser Roman eine Herausforderung für die Autorin selbst und der Leserschaft.

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    • 4
  • Bei mir schmolz die Geduld

    Und es schmilzt

    Hennie

    19. November 2017 um 22:06

    Zunächst möchte ich auf das sehr schöne Cover von Lize Spits Roman „Und es schmilzt“ eingehen. Das kühle Weiß sticht einem sofort ins Auge mit den gefrorenen Buchstaben, in denen Pflanzen eingeschlossen sind. Der Schnitt ist in einem satten Grünton gestaltet, der wiederum mit dem violetten Lesebändchen harmoniert. Ein Buch in einem sehr geschmackvollen Outfit, dass zum Anfassen einlädt!Das Buch ist das Debüt der jungen Belgierin Lize Spit und ich hoffe, dass sie auf den 505 Seiten nicht ihr eigenes Schicksal preisgibt. Die Autorin gehört dem gleichen Jahrgang wie ihre drei Hauptfiguren an.Die Geschichte beginnt zunächst harmlos in einem kleinen Dorf namens Bovenmeer im Kempener Land. Die Hauptakteure heißen Eva, Pim und Laurens. Sie sind gleichaltrig und die Einzigen ihres Geburtsjahres, so dass sie als „Beistellklasse“ zu anderen Schülern dazukommen. Sie nennen sich die „Drei Musketiere“. Ich würde sie nach dem Lesen dieses Buches als „Trio infernale“ bezeichnen wollen. Das Geschehen entwickelt sich aus der Ich-Perspektive Evas und zog sich für mich in der ausführlichen, detailverliebten Erzählweise der Autorin sehr hin. Die Kapitel wechseln sich mit Uhrzeitangaben, welche die Gegenwart kennzeichnen sowie den Datumsangaben des Sommers 2002 und allgemeinen Überschriften, die Vergangenheit betreffend, ab. Eine Haupthandlung oder einen roten Faden vermochte ich nicht zu erkennen. Mich schockierten nicht die erotischen Erfahrungen der Jugendlichen, sondern die Eiseskälte und die seltsame Distanziertheit der ausführlichen Schilderungen Evas von den Übergriffen bis hin zu der grausamen, sexuellen Gewalt ihr gegenüber. Vor allem, was ist der Auslöser dafür? Jeder Mensch entwickelt doch einen gewissen Selbstschutz. Warum erduldete sie das? So, wie Lize Spit in einer Ausführlichkeit, die seinesgleichen sucht, die Umstände in Evas Familie schildert, kann ich nur vermuten, dass die Ursachen in dem Milieu zu finden sind. Die Familie de Wolf ist eine desolate Gemeinschaft von fünf Personen. Sie besteht aus der alkoholkranken Mutter, dem suizidgefährdeten Vater, der jüngeren, zwanghaft gestörten Schwester Tesje und dem älteren Bruder Jolan, der sich so oft es geht, verkrümelt. Auch bei Eva scheint sich eine schwere Störung ihrer Persönlichkeit entwickelt zu haben. Mir ist die Geschichte zu lang, zu ausschweifend, zu unübersichtlich geraten, um das Ganze als logisch, folgerichtig und eindeutig einordnen zu können.Ich kann mir vorstellen, dass dieses Buch sehr stark polarisiert. Mich konnte es nicht überzeugen trotz des überbordenden Hypes, der um diese Geschichte gemacht wird. Bei mir „schmolz“ immer mehr das Verständnis für das verstörende Verhalten der drei Jugendlichen. Mit großer Überwindung las ich das Buch zu Ende.Ich vergebe drei von fünf Sternen!

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  • Lesewochenende im November mit dem FISCHER Leseclub

    Lesewochenende im November mit dem FISCHER Leseclub

    Marina_Nordbreze

    Lesewochenende im November mit dem FISCHER Leseclub Herzlich willkommen bei unserem Lesewochenende im November! Vom 17. bis 19.11.2017 möchten wir gemeinsam die Gelegenheit nutzen, um uns zum Jahresende noch einmal intensiv mit den Büchern aus dem FISCHER Leseclub auseinanderzusetzen.Beim Lesen, Austauschen und Plaudern könnt ihr so sicherlich das ein oder andere Highlight aus dem FISCHER Leseclub entdecken, welches vielleicht ansonsten verborgen geblieben ist! Und das ist noch nicht alles! Ihr könnt zusätzlich ein ganz besonderes "Buch des Monat"-Abzeichen erhalten.Was ihr dafür tun müsst?Schreibt Rezensionen zu den FISCHER-Büchern, die ihr während des Wochenendes gelesen habt und löst die drei Aufgaben, die wir euch während des Lesewochenendes stellen bis zum 30.11.2017!Bitte beachtet, dass nur Rezensionen zu Büchern aus dem Stöberbereich des FISCHER Leseclubs gelten, das heißt, die Bücher müssen 2017 erschienen sein! Unter allen Usern, die das Abzeichen erspielen, verlosen wir 50 Wunschbücher aus den FISCHER-Verlagen!

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    • 670
  • ‚In der Zwischenzeit versuche ich mir, wie früher, das Schlimmste vorzustellen [...].'

    Und es schmilzt

    sabatayn76

    15. November 2017 um 21:40

    ‚In der Zwischenzeit versuche ich mir, wie früher, das Schlimmste vorzustellen, das ich dort vorfinden könnte, so dass die Realität dahinter nur noch zurückbleiben kann.‘Die Ich-Erzählerin Eva erhält einen Brief von Pim, mit dem sie zur Schule gegangen ist, mit dem sie über Jahre hinweg eng befreundet war und dessen Bruder Jan bald 30 Jahre alt geworden wäre. Pim lädt Eva zu Jans posthumer Feier und zur Einweihung seiner fast vollautomatischen Melkanlage ein. Und so macht sich Eva auf den Weg in ihr Heimatdorf - mit einem Eisblock im Kofferraum und vielen Gedanken an ihre Kindheit und Jugend. Lize Spit erzählt ihre Geschichte um Eva auf verschiedenen Zeitebenen, nimmt den Leser mit in den Sommer 2002, der im Buch und in Evas Leben eine zentrale Rolle spielt, geht zurück ins Jahr 1993, als die drei Freunde Eva, Pim und Laurens zueinandergefunden haben, und macht immer wieder einen Schwenk in die Gegenwart, in der Eva mit dem Auto in ihr Heimatdorf unterwegs ist. Ich empfand ‚Und es schmilzt‘ als sprachlich anspruchsvoll und gut erzählt, auch wenn ich mir wegen des Spannungsbogens nicht ganz sicher bin, denn für mich persönlich war es so, dass ich keine anderen Rezensionen zum Buch gelesen habe, aber wusste, dass das Buch viele Leser schockiert und emotional stark bewegt hat. Vielleicht aus diesem Grunde hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass Unheil in der Luft liegt, dass die Geschichte auf ein tragisches Ende zurast. Und dieses Warten auf das große Geheimnis des Romans hat Spannung und Anspannung erzeugt. Ich bin jedoch nicht sicher, ob ich die Geschichte und die Art und Weise, wie sie erzählt wird, auch so packend gefunden hätte, wenn ich noch gar nichts über das Buch gehört hätte, denn die Geschichte um Eva wird eigentlich recht gemächlich erzählt, und es dauert eine ganze Weile, bis man versteht, was in Evas Familie, im Rahmen ihrer Freundschaft mit Pim und Laurens sowie im Dorf an sich überhaupt vor sich geht. Am Ende ging es mir wie vielen anderen Rezensenten, und ich wusste mehrere Tage nicht, was ich von der Geschichte und dem Buch halten soll. Ohne zu viel zu verraten, kann ich aber sagen, dass ich das Verhalten der Protagonisten oft unglaubwürdig fand und dass mir viele Aspekte der Geschichte zu grausam und zu reißerisch waren. Hervorheben möchte ich noch die extrem gelungene Aufmachung des Buches: der reliefartige Einband mit den Buchstaben, die wie aus Eis gemacht aussehen, der lilafarbene Vorsatz, der grüne Schnitt und das lilafarbene Lesebändchen.

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  • Unglaublich tiefgehend und schonungslos ehrlich und direkt

    Und es schmilzt

    MeiLingArt

    11. November 2017 um 16:03

    Heute berichte ich Euch über "Und es schmilzt" von Lize Spit. Inhaltsbeschreibung: Ein Buch, das alles gibt und auch alles verlangt. "Mit verbundenen Augen hätte Eva damals den Weg zu Pims Bauernhhof radeln können. Sie könnte es heute noch, obwohl sie viele Jahre nicht in Bovenmeer gewesen ist. Hier wurde sie zwischen Rapsfeldern und Pferdekoppeln erwachsen. Hier liegt auch die Wurzel all ihrer aufgestauten Traurigkeit. Dreizehn Jahre nach dem Sommer, an den sie nie wieder zu denken wagte, kehrt sie zurück in ihr Dorf - mit einem großen Eisblock im Kofferraum..." Meine persönlichen Eindrücke: Das Lesen von "Und es schmilzt" war von der ersten Seite an eine so grundehrliche und unverschnörkelte Erzählung einer Kindheit oder angehenden Teenagerzeit, wie ich sie noch nie zuvor gelesen habe. Eine Erzählung über eine Freundschaft zwischen einem Mädchen und zwei Buben, die über Jahre hielt, bis sich in einem Sommer so viel bis hin zu allem ändern sollte. Eine Erzählung, die mich sofort einfing, gefangen nahm und so festhielt, dass es mich teils erdrückte.  In der Ich-Perspektive erfahren wir hier die Geschichte von Eva´s Kindheit in Bovenmeer, über ihre eigene Familie, ihre Freundschaft zu Pim und Lauren und auch einiges über deren Familien und Leben. Für mich war hier vieles so nahe liegend und sofort ein Begriff, weil ich in etwa die selbe Zeit das gleiche Alter hatte, daher Bands oder Spiele kannte und mir ein Schmunzeln unter kam. Anderes hingegen ist mir glücklicherweise in meiner Familie und meinem damaligen Freundeskreis nie untergekommen....  Die Protagonisten sind so fein ausgewählt und so klar und strukturiert dargestellt, dass dieses Buch eine dermaßen prägnante Wirkung auf mich als Leser hinterließ, der ich mich auch heute noch, lange nach Beenden des Buches, nicht wirklich entziehen kann. Klare Gegenpole bei den Charakteren, dennoch auch Gegensätze in einer Person, Widersprüche in sich selbst, Ängste, Verantwortung, Überforderung, Müssen, Versagen/Verluste - und das alles mit knapp 13 Jahren....  In das Buch hinein zu finden könnte dem einen oder anderem schwer fallen. Da kann ich nur dazu raten dran zu bleiben! Es hat alles seinen Sinn und es ist wichtig, dass wir das Buch so lesen, wie es geschrieben steht. Es hat wirklich alles seinen Sinn, auch wenn ich mich zwischendurch oft danach fragte. Je mehr sich das Ende näherte... umso mehr kam das Unfassbare in mir auf. Ich las mit offenem Mund, ich war erschrocken, erschüttert, ich musste das Buch weglegen und nahm es wieder auf. Ich kann Euch keine bessere Rezension schreiben, als diese hier: Wer einen besonderen Roman will, der sollte "Und es schmilzt" lesen.  

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  • Große Verlosung zum Leserpreis 2017: 30 Buchpakete zu gewinnen!

    LovelyBooks Spezial

    Daniliesing

    Es ist wieder soweit - für den Leserpreis 2017 suchen wir eure Lieblingsbücher. Wir sind schon wahnsinnig gespannt, welche Bücher euch in diesem Jahr am meisten begeistern konnten und können das Ergebnis, das am 30. November feststehen wird, gar nicht erwarten! Unsere große Verlosung für euch! Nicht nur eure Lieblingsbücher haben die Chance, den Leserpreis 2017 zu gewinnen, auch auf euch warten ganz großartige Buchgewinne. Wir werden nach der Bekanntgabe der Leserpreis-Gewinner insgesamt 5 Buchpakete mit jeweils 50 Neuerscheinungen und zusätzlich 25 weitere Buchpakete mit je 10 Neuerscheinungen verlosen. Ein wahrer Traum für jeden Buchliebhaber, oder?Um an der Verlosung teilzunehmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:1. Schreibt einen Blogbeitrag mit Link zum Leserpreis auf LovelyBooks. Ladet eure Leser darin ein, ebenfalls ihre Lieblingsbücher 2017 zu nominieren.https://www.lovelybooks.de/leserpreis/2. Berichtet auf euren Social Media Kanälen wie Facebook, Twitter oder Instagram über den Leserpeis und verlinkt darauf. Wichtig ist hier, dass ihr euren Beitrag öffentlich teilt. Verwendet dabei den Hashtag #Leserpreis.https://www.lovelybooks.de/leserpreis/3. Ihr habt weder einen Blog, noch seid ihr auf einem der Social Media Kanäle aktiv? Dann verratet uns ein Buch, das ihr durch den diesjährigen Leserpreis entdeckt habt und das ihr jetzt unbedingt lesen möchtet. Bitte klickt für alle 3 Varianten zunächst auf den "Jetzt bewerben"-Button und füllt das Formular komplett aus. Gebt bei den Varianten 1 und 2 bitte den direkten Link zum Blogbeitrag oder zum Social Media Posting an und verlinkt nicht nur aufs Profil. Selbstverständlich haben wir Grafikmaterial vorbereitet, das wir euch gern zur Verwendung zur Verfügung stellen.Ihr dürft natürlich auch mehrere der Punkte erfüllen und so eure Chancen steigern :-) Die Teilnahme ist bis einschließlich 3. Dezember möglich!Wir wünschen euch ganz viel Spaß!PS: Die angehängten Bücher sind ein paar Beispiele, was sich im Buchpaket befinden könnte. Wir haben hier aber eine ganz bunte Auswahl und ihr könnt euch dann von einem riesigen Überraschungsbuchpaket begeistern lassen!

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    • 1715
  • Über die Abgründe des Lebens

    Und es schmilzt

    papaverorosso

    31. October 2017 um 20:30

    Dies ist die Geschichte von Eva. Eva hat 2 Geschwister, Jolan und Tesje. Alkohol und Suizidversuche gehören zum Alltag ihrer Eltern. Die kleine Tesje scheint besonders darunter zu leiden, um dieses chaotische Leben zumindest im Ansatz zu kontrollieren, entwickelt sie immer weiter ausschweifende Zwangsrituale. Eva kann eine Weile lang dem Alltag entfliehen, indem sie die Zeit mit ihren zwei besten Freunden verbringt. Jedoch stellt diese Freundschaft keine Rettung für sie dar. Dies ist kein Buch, das man einfach vergisst. Was Lize Spit ihren Lesern vermittelt ist ein Gefühl der tiefen Verstörung und emotionalen Leere. Ich kann dieses Gefühl nicht abschütteln. Nicht mit Worten wie „Es ist nur ein Buch, reine Fiktion“. Denn es ist keine Fiktion im eigentlichen Sinne. Es ist der Extrakt und das Spiegelbild der Gefühlswelt und der Erlebnisse von hunderten von Mädchen und Jungen dieser Welt. Junge Menschen, die sich in einer der empfindlichsten Phasen ihres Lebens befinden, die Adoleszenz. Junge Menschen, die keine Hilfe von außen bekommen, da ihre Familie nicht für sie da ist, sie nicht versteht oder sogar die Ursache ihrer Probleme ist. Diese junge Menschen schreien nicht, sie leiden im Stillen. Manche schaffen den Sprung in ein neues Leben, andere nicht. Wie in diesem Buch: Tesje schafft es (dank Eva, dank Jolan), Eva schafft es nicht. Wenn man nach den Rezensionen auf LB geht, hat dieses Buch die Leserschaft gespalten. Meisterwerk oder langatmiges, wenig vertiefendes Werk? Am Anfang habe ich kurz darüber nachgedacht, mit dem Lesen aufzuhören. Ich fand den Anfang schwammig, wenig konkret. Vieles wurde nur angedeutet, nicht weiter für den Leser verständlich gemacht. Der Sinn baut sich jedoch Seite für Seite auf. Es geht bei diesem Grund nicht um die Handlung. Es geht darum zu verstehen, wie menschliche Abgründe entstehen. Es ist ein atmosphärisches Buch, die seelische Verkrümmung Schritt für Schritt beschreibt. Vieles bleibt unklar. Ich hätte mir gewünscht zu wissen, was „Danach“ passiert. Jedoch halte ich dieses Buch nicht für unreflektiert. Sondern für eine realistische Darstellung von innerem Erleben eines Menschen, dem keiner jemals geholfen hat, sich selbst und die eigenen Erlebnisse zu verstehen und Traumata zu überwinden. Fazit: Ein verstörendes Buch, das man nicht lesen sollte, wenn man nicht bereit ist zu leiden.

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  • Ausschweifendes Gelaber ohne Beurteilung der Geschehnisse!

    Und es schmilzt

    Insider2199

    30. October 2017 um 04:59

    Ausschweifendes Gelaber ohne Beurteilung der Geschehnisse! Die belgische Autorin studierte in Brüssel „Szenisches Schreiben“ am RITCS (Royal Institute for Theatre, Cinema & Sound). 2013 gewann sie mit der Erzählung „ordehandhaver“ sowohl den Jurypreis als auch den Publikumspreis beim Nachwuchswettbewerb „Write Now!“. Sie ist Gastdozentin bei der LUCA School of Arts und wohnt in der Region Brüssel-Hauptstadt. Der folgende Roman, der den Preis des niederländischen Buchhandels für den besten Roman des Jahres gewann, ist ihr Debüt. Zum Inhalt (Klappentext): Mit geschlossenen Augen hätte Eva damals den Weg zu Pims Bauernhof radeln können. Sie könnte es heute noch, obwohl sie viele Jahre nicht in Bovenmeer gewesen ist. Hier wurde sie zwischen Rapsfeldern und Pferdekoppeln erwachsen. Hier liegt auch die Wurzel all ihrer aufgestauten Traurigkeit. Dreizehn Jahre nach dem Sommer, an den sie nie wieder zu denken wagte, kehrt Eva zurück in ihr Dorf – mit einem großen Eisblock im Kofferraum. Meine Meinung: Ich denke, dass dieser Roman zu der Art von Büchern gehört, die die Leserschaft spalten wird: entweder man lobt es in den höchsten Tönen (aber warum? nur weil es ein Tabuthema anspricht?) oder fragt sich am Schluss, was das Ganze sollte. Ich gehöre leider zur letzten Gruppe. Ja, keine Frage, die Autorin kann schreiben, aber beim Lesen der viel zu zahlreichen Metaphern (die somit ihre Wirkung einbüßen!) und sprachlichen Finessen drängt sich dem Leser das unangenehme Gefühl auf, dass die Autorin um jeden Preis beeindrucken will. Aber mit Worten umgehen zu können, bringt noch lange keinen guten Roman hervor. Man muss auch etwas von Dramaturgie verstehen, wissen wie man eine Geschichte erzählt, was man hervorheben und was man weglassen muss (vor allem Letzteres, nämlich ein gutes Editing ist überaus wichtig). In diesem Roman wird nicht priorisiert, es gibt keinen roten Faden; alle Szenen – ob wichtig oder unwichtig – werden mit der gleichen Detailverliebtheit erzählt. Das störte mich am meisten und schläferte mich gleichzeitig auch ein, weil es keine richtige Kernhandlung gibt. Weil sich irgendwann alles einfach nur in einem endlosen Gelaber auflöst. Mein zweiter Kritikpunkt, der fast ebenso schwer wiegt, ist die fehlende Beurteilung des Geschehens durch die Autorin, die fehlende Reflexion der Hauptfigur. Es wird dem Leser ein ganzer Haufen grausamer Dinge „vor den Latz geknallt“, aber die Motivationen der Figuren bleiben offen (vor allem bei dem rätselhaften Ende), wie die Figur mit den vergangenen Erlebnissen all die Jahre umgegangen ist, bleibt offen, ja selbst in der Kindheit, als es passiert, bleibt die Wirkung auf die Figur im Unklaren. Stattdessen bringt sie ihre Schwester ins Krankenhaus und geht dann zum Duschen nach Hause als sei nichts passiert. Das hinterließ bei mir nur Kopfschütteln und auch die Frage, was die Autorin eigentlich mit ihrer Story aussagen wollte. Wenn ihre Absicht nur in der Schockwirkung lag, dann muss ich sagen, dass dies zwar verständlicherweise zu vielen Diskussionen und Pressestimmen führt und somit sicher sehr verkaufsförderlich ist, aber es reicht nicht aus. Mir zumindest nicht. Ich habe im März 2017 in meiner Voting-Challenge ein (sehr zu empfehlendes) Buch gelesen („Ein wenig Leben“ von Hanja Yanagihara), das mich tief erschüttert hat, weil es in ähnlicher Weise (vielleicht sogar noch heftiger) schockiert, aber hier bleiben keine Fragen offen, hier darf der Leser erfahren, welche Wirkung das Erlebte auf die Figur und vor allem auf Freunde und Verwandte hat. Hier findet eine Reflexion und Beurteilung statt und somit kann der Leser das Erlebte einordnen. Denn gerade die Nähe zur Hauptfigur und somit die Möglichkeit zur Identifikation löst das nötige Mitgefühl aus und gerade bei schwierigen Buchthemen ist meines Erachtens Mitgefühl nötig. Bleibt der Leser jedoch wie hier auf Distanz und kann keine Bindung zu der leidenden Figur aufbauen, mag man sich fragen, warum man überhaupt von diesem Leid erfahren soll, wenn es doch gar keine Emotionen in einem auslöst. So etwas nenne ich dann einfach Zeitverschwendung, sorry. Fazit: Ausschweifendes Gelaber ohne roten Faden, Sinn oder Beurteilung der Geschehnisse. Wichtiges verliert sich im Unwichtigen. Die Auflösung schockiert, löst aber kein Mitgefühl aus, da der Leser die ganze Zeit auf Distanz gehalten wird. Was will die Autorin mit ihrer Geschichte aussagen? Diese und viele weitere Fragen zur Motivation der Figuren blieben offen. Die Autorin kann schreiben, kann sehr gut mit Wörtern jonglieren, aber kann sie auch eine Geschichte erzählen? Mir war das zu wenig: 2 Sterne. Jedoch sollte meine Bewertung niemanden vom Lesen abhalten, denn der stark polarisierende Roman erfordert das Bilden einer eigenen (unvoreingenommenen) Meinung.

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    • 6
  • Das Böse in der Provinz

    Und es schmilzt

    ChristinaSch

    29. October 2017 um 19:02

    Nichts stimmt hier. Obwohl sich die Geschichte in Lize Spits Debüt- und Bestsellerroman „Und es schmilzt“ nur langsam entwickelt, machen sich beim Lesen bereits zu Beginn böse Ahnungen breit, die einen immer tiefer ins Geschehen ziehen.Erzählt wird aus der Sicht von Eva, die seit neun Jahren in Brüssel lebt und ihr Heimatdorf Bovenmer samt Eltern hinter sich gelassen hat. Auch den Kontakt zu ihren alten Klassenkameraden hat sie abgebrochen. Erst eine Einladung von Pim, einem alten Schulfreund, holt Eva zurück in die Vergangenheit. Sie folgt der Einladung und kehrt in das Dorf zurück – mit im Kofferraum ein großer Eisklotz.Die Gegenwart, in der Eva sich auf den Weg nach Bovemneer macht, ist eine von drei Zeitebenen, in die der Roman unterteilt ist. Auf der Fahrt erinnert Eva sich an den letzten, verhängnisvollen Sommer in Bovenmeer im Jahr 2002, als sie 14 Jahre alt war. Eine weitere Erzählebene sind Szenen in loser Folge aus ihrer Kindheit und Jugend.Spit könnte nun die Geschichte einer sorgenfreien Kindheit auf dem idyllischen Land erzählen. Tut sie aber nicht. Vielmehr deckt sie auf rund 500 Seiten auf, welch Schmerz und Gewalt von diesem Dorfleben ausgehen. Evas Jugend ist erschreckend traurig. Sie, ihre Schwester Tesje und ihr Bruder Jolan sind ihren Eltern egal. Die Mutter ist Alkoholikerin, der Vater erzählt Eva von seinen Selbstmordgedanken. Die Gleichgültigkeit der Eltern geht an den Kindern nicht spurlos vorbei: Tesje entwickelt Zwangsstörungen, ihr Bruder ist den ganzen Tag auf Feldern unterwegs, um Insekten zu sammeln. Eva selbst flüchtet jeden Tag zu ihren Schulfreunden Laurens und Pim. Die selbsternannten drei Musketiere sind jahrelang unzertrennlich, vor allem weil es in Bovenmeer keine weiteren Kinder in ihrem Alter gibt.Erst im Sommer 2002 verändert sich die Freundschaft der mittlerweile 14-Jährigen, sie entfremden sich. Das liegt am plötzlichen Tod von Pims älteren Bruder im Winter zuvor oder daran, dass Laurens und Pim mit der Pubertät ihre Sexualität entdecken. Um „Erfahrungen“ zu sammeln, laden sie Mädchen aus dem Dorf ein und geben ihnen ein Rätsel auf. Die Mädchen dürfen so viele Fragen stellen, wie sie Kleidung am Leib tragen. Eva macht bei den Spielen von Laurens und Pim mit, um dazuzugehören. Am Ende eskaliert die Situation. Leidtragende ist Eva.„Und es schmilzt“ ist ein Roman, in dem Spit eindringlich und schonungslos über sexuelle Gewalt in einem vermeintlich idyllischen Dorf erzählt. Sprachlich bleibt Spit nüchtern, fast emotionslos. Vergangenheit und Gegenwart fädelt sie geschickt mit Evas Ankunft in Bovenmeer zusammen. Dort wird auch das Rätsel um den Eisblock wird aufgelöst, das nicht weniger fürchterlich ist.Der Roman lebt besonders vom narrativen Aufbau: Nie verliert Spit beim Erzählen die triste Stimmung und lauernde Bedrohung aus den Augen. Und nie weiß man als Leser, was als nächstes kommt. Man stolpert von einer brutalen Grausamkeit zur nächsten, ohne irgendeine Warnung, das Buch noch schnell wegzulegen. Wer „Und es schmilzt“ lesen will, muss sich auf das unvermittelt Böse einlassen können.        

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  • Der Leser im Zwiespalt zwischen wegschauen und hinsehen müssen

    Und es schmilzt

    FrauSchafski

    28. October 2017 um 09:13

    Als ich die ersten Seiten dieses Buches gelesen hatte, wusste ich sofort: „Das wir gut.“ Alles beginnt mit der Ankunft eines Briefs, der die Einladung zu einer Gedenkfeier an einen viel zu früh verstorbenen 16-Jährigen enthält. Eine Gedenkfeier, die gleichzeitig die Einweihung einer vollautomatischen Melkmaschine anpreist. Diese Irritation aufgrund der so unpassend verknüpften Anlässe, ist nur der Anfang eines sich immer weiter steigerndes Unbehagens. Gleichzeitig beinhaltet sie auch schon den Kern der Bigotterie, welche als zentrales Thema den gesamten Roman durchzieht. So macht sich Eva auf, um mit einem Eisblock im Kofferraum eine Reise in ihre Vergangenheit, an den Ort ihrer Kindheit und Jugend, zu unternehmen. Wechselnde Kapitel aus Rückblende und Gegenwart verknüpfen die Erlebnisse eines Sommers mit der Protagonistin von heute. Schnell wird klar, dass Eva alles andere als eine glückliche Kindheit hatte und dass diese Ereignisse dieses Sommers bis zum heutigen Tag einen großen Einfluss auf ihr Leben und Denken haben.  Sprachlich ist das so gut umgesetzt, dass das bereits oben erwähnte Unbehagen zum zentralen Gefühl des gesamten Romans wird. Und dieses Unbehagen betrifft nicht Eva, sondern der Leser, der durch seine Rolle in eine Situation gezwungen wird, die einem unbeteiligten, aber dreisten Gaffer ähnelt: Das Beschriebene ist stellenweise so unangenehm zu beobachten, dass man am liebsten wegschauen würde, gleichzeitig zwingt die Neugier dazu, weiter hinzusehen. Dieser Zwiespalt wird bis zuletzt nicht aufhören, wird den Leser dazu bringen, bis zur Katastrophe weiterzulesen und das Buch im Anschluss völlig erschüttert aus den Händen zu legen. Diesen Zwiespalt dem Leser aufzuzwingen, ist in meinen Augen eine wirklich eindrückliche Leistung der Autorin und macht das Buch zu einem nachdrücklichen Leseereignis. Fazit: Mich hat der Roman sehr berührt und nachhaltig beeindruckt. Eva und ihre Geschichte, die so authentisch und nachvollziehbar geschildert ist, werden mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Eines der Bücher, die man zwar aus den Händen legt, die aber nicht mehr aus dem Kopf verschwinden. Dafür hat es definitiv 5 Sterne verdient.

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