Es war einmal eine Familie

von Lizzie Doron 
4,6 Sterne bei8 Bewertungen
Es war einmal eine Familie
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Inhaltsangabe zu "Es war einmal eine Familie"

Eine Kindheit in Tel Aviv

Tel Aviv, Anfang der Neunzigerjahre: Helena, Elisabeths Mutter, ist gestorben. Während der Schiva, der sieben Trauertage, ist Elisabeth wieder in dem kleinen Viertel, in dem sie in den Fünfziger- und Sechzigerjahren aufgewachsen ist, ein Viertel, in dem Überlebende der Shoah versuchten, sich ein neues Leben aufzubauen. Alle Kinder, mit denen sie groß geworden ist, haben wie Elisabeth schon vor vielen Jahren dieses Viertel verlassen. Sie wollten die Ängste und Albträume ihrer Eltern hinter sich lassen, ein normaleres Leben führen. Nun kommen die Nachbarinnen und Nachbarn von einst zu Besuch, um Helena die letzte Ehre zu erweisen, und für Elisabeth wird noch einmal die versunkene Welt ihrer Kindheit gegenwärtig.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423146029
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:160 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:10.11.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    WinfriedStanzickvor 8 Monaten
    Eine bewegende Geschichte aus der zweiten Generation der Überlebenden



    Wie schon in Lizzie Dorons dritten ins Deutsche übersetzten Roman "Der Anfang von etwas Schönem" handelt auch dieser vorliegende, in Israel schon 2002, also vor ihren bisherigen Büchern veröffentlichte Roman verfremdet von ihrer Kindheit im Tel Aviver Viertel Yad Elijahu, einem kleinen, aber geschlossen wirkenden Viertel, in das damals fast nur Überlebende der Konzentrationslager zogen.
    Schon in ihrer autobiographischen Novelle "Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?" hat die 1953 geborene Lizzie Doron von Yad Elijahu erzählt, von ihrer prinzipienfesten Mutter, die über ihre Vergangenheit in den Lagern der Nazis wie so viele andere beharrlich schwieg. Doron hat erzählt von den Aufträgen und Botschaften der Mutter, die wollte, dass die Tochter ihr Leben ganz auf die Zukunft ausrichtet. Dass ihre Tochter sich womöglich für ein Leben im Kibbuz entscheiden könnte, war ihr ein schrecklicher Gedanke. Und doch kam es genauso.

    Dorons Figuren sitzen in ihren Büchern allesamt wie in einer Falle. So wie sie sie schildert, versucht sie nachzuweisen, dass es keinen "richtigen" Umgang mit dem Gedenken an die Shoa und ihre Opfer geben kann.
    Die zweite Generation, aufgewachsen im auch aggressiv vorgetragenen Schweigen ihrer Eltern, hat für ihr ganzes Leben wirksame Beschädigungen erlitten, weil sie ihr Leben nur verstehen können als Trost für die Eltern.

    Lizzie Doron versucht mit ihren Büchern das Schweigen zu brechen. Es gibt niemand sonst, der in der Lage ist, die widerstrebenden Gefühle der Nachkommen der Überlebenden tiefer und schmerzhafter auszuloten. Man spürt der sensiblen und gelungenen Übersetzung Mirjam Presslers ab, welche unsagbare Anstrengung das Schreiben dieser Bücher für Lizzie Doron bedeutet.

    Das vorliegende Buch muss sie wohl ganz besonders viel Kraft gekostet haben. Es ist der durch mit vielen Erinnerungen durchtränkte Bericht einer Schiwa, der einwöchigen Trauerzeit der Juden. Elisabeth, das Alter Ego von Lizzie Doron kommt Anfang der neunziger Jahre nach Yad Elijahu zurück. Helena, ihre Mutter, die wir aus den bisher veröffentlichten Bücher im Jüdischen Verlag gut kennen, ist gestorben. Sie hat mit vielen alten Überlebenden der Shoah bis zu ihrem Tod in diesem Viertel gelebt, aus dem die Jungen früher oder später alle weggezogen sind, weil sie die Alpträume ihrer Eltern hinter sich lassen, endlich ein normales Leben führen wollten.

    Doch viele dieser Kinder, mit denen Elisabeth damals aufgewachsen ist, haben im Jom-Kippur-Krieg ihr Leben verloren. Elisabeth will ihrer Mutter die letzte Ehre erweisen, und bleibt sieben Tage in ihrem Elternhaus. Die beiden uns ebenfalls schon aus den anderen Büchern bekannten Schiwa-Expertinnen Sonia und Genia unterstützen sie dabei.

    Viele Nachbarn und Bekannte kommen ins Haus und bringen nicht nur Trost mit für Elisabeth, sondern auch ihre Geschichten und Erinnerungen. Indem sie, zunächst etwas widerwillig, dann aber mehr und mehr sich fallen lassend in die tröstende Hülle einer Schiwa, all diesen Menschen zuhört und ihren bewegenden Geschichten lauscht, kehrt die lange für Elisabeth versunkene und verdrängte Welt ihrer Kindheit wieder zurück.

    Nach dem Ende der einwöchigen Trauerzeit hat Elisabeth eine für ihr weiteres Leben sehr wichtige Erkenntnis: sie, die nie eine andere Verwandte hatte als ihre Mutter, ist doch nicht ohne eine Familie aufgewachsen. Dieses Viertel, das in den fünfziger und sechziger Jahren für unzählige Überlebende eine neue Wohnstatt wurde, in dem sie mehr oder weniger erfolgreich versuchten, sich ein neues Leben aufzubauen, dieses Viertel war einmal ihre Familie. Das wird ihr Kraft geben für ihr weiteres Leben ( und auch für Dorons Bücher).

    Sonia spürt etwas davon, wenn sie mit jüdischem Witz am Ende des Buches sagt: "Die Schiwa war wirklich sehr gelungen, nur schade, dass Helena nicht dabei war."

    In ihrem Vorwort schreibt Lizzie Doron:
    "Und dieses Land, das mit seinen Toten schon seit vielen Jahren dahinstirbt, ist noch einmal auferstanden. Nur sieben Tagen war es noch einmal da, das unbekannte Land. Das Land, das mir Heimat und Familie war. Und das ist seine Geschichte."

    Eine bewegende Geschichte aus der zweiten Generation der Überlebenden, die zeigt, dass es immer noch nicht vorbei ist ....

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    hexhexs avatar
    hexhexvor 6 Jahren
    Rezension zu "Es war einmal eine Familie" von Lizzie Doron

    Auch das zweite Buch der Autorin hat mir wieder sehr gut gefallen. Der Erzählstil ist genau derselbe wie in "Das Schweigen meiner Mutter". Wieder ein autobiografischer Roman. Elisabeth hat ihre Mutter nach einem Jahr Krankenhausaufenthalt verloren und begibt sich zur Schiwa in die Wohnung ihrer Mutter und verbringt dort 7 Tage mit Besuchen aus der Nachbarschaft, Sachen sortieren und Erinnerungen.

    Man wird fast ein bisschen neidisch auf diesen jüdischen Brauch, es ist schön, sich inmitten von Bekannten und Freunden an die Verstorbenen zu erinnern.

    Ich kann dieses Besuch nur allen ans Herz legen, dieses Buch zu lesen, wenn sie gerade jemanden verloren haben.

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    Schiller-Buchhandlungs avatar
    Schiller-Buchhandlungvor 8 Jahren
    Rezension zu "Es war einmal eine Familie" von Lizzie Doron

    Wie schon in ihrem Roman "Ruhige Zeiten" thematisiert Lizzie Doron auch in ihrem neuen Roman das Leben von Holocaustüberlebenden in Tel Aviv und erzählt aus der Perspektive einer Frau aus der zweiten Generation.

    Elisabeth kehrt zurück in das Viertel, in dem sie aufgewachsen ist, denn Helena, ihre Mutter ist gestorben - zum zweite Mal. Das erste Mal starb sie im Zweiten Weltkrieg.

    Zur Schiwa bleibt Elisabeth 7 Tage in der Wohnung der Mutter und trifft Freundinnen und Freunde ihrer Mutter, die mit ihr trauern, denn eine Familie hatte Helenas Mutter nicht mehr. So wird die Schiwa auch eine Erinnerungsreise in ihre Jugend, denn wie alle ihre Spielkameraden von einst hat auch sie das Viertel schon vor vielen Jahren verlassen. Sie alle wollten fliehen vor den Ängsten und Alpträumen ihrer Eltern und ein normales Leben führen. Fast alle ihrer Kinderfreunde sind jedoch im Jom Kippur Krieg gefallen.

    In der Begegnung mit den Trauergästen erinnert sich Elisabeth zurück - an ihre Kindheit, an ihre Freunde, an das scheinbar normale Alltagsleben und an die Alpträume der Nächte, die die Erwachsenen heimsuchten und die Auswirkungen, die ihre Schicksale auf den Alltag ihrer Kinder hatten. Und obwohl sie allein mit ihrer Mutter lebte, merkt sie doch, daß sie eine Familie hatte - nämlich die Nachbarn aus dem Viertel.

    Auch in diesem Roman gelingt es Lizzie Doron wieder, auf knapp 150 Seiten viel zu erzählen. Ohne daß sie die Schicksale der einzelnen Personen detailliert beschreibt, ist klar, was sie erlitten haben. Und auch was die Schicksale der Überlebenden für Auswirkungen auf das Leben ihrer Kinder, der zweiten Generation haben wird ohne große Wort klar. (Susanne Martin)

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    KarlMayvor 9 Jahren
    Rezension zu "Es war einmal eine Familie" von Lizzie Doron

    Wie schon in ihrem Roman "Ruhige Zeiten" thematisiert Lizzie Doron auch in ihrem neuen Roman das Leben von Holocaustüberlebenden in Tel Aviv und erzählt aus der Perspektive einer Frau aus der zweiten Generation.

    Elisabeth kehrt zurück in das Viertel, in dem sie aufgewachsen ist, denn Helena, ihre Mutter ist gestorben - zum zweite Mal. Das erste Mal starb sie im Zweiten Weltkrieg.

    Zur Schiwa bleibt Elisabeth 7 Tage in der Wohnung der Mutter und trifft Freundinnen und Freunde ihrer Mutter, die mit ihr trauern, denn eine Familie hatte Helenas Mutter nicht mehr. So wird die Schiwa auch eine Erinnerungsreise in ihre Jugend, denn wie alle ihre Spielkameraden von einst hat auch sie das Viertel schon vor vielen Jahren verlassen. Sie alle wollten fliehen vor den Ängsten und Alpträumen ihrer Eltern und ein normales Leben führen. Fast alle ihrer Kinderfreunde sind jedoch im Jom Kippur Krieg gefallen.

    In der Begegnung mit den Trauergästen erinnert sich Elisabeth zurück - an ihre Kindheit, an ihre Freunde, an das scheinbar normale Alltagsleben und an die Alpträume der Nächte, die die Erwachsenen heimsuchten und die Auswirkungen, die ihre Schicksale auf den Alltag ihrer Kinder hatten. Und obwohl sie allein mit ihrer Mutter lebte, merkt sie doch, daß sie eine Familie hatte - nämlich die Nachbarn aus dem Viertel.

    Auch in diesem Roman gelingt es Lizzie Doron wieder, auf knapp 150 Seiten viel zu erzählen. Ohne daß sie die Schicksale der einzelnen Personen detailliert beschreibt, ist klar, was sie erlitten haben. Und auch was die Schicksale der Überlebenden für Auswirkungen auf das Leben ihrer Kinder, der zweiten Generation haben wird ohne große Wort klar.

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    appassionatavor 4 Jahren
    *Wölkchen*s avatar
    *Wölkchen*vor 6 Jahren
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    tianesvor 7 Jahren
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    adavor 8 Jahren

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