Lizzie Doron Ruhige Zeiten

(19)

Lovelybooks Bewertung

  • 22 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 5 Rezensionen
(7)
(7)
(5)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Ruhige Zeiten“ von Lizzie Doron

Die ganze Welt in einem Friseursalon Leale, mittlerweile um die sechzig, wurde von ihren Eltern einst einer polnischen Bäuerin anvertraut und überlebte Krieg und Verfolgung in einem Erdloch. Gerade volljährig heiratete sie in Israel den polnischen Schneider Sulik, denn sie sehnte sich nach einer Familie. Die beiden bekommen einen Sohn. Aber, sagt Sulik: »Man braucht auch einen Beruf, um zu überleben.« Und wirklich, nach Suliks Tod rettet die Arbeit in Sajtschiks Friseursalon ihr das Leben. Dreißig Jahre lang manikürt Leale den Frauen des Viertels die Nägel, hört ihre Geschichten und ist Sajtschiks Vertraute. In diesem Friseursalon verdichtet sich alles, Gegenwart, Vergangenheit, Erinnerungen, Sehnsucht.

Stöbern in Romane

Kraft

Auf der Longlist... Mir erschließt sich nicht wirklich weshalb...

Bibliomania

Das Glück meines Bruders

Vergangenheitsbewältigung auf verschiedene Arten

locke61

Sieh mich an

Ich weiß, dass dieses Buch viele begeisterte Leser hat, doch mich konnte es leider nicht überzeugen.

loverosie1111

Der Sandmaler

Atmosphärische Schildungen, aber leider ziemlich eindimensionale Charaktere

leolas

Töte mich

Ein schlankes Büchlein, mit einer großartigen Geschichte voller Esprit. Ich fühlte mich gut unterhalten

brenda_wolf

Der Sommer der Inselschwestern

Ein wunderschönes Buch über die Kraft von Frauenfreundschaften und das Leben.

nati51

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Mit einer tiefen menschlichen Wärme und einem ganz eigenen Witz

    Ruhige Zeiten
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    29. June 2017 um 10:56

    Dies ist die Geschichte von Leale, genannt Lea, einer Überlebenden der Shoah, die von Mordechai, einem Mitarbeiter der Jewish Agency nach dem Krieg in einem polnischen Waisenhaus entdeckt und nach Israel gebracht wird.Nach dem Tod von Srulik, den sie als junges Mädchen heiratet und mit dem sie einen Sohn hat, wird sie Maniküre im Friseursalon von Sajtschik. Auch Sajtschik kommt „von dort“ und lebt mit Mordechai in einer versteckten homosexuellen Beziehung, die Lea aber nicht wahrhaben will. Sie liebt Sajtschik über all die langen Jahre, die sie bei ihm arbeitet, und als auch er stirbt, erinnert sich Lea in einer langen Zeit der Trauer an „Menschen, an die sich niemand erinnern wird“ ( Widmung der Autorin).Schon in ihrem ersten Buch „Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?“ ist es Lizzie Doron gelungen, das Unaussprechliche in eine eigene Sprache zu fassen, das Schweigen hörbar zu machen und den Überlebenden der Shoah eine ganz eigene Würde zu geben.In ihrem neuen Buch „Ruhige Zeiten“ lässt sie Lea in genau demselben Tel Aviver Viertel leben, in dem auch ihre Mutter Helena aus dem ersten Buch ihr Leben verbracht hat. Die Rabbinerfrau Guta taucht wieder auf und auch „Frau Helena“ wird in einer kurzen Sequenz erwähnt.Und sie lässt die Menschen sprechen, erzählen von ihrem Leben im neuen Land, von ihrem Kampf mit einem Gott, an den sie nicht mehr glauben können und dessen Rituale sie dennoch befolgen, von ihrem täglichen Kampf der Entscheidung zwischen Leben und Tod. Sie tut das mit einer wundervollen Sprache, die von Mirjam Pressler wie auch beim ersten Buch sehr sensibel ins Deutsche übertragen wurde.In Sajtschiks Friseursalon passieren seltsame Dinge mit den Menschen. „Im Friseursalon, hatte Sajtschik einmal zu mir gesagt, können die Tauben hören, die Blinden sehen und die Stummen sprechen.“Mit einer tiefen menschlichen Wärme und einem ganz eigenen  Witz schildert Lizzie Doron den schwierigen Balanceakt von Überlebenden, trotz aller unaussprechlichen Erfahrungen sich den Herausforderungen und Zumutungen des Lebens und Weiterlebens zu stellen, und sich dabei gegenseitig zu stützen.Ich habe auch dieses zweite Buch von Lizzie Doron mit großer innerer Erregung gelesen. Die Erschütterung, die es ausgelöst hat, wird lange anhalten. Bleiben wird aber auch eine genuine Form von Hoffnung, die diese beiden Bücher ausstrahlen, Hoffnung darauf, dass nichts und niemand den Kern der menschlichen Seele wirklich auslöschen kann.  

    Mehr
  • Rezension zu "Ruhige Zeiten" von Lizzie Doron

    Ruhige Zeiten
    rumble-bee

    rumble-bee

    Eins vorab: ich möchte diesen Text weniger als "Rezension" verstanden wissen. Denn das käme mir nahezu unpassend vor. Ein solches Buch, das Authentizität und aus Leiden erlangte Lebensklugheit in sich vereint, zur Unterhaltung zu lesen und zu besprechen, nein, das fände ich falsch. Sagen wir, mit dem Erstellen dieses Textes möchte ich möglichst viele Leser auf dieses Buch aufmerksam machen, und es ihnen anempfehlen. Denn, seien wir mal ganz ehrlich: im Vergleich zu Lizzie Doron kann man den "Jungen im gestreiften Pyjama" von John Boyne in der Pfeife rauchen. Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll, dieses Buch zu beschreiben. Es atmet Verständnis für die "kleinen Leute" aus jeder Zeile, und es macht die Schrecken der Shoah hautnah erlebbar - eben dadurch, dass es viele "Leerstellen" lässt, und das finde ich ein absolutes Kunststück. Die Erzählerin, Lea, genannt Leale, hat keine Vergangenheit und kaum Identität - außer derjenigen, die sie bei den zwei Männern ihres Lebens, Srulik und Sajtschik, gefunden hat. Als auch diese beiden sterben, verliert sie scheinbar gänzlich ihren Lebensmut. Sie lebt nur noch in ihren Erinnerungen, und streunt mit dem Leser darin herum. Wir machen mit ihr einen Streifzug durch ein Viertel in Tel Aviv, durch Zeiten, Episoden und Einzelschicksale. Dabei wird es für den Leser unmittelbar anschaulich, welchen Kraftakt es bedeutet haben muss, nach der Shoah wieder ein "normales Leben" zu führen - insofern man das überhaupt sagen kann. Lea wurde von Mordechai in einem Krakauer Waisenhaus aufgelesen, ihre Eltern sind unbekannt, ebenso ihr gesamtes voriges Leben. Sie erinnert sich nur noch an ein Versteck in einem Erdloch, und an eine Frau, die ihr zu essen gab. Da verwundert es nicht, dass sie mit ganzem Herzen an den zwei Menschen hängt, die sie bei sich aufnahmen. Das war zunächst Srulik, der sie heiratete - danach Sajtschik, der sie - halb aus Mitleid - in seinem Friseursalon arbeiten liess. 30 Jahre lang war sie "die Maniküre", und als solche war sie Teil des Herzens ihres Viertels. Denn in Sajtschiks Salon spielte sich alles ab. Dort spielten Kinder, schütteten Frauen ihr Herz aus, trafen sich Überlebende, wurden Schicksale entschieden. Lea ist dabei durchaus ein wenig naiv, und gerade das erschüttert den Leser bisweilen sehr. Sie hat nie wahrhaben wollen, dass Sajtschik schwul war - ebenso wenig versteht sie, warum die Opernsängerin beim Erscheinen des Deutschen flüchtet, oder warum Sajtschik beinahe Anfälle bekommt, wenn er Haare zusammenfegen soll. Mit schöner Regelmäßigkeit hatte ich beim Lesen einen dicken Kloß im Hals, was durch die schnörkellose, und dennoch gefühlvolle Sprache unterstützt wurde. Was für ein Buch. Nur durch Zufall war ich auf dieses Buch aufmerksam geworden - eine Freundin hat es mir geschenkt. Ihr bin ich sehr dankbar. Denn Perlen wie diese sollten viel mehr Verbreitung finden. Das Buch wirkt noch lange in mir nach.

    Mehr
    • 2
  • Rezension zu "Ruhige Zeiten" von Lizzie Doron

    Ruhige Zeiten
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    28. July 2011 um 16:17

    Dies ist die Geschichte von Leale, genannt Lea, einer Überlebenden der Shoah, die von Mordechai, einem Mitarbeiter der Jewish Agency nach dem Krieg in einem polnischen Waisenhaus entdeckt und nach Israel gebracht wird. Nach dem Tod von Srulik, den sie als junges Mädchen heiratet und mit dem sie einen Sohn hat, wird sie Maniküre im Friseursalon von Sajtschik. Auch Sajtschik kommt „von dort“ und lebt mit Mordechai in einer versteckten homosexuellen Beziehung, die Lea aber nicht wahrhaben will. Sie liebt Sajtschik über all die langen Jahre, die sie bei ihm arbeitet, und als auch er stirbt, erinnert sich Lea in einer langen Zeit der Trauer an „Menschen, an die sich niemand erinnern wird“ ( Widmung der Autorin). Schon in ihrem ersten Buch „Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?“ ist es Lizzie Doron gelungen, das Unaussprechliche in eine eigene Sprache zu fassen, das Schweigen hörbar zu machen und den Überlebenden der Shoah eine ganz eigene Würde zu geben. In ihrem neuen Buch „Ruhige Zeiten“ lässt sie Lea in genau dem selben Tel Aviver Viertel leben, in dem auch ihre Mutter Helena aus dem ersten Buch ihr Leben verbracht hat. Die Rabbinerfrau Guta taucht wieder auf und auch „Frau Helena“ wird in einer kurzen Sequenz erwähnt. Und sie lässt die Menschen sprechen, erzählen von ihrem Leben im neuen Land, von ihrem Kampf mit einem Gott, an den sie nicht mehr glauben können und dessen Rituale sie dennoch befolgen, von ihrem täglichen Kampf der Entscheidung zwischen Leben und Tod. Sie tut das mit einer wundervollen Sprache, die von Mirjam Pressler wie auch beim ersten Buch sehr sensibel ins Deutsche übertragen wurde. In Sajtschiks Friseursalon passieren seltsame Dinge mit den Menschen. „Im Friseursalon, hatte Sajtschik einmal zu mir gesagt, können die Tauben hören, die Blinden sehen und die Stummen sprechen.“ Mit einer tiefen menschlichen Wärme und einem ganz eigenen Witz schildert Lizzie Doron den schwierigen Balanceakt von Überlebenden, trotz aller unaussprechlichen Erfahrungen sich den Herausforderungen und Zumutungen des Lebens und Weiterlebens zu stellen, und sich dabei gegenseitig zu stützen. Ich habe auch dieses zweite Buch von Lizzie Doron mit großer innerer Erregung gelesen. Die Erschütterung , die es ausgelöst hat, wird lange anhalten. Bleiben wird aber auch eine genuine Form von Hoffnung, die diese beiden Bücher ausstrahlen, Hoffnung darauf, daß nichts und niemand den Kern der menschlichen Seele wirklich auslöschen kann.

    Mehr
  • Rezension zu "Ruhige Zeiten" von Lizzie Doron

    Ruhige Zeiten
    lokoschade

    lokoschade

    19. December 2007 um 18:29

    In einem eher beiläufigen Ton erzählt, trifft uns jedes Wort mitten ins Herz. Berührend

  • Rezension zu "Ruhige Zeiten" von Lizzie Doron

    Ruhige Zeiten
    KarlMay

    KarlMay

    02. September 2007 um 16:10

    Dieser berührende Roman der israelischen Autorin Lizzie Doron erzählt die Geschichte von Laele, die in einem Viertel von Tel Aviv lebt, in dem vor allem Menschen "von dort" leben, Menschen, die den Holocaust überlebten und in Israel ein neues Leben begannen. Auch Laele ist "von dort", sie kennt ihre Familie nicht, ihre einzigen Kindheitserinnerungen sind die an ein schwarzes Erdloch, aus dem sie täglich von einer Frau geholt wurde, die sie anwies den Hof zu reinigen und ihr zu essen gab. Aus dem polnischen Waisenhaus, in das sie nach dem Krieg kam, holte sie Mordechai, der sie in einen Kibbuz brachte, in dem sie sich nie wohlfühlte. Aber er stellte ihr ihren Mann Srulik vor, mir dem sie einen Sohn Etan hat. Nach dessen Tod findet sie Arbeit als Maniküre in Sajtschiks Frisörsalon. Als Sajtschik stribt, den sie ebenfalls sehr geliebt hat, erinnert sie sich in den Tagen der Trauer zurück an die dreißig Jahre, die sie dort gelebt und gearbeitet hat. Sajtschiks Frisörsalon ist das Zentrum des Viertels, denn die, die sich dort einfinden, beginnen plötzlich zu reden. Und wenn sie nicht ihre eigenen Geschichten erzählen, dann die anderer. So tauchen wir ein in die Schicksale der Menschen, die alle gezeichnet sind von ihrer Geschichte und täglich neu die Kraft aufbringen, dennoch weiter zu leben. »Es sind die Andeutungen, die Leerstellen, die den Roman so eindringlich machen. Nähe von Leid und Lebensmut in den Figuren, von Warmherzigkeit und Depression. Und es ist die Demut einer Nachgeborenen, die sich beobachtend einfühlt in Schicksale, die auch ihr eigenes Leben bestimmt haben« urteilt der Deutschlandfunk über diesen Roman. Und genau das macht das Buch zu einer Lektüre, die Euch so schnell nicht loslassen wird!

    Mehr