Inhalt:
Der 15-jährige Apachenjunge Rawani hat einen großen Traum: Er wünscht sich nichts sehnlicher als eines Tages ein eigenes Pferd zu besitzen. Der Zufall will es, dass ganz in der Nähe ein Pferdeanhänger verunglückt. Rawani ist einer der ersten am Unfallort und hilft dabei ein schwerverletztes Fohlen aus dem Anhänger zu bergen. Da das Bein des Fohlens gebrochen ist, will der Besitzes es erschießen. Rawani ist entsetzt, denn er hat das Fohlen sofort ins Herz geschlossen und glaubt fest daran, dass es gerettet werden kann. Der Besitzer des Fohlens hat Mitleid mit Rawani und schenkt es ihm. Rawani tauft das Fohlen auf den Namen „Sturmwolke“ und es beginnt ein verzweifelter Kampf um dessen Leben. Rawani tut alles in seiner Macht Stehende und bittet einen Medizinmann um Hilfe. Wird das Sturmwolke überleben und wird sie jemals wieder richtig laufen können?
Meine Meinung:
Man findet schnell in die Geschichte hinein. Rawani ist eine sympathische Hauptperson und auch Gabe Stuart, seinen väterlicher Freund, schließt man schnell ins Herz. Der geheimnisvolle Apachen-Medizinmann, Rawanis indianische Wurzeln und die sich darauf ergebende besondere Beziehung zu Sturmwolke verleihen der Geschichte eine interessante Note. Man bangt mit Rawani um Sturmwolkes Gesundheitszustand und freut sich für die beiden wenn es langsam bergauf geht. Es gefällt mir auch, dass Rawani nicht perfekt ist und Schwächen hat: Er hadert zuweilen mit seiner Herkunft und begeht gegenüber Sturmwolke einen schon beinahe unverzeihlichen Fehler.
Die Handlung verläuft im Wesentlichen wie man es erwartet, aber das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Man wünscht sich ein Happy End und bekommt es auch. Eigentlich hätte ich dem Buch 4 Sterne gegeben, aber es ist dann doch knapp daran vorbeigeschrammt. Das liegt daran, dass es drei Dinge gibt, die mir zu traurig bzw. überdramatisiert sind und die meiner Meinung nach besser abgeschwächt worden wären:
- Rawanis gravierendes Fehlverhalten gegenüber Sturmwolke: Er lässt seine Wut an Sturmwolke aus und schlägt das arme Tier, das so viel durchgemacht hat, nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach und das so sehr, dass Sturmwolke danach einige Zeit Angst vor ihm hat. Noch dazu ist der Auslöser für Rawanis Wut vergleichsweise harmlos. Zum Glück hat Rawani später seinen Fehler eingesehen und Wiedergutmachung geleistet.
- Die Auseinandersetzung zwischen den Pferden: Die Schilderung wie die Tiere beißend und ausschlagend aufeinander losgehen, wirkt auf mich recht übertrieben.
- Die traurigen Begleitumstände, die das eigentliche Happy End trüben: Sturmwolke gewinnt zwar das große Rennen, aber es läuft ihm Blut aus den Nüstern und es stirbt beinahe vor Überanstrengung. Trotzdem zieht Rawani es in Betracht nochmals ein Rennen mit Sturmwolke zu bestreiten. Das wirkt etwas rücksichtlos, wenn man bedenkt, dass Sturmwolke eine richtige Freundin für ihn ist und gerade erst dem Tod ins Gesicht geschaut hat.
Es hätte der Spannung keinen Abbruch getan, wenn diese Situationen weniger drastisch ausgefallen wären. Mir hätte die Geschichte aber dann noch besser gefallen.
Fazit:
Die unter 200 Seiten bieten ein kurzweiliges Lesevergnügen. Man sollte sich bewusst sein, dass es in diesem Buch nicht ausschließlich fröhlich zugeht und es auch ein paar recht traurige Momente gibt.
Noch ein Tipp: In der Reihe „Ravensburger Taschenbücher für Jungen und Mädchen“ ist neben dem vorliegenden Buch auch „Sein Freund Jello“ von Fred Gipson erschienen. „Sein Freund Jello“ ist für mich ein 5-Sterne-Buch und hat mir noch besser gefallen als das vorliegende Buch.
Zum Schluss eines der schönsten Zitate aus „Sturmwolke“:
„Wenn wir daran glauben, dann werden andere fühlen, dass die Hoffnung sie wie eine starke Hand führt, und sie werden auch hoffen und glauben, und da fügen sie ihre Hoffnungen und ihre Stärke unserer eigenen hinzu.“ (S. 56)



