Lojze Kovacic Die Zugereisten. Roman

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Inhaltsangabe zu „Die Zugereisten. Roman“ von Lojze Kovacic

Der dritte Teil der Trilogie umfasst die selten thematisierten ersten Jahre des sozialistischen Jugoslawien bis zum Bruch zwischen Tito und Stalin im Jahr 1948. Am Anfang steht der Einzug der Partisanenarmee in das von den deutschen Truppen verlassene Ljubljana. In dichten, sich ständig wandelnden Szenen beschreibt Kovačič das Gemisch aus Freude, Duckmäusertum und Aggressivität, das sich zu einem rauschhaften Volksfest steigert. Und mitten durch das Gedränge, getrieben von der Angst, als "Deutsche" erkannt zu werden, irrt diese Rumpffamilie, für die der Erzähler, kaum siebzehnjährig, die Verantwortung trägt: Mutter und Schwester, die nicht Slowenisch können, dazu die gehbehinderte Nichte im Leiterwagen. Zwei Welten, er steht in beiden, oder zwischendrin, vermitteln kann er nicht. Die Angehörigen werden ausgewiesen (wochenlang zwischen der jugoslawischen und österreichischen Grenze hin- und hergeschoben), er bleibt zurück, von Selbstvorwürfen geplagt, muss sich durchschlagen, manchmal durchmogeln, hin- und hergerissen zwischen Anpassung und Aufbegehren. Und findet nach und nach, indem er sich immer wieder mit dem Tod des Vaters auseinandersetzt, im Schreiben, das ihm zur »dritten Sprache« wird, so etwas wie eine erste, prekäre Heimat. In der literarischen Szene, die ihn neugierig beäugt und herumreicht, bleibt er, der ganz genau hinsieht, worüber andere lieber hinwegsehen, ein Underdog und Außenseiter. Nichts anderes will er werden, als was er von Anbeginn ist: peinlicher Beobachter und Chronist eines verrückten Zeitalters.

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  • Rezension zu "Die Zugereisten. Roman" von Lojze Kovacic

    Die Zugereisten. Roman
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    12. September 2012 um 11:31

    Ein ganz außerordentlicher Erinnerungstext Im dritten Buch seines groß angelegten Zyklus "Die Zugereisten" beschäftigt sich der bedeutende und bei uns leider noch viel zu wenig bekannte slowenische Autor Lojze Kovačič mit den Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, dem Einzug der Partisanenarmee und dem Abzug der deutschen Truppen, den darauffolgenden sozialistischen Jahren bis zum Bruch zwischen Stalin und Tito und dem daraus folgenden Weg zur totalitären Entwicklung. Schon nach wenigen Sätzen wird klar, dass hier ein Autor mit seinen Erinnerungen ringt, mit der literarischen Gestaltung der Realität kämpft und somit einen Text verfasst hat, der zusammen mit den Romanen und Erzählungen Aleksandar Tišmas zu den unvergesslichen und wichtigsten literarischen Aufarbeitungen des zweiten Weltkrieges und der Situation im mittlerweile ehemaligen Jugoslawien gehört. "Ich ahnte, dass nicht nur jeder den anderen abschütteln würde ... auch melden, auch ausspionieren würden sie sich gegenseitig ... An diesem Tag verriet, um ihren Kopf zu retten, die alte Putzfrau in meinem Institut den Partisanen eine Mulde am Dorfausgang, in der sich sieben Weißgardisten, Kameraden ihres Bruders, versteckt hielten ... mit Handgranaten erledigten sie sie bis zum letzten Mann ... niemand wollte mehr etwas mit dem zu tun haben, was noch vor wenigen Stunden gewesen war ... das war der erste Sieg des Siegers ..." Ungeheure Erzählfreude erwartet den Leser dieses Buches, gepaart mit einem Schreibstil, der entfernt an den Stil von Louis-Ferdinand Céline erinnert. Sätze werden meist nicht direkt vollendet, sondern nach drei Punkten in eine andere Richtung getrieben, betrachtet oder einfach verlassen. Ständig wechselnde Szenen, bildhafte Assoziationen und eindrückliche Bilder bestimmen den Lesefluss. So entsteht ein atemloser Duktus, der durch die erzählten Ereignisse zusehends immer größeres Gewicht gewinnt. Der dritte Band dieses großen Zyklus ist aber auch der Entwicklungsroman eines jungen Mannes, der in einer schwierigen Zeit erwachsen wird. "... solche Tage kehren nicht wieder, ich habe mich an Brüsten und Schenkeln satt gesehen! ... Aber in diesen schlimmsten geschwellten Priapenjahren ... ich konnte einfach nicht genug kriegen von diesem großen Körper mit seinen übermäßigen Rundungen ... Das war für mich der süßeste, schönste Körper, und ich habe nie verstanden ... noch heute nicht! ... warum man dicke Frauen für hässlich hält, und am wenigsten, warum sie sich selbst dafür halten ..." Der Autor erzählt von der Schwierigkeit, in den Nachkriegsjahren in Ljubliana deutscher Abstammung zu sein und auf sich allein gestellt zu leben, nachdem die restliche Familie aus Slowenien ausgewiesen worden ist. Der Protagonist passt sich seiner Umgebung nicht an und ist dementsprechend hin- und hergerissen: beeindruckend, wie spannend Lojze Kovačič das Innenleben des jungen Mannes schildert. Stilistisch außerordentlich brillant und überzeugend, folgt man dem Autor atemlos über die fast 600 leidenschaftlich aufwühlenden und erinnerungswürdigen Seiten. Nicht einmal Abschweifungen in die Politik und eine Art politischer Sprache unterbrechen diesen mit archaischer Wucht daherkommenden Text. Die Übersetzung von Klaus Detlef Olof lässt keine Wünsche offen und liest sich wunderbar flüssig, als wäre sie das Original ... Die drei Bände von "Die Zugereisten" sind ein immens wichtiger Beitrag zur Literaturgeschichte Sloweniens und Europas, eine literarische Sternstunde und drei Bände, die man vorzugsweise in der richtigen Reihenfolge lesen sollte. Absolute Empfehlung. (Roland Freisitzer; 04/2012)

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