Lore Krüger

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Lebenslauf

Lore Krüger, geboren 1914 in Magdeburg, war Fotografin, Literaturübersetzerin und Dolmetscherin. 1933 ging sie als Au-pair nach London. Nach einem Jahr in Großbritannien zog sie nach Spanien zu ihren Eltern, die aus Deutschland geflohen waren. In Barcelona und Paris absolvierte sie eine Ausbildung zur Fotografin. Sie engagierte sich aktiv auf republikanischer Seite im Spanischen Bürgerkrieg und war Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus in Deutschland. 1938 heiratete Lore Heinemann Ernst Krüger, einen leitenden deutschen Gewerkschaftsfunktionär und Kommunisten. 1940 wurden sie verhaftet und ins Konzentrationslager Gurs deportiert. Es gelang ihnen die Flucht ins amerikanische Exil. In den USA begann Lore Krüger als Übersetzerin und Dolmetscherin zu arbeiten und war Mitbegründerin der Exilzeitschrift The German American. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland 1946 arbeitete sie bis in die 1980er-Jahre für den Berliner Aufbau Verlag als Übersetzerin. Sie übertrug unter anderem Mark Twain, Robert Lewis Stevenson und Joseph Conrad ins Deutsche. Lore Krüger verstarb im März 2009 in Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Lore Krüger

Neue Rezensionen zu Lore Krüger

Cover des Buches Leben auf dem Mississippi (ISBN: 9783746627038)
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Rezension zu "Leben auf dem Mississippi" von Mark Twain

lakita
Ol' Man River literarisch

Was Mark Twain über den Mississippi schreibt und beschreibt ist historisch betrachtet ein gutes Stück amerikanische Flussgeschichte, die bewahrt werden sollte. Der alte Mississippi wird durch ihn wieder lebendig und somit unsterblich. Sein Werk ist eine Art Selbstbeschreibung seiner Tätigkeiten auf den Schiffen, wobei er seinen leicht spöttischen Humor auch hier nicht vergisst und es ist eine fast schon ausserliterarische Dokumentation der damaligen Verhältnisse auf diesem langen Fluss. Hoch beindruckt haben mich seine Schilderungen der unzähligen Unfallgefahren, wenn z.B. ein Baumstamm in die Schaufeln des Raddampfers gerät. Man freut sich, dass es heutzutage nicht mehr diese Dramatik hat, wenn tatsächlich das, was der Fluss unvorhergesehen vor sich her schiebt mit einem der heutigen Boote kollidiert und doch verfügt dieser beeindruckende imposante Fluss immer noch über die Macht, Menschen das Leben zu nehmen. Mark Twains Respekt vor dieser Naturgewalt springt auf den Leser wohltuend über, der sich von seinen bildhaften spannenden Geschichten und Berichten in den Bann ziehen lässt. 

Ein Zeitreise-Roman aus dem 19. Jahrhundert

Der Amerikaner Hank Morgan bekommt bei einer Auseinandersetzung einen ordentlichen Schlag auf den Kopf und versinkt zunächst in die Welt des Dunkeln. Als er wieder zu sich kommt, befindet er sich nicht mehr im 19. sondern unvermittelt im 6. Jahrhundert und auch nicht mehr in den Vereinigten Staaten von Amerika sondern auf der britischen Insel. So beginnt der „Zeitreise-Roman“ von Mark Twain, der vielmehr ein vor allem gesellschaftskritisches Werk darstellt. Morgan gelangt zu König Artus Tafelrunde, soll eigentlich aufgeknüpft werden, nutzt aber eine Sonnenfinsternis, um sich als größeren Zauberer als Merlin darzubieten. Sein Aufstieg ist anschließend nicht mehr zu bremsen. Dabei kommt ihm natürlich sein 1300jähriger Wissensvorsprung zu äußerstem Nutzen. Er wird die rechte Hand vom König und versucht allmählich die barbarischen und sehr standesbezogenen Verhältnisse zu verändern, die Sklaverei abzuschaffen und Zeitungen, Fahrräder und Baseball im alten England zu etablieren. Den Ritterstand möchte er als völlig überflüssig einfach kaltstellen.

Natürlich durchlebt er eine sehr abenteuerlich Zeit, muss so manchen Widersacher aus dem Weg räumen, eine junge Maid bei einem ritterlichen Auftrag unterstützen, sich inkognito mit dem König unters gemeine Volk mischen und wird dabei selbst versklavt.....

Mark Twain spricht sich klar gegen jegliche Form der Leibeigenschaft aus. Er stellt das Ständesystem an den Pranger, das diejenige durch Geburt und Gottes Gnaden regieren und unterdrücken lässt, die mitunter wenig menschliche Qualitäten und Fähigkeiten aufzuweisen haben. Der Protagonist des Romans schlägt sich lange recht wacker und glänzt durch gewitzten Erfindungsreichtum. Doch im weiteren Verlauf werden die Schilderungen recht bluttriefend und die positiven Stimmungen und Hoffnungen kommen ziemlich vollständig abhanden.

Fazit: Auf dieses Buch überhaupt aufmerksam geworden bin ich durch die Lektüre eines Science-Fiction-Romans „Die ewige Straße“, in der das Werk von Mark Twain eine Schlüsselposition als Artefakt einnimmt.


Cover des Buches Hunger nach dem großen Leben (ISBN: 9783257215366)
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Rezension zu "Hunger nach dem großen Leben" von Doris Lessing

Giselle74
Jabavu

Mit "Hunger nach dem großen Leben" hat Doris Lessing eine ebenso alltägliche wie verstörende Geschichte geschrieben, die zwar inhaltlich im Afrika der Kolonialzeit verhaftet ist, aber so ähnlich auch heute noch ablaufen könnte.
Jabavu lebt mit seiner Familie in einer Dorfgemeinschaft. Sein Vater und sein Bruder sorgen für die Familie, bearbeiten jeden Tag die Felder. Jabavu möchte so nicht leben. Er träumt von der großen Stadt, von Reichtum und einem anderen Leben. Er verweigert die Feldarbeit, bringt sich selbst das Lesen bei und ist unzufrieden mit sich und der Welt. Eines Tages nimmt er seinen Mut zusammen und macht sich auf den Weg in die Stadt der Weißen. Die Gefahren sind groß, schon unterwegs wird er fast für die Arbeit in den Minen gepresst, angekommen, fällt es ihm schwer, sich zurechtzufinden. Zumal ein farbiger "Herumtreiber" mit äußerstem Misstrauen betrachtet wird. Jabavu stellt fest, dass es fast unmöglich ist, Arbeit zu bekommen, dass er andere Kleidung braucht und Geld. So gerät er in die Fänge einer Diebesbande, die zunächst vorgibt, ihm helfen zu wollen. Seine Geschichte endet im Gefängnis, wo ihm die Hoffnung bleibt, irgendwann als "besserer " Mensch neu anzufangen.
Doris Lessing versucht sich in die Denkweise der vielen jungen Menschen hineinzuversetzen, die die Versprechungen der Stadt dem einfachen Leben auf dem Lande vorziehen, die genauso sein wollen, wie die so sehr bewunderten reichen (und meist auch hellhäutigen) Stadtmenschen. Die dabei aber übersehen, dass Hautfarbe und Gesellschaftsstand unüberbrückbare Grenzen schaffen, gerade in Kolonialgesellschaften, die von der Ausbeutung angeblich minderwertigerer Menschen leben. Die kleine Handvoll gebildeter Farbiger wird mißtrauisch beobachtet, besonders, wenn sie versucht, denen zu Bildung und einem lebenswerten Leben zu verhelfen, die doch dumm und arm viel besser zu beherrschen sind.
Die Erzählung, die heutzutage nur allzu Bekanntes beschreibt, dürfte in den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts deutlich explosiver gewirkt haben. Die 50iger Jahre waren auch die Zeit Martin Luther Kings, die Zeit des Kampfes gegen Rassentrennung in den USA, die Zeit der ersten Unabhängigkeitsbestrebungen afrikanischer Staaten, aber auch die Zeit der Apartheit, eine Zeit des Umbruchs also. Proafrikanische Texte einer weißen in Simbabwe aufgewachsenen Frau dürften nur bei den wenigsten der zunächst hauptsächlich britischen Leser zu Freudentaumel geführt haben.
Ich persönlich finde den Ansatz schwierig, als weiße Frau die Erfahrungen und Denkweise eines aus dem Familienbund gerissenen Jugendlichen zu beschreiben und zwar ausschließlich aus Jabavus Sicht. So trifft Naturvolk auf europäische Zivilisation - und vieles was im Text schlicht naiv wirkt, entspringt einem völlig anderen Denk- und Handlungsansatz. Daher hat mich der zu seiner Zeit wichtige und kritische Beitrag aus heutiger Sicht nicht völlig überzeugt.
Schlußendlich haben Lessings kritische Texte ihr aber den, wenn auch umstrittenen, Nobelpreis eingebracht.

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