Lorenz Gallmetzer

 3.9 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Süchtig.

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Süchtig

Süchtig

 (11)
Erschienen am 01.09.2016

Neue Rezensionen zu Lorenz Gallmetzer

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Rezension zu "Süchtig" von Lorenz Gallmetzer

Endstation - süchtig
awogflivor 2 Jahren

Und? Wie steht es mit Deinem Alkoholkonsum?
Diese Frage stellte sich mir unweigerlich bei der Lektüre dieses sehr interessanten Sachbuches, das ich terminlich sehr treffend gewählt am Aschermittwoch begonnen habe. Da ich mitten in Österreichs berühmtestem Weißweinanbaugebiet lebe, sind mir Alkoholmissbrauch getarnt als „Weinkultur“ sowohl bei mir selbst als auch in meinem Freundeskreis und eigentlich überall, wo ich mich umblicke, nicht fremd.

„Gegenüber keinem anderen Suchtmittel verhält sich unsere Gesellschaft so zwiespältig, selbstbelügend und heuchlerisch wie gegenüber dem Alkohol. […] Solange jemand mitmacht, solange er mit dabei ist, solange er lustig ist, solange er eben nicht krank ist, ist alles in Ordnung. Sobald jemand aber öffentlich eingesteht, ein Problem zu haben, will man nichts mehr mit ihm zu tun haben. Ab dem Zeitpunkt, ab dem er nicht mehr die gewohnte Leistung erbringt – wenn man ehrlich ist, eigentlich ab dem Zeitpunkt, ab dem er nicht mehr erfolgreich ist, wendet man sich ab.“

Lorenz Gallmetzer beleuchtet in seinem Sachbuch die Sucht umfassender und nicht nur auf den Alkohol fokussiert in unterschiedlichen Ausprägungen.

Der erste Teil ist grandios und schildert sehr ehrlich und selbstkritisch im Detail wie der Autor selbst nach jahrelangem exzessivem Problemtrinken quasi in Zeitlupe in die körperliche Alkoholsucht schlittert.

In Teil zwei befindet sich Gallmetzer in Therapie im Suchtzentrum Kalksburg und legt durch Interviews gewonnene Lebensbiografien einiger seiner Mitpatienten dar. In sich gesehen sind diese unterschiedlichen Suchtkarrieren bezüglich Alkohol, anderen weichen und harten Drogen, Medikamenten, Spielsucht, etc. und logischerweise auch kombinierten Substanzen sehr zahlreich, viel weniger ehrlich und detailliert analysiert, was einfach dem Umstand geschuldet ist, dass man einem Fremden eben nicht immer alles ganz so reflektiert und tiefgründig erzählt. Klar wird durch die Anzahl der qualitativen Daten aber auf jeden Fall, dass der Ursprung des Alkoholproblems in der Jugend begründet ist, und bei Männern durch das übliche Trinkverhalten beim Bundesheer und in der Lehre bzw. im Job manifestiert wird. Ein hoher Prozentsatz von Süchtigen hat eigentlich auch ganz andere Probleme, meist Depressionen, die rechtzeitig psychotherapeutisch behandelt gar nicht zur Sucht hätten führen müssen. Weiters wurde in früheren Jahren ein Alkoholkranker durch den medizinisch angeordneten und durchgeführten Entzug erst oft zum Psychopharmaka-Süchtigen gemacht, da Ärzte in der Vergangenheit die in der Therapie angewandten sehr gefährlichen Antidepressiva, Neuroleptika etc. wie die Zuckerln austeilten. Erst in den letzten Jahren fand, mit den weitaus dramatischeren Folgen der Tablettensucht konfrontiert, ein Umdenken in der Therapie statt.

Im dritten Teil reflektiert der Autor die medizinische Sicht der Sucht und Therapie durch ein Interview mit dem anerkannten Experten Dr. Michael Musalek. Hier wird es nun richtig spannend, denn Musalek gibt dem Leser nicht nur einen Alkoholiker-Selbsttest zur Einschätzung des Trinkverhaltens und der Sucht an die Hand, sondern zeigt auch neue Wege in der Therapie auf. Vom historischen Odysseus Prinzip analog - wie mit den Sirenen verfahren wurde (der Patient wird mit allen Mitteln daran gehindert, Alkohol zu trinken – Odysseus band sich und seine Kumpels an den Schiffsmast) zum Orpheus Prinzip (der Patient sucht sich eine lohnendere Alternative zum Suchtmittel, etwas das mehr Spaß macht – Orpheus passierte die Sirenen unbeschadet, indem er schönere Musik als die verführerischen Damen machte).

Fazit: Schlussendlich habe ich zu diesem Thema schon viel gewusst, aber der Themenkomplex Sucht wurde mir in diesem Werk sehr anschaulich und strukturiert vor Augen geführt. Zudem habe ich einige spannende und neue Aspekte gelernt. Die Interviews in Teil zwei hätte ich mir oft reflektierter und detaillierter gewünscht, auch wenn dann eben weniger zu Stande gekommen wären. Der dritte Teil mit dem Herrn Professor war grandios, aber für mich viel zu kurz, hier hätte ich mir vor allem in der Tiefe noch einiges mehr an Fachexpertise bezüglich Therapie erwartet. Für alle, die sich mit diesem Thema beschäftigen, eine Leseempfehlung von mir. Ein Anfang für Betroffene und Problemtrinker, für Süchtige in Therapie zu wenig detailliert.

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testmauss avatar

Rezension zu "Süchtig" von Lorenz Gallmetzer

Falsche Vorstellung vom Buch :(
testmausvor 2 Jahren

Das Buch beinhaltet mehrere Geschichten, wie man in die ein oder andere Sucht geraten kann. Egal ob es zum Beispiel die Alkohol- oder die Spielsucht ist, nur um mal so die ein oder andere zu nennen.

Von der Beschreibung des Buches hatte ich eine Art Ratgeber erwartet, welches mit Fallbeispielen bestückt ist. Dies ist leider gar nicht der Fall.

Die Fallbeispiele stehen meines Erachtens an erster Stelle und nur ein wenig wird auf die verschieden Themen der Sucht eingegangen.

Mich konnte das Buch leider überhaupt nicht überzeugen.

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B

Rezension zu "Süchtig" von Lorenz Gallmetzer

Interessante Fälle, guter Aufbau
BooksAreGreatvor 2 Jahren

Meinung:

Dieses Buch schildert Einzelschicksale. Es werden verschiedene Menschen mit verschiedenen Suchtkrankheiten, wie Drogensucht, Alkoholsucht oder Spielsucht, um nur einige zu nennen, vorgestellt. Das Krankheitsbild sowie mögliche Therapien werden näher vorgestellt. Als Einstieg in die Materie ist es gut geeignet. Jedoch hätten mir nur ein paar weiter reichende Informationen gefehlt, wenn ich mich tiefer mit dem Thema beschäftigen würde.

Die Fälle werden eindrucksvoll geschildert. Das Buch ist interessant und lässt sich flüssig lesen. Die Sprache ist auch an schwierigeren Stellen einfach gehalten, sodass es keine Verständnisprobleme gibt. Das Thema dürfte somit für jeden zugänglich sein, ob mit oder ohne Vorkenntnissen.

Die enthaltenen Fälle bringen einen zum Nachdenken und zeigen auf, dass man sich als Außenstehender gar nicht wirklich vorstellen kann, was süchtige Menschen durchmachen. Man wird überrascht sein und mehr Verständnis entwickeln. 

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Gespräche aus der Community

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Verlag_Kremayr-Scheriaus avatar

Worum geht's?

Lorenz Gallmetzer war jahrelang ORF-Korrespondent in Washington und Paris, und er war Alkoholiker. In Kalksburg, der größten Suchtklinik Europas, gelang ihm der Entzug. Dort traf er auf Menschen, die wie er den Kampf gegen die Sucht nicht aufgegeben haben.
Etwa B.S., gutbürgerliche Ehefrau eines Anästhesisten, die zu trinken begann, nachdem ihr Mann Selbstmord begangen hatte.
Oder C.K., leitender Angestellter, der ins Trinken „hineingerutscht“ ist: vom Genusstrinken über das Frust- und Kompensationstrinken zum Trinkzwang.
Aber auch C.P.: Als Kind missbraucht, hatte sie zwei gewalttätige Lebensgefährten und wurde zur Prostitution gezwungen. Amphetamine und Alkohol gehörten zum Alltag. Sie hat sieben Kinder und keine Arbeit. Es sind dramatische Geschichten, die Lorenz Gallmetzer in diesem Buch erzählt, nicht zuletzt seine eigene: Der erfolgreiche Journalist hält seine Depressionen über viele Jahre mit Alkohol im Zaum, bezwingt damit Stress und Versagensängste, bis er sich eines Tages eingestehen muss, dass ihn die Sucht im Griff hat.
Die Gefahr, süchtig zu werden, lauert an vielen Orten. Wer dieses Buch gelesen hat, versteht, warum.

Lorenz Gallmetzer
geboren in Südtirol, studierte Romanistik, Geschichte und Literatur in Wien und Mailand. Ab 1981 in der Auslandsredaktion des ORF, zunächst Korrespondent in Washington, dann viele Jahre Korrespondent in Paris. Nach seiner Rückkehr nach Wien ab 2001 Reporter für das ORF-Weltjournal und 2008/2009 Sendungschef des Club 2. Heute lebt er als Publizist und Autor in Wien.

>> Informationen zum Buch


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