Lorenz Filius Zeitgerafft

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Inhaltsangabe zu „Zeitgerafft“ von Lorenz Filius

Im Bruchteil einer einzelnen Sekunde liegt das Schicksal unbedeutend nur als Glied in Ketten. Hinterfragen hieße sich darin verstricken, ohne jeden Zugpunkt zu ergründen. Resultierend bleibt das Leben als ein Ganzes - zieht mal hierhin und mal dorthin; manche Stränge sich erklärend, andere nur fraglos existierend. Was bewirken darin schon Momente, außer Antwort zu erbetteln? - Sie bewegen etwas - wenn auch scheinbar ohne Zugkraft in ein großes Resultat. Doch das Eigenleben dieser kleinen Glieder macht das Große erst beweglich; denn erstarrt erlaubten sie dem Ganzen, nicht ein Jota fortzuziehen.
Zeitgerafftes wirft vielleicht nur Bilder auf - meist den Zusammenhang nicht suchend, abstrahiert aus der Struktur -, aber tiefenscharf eröffnet es den Einblick in die Welten einer Welt, die nur besteht, weil eine jede sich verhält.

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  • Rezension zu "Zeitgerafft" von Lorenz Filius

    Zeitgerafft

    Peter_Pitsch

    24. January 2012 um 13:15

    Die Blüte als Farbtupfer in zerrissenem Grau, ringsum herrscht nichts als beschleunigte Zeit, kaum ein Atemholen beim Sturz durch die diffusen Tagesabläufe. Ein Buch verfasst in dem Bewusstsein, dass nur wenige diesen Prosaminiaturen Beachtung schenken werden und letztendlich eine noch geringere Zahl bereit sein wird, den psychologischen Herausforderungen zu folgen. Ein Werk demnach, dessen Erstellung ungeachtet des gängigen Konsensus, Sprache auf das Niveau knapper und knappster Phrasen zu reduzieren, an sich schon seine Bewandtnis aufzeigt. Sowohl die innewohnenden Botschaften und gedanklichen Umkehrschlüsse als auch die in jedem Satz scheinbar rätselhaft formulierten Erwägungen ob des geistigen Daseins als solches, fordern eine Bewegung über statische Gedankenmuster und -schablonen hinaus. Und so legt der Autor zum Geleit wie einen Wegweiser sogleich die Spur ins Ungewöhnliche: Durch-Denken birgt ein Stückchen Kraft, die Um-Denken mehr Raum verschafft. (Zitat Ende) Denn absolut und von vorderhand bestimmt ist die Welt um uns herum bei weitem nicht, und das Aufblitzen des Erkennens inmitten unserer Gedankenstarre lässt begreifen, wie unangemessen selten die eigene Befindlichkeit sich als Egozentrik entlarvt und ein Überschreiten eingeübter Gehirnfunktionen gestattet. Als endgültige Ansicht von fremder Hand dorthin gebannt, entblößt ein Projektor den Stillstand an der Wand. Die rückwirkende Kraft dieser prosaischen Miniaturen schafft in der Tat neue gedankliche Assoziationen und fesselt den Leser eben dort, wo an der Grenze zwischen Überraschungsmoment und alltäglich-funktionierender Wahrnehmung Raum für eigene Interpretationen entsteht. Eine Form der Besinnung, die nicht mit Lametta behangenen Klischees hausieren geht, vielmehr echte Perspektiven erzeugt, die von verkümmerten Ahnungen befreit sind und höchst eindringliche Forderungen an den Geist stellen. Auch in dieser Textsammlung, nein, gerade in Lorenz Filius´ "Zeitgerafft" kommt die Frage nach Ursache und Wirkung zur Geltung, welche der gewohnten Kausalität des Erlebens sinnreich gegenüber steht. Wie gründlich sind wir eingenommen von unserer persönlichen Vorstellung von dieser Welt anstatt sie jeden Tag aufs Neue zu entdecken? Folgerichtig (was soll das bedeuten, die "richtige" Folge?) schließt sich die Überlegung an, ob der Autor seiner Zeit wohl um Lichtjahre voraus ist, oder ob er hier und jetzt als Singularität kaum besteht, obwohl die Relativität darin im Kern seiner Bedeutung überdauert. Ja, mit so einer Beschaffenheit von philosophisch durchwebten Kurztexten sieht sich der "moderne Konsument" bei der Lektüre konfrontiert. Zumindest jener Leser, der angesichts all der vor und zurückgeworfenen Reflexionen des Geistes nicht zurückschreckt und sich im Rückzug beruft auf die einfachste aller Lösungen. Jene, die unsere Unwissenheit zur Tugend gerinnen lässt, der Gewöhnung. Peter Pitsch

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