Lorenz Just

 3.9 Sterne bei 24 Bewertungen
Autor von Am Rand der Dächer, Der böse Mensch und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Lorenz Just

Lorenz Just, geboren 1983 in Halle an der Saale, zog 1988 mit seiner Familie nach Berlin und wuchs dort auf. Nach seinem Islamwissenschaftstudium in Halle und verschiedenen Auslandsaufenthalten studierte er von 2011 bis 2015 am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 2015 erschien sein Jugendbuch ›Mohammed. Das unbekannte Leben des Propheten‹ (Gabriel Verlag), 2017 bei DuMont sein hochgelobter Erzählband ›Der böse Mensch‹. Er lebt in Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Am Rand der Dächer

 (20)
Neu erschienen am 21.07.2020 als Hardcover bei DuMont Buchverlag.

Am Rand der Dächer: Roman

Neu erschienen am 21.07.2020 als E-Book bei DUMONT Buchverlag.

Alle Bücher von Lorenz Just

Cover des Buches Am Rand der Dächer (ISBN: 9783832181116)

Am Rand der Dächer

 (20)
Erschienen am 21.07.2020
Cover des Buches Der böse Mensch (ISBN: 9783832198794)

Der böse Mensch

 (2)
Erschienen am 08.11.2017
Cover des Buches Am Rand der Dächer: Roman (ISBN: B087J5R1QB)

Am Rand der Dächer: Roman

 (0)
Erschienen am 21.07.2020

Neue Rezensionen zu Lorenz Just

Neu

Rezension zu "Am Rand der Dächer" von Lorenz Just

In der Deckung der Kindheit, im Schatten der Welt
MikkaGvor 10 Tagen

In seinem Debütroman kehrt Lorenz Just an Ort und Zeit seiner Kindheit zurück: das Berlin der Neunzigerjahre. Er lässt diese Ära in seinen jungen Protagonisten auferstehen, bunt und lebendig, voll roher Authentizität und dichter Atmosphäre.⠀

Meine erste Notiz zu diesem Buch war: "Die Sprache ist außergewöhnlich – so schön. Die Kinder bewegen sich durch ihr Umfeld in Berlin wie durch ein Wunderland, eine Märchenwelt."⠀

Tatsächlich gibt es im Text passenderweise ein paar Anspielungen auf die Bücher von Michael Ende, an deren Stil ich mich in den ersten Kapiteln erinnert fühlte: Andrej erwähnt die Uralte Morla aus der Unendlichen Geschichte, vergleicht Nachbarn, die nicht grüßen und nie freundlich sind, mit den Grauen Herren aus Momo, und man merkt, wie diese Bücher ihn beeindruckt und seine Fantasie angeregt haben.⠀

Damit ist er ein Held ganz nach meinem Geschmack!⠀

Auch Lorenz Just kann mit seinen Worten zaubern – keineswegs als Kopie von Ende, sondern in seiner ganz eigenen Sprache voller gelungener Metaphern und Bilder.⠀

“Wenn ich am Abend nicht schlafen konnte und mir die Müdigkeit nur gemächlich in die Gedanken einsickerte, kam es vor, dass ich abdriftete und durch diese Lücke glitt, hinüber in die verborgenen Räume zwischen den Wänden und Böden. Dann starrte ich ins dunkle Zimmer, das plötzlich um ein Vielfaches größer erschien, oder auf die nachtschwarzen Fensterscheiben, durch die ich nur immer tiefer ins Erdreich kroch, und hatte das sichere Gefühl, auf diese andere Seite zu gehören.”⠀

(Zitat)⠀

Das ist manchmal poetisch – und dann wieder knallhart realistisch. Hier geht es meines Erachtens nicht so sehr darum, was WANN und WO passiert, wie die Folge der Geschehnisse sich von A bis Z genau abspult. Für mich geht es vielmehr darum, welche Gefühle ausgelöst werden, in den Kindern (später Jugendlichen) und im Leser.⠀

Womit ich jedoch nicht sagen will, dass sich hier nichts Spannendes zuträgt!⠀

“Keiner sagte ein Wort, starr vor Schreck blickten wir auf die brennende Wand, wo die Flammen wie aus langer Gefangenschaft befreit tanzten, fraßen, lachten. Fassungslos, dass uns die Dinge so schnell entglitten waren, standen wir in der plötzlichen Feuerkammer, aber wir waren Kinder, und eines konnten wir im Notfall immer. Anton rief: »Raus!«, packte mich am Arm, ich stieß Simon an – dann rannten wir.”⠀

(Zitat)⠀

Tatsächlich erleben die Protaonisten Abenteuer wie wahre Großstadtpiraten: sie klauen, kloppen sich mit anderen Gangs, verursachen einen Großeinsatz der Feuerwehr, brechen halsbrecherisch über die Dächer in Häuser ein, experimentieren mit Drogen, ballern mit Softair-Pistolen, erleben den ersten Herzschmerz, gehen ein und aus in besetzten Häusern und sehnen sich nach einem Amerika, das es so vermutlich gar nicht gab.⠀

Schon nach kurzer Zeit hatte ich sie richtig ins Herz geschlossen. So sehr, dass ich mich geradezu fürchtete vor den ‘immer bedrohlichere(n) Abwege(n)’, die im Klappentext erwähnt werden. Ich wünschte mir, die zauberhafte Kindheit möge nie zu Ende gehen, aber wie im echten Leben bleiben den jungen Helden auch die ersten Misserfolge, Enttäuschungen und Verratserfahrungen nicht erspart. Sie sind zu authentisch, um nicht zu scheitern.⠀

Natürlich bleibt die Wende nicht unerwähnt, aber die Charakterentwicklung der Jungen fand ich noch dramatischer und interessanter. Erwachsene sind hier übrigens nur Randerscheinungen, was mich an klassische Jugendbücher erinnert. Hier geht es nicht um den erwachsenen Blick, sondern das unverfälschte Erleben Heranwachsender, die sich selbst und ihre Welt entdecken.⠀

Das ist oft erfrischend anarchisch, weil Regeln in dem Alter einfach ausgetestet werden müssen.⠀

Die anfangs märchenhafte Sprache wandelt sich immer mehr ins Cineastische, je älter die Protagonisten werden.⠀

Das ist Kopfkino vom Allerfeinsten, das ganz nebenher noch an den Gefühlsfäden zupft. Eine Notiz zu fortgeschrittener Stunde: “Ja, mach doch, Buch, du Miststück! Trampel auf meinen Gefühlen rum, ich kann das ab!” (Ich würde selber gerne wissen, was genau mich zu dieser schlaftrunkenen Äußerung getrieben hat.)⠀

Das Ende bleibt in vielem offen, was für mich aber vollkommen in Ordnung war. Das Buch ist nur ein kleines Stück Leben, und das geht danach natürlich weiter.⠀

Ich würde (und werde) das Buch bedenkenlos verschenken, denn ich denke, es hat für ganz unterschiedliche Leser sehr viel zu bieten. Es ist ein Bild der Zeit – und gleichzeitig ein zeitloses Bild der Kindheit und Jugend. Ob in Berlin oder sonstwo, auch heutige Jugendliche werden sich ein Stück weit in Andrej, Anton und Simon wiederfinden.⠀

Fazit⠀

Lorenz Just lässt seine jungen Helden Berlin erkunden, von der Zeit der Wende bis zum Beginn des Jahrtausends. Sie erleben Dinge, die für die Kindheit und Jugend im Allgemeinen typisch sind, und Dinge, die man nur in dieser Zeit und in dieser Stadt erleben konnte. Aus fantasievollen Kindern werden Jugendliche, die rauchen, Drogen nehmen, klauen und über die Dächer in Häuser einbrechen – und doch habe ich sie von der ersten bis zur letzten Seite niemals verurteilt, denn der Autor schildert sie mit viel Einfühlungsvermögen.⠀

“Am Rand der Dächer” hat sich eingereiht in die Liste meiner Highlights im Jahr 2020 – ein großartiger Debütroman, der mich auch sprachlich begeistern konnte.⠀


Die ganze Rezension auf meinem Blog:⠀

https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-lorenz-just-am-rand-der-daecher/

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Rezension zu "Am Rand der Dächer" von Lorenz Just

Hätte so schön sein können
SunshineBaby5vor 14 Tagen

Der Roman handelt von drei Jungen die miteinander mitten in Berlin aufwachsen. Von Anfang an fällt der besondere Sprachstil auf. Leider negativ. Die Sätze sind auf unangenehme Art kompliziert, die Sprache so blumig und ausufernd, dass ich teilweise nicht mal verstanden habe was der Autor damit sagen wollte. Die Geschichte dahinter hingegen, der aufwachsenden Jungs und ihren Erlebnisse, ihrer Gedanken- und Gefühlswelt, hat mich sehr interessiert und war spannend zu lesen. Umso trauriger, dass ich keinen Spaß dabei hatte. Als Beispiel: Als Kinder entdecke sie ihre Welt, alles ist neu, spannend. Erzählt wird es aber so, dass einfach nur eine düstere, einsame, traurige Stimmung rüberkommt, die so überhaupt gar nicht zum Inhalt passt. So schade, denn es hätte Potenzial für ein richtig tolles Buch gehabt.

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Rezension zu "Am Rand der Dächer" von Lorenz Just

Eine Kindheit zwischen Wende und Millennium
miro76vor 17 Tagen

Andrej wächst im Osten Berlins auf. Sein Revier ist die Straße und ihre teils sehr baufälligen Häuser. Mit seinem Freund Simon und seinem Bruder Anton besteigt er Hausdächer und entert Baracken. 

Zur Zeit der Besetzungen freundet er sich mit einer Gruppe von Aussteigern an und geistert in "ihrem Haus" herum. Er kennt keine Mauern und Grenzen, sein Blick ist überall. Aber was machen die Kids, außer beobachten, manchmal randalieren und später mutwillig zerstören? 

Ihre Kindheit ist geprägt von Wortlosigkeit und Nichts. Sie mäandern durch ihr Leben, träumen von Amerika und schaffen eigentlich keine bleibenden Eindrücke.

Als Andrej später sein Tagebuch findet, denkt er folgendes:

Meine kratzige Schrift konnte ich mühelos entziffern, nur zu glauben, dass ich es sein sollte, der diese inhaltslosen Sätze irgendwann einmal aufgeschrieben hatte, war schwer. Denn sie sagen mir nichts, ...

S. 259

Und ganz genau so erging es mir bei der Lektüre. Diese ganzen Sätze, in wirklich poetischer Sprache, sagen mir nichts, denn es fehlt die Substanz. In diesem ganzen Buch passiert wirklich rein gar nichts. Es ist schön geschrieben, dass kann ich wirklich nicht leugnen, aber es wirkt auf mich, wie heiße Luft. Ich musste mich durch die Seiten kämpfen. So ganz ohne Handlung wirkt es eher wie Lyrik. Allerdings ist es eine gelungene Darstellung einer langweiligen Kindheit, die aus lauter Langeweile in Vandalismus gipfelt. 

Mein Buch ist es nicht, trotzdem beweist der Autor mit diesem Debüt, dass er schreiben kann. Vielleicht sagt mir sein nächstes Buch mehr zu. 

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LovelyBooks lädt auch im Jahr 2020 zu spannenden Challenges ein.

Und auf euch warten tolle Gewinne.
Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist natürlich 2020 wieder dabei!

Liest du gerne Bücher mit Niveau?
Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.


15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2020 bis 31.12.2020 lesen.

Es gelten nur Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.
Auch Neuauflagen – 2020 erschienen - von Klassikern.

Die Regeln:

Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an.

Einstieg ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts.

Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein.

Es gelten nur Bücher (Achtung: keine Hörbücher, keine Bildergeschichten, keine Graphic Novels), die an diesem Beitrag angehängt sind!

Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Nimmst du die Herausforderung an?

Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2020 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.

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Ich freue mich auf viele Anmeldungen!

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Zum Thema
Cover des Buches Am Rand der Dächer

Im Rahmen dieser Aktion suchen wir 20 Leser*innen, die Lust haben, den Debütroman von Lorenz Just, »Am Rand der Dächer«, zu lesen und ihn bis zum 23.08. zu rezensieren.

Hallo zusammen!
Im Rahmen dieser Aktion suchen wir 20 Leser*innen, die Lust haben, den Debütroman von Lorenz Just, »Am Rand der Dächer«, zu lesen und ihn bis zum 23.08. zu rezensieren. 

In seinem ersten Roman verwebt Lorenz Just das Aufwachsen seiner Figuren mit der rasanten Veränderung, die aus dem Berlin-Mitte der Wende das Berlin-Mitte der Nullerjahre werden ließ.
Im großen Berliner Zimmer beginnt die Freundschaft von Andrej und Simon. Dort ritzen sie ihre Initialen ins Holz der Fensterbank und von dort aus begeben sie sich auf den langen Streifzug durch die Straßen ihres Viertels. Während Berlin-Mitte durch den Elan der herbeiströmenden Alteigentümer, Unternehmerinnen, DJs und DJanes, Kunst- und Abenteuerlustigen zu neuem Leben erwacht, gleiten die Kinder auf den Wegen ihrer Jugend an den Rand des Geschehens. Durch verwinkelte Hinterhöfe und den chaotischen Leerstand, in die Sackgasse der Kleinen Ham­burger Straße, wo sie den Anfang und das Ende der Besetzung der Nr. 5 beobachten, bis auf die Dächer, auf denen sie fern der Welt ganze Nachmittage verbringen. Als die alten Häuser hinter neuen Fassaden und die Flachdächer unter den Dachterrassen der neuen Bewohner mehr und mehr zu verschwinden beginnen, geraten sie auf immer bedrohlichere Abwege. 

Zum Ablauf:
Die Bewerbung ist per Kommentar im entsprechenden Thread möglich. Die Bewerbungsfrist endet am 05.08. um 23:59 Uhr, der Versand wird am 06.08. erfolgen.

Wenn ihr mitlesen möchtet, dann verratet uns doch bitte, was euch an der Lektüre reizt.
Eine entsprechende Leseprobe findet ihr hier

Wir drücken die Daumen. Herzliche Grüße aus Köln
 Eure DuMonts

86 BeiträgeVerlosung beendet
Letzter Beitrag von  miro76vor 17 Tagen

Hier ist meine Rezension:

https://www.lovelybooks.de/autor/Lorenz-Just/Am-Rand-der-Dächer-2577815946-w/rezension/2696022620/

Leider war das so gar nicht mein Buch. Obwohl mich das Thema sehr interessiert hätte. 

Die Rezension habe ich momentan nicht auf andern Seiten gepostet. Sollte das doch gewünscht werden, hole ich das natürlich gerne nach. 

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