Der böse Mensch

von Lorenz Just 
3,0 Sterne bei2 Bewertungen
Der böse Mensch
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J

Der Titel verspricht zu viel.

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Inhaltsangabe zu "Der böse Mensch"

Was ist das Böse? Gibt es das überhaupt? Ist der Begriff antiquiert, aufgelöst durch Feindifferenzierungen, oder gewinnt er wieder an Aktualität angesichts unserer Sprachlosigkeit so vielem gegenüber? Lorenz Just macht sich in seinen Geschichten auf die Suche. Nicht nach klaren Antworten, sondern nach Figurationen des Phänomens. Er nähert sich Personen, ihren Biografien, ihrem Umfeld – Geschichten, Räumen, Menschen, die alle auf irgendeine Weise mit dem kontaminiert sind, was man als 'böse' bezeichnen könnte. Die Schuld auf sich geladen haben oder sich schuldig machen, indem sie tun, was sie tun, denken, was sie denken, sagen, was sie sagen. Die Gestalten reichen von einem Mann, der in der Badewanne über sein Leben sinniert und sich als ehemaliger Warlord entpuppt, bis zu sympathischen älteren Bibliotheksbesuchern, die plötzlich ungeahnte Abgründe offenbaren.
Just macht sichtbar, ohne zu werten – und beschwört das Böse als ebenso mächtige wie ambivalente Kategorie herauf. ›Der böse Mensch‹ ist auch ein Buch über die Gegenwart der Erinnerung, das Fortleben vergangener Grausamkeiten in uns allen – und über unterschiedliche Strategien, mit etwas zu leben, wofür es keine Absolution gibt.

'Kühne Poesie und gedankliche Präzision – eine neue, unverwechselbare Stimme spricht aus den Erzählungen von Lorenz Just.' Lutz Seiler

'Ganz deutlich erinnere ich mich an die kalten Januarnächte, in denen ich dieses Buch zum ersten Mal las, an Visionen, Gebäude und Skizzen, an furchtbare und elysische Landschaften, einen Sturz durch die Himmel.' Dorothee Elmiger

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783832198794
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:150 Seiten
Verlag:DuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum:08.11.2017

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    Jetztkochtsies avatar
    Jetztkochtsievor 9 Monaten
    Für anspruchsvolle Leser ohne Angst vor der Düsternis

    Ich schätze ja Erzählungen und Kurzgeschichten sehr. Ich mag es vom Autor nur einen kurzen Weg begleitet zu werden, einen Impuls zu erhalten, eine Momentaufnahme und mir zu Vergangenheit und Zukunft der Geschichte eigene Gedanken machen zu können. Immer wieder finden daher Bände mit Erzählungen, Essays und Kurzgeschichten den Weg auf meinen Lesestapel.

    Lorenz Justs Buch „Der böse Mensch„, erschienen im Dumont Buchverlag, hat dort nicht sehr lange gelegen, bis ich es las. Die knapp 200 Seiten hat man auch flott durch, die Geschichten bewegen, berühren, schockieren, inspirieren, je nachdem, wie man sie auf sich wirken lassen möchte. Hier und da blieb ich auch als Leserin etwas ratlos zurück und fühlte mich in einem literarischen Experiment gefangen, nicht sicher, was der Autor vom Leser will oder ob es ihm einfach nur egal war, was der Leser bei diesem Satz oder dieser Schilderung nun denken würde.

    Der Einband ist grafisch sehr fokussiert gestaltet, die Erzählungen hingegen sind offen und weit und lassen sehr viel Raum sie selbst einzusortieren und zu interpretieren. Das mag ich. Ich lese gerne etwas experimenteller und eine Geschichte muß für mich nicht klassisch aufgebaut sein. Im Gegenteil ich mag solche abgefahrenen Dinge, wie zum Beispiel „Herr Naumanns Notizen zur Familiengeschichte“, eine Auflistung familiärer Details, die gemeinsam ein großes Ganzes bilden. Hier und da fühlte ich mich auch an Dorothee Elmigers Schlafgänger erinnert, nicht nur, weil sie auf dem Klappentext erwähnt wird, das mich allerdings damals nicht so begeistern konnte.

    Der böse Mensch hingegen löst in mir durch die Momentaufnahmen der Geschichten, durch die unverfälschten und klaren Blickwinkel einen ziemlichen Sog aus, immer noch ein Erzählung mehr, noch eine Seite weiter wollte ich lesen und dem theoretischen Gefühl des Bösen auf die Schliche kommen. Das Böse als Besonderheit, als Alltag und als Zwischenbilanz, hat mich in diesem Buch sehr berührt.

    Mir ist klar, dass diese Art der literarischen Unterhaltung nicht jeden Anspricht und auch nur eine sehr ausgewählte Leserschaft Freude an dieser Art von sperrigen Texten hat. Ich fühlte mich wirklich irgendwie abgeholt, mitgenommen und begleitet. Jede einzelne Erzählung löste in mir weitere Gedankengänge und Ideen aus und war präzise und klar formuliert. Mit einer sehr großen Liebe zu poetischen Worten und einer ganz eigenen Sprache.

    Meine Empfehlung gilt daher nicht für den Leser schöner und spannender Geschichten, aber ganz klar für den Leser, der gerne auch mal mit einem Text arbeitet, an ihm herumdenkt, ihn im Mund dreht und wendet und dann auf der Zunge zergehen läßt und vielleicht sogar die Erzählungen schätzt, die keinen süßen, sondern einen bitteren Geschmack im Mund hinterlassen.

    Für so einen Leser ist dieses Buch hier ganz großes Kino… alle anderen werden vermutlich nur ein Schulterzucken dafür übrig haben… Leider.

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    J
    jamal_tuschickvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Der Titel verspricht zu viel.
    Nachbar Naumann

    Ein Kind findet seine Wege im nächtlichen Dickicht. Im Hochland der Kronen kennt es die letzten verlässlichen Äste vor den Todeszonen. Aus Luft näht es sich ein Kissen. Es ist eine Autonome (seinem Wesen) nach. Nutrias und Eichhörnchen halten es auf dem Laufenden.
    Das Kind heißt Fini nach einer anderen Romanperson. Lorenz Just klärt den Zusammenhang. Er bezieht Fini aus Joseph Roths Roman „Der blinde Spiegel“, wo sie als postexpressionistische Stenotypistin im Stil der neuen Sachlichkeit scheitert. „Der böse Mensch“ betitelt eine Sammlung von Erzählungen. Sie lassen sich als Episodenroman am besten lesen. Der Autor verfolgt seine Figuren in Szenen, die ihre Selbständigkeit oft nur behaupten. Ihr Prinzip ist der Perspektivwechsel. Lebhaft werden sie im Spiel mit Erzählmanieren. Mal ist der Ton kräftig wie in Blech geblasen, dann wieder wird pointillisiert. Es braucht Herrn Naumann, um zu erfahren, dass der aus einem afrikanischen Krieg nach Deutschland vielleicht nicht unbedingt geflohene Badewannenmeister aus einer düsteren, dem bösen Menschen unter der Überschrift „Der Nachbar“ nachgehenden Introspektion seinem Erscheinen nach ein Mandingo ist – eine durchgreifende Persönlichkeit, die jeden Deutschen ins Ausland schickt, der seinen Laden betritt. Darin schneidet der grandiose Nachbar betrübten Landsleuten die Haare.
    Der Nachbar hat den Krieg vor jeder zivilen Beschäftigung kennengelernt. Er veranlasste die Entvölkerung von Gebieten und erzog den Nachwuchs zu Marodeuren. Auch in der neuen Heimat überragt er jene Männer, die in seinem Geschäft Heimat tanken. Jeden Tag wohnt er seiner Frau Fanta bei, um sich auf Wesentliches zu beschränken. Fanta bietet den Genuss ohne Reue. Auch noch nach vielen Ehejahren erbaut sie der Gatte.
    Nachbar Naumann ist aus traurigem Holz geschnitten. Sein Dasein verätzt ihn. Man übergeht ihn im Text wie im richtigen Leben.
    Der monumentale Titel überspannt die Erzählbögen. Der Autor hetzt hinter dem bösen Menschen her, ist aber zu langsam. Nach einer Weile weicht die Erwartung, es gäbe seelische Abgründe zu besichtigen, der heiteren Langeweile, mit der man zeitgenössische Literatur sympathisierend zur Kenntnis nimmt.

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