Lori Ostlund Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

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Inhaltsangabe zu „Das Leben ist ein merkwürdiger Ort“ von Lori Ostlund

Über das Weggehen, das Ankommen und das Leben dazwischen Für einen Neuanfang in San Francisco kündigt Aaron Englund seinen Job und verlässt seinen langjährigen Partner Walter. Doch Aaron holen Erinnerungen ein: an die Jahre als Außenseiter in einem kleinen Provinznest, an den Tod des Vaters, an seine Mutter, die eines Nachts mit dem Dorfpfarrer durchgebrannt und nicht mehr zurückgekommen ist. Aber auch an besondere Begegnungen mit seiner fanatischen Tante Jean, dem Griesgram Clarence oder der dicken Bäckerin Bernice – allesamt fremd in einer Welt, in der Anderssein nicht erwünscht ist ...

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  • Eine "Ballade vom traurigen Leben", das dennoch gelingen kann

    Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

    Joachim_Tiele

    04. December 2016 um 20:31

    Lori Ostlunds Das Leben ist ein merkwürdiger Ort ist eine von drei ins Deutsche übersetzten Neuerscheinungen aus dem Jahr 2016, die ich wie eine Art Trilogie empfunden habe, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem aktuellen Zustand der modernen amerikanischen Familie beschäftigt. Justins Heimkehr von Bret Anthony Johnston war für mich das dystopisch düsterste dieser Bücher, das keine Chance für ein glückliches oder auch nur ansatzweise gelingendes Leben der Protagonisten in Aussicht stellt. Jonathan Saffran Foers Hier bin ich beschreibt das Ringen um ein gutes, reflektiertes und ethisch vertretbares Leben, das in zentralen Aspekten scheitert (die Ehe der Protagonisten zerbricht), stellt aber auch die philosophische Haltung heraus, zu der Rationalität, reflektiertes Handeln und eine insgesamt aufgeklärte Lebenseinstellung führen können. Das Leben ist ein merkwürdiger Ort ist das optimistischste dieser Bücher, ohne allerdings weder dem Protagonisten, noch dem Leser falsche Versprechungen zu machen; ein Trostbüchlein hätte man es vielleicht in früheren Zeiten genannt. Aaron, der Protagonist, trennt sich mit zweiundvierzig Jahren am Weihnachtsabend von seinem Lebensgefährten Walter, mit dem er zwanzig Jahre lang ein Paar war, fährt nach San Francisco, lebt dort zum ersten Mal allein, findet eine neue Arbeitsstelle und gegen Ende des Romans vielleicht einen neuen Freund. Doch so scheinbar stringent verläuft der Weg nicht. Entgegen der Verlagsankündigung ist Das Leben ist ein merkwürdiger Ort kein Roman über das Ankommen, vermeidet aber auch die platte Botschaft, der Weg sei das Ziel. Aarons Leben ist eine lebenszeitlange Suchbewegung, heraus aus den Festlegungen seiner Herkunftsfamilie, die ihn gleichzeitig zeitlebens nicht loslassen. Da ist der gewalttätige, überhebliche Vater, ein Polizist, dem es Spaß macht, sein Selbstwertgefühl durch die Erniedrigung seines Sohnes zu stärken. Da ist die Mutter, die ihn ohne Ankündigung verlässt. Da ist Walter, der ihn als Fünfzehnjährigen kennenlernt, lange bevor zwischen ihnen eine sexuelle Beziehung entsteht, und der für seine Ausbildungskosten aufkommt. Das Leben ist ein merkwürdiger Ort ist auf eine ungewöhnliche Weise ein psychologischer Roman. Eher an Freuds Technik der freien Assoziation orientiert als am fiktionalen Bewusstseinsstrom der literarischen Moderne, bezieht sich Ostlund ganz stark auf die existenzielle Psychologie und Psychotherapie (@Wikipedia). Dieser zufolge ist Psychotherapie nicht nur etwas für Kranke. Ihre Begründung liegt nicht im Leidensdruck, der normalerweise als conditio qua non für psychotherapeutische Inerventionen angesehen wird, sondern in der Neugierde das eigene Leben betreffend, seine Brüche ebenso wie seine Zusammenänge. Grundsätzlich fußt sie auf der Psychoanalyse, sieht sich aber stärker noch als diese als Kulturtechnik und bezieht Literatur, Philosophie und kulturelle Antropologie ein. Dabei verzichtet sie auf jede Art von Heilungsversprechen. Ein unglücklicher Mensch kann - und wird vermutlich - immer unglücklich bleiben; die Linderung des Leids besteht allein darin, dass er die Herkunft und die Gründe für dieses Leid besser verstehen kann. Daraus kann die Kraft entstehen, trotz widriger Voraussetzungen und Umstände ein selbstbetimmtes Leben zu führen, das die Bedürfnisse der Mitmenschen einschließt. Dazu gehört insbesondere die freie Wahl der Bezugsspersonen. Eltern sind in diesem Konzept eher Zufallsverwandte, die einen starken, in Einzelfällen auch verheerenden Einfluss auf ihre Kinder haben können. Man kann, auch wenn man darunter leidet und er das Lebensglück behindert, diesen prägenden Einfluss nie loswerden. Auch die Eltern selbst können einen zu einem späteren Zeitpunkt davon nicht freisprechen. Gleichfalls ist die Forderung des Verzeihens, in einigen psychotherapeutischen Konzepten die Vorbedingung einer Befreiung von den Eltern, häufig unrealistisch oder, wenn es denn stattfindet, wirkungslos. In Aarons Fall scheitert die Wiederbegegnung mit seiner Mutter als Erwachsener völlig. Der Privatdetektiv, der seine Mutter für ihn aufspürt, wird für einige kurze Momente für Aaron fast eine Art Götterbote, aber kurz darauf in einem völlig anderen Zusammenhang ermordet (möglicherweise sehr bewusst durch die Verfasserin, um auch den leisesten Anflug von Spannungsliteratur zu vermeiden). Der Privatdetektiv ist einer einer ganzen Reihe frei gewählter vorübergehender Gefährten Aarons, ebenso wie Walter oder dessen Schwester, die in beider gefühlter Seelenverwandtschaft ihm nahe steht wie eine eigene. Das Konzept dahinter ist ein Element dessen, was manche als das andere Amerika bezeichnen: eine Solidarität auf Zeit, die blutsverwandtschaftliche Bindungen in ihrer Verbindlichkeit weit übersteigen kann, im ländlich-konservativen Minnesota, aus dem Aaron stammt, ebenso wie im großstädtisch-progressiven San Francisco. Es geht darum, Außenseiter zu akzeptieren und bei Bedarf auch aufzufangen. Insbesondere San Francisco hat seit den frühen neunzehnhundertsechziger Jahren eine Tradition aus zivilgesellschaftlichem Protest ebenso wie Engagement. Legendär sind Ideen aus dem Summer of Love wie kostelose medizinische Versorgung in einem Land ohne Krankenversicherung und Geschäfte, in denen kostenlos eingekauft werden konnte (Free Food, Free Stores, Free Clinics) (1). Einige dieser Ideen, auch die der freien Liebe und der Toleranz für viele Formen sogenannter abweichender sexueller Orientierungen, prägen San Francisco bis heute. Aber diese Ideen müssen, sollen sie weiterbestehen, täglich nicht nur als Konzept sondern als Alltagspraxis fortgesetzt und verteidigt werden. Auch dafür steht dieses Buch, frei von Nostalgie und frei von falschen Versprechungen. Wer Bücher hauptsächlich liest, um in andere Welten entführt zu werden oder der Welt insgesamt zu entfliehen (Buch auf - Welt aus lautete die Statusmeldung einer Besucherin meines Profils hier bei LovelyBooks), ist bei Das Leben ist ein merkwürdiger Ort vermutlich verkehrt. Eher ist es eine Einladung, das Kennenlernen von Aarons Welt zum Anlass der Inspektion der eigenen zu nehmen, auch wenn für die meisten deutschen Leser vermutlich keine Eins-zu-eins-Entsprechungen zu erkennen sein werden. Abstraktionsvermögen, aber auch die Fähigkeit zur Übertragung (im psychologischen Sinne) sind erforderlich, die Bezüge von einem fremden Selbst zu seinem eigenen zu ziehen. Aber es kann gelingen, vielleicht dann, wenn einem selbst einmal etwas passiert, das man nur aus der Vergangenheit - ob aus seiner eigenen oder der anderer - verstehen oder erklären kann. Joachim Tiele - 04.12.2016 _______ (1) Der deutsche wie der englischsprachige Wikipediaartikel zum Summer of Love sind eher oberflächlich und reduziert auf Musik und Drogengebrauch. Der organisatorische Kern der Bewegung waren die Digger, auf deren Webseite man die ausführlichsten Informationen dazu finden kann: http://www.diggers.org/history.htm

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  • Der Albtraum der amerikanischen Familie

    Justins Heimkehr

    Joachim_Tiele

    28. November 2016 um 11:49

    Eine glückliche Familie erleidet einen schweren Schicksalsschlag, die Entführung eines Kindes, und erhält nach der überraschenden Rückkehr des Entführten die Chance, wieder eine glückliche Familie zu werden? Nein, niemand ist hier glücklich, war es je oder wird es in der Zukunft sein. Bret Anthony Johnstons Debütroman bietet eine nicht-voyeuristische Innenansicht einer amerikanischen Durchschnittsfamilie der unteren Mittelschicht, ironischer Weise der eines High-School-Lehrers, die ständig hinter dem nächsten Paycheck herhechelnd sich praktisch nichts leisten kann, als das Minimum zum Überleben. Selbst ein neuer Rasen für den Garten, anlässlich der Party, die die Heimkehr des entführten Justin feiern soll, wird zum finanziellen Problem. Der Roman spielt im texanischen Corpus Christi, der am Golf von Mexiko gelegenen, nach Angaben der US-Zensusbehörden zweitungebildetsten Stadt der USA (1), die auch ansonsten eher lebensfeindlich ist. Die klimatischen Verhältnisse, insbesondere im Sommer, sind für Europäer, die nie dort waren, kaum vorstellbar (der Rezensent hatte einmal im Juli den klimatisierten Bereich des nahegelegenen Houston International Airport verlassen, um eine Zigarette zu rauchen: nichts hatte ihn darauf vorbereit, Luft wie flüssiger Zement einzuatmen, und diese Zigarette hat er nicht zu Ende geraucht) – und auch sie durchziehen, wie andere Widrigkeiten des amerikanischen Alltags, den Roman auf jeder Seite. Beschrieben wird eine real existierende Dystopie im Hier und Jetzt, in der es der Entführung nicht bedurft hätte, um die albtraumartigen Lebensverhältnisse der Protagonisten (be)greifbar zu machen, die äußeren wie die inneren Verhältnisse. Denn es ist das beschädigte Innenleben der Beteiligten, das die Situation, die durch die Entführung entstanden ist, zusätzlich unerträglich macht, weil sie sich selbst kaum ertragen können. Die Folge ist eine weitgehende Kommunikations- (fast Interaktions-) -losigkeit der Familienmitglieder, verursacht durch Ängste und Schuldgefühle, erziehungsbedingte Unsicherheiten und unerfüllbare Anforderungen an ein (scheinbar) glückliches Familienleben. Dadurch, wie der Roman verlagsseitig beworben wird, (das US-amerikanische Original und stärker noch die deutsche Ausgabe) entsteht leicht eine Lesererwartung zwischen Thriller und Frauenroman, der irgendwie auch so etwas wie einen Anspruch hat (und auf der englischsprachigen Webseite von Random House findet man Materialien zur Lektüre an High Schools und Colleges). Der Thrilleraspekt erinnert an Denis Lehanes Mystic River, in dem auch ein Jugendlicher entführt wird, der danach völlig verstört ist, unterstrichen durch den Prolog, der eine Situation beschreibt, in der Spaziergänger in einem Hafenbecken eine Leiche entdecken, die auch der bald auftauchenden Polizei – ebenso wie dem Leser – Rätsel aufgibt. Interessanterweise hält sich die Rezensentin der New York Times nicht einen Moment lang damit auf (2), sondern zitiert ein Buch aus den sechziger Jahren, in dem es um die Beziehung von Kunst und Moral geht, und innerhalb der Literatur als Kunstform um die erzählerische Distanz des Autors, aus der heraus er seine Geschichte anlegt, und wie er die Beziehung zwischen dem Erzähler, den Charakteren und dem Leser gestaltet. Diese Distanz der Darstellung zu beherrschen, ist eine Technik des jeweiligen Autors, die uns – als Leser oder Rezensenten – so über das Buch reden lässt, als ob es auf die Technik, mit der es geschrieben wurde, gar nicht ankäme. Diese Fähigkeit des Autors, sich selbst zurückzunehmen und den Figuren ein eigenes Recht einzuräumen, als wären sie tatsächliche Personen mit eigenen Persönlichkeitsrechten, sieht die Rezensentin der New York Times als einen großen Verdienst von Justins Rückkehr. Die Frage, die sich durch den Roman stellt, ist daher im engeren Sinne gar nicht die, wie diese spezielle Familie mit genau diesem Entführungsfall umgeht, sondern die danach, was Fiktionalität heute kann, wie sie gesellschaftliche wie persönliche Verhältnisse ihrer Protagonisten und deren auf einander Ein- und Rückwirken beschreibt. Die Entführungsgeschickte um Justin ist lediglich der äußere Inhalt, die Themen des Romans sind andere: generationenübergreifende familiäre Strukturen, das US-amerikanische Bildungssystem und seine Folgen, die Abkoppelung der verarmenden gebildeten Mittelschicht von gesellschaftlicher Teilhabe, aber auch Journalismus, Selbstjustiz und die Todesstrafe. Soweit ein wichtiges und großartiges Buch, auch wenn die Freunde von Thrillern und gemütsbetonten Familienromanen möglicherweise überlange Reflexionen und ein nicht schlüssig in Richtung Familienglück weisendes Ende beklagen. Egal wie man seinen Leseschwerpunkt legt, die deutsche Ausgabe des Romans hat ein Problem – die Übersetzung. Vordergründig fallen unnötige Anglizismen auf, für die es – nicht nur für Sprachpuristen – eindeutige Übersetzungen gibt: Krabben, und Corpus Christi ist ein Zentrum der Krabbenfischerei, heißen durchgängig Shrimps und Eisbären, englisch polar bears, werden zu Polarbären. Okay, kann man durchgehen lassen, aber dass in einem Roman mit einem Lehrer für texanische Geschichte als einem der Hauptprotagonisten das texanische Nationalheiligtum The Alamo durchgehend als Alama auftaucht, zeigt, dass sich Übersetzerin wie Lektorat nicht wirklich mit dem Roman auseinandergesetzt haben. Das Hauptproblem der Übersetzung ist aber ein anderes: Auffällig viele Teilnehmer/innen der Leserunde hier bei LovlyBooks haben beklagt, dass sie nicht gut in den Roman hineingefunden hätten, und dies bei einem Prolog, der gleichlautend in einer Thrillervariante des Themas hätte stehen können. Das Problem ist das, was man in der Linguistik als grammatikalisches Zeitmanagement bezeichnet, das im Deutschen und Englischen stark voneinander abweicht. Die Übersetzerin hat die Zeiten (tenses) eins zu eins aus dem Englischen übernommen. Im Deutschen hätte man im Prolog das sogenannte historische Präsens erwartet, damit er den Leser, nach deutschen Lesegewohnheiten, richtig packt (3). Auch wenn, bei entsprechenden Sprachkenntnissen, das englische Original der deutschen Übersetzung sicherlich vorzuziehen ist, soll hier dennoch kein Punktabzug erfolgen. Dafür hat der Roman zu viel Substanz, der auch die Übersetzung nichts anhaben kann. Und er reiht sich ein in eine (nahezu und in Anführungszeichen, da es sich um jeweils eigenständige Bücher handelt) Trilogie von Romanen zum Zustand der amerikanischen Familie, die in diesem Jahr auf Deutsch erschienen sind: Jonathan Saffran Foers Hier bin ich (bei Kiepenheuer & Witsch) und Lori Ostlunds Das Leben ist ein merkwürdiger Ort (als Hardcover bei dtv). Insofern ist eine deutsche Übersetzung von Justins Heimkehr zu begrüßen. Allerdings hat der Beck Verlag als literarischer Verlag einen Ruf zu verlieren, wenn auch er aus Kosten- oder anderen Gründen bei Übersetzungen schlampt, insbesondere wenn man weiß, welche Sorgfalt amerikanische Verlage bei literarischen Übersetzungen aus dem Deutschen walten lassen. Spätestens zur Taschenbuchausgabe sollte die Übersetzung zumindest gründlich überarbeitet werden. Joachim Tiele – 28.11.2016 _________ (1) https://en.wikipedia.org/wiki/Corpus_Christi,_Texas (2) http://www.nytimes.com/2014/08/10/books/review/remember-me-like-this-by-bret-anthony-johnston.html?_r=0 (3) Das kann Jeder anhand der Leseprobe auf der Webseite des Beck-Verlages selbst für sich im Kopf ausprobieren: Die einfache Vergangenheitsform (Präteritum) ins Präsens setzen und Aussagen zur noch weiter zurückreichenden Vergangenheit (etwa im Plusquamperfekt) entsprechend anpassen. Dann liest sich der Prolog sofort flüssiger und ist eher geeignet, den Leser zu packen.

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    • 7
  • Viel Lebensweisheit, ein toller Schreibstil und eine interessante Hauptfigur

    Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

    sahni

    24. October 2016 um 18:16

    Aarons Lebens ist seltsam. Oder kommt es einem nur so vor, weil in den meisten Büchern nicht so schonungslos ehrlich übers Leben berichtet wird? Lori Ostlund bringt das Wesen des Menschen gekonnt zur Geltung. Selten geht es nur um Aaron und seine Probleme. Viel mehr kann dieses Werk als eine Ansammlung von unglaublich interessanten und vielschichtigen Charakteren angesehen werden, deren Porträts (nicht immer ganz) nahtlos in die Handlung eingeflochten sind. Auf seinem Weg in Richtung Neuanfang, lernt die Hauptperson viele Menschen kennen oder neu kennen. Zufällige Begegnungen werden zu etwas viel aufregenderem, lose Bekanntschaften werden zu Freundschaften. Was mich aber am meisten begeistern konnte, war die Tatsache, dass die Autorin Aarons Leben in San Franzisco von A bis Z schildert, obwohl es recht unaufregend ist. Er geht zur Schule, unterrichtet dort, geht nach Hause oder in ein Café. Er hört den Nachbarn beim Streiten zu, starrt an die Decke, überlegt oder macht einfach gar nichts. Das hört sich langweilig an, nicht nur für den Hauptcharakter, sondern auch für den Leser. Seltsamerweise ist es aber nicht so. Immer wieder werden Erinnerungen in die eigentliche Handlung eingebettet, das heißt über mehrere Seiten werden Ereignisse aus Aarons Kindheit (die einen großen Teil einnimmt), aus der Zeit, in dem er mit seiner Mutter in einem Café arbeitet oder aus der Lebensphase mit Walter geschildert. Diese Vergangenheitsepisoden sind nicht immer nahtlos in die Gegenwart eingefädelt. Die Geschichte an sich streckt sich hin und wieder. Als Leser wird man das Gefühl nicht los, gleich mehrere Bücher parallel zu lesen.Zugegeben, ungefähr auf der Hälfte des Buchs, musste ich es einfach mal auf Seite legen. Ich brauchte mehr Aktion, mehr Handlung, mehr Aufregung. Also nahm ich einen Krimi zur Hand und legte „Das Leben ist ein merkwürdiger Ort“ erst mal zur Seite. Später kam ich auf die Geschichte zurück und mir gefiel es auf Anhieb wieder in Aarons Leben einzutauchen. Man muss sich auf die Art und Weise der Autorin einlassen. Ihr Schreibstil ist unglaublich weise, flüssig zu lesen. Sie gibt dem Leser anregende Gedanken mit auf den Weg. Man fängt an dies oder jenes mit anderen Augen zu betrachten, was für einen Autor sicherlich eines der besten Komplimente überhaupt ist. Fazit: Ein leiser Roman mit ganz viel Lebensweisheit, Menschenverständnis und einer melancholischen Stimmung. Wer mal etwas anderes lesen möchte, sollte es unbedingt mit diesem Buch versuchen!

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  • Eine Geschichte mit vielen kreativen Ausschmückungen und Abschweifungen

    Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

    Lrvtcb

    19. October 2016 um 21:02

    „149 Einträge stehen in Aarons „Klagenkatalog“, als er beschließt, seine langjährige Beziehung zu beenden. In San Francisco will er ein neues Leben beginnen. Er findet auch rasch eine Unterkunft und einen Job, dennoch gestaltet sich der Neuanfang holpriger als gedacht. Aaron holen Erinnerungen an seine Kindheit ein: an die Jahre als Außenseiter in einem Provinznest in Minnesota, an den Tod des jähzornigen Vaters und an seine liebevolle, aber labile Mutter, die eines nachts mit dem Dorfpfarrer durchgebrannt und nicht mehr zurückgekommen ist. Leuchtfeuer auf seinem Weg waren Begegnungen mit anderen Eigenbrötlern, wie er fremd in einer Welt, in der Anderssein nicht erwünscht ist. Zwanzig Jahre lang hat Aaron nichts von seiner Mutter gehört. Als er den Detektiv Bill kennen lernt, bietet sich ihm unverhofft die Möglichkeit, sich seiner Vergangenheit zu stellen.“ Das Buch wurde angekündigt als eine Geschichte „über das Weggehen, das Ankommen und das Leben dazwischen“. Ich war also darauf eingestellt keinen seichten, einfachen Roman zu lesen. Diese Erwartung war sehr wichtig und hat sich eindeutig als richtig erwiesen. Zu Beginn lernt der Leser direkt Aaron kennen. Er ist ein sehr reflektierter und nachdenklicher Mann. Wer sonst würde fast 150 Gründe aufschreiben, seinen Lebenspartner zu verlassen. Eine gründlichere Entscheidungsvorbereitung kann es kaum geben. Ansonsten lebt er recht zurückgezogen und findet kaum Freunde. Es ist somit nicht verwunderlich, dass sein Leben zwar einige Wendepunkte hat, aber er nicht sonderlich abenteuerfreudig ist. In dem Buch heißt es einmal: „Geschichten darf man nie in Eile erzählen. Man muss immer genug Zeit für kreative Ausschmückungen und Abschweifungen lassen, was bleibt uns denn sonst von ihnen?“. Diese Aussage könnte auch das Motto dieser Geschichte sein. Es ist die Geschichte von Aarons Neuanfang in San Francisco. Dazwischen gibt es jedoch viele Abschweifungen, die sein Kindheit, die Lebensgeschichte von Freunden und Bekannten sowie viele alltägliche Dinge erzählen. Literarisch ist das Buch sehr gut geschrieben und die detaillierten Ausschmückungen sind durchaus interessant. Jedoch haben mich die vielen Zeitsprünge teilweise verwirrt. Ich hätte manchmal auch gerne mehr über Aarons jetziges Leben erfahren, stattdessen habe ich seitenweise seine Freunde kennen gelernt. So gut das Buch auch geschrieben ist, so habe ich mir häufig weniger Beschreibungen und mehr Handlung gewünscht. Die Geschichte ist wie Aaron sehr durchdacht und gut überlegt, aber mir fehlte das Abenteuer. Wenn man einen Neuanfang wagt, gibt es dann nicht viele Sachen, die man erleben oder ausprobieren möchte? Da manchmal nicht so viel passiert ist, fehlte mir die Spannung und ich mochte zum Teil nicht weiter lesen. So habe ich deutlich länger für dieses Buch gebraucht, als ich sonst an einem Buch lese. Insgesamt bin ich mir nicht sicher, ob ich das Buch weiter empfehlen kann. Es ist eindeutig einzigartig und die Sprache ist faszinierend. Wer gerne tiefgründige Portraits liest, der wird dieses Buch auf jeden Fall lieben.

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  • After the Parade

    Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

    kalligraphin

    18. October 2016 um 17:43

    "Es ist schwer, Menschen, die zu wissen glauben, wer man ist, von ihrem Bild abzubringen, und das macht es sehr schwer, jemand anderer zu werden." (229) Nach über zwanzig Jahren Beziehung beschließt Aaron, seinen Partner Walter zu verlassen. In der Nacht vor Weihnachten fährt er mit einem Transporter, vollgeladen mit seinen Habseligkeiten, von Minnesota nach San Francisco, wo er künftig leben und arbeiten wird. Wie es zu der Trennung kam, wer Aaron eigentlich ist und wie er zu eben diesem Mann wurde, erfährt man nach und nach in Rückblicken - wunderbar in die gegenwärtigen Geschehnisse und Begebenheiten eingeflochten. Aaron begegnet auf seinem Lebensweg immer wieder sehr interessanten Personen. Oder vielleicht werden die auch nur so interessant durch Aarons sehr besonderen, aufmerksamen und einfühlsamen Blick auf die Welt. Ein Neuanfang muss nicht immer von bitteren Gefühlen begleitet sein, auch wenn man vermutlich Menschen verlassen und verletzen muss auf seinem Weg in einen neuen Lebensabschnitt. Doch wenn man es schafft, so tolerant und verständig wie Aaron im Miteinander zu sein, können auch Trennungen und das Verlassenwerden sehr versöhnlich betrachtet werden. "Das Leben ist ein merkwürdiger Ort" ist ein wunderbar facettenreicher Roman. Eine sehr feine Geschichte, die von den Gedanken ihres Protagonisten und dessen sehr höflicher, beobachtender Art lebt. Im Original heißt der Roman "After the Parade" - was sehr passt, da eine Parade die Schlüsselszene zu Aarons gesamtem Leben darstellt. Der deutsche Titel passt nicht ganz zur Sprache des Romans, gefällt mir aber trotzdem sehr, da er humorvoll darauf hindeutet, dass es in diesem Buch weniger im eine spannende Handlung geht als vielmehr um sehr intelligente Alltagsbeobachtungen.

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    • 2
  • Buchverlosung zu "Das Leben ist ein merkwürdiger Ort" von Lori Ostlund

    Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

    dtv_Verlag

    Eure Playlist zum Buch »Was uns manchmal am schwersten fällt ist, einem anderen Menschen das zu geben, was er am dringendsten braucht, auch wenn wir genau wissen, was das ist.« Als Lori Ostlunds Debüt 2015 im Original erschien, wurde es zu einem der "Favorite Books" des Jahres von zahlreichen Lesern. Kein Wunder: ›Das Leben ist ein merkwürdiger Ort‹ ist eine Tragikomödie rund um den liebenswerten Außenseiter Aaron, die so voller zartem Humor und gleichzeitig so herzzerreißend ist, dass man am Ende des Romans auf der Stelle mehr von dieser wunderbaren Autorin wünscht! In unserem Online-Special hat Lori Ostlund eine Playlist zum Buch zusammengestellt und fragt sich, was Aaron wohl gehört haben könnte, als er seinen Partner nach zwanzig Jahren verlässt und in einem Möbelwagen ins Ungewisse fährt: "99 Luftballons" wohl eher nicht, auch wenn das einer von Loris persönlichen Favoriten ist. Welchen Song würdet ihr hören, wenn ihr in ein neues Leben aufbrechen würdet?Unter allen Kommentaren verlosen wir 15x ›Das Leben ist ein merkwürdiger Ort‹.Viel Glück und wir sind gespannt auf die "Lovelybooks-Playlist" zum Buch!Eure dtv-Onlineredaktion

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    • 349
  • Ein Roman der leisen Töne

    Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

    Waschbaerin

    06. October 2016 um 21:47

    Angesprochen wurde ich durch das Cover, mit diesem typischen Foto der Golden Gate in San Francisco im Nebel. Was mich als Roman erwartete, war jedoch ganz anders als erwartet. Es ist ein Buch der leisen Töne. Wunderschön. Kein Highlight jagt das nächste und die üblichen Protagonisten zeitgenössischer Romane, die sich in ihrem Ruhm und Reichtum sonnen, die sucht man hier vergebens. Im Mittelpunkt dieses Buches steht Aaron. Es beginnt damit, dass Aaron seinen langjährigen Lebensgefährten Walter verlässt. Auf der Fahrt von Albuquerque (New Mexico) nach San Francisco (Kalifornien) lässt er sein Leben Revue passieren. Wir lernen dieses Kind Aaron kenne, voller Vertrauen in die Welt der Erwachsenen und brav - um nicht zu sagen unterwürfig. Ein cholerischer Vater und eine schwache Mutter, die ihn immer dann im Stich lässt, wenn er sie dringend bräuchte. Den Vater verliert Aaron schon sehr früh durch einen Unfall und verlässt danach mit seiner Mutter die Stadt und sein Lebensumfeld. Der erste Weggang und Neuanfang. Seine Mutter übernimmt ein Café, in dem er schon als Kind mitarbeiten muss. Später überlässt sie ihren Sohn den unterschiedlichsten Menschen in dem neuen Wohnort, die Hilfe brauchen. Doch die Motivation seiner Mutter ist eine ganz eigene. Sie will Zeit für sich alleine, da auch sie von diesem Leben überfordert ist. Aaron, ein feinfühliger Junge merkt sofort, dass sie Distanz zu ihm sucht. Ihr Wunsch nach Abstand geht später so weit, dass sie ihren Sohn ohne ein Wort des Abschieds verlässt. Die Köchin des Cafés nimmt Aaron mit zu sich nach Hause, weil er nicht weiß wohin. Er hat das Glück, im richtigen Moment die richtigen Menschen zu treffen. So auch Walter, einen viel älteren Mann, der Aaron später bei sich aufnimmt und ihm die Ausbildung zum Lehrer bezahlt. Zwischen ihnen entwickelt sich eine berührungslose Liebe. Erst nach einigen Jahren werden sie ein schwules Liebespaar und bleiben über 20 Jahre zusammen. Walters sanftes Wesen und seine tiefe Liebe bewirken, dass Aaron, dieser verletzte, in seinem Inneren noch immer kleine Junge, heil wird. Doch irgendwann wird Aaron diese Liebe zu eng, verflüchtigt sich. Zurück bleibt lediglich Dankbarkeit, zu wenig für ein gemeinsames Leben. Er kommt zu der Erkenntnis, das Walter ihm die Wünsche von den Augen abgelesen habe um ihn an sich zu binden, von sich abhängig zu machen. Ist die Liebe nicht oftmals so, dass der Partner zum Besitz wird? Viele solcher Lebensweisheiten sind immer wieder in diesen Roman eingeflochten. Wie auch auf Seite 212: "... Eines jedenfalls hatte er gelernt, wenn er sich anhörte, was seine Schüler alles wissen wollten: Gar nichts würde je besser werden in diesem Land, wenn die Menschen nicht endlich lernten, all die Fragen zu stellen, die nie zu stellen man ihnen beigebracht hatte." Im Hinblick auf die Rezi markierte ich jede Seite, die eine erwähnenswerte Stelle enthielt mit einem Stück Papier, bis ich feststellte, dass ich laufend solche Markierungen angebracht hatte und sich der Deckel anfing zu biegen. Danach ließ ich es sein und fand mich damit ab, dass dieses Buch davon überfloss und ich all diese Stellen in der Rezi gar nicht ansprechen kann. Es sind einfach zu viele. An der Schule in San Francisco gibt Aaron die Menschenfreundlichkeit, die Walter ihm vorlebte, an seine erwachsenen Schüler, die aus aller Welt hierher kamen und ein gutes Leben in den USA erhoffen, weiter. Am Ende sagt Aaron "Danke" zu Walter, "du hast mich gerettet". Im Alter von 42 Jahren lässt er die Schatten seiner Kindheit und Jugend hinter sich. Er ist bereit, ein neues Leben anzugehen.

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  • Merkwürdige Orte und verschlungene Lebenswege

    Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

    Bibliomarie

    02. October 2016 um 16:09

    Aaron ist 42 Jahre alt, mehr als die Hälfte seines Lebens hat er an der Seite des viel älteren Walters verbracht, den er als Teenager kennenlernte. Walter nahm sich seiner an, ermöglichte ihm ein Studium und gab seinem Leben eine neue Richtung, man könnte sagen, Walter rettete ihn. Aber nun packt Aaron fast wortlos seine Sachen und bricht in ein neues Leben auf, nach San Francisco ausgerechnet. Einen Job und ein mieses, kleines Appartement ist schnell gefunden und zum ersten Mal beginnt Aaron sein Leben zu reflektieren. Seine armselige Kindheit unter einem cholerischen und kleingeistigen Vater und einer schwachen Mutter, die ihn nach dem frühen Tod des Vaters eher als Belastung empfand. Sie hat ihn als Jugendlichen einfach verlassen, ohne Erklärung, ohne Vorwarnung war er plötzlich ganz auf sich gestellt, bis er Walter traf.Aaron lebt ein seltsames Leben, fast wie aus zweiter Hand. Er ist ein höflicher, zurückhaltender Mensch, der sich für seine Mitmenschen interessiert, aber nie erwartet, dass auch er für andere interessant sein könnte. Es gibt viele erstaunliche Menschen in Aarons Leben, die ihn stützen und prägen. Durch die Rückblenden wird der Mensch Aaron sichtbar, mit seinen Verletzungen und Unsicherheiten und es scheint, dass er sich nun zum ersten Mal seiner Geschichte stellt und sich dadurch zum ersten Mal selbst als Person wahrnimmt.Das Leben ist ein seltsamer Ort und nimmt manchmal auch seltsame Wege. Aarons Wege fand ich faszinierend beschrieben, ein melancholischer Ton durchzieht das Buch, aber es wirkt auf mich nicht negativ, ganz im Gegenteil. Das Buch geht feinfühlig mit seinen Protagonisten um und immer wieder scheint feiner Humor durch. Aaron erkennt, dass seine Liebe zu Walter sich zu Dankbarkeit gewandelt hat und Dankbarkeit allein ist keine tragfähige Basis für ein gemeinsames Leben. Erst als er Walter verlässt, ist er fähig sich wieder auf Liebe einzulassen und auch auf das vergangene Leben positiv zurückzublicken.Ich habe das Buch von der ersten Zeile an geliebt und Aaron und die Menschen, die ihm begegnen ins Herz geschlossen. 

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    • 2
  • Sprachlich super, ungewöhnliche Geschichte, leider etwas langatmig in der zweiten Hälfte

    Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

    Talitha

    01. October 2016 um 20:45

    Zum Inhalt: Der jüdische homosexuelle Englischlehrer Aaron verlässt seinen langjährigen, wesentlich älteren Lebenspartner Walter und zieht nach San Francisco. Auf dem Weg dahin und auch später erinnert er sich an seine schwierige Kindheit und junges Erwachsenenleben und auch seine Beziehung zu Walter, die alles andere als gewöhnlich sind. Der Erzählstil ist einfach super gelungen, auf gehobenem Niveau, dabei unterhaltsam und plastisch. Ich bin Aarons Leben und Erinnerungen gerne gefolgt, allerdings fand ich sein Leben in San Francisco und dabei vor allem die für meinen Geschmack sehr langen und langweiligen Ausführungen nicht mehr so fesselnd. Insgesamt ein faszinierendes Buch über einen ungewöhnlichen Menschen (wie es ja gerade in Mode ist), dabei auf sehr hohem Niveau geschrieben und von mir daher eine Weiterempfehlung!

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  • Keine würdige Rezension

    Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

    radmoth

    01. October 2016 um 10:39

    Dieses Buch ist ein wirklich sehr gelungenes Werk. Es hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen. Aaron ist die Hauptfigur, die mir sowohl als Kind, als auch als erwachsener Mann sympatisch ist.  Er durchlebt eine Kindheit, die wohl niemand als durchschnittlich bezeichnen würde.  Er sieht zu wie sein Vater stirbt und einige Jahre später verlässt ihn auch noch seine Mutter. Er ist ein neuriges, aufgewecktes Kind und versucht die Welt der Erwachsenen zu verstehen, doch manchmal ist es besser, wenn man einfach den Mund hält. Seine Klassenkameraden können ihn nicht leiden und es gibt auch Lehrer, die ihn nicht mörgen, doch er bregreift nicht warum, da er immer höflich ist und auch fleißig lernt.Als Aaron Walter kennenlernt, ändert sich sein Leben, doch nach zwanzig Jahren, die er mit Walter verbracht hat, weiß Aaron, dass er diesen nicht mehr liebt und, dass es Zeit ist, einen Neuanfang zu wagen. Aaron geht nach San Francisco ein, wo er als Englischlehrer für Ausländer arbeitet arbeitet. Wohin die Reise Aaron noch führt, ist unklar, doch er weiß, dass er nach vorne sehen muss, denn das Leben ist unvorhersehbar. Alles kann passieren. Das Buch ist keine Lektüre für zwischendurch. Sie regt zum Nachdenken, sodass man vielleicht einige Situationen, die einem zugestoßen sind, überdenkt. Ein sehr schönes Buch über das Leben und das Mensch sein."Jeder hat Geheimnisse. Das heißt nun mal, Mensch zu sein. Ich weiß ja, ihr Katholiken mögt eure Beichte, aber ich glaube nicht, dass wir der Welt alles über uns beichten sollen. Damit überfordert man die Menschen."

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  • Ein Roman in San Francisco

    Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

    Engelchen07

    24. September 2016 um 20:49

    Ein Homosexueller trennt sich von seinem Lebensgefährten und will nach San Francisco ziehen. Auf dem Weg dorthin rettet er einem kleinen Jungen das Leben. In San Francisco angekommen kommt er in einem kleinen Garagenapartment unter und findet eine Anstellung als Lehrer. Mich konnte dieses Buch leider überhaupt nicht überzeugen. Ich bin gar nicht erst in die Geschichte reingekommen. Was mir sehr gut gefällt ist das sehr ansprechende Cover.

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  • Auf der Suche

    Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

    michael_lehmann-pape

    21. September 2016 um 10:49

    Auf der SucheEs trifft sicherlich zu, dass das Leben ein merk-würdiger Ort ist, in so gut wie jedem Sinne des Ausdrucks. Vor allem aber trifft zu, dass Aaron Eklund ein merkwürdiges Leben, vor allem in jungen Jahren; erlebt hat. Und dass er auch in der Gegenwart des Romans weit entfernt davon ist, ein „normales“ Leben zu leben (was aber doch lange Jahre, Jahrzehnte gelebt wurde, in der Zeit; bevor der Roman beginnt).Zum einen handelt er nicht „normal“, sondern eher merkwürdig, zum anderen geschehen ihm nicht alltägliche, „merkwürdige“ Erlebnisse auf seiner Odyssee zu sich selbst, auf der Suche nach dem, was damals wirklich passiert ist. Als sein Vater plötzlich starb. Als die Mutter quasi über Nacht sich davonmachte, auch aus seinem damals jungen Leben.Und auch jetzt, man nehme nur die Szene in diesem kleinen Motel mit den lauten Schreien aus einem der Nebenzimmer, alltäglich, normal ist das nicht, was ihm begegnet.Bis zum Schluss nicht, als er George kennenlernt, der bei der U-Bahn arbeitet und mit dem Aaron nicht klar sein wird, wohin die Reise gehen könnte. Oder ob es eine Reise gäbe. Wie so oft in seinem Leben, in dem wenig gesteuert, geplant wirkt, sondern vielfach Wendungen eintraten, auf die Aaron mit einer seltsamen Mischung aus Fatalismus und Interesse einfach nur reagiert hat.Wie bei diesem Angeln, bei dem ihm Walter begegnete und mit diesem eine langjährige Beziehung als „Ehepaar“ folgte. Die sich zu Beginn des Romans ebenso merkwürdig emotionslos von beiden Seiten her gerade auflöst, wie Aaron an sich all den Dingen des Lebens und auch sich selbst eher lakonisch begegnet.„„Ich habe dich gerettet, Aaron“, sagte er schließlich“.„Ja, das hast du. Danke“.Seltsame letzte Worte einer langen Beziehung, seltsam obwohl Aaron ja immer ein Außenseiter war, einer, der anders war, lebte, anderes erlebt hatte, als es dem Durchschnitt entspricht.Ein Anderssein mit Folgen und Ursachen, denen Ostlund mit ihrem sehr vielfältigen, breiten Sprachschatz nachgeht. Bei dem sie tief in die Seele ihres Protagonisten blicken lässt und das weniger durch endlose Reflexionen im Sinne von Monologen, sondern viel mehr in der genauen Zeichnung dessen, wie dieser Aaron handelt und reagiert. Was einen großen Reiz zum Weiterlesen ausübt, was diese Fremdheit, dieses „anders sein“ mit Spannung versieht und den Leser motiviert, mit zu ergründen, was zu Zeiten wirklich geschehen ist und ob Aaron jemals bei sich selbst ankommen wird.„beim Wort „gerettet“ zitterte seine Stimme. Es war fast, als hätte er sein ganzes Leben lang darauf gewartet, diesen Jungen retten zu können“.Wunderbar versteht sich Ostlund dabei darauf, auch mit ihrer Erzählweise zugleich emotionale Distanz zu vermitteln, als auch dennoch dem Leser (eher wie durch ein Schaufenster denn als direktes Erleben) die emotionalen Sehnsüchte und Tiefen Aarons zu vermitteln.Schwul, dramatische Kindheit und Jugend, immer mit dieser Distanz zum Leben, zu anderen, zum Geschehen versehen, die sich wohl aufbaut, wenn man so „anders“ fühlt und schon durch die sexuelle Orientierung sich als „anders“ vor die Augen der anderen stellt.„Merkst du gar nicht, wie sehr er dich liebt“?„Nein“.Ein Roman einer Reise zu äußeren Stationen mit außergewöhnlichen „Outsider-Erlebnissen“ und doch vor allem eine innere Reise zu sich selbst und der eigenen Prägung, die sprachlich hervorragend umgesetzt bis zur letzten Seite fesselt. Und die, bei allem „anders sein“ des Protagonisten, eines für jeden Leser (noch einmal) in aller Deutlichkeit in sich trägt:„Er hatte keine Ahnung, was passieren würde. Aber so war das Leben“ In dem es oft anders kommt, als man denkt. Was in diesem Roman bei diesem Aaron auf die Spitze getrieben dem Leser vor Augen gestellt wird. Und damit die Risiken des Lebens beleuchtet, aber eben auch verdeutlicht, dass die Lebenswege ergebnisoffen sind und das Leben ganz handfest gelebt werden will und gelebt werden kann.Ein anregende, interessante, im Ton ungewöhnliche und existenzialistisch treffende Lektüre.

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