Lorrie Moore Ein Tor zur Welt

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Inhaltsangabe zu „Ein Tor zur Welt“ von Lorrie Moore

Tassie Keltjin ist zwanzig Jahre alt, als sie die elterliche Farm verlässt. Amerika rüstet zum Einsatz in Afghanistan, und sie beginnt zu studieren, rührend entflammt für Sylvia Plath und Simone de Beauvoir. Sie braucht einen Job und findet ihn als Teilzeit-Kindermädchen bei Sarah und Edward, die dabei sind, ein Kind zu adoptieren. Mit der fragilen Anmut einer Schlafwandlerin gerät Tassie in eine erste Liebe und immer tiefer hinein in das komplizierte Leben einer fremden Familie. Wie fern ihr in einem knappen Jahr die ländliche Kindheit, Eltern und Bruder gerückt sind, merkt Tassie, als sie jäh sowohl ihre Liebe als auch ihren Job verliert. Die Schlafwandlerin wacht auf und nichts ist mehr, wie es war, am wenigsten sie selbst.

Eine Studentin in der Zeit nach 9/11.Gesellschaftskritisch ohne Klischees und ein außergewöhnlicher Schreibstil. Auch für Erwachsene.

— Filzblume
Filzblume

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  • Rezension zu "Ein Tor zur Welt" von Lorrie Moore

    Ein Tor zur Welt
    lokoschade

    lokoschade

    Gebundene Ausgabe: 432 Seiten Verlag: Berlin Verlag (12. März 2011) ISBN 978-3827009326 Preis: € 24,-- Kurzbeschreibung Wenn Tassie abends ihr Vogelkostüm anlegt und in wildem Lauf über die Kartoffelfelder stürmt, um Mäuse und andere Schädlinge zu vertreiben, hat sie ganz kurz das Gefühl, wirklich zu fliegen. Tassie Keltjin ist zwanzig Jahre alt und verlässt die elterliche Farm irgendwo im Mittleren Westen. Amerika rüstet zum Einsatz in Afghanistan, und sie beginnt zu studieren, ahnungslos und rührend entflammt für Sylvia Plath und Simone de Beauvoir. Sie braucht einen Job und findet ihn als Teilzeit-Kindermädchen bei Sarah und Edward, die dabei sind, ein Kind zu adoptieren. Aus Mary, zwei Jahre alt, weiße Mutter, schwarzer Vater, wird Emmie, Kind weißer Mittelschichteltern, und Tassie zu ihrer Hauptbezugsperson. Mit der fragilen Anmut einer Schlafwandlerin gerät Tassie in eine erste Liebe und immer tiefer hinein in das komplizierte Leben einer fremden Familie. Wie fern ihr in einem knappen Jahr die ländliche Kindheit, Eltern und Bruder gerückt sind, merkt Tassie, als sie jäh sowohl ihre Liebe als auch ihren Job verliert. Die Schlafwandlerin wacht auf und nichts ist mehr, wie es war, am wenigsten sie selbst. Mit ihrem neuen Roman zeigt Lorrie Moore, was Literatur im besten Fall zu leisten vermag. Mit Tassie schenkt sie dem Leser eine ganz und gar lebendige, ganzund gar zauberhafte und ergreifende Figur, und während sie mit dem Witz, der zarten Klugheit, für die sie berühmt ist, deren Geschichte erzählt, packt sie wie nebenbei große gesellschaftsrelevante Themen an: Adoption und unterschwelligen Rassismus, Amerikas kriegerische Außenpolitik. Über die Autorin: Lorrie Moore wurde 1957 in Glens Falls, New York, geboren. Sie lebt in Madison und lehrt Anglistik an der University of Wisconsin. Moore gehört zu den renom miertesten Autorinnen zeit genössischer amerikanischer Literatur. Im Berlin Verlag erschien 2002 ihr legendärer Erzählungsband Was man von einigen Leuten nicht behaupten kann (BvT 2002). Im Berliner Taschenbuch Verlag liegen außerdem vor die Erzählungsbände Pepsi Hotel (2007) und Leben ist Glückssache(2008) sowie der Roman Die Verrückungen der Benna Carpenter (2007). Mein Eindruck: Tassie, 20 Jahre jung, Studentin, findet einen Job als Babysitter bei dem "noch kinderlosen" Ehepaar Sarah und Edward. Sie wird zu einem Zeitpunkt engagiert als noch kein Kind im Haus ist. Die Eheleute möchten adoptieren und beziehen Tassie in den ganzen Prozeß mit ein. Tassie ist dabei als Sarah sich bei den Behörden anbiedert um das gewünschte Kind zu bekommen. Anhand eines Fotos entscheidet sie sich für ein biethnisches Kind (Mischling sagt man nicht mehr!) und als die Vermittlerin sie darauf hinweist daß die Kleine "aber wahrscheinlich noch nachdunkelt" ist Sarah leicht entrüstet....und so kommt die kleine wunderschöne Mary, fortan Mary-Emma, schließlich in ihre Obhut. Tassie wird immer mehr zu ihrer Bezugsperson da Sarah als Restaurantbesitzerin, massiv in ihren Job eingebunden ist. Edward der Ehemann bleibt die ganze Zeit eher farb- und konturlos im Hintergrund. Und so ist es auch Tassie die auf ihren endlos langen Spaziergängen und Spielplatzbesuchen erstmals erlebt dass man die kleine Mary-Emma als Nigger bezeichnet. Sie berichtet Sarah von diesem Vorfall, woraufhin diese kurz und wild entschlossen eine Selbsthilfegruppe gründet "Ich werde eine Selbsthilfegruppe gründen. Ich werde die Stadt mit ihren eigenen Mechanismen bekämpfen - diese verdammte selbstgefällige Stadt..." Die Gesprächsfetzen die Tassie während dieser Sitzungen im oberen Stockwerk auffängt (sie betreut die Kinder der Teilnehmer)spiegeln die Ansichten und Erfahrungen der (Adoptiv)Eltern mit Kindern aus anderen ethnischen Gruppen, die diese immer wieder machen. Sei es in der Schule oder mit Nachbarn. Als Tassie sich in einen Studenten brasilianischer Herkunft verliebt, kann sich Sarah allerdings kaum von ihren eigenen Vorurteilen frei machen. Fazit: In einer sehr bildhaften, gewaltigen Sprache nimmt sich Lorrie Moore einiger großen Themen unserer Zeit an: Adoption, Rassismus, Krieg. Mit hat die Autorin in ihrem Erzählband "Was man von einigen Leuten nicht behaupten kann" schon sehr gut gefallen. Dies ist der erste Roman den ich von ihr gelesen habe, aber mit Sicherheit nicht der letzte.

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  • Rezension zu "Ein Tor zur Welt" von Lorrie Moore

    Ein Tor zur Welt
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    Nach einer für ihre Verhältnisse sehr langen Schreibpause legt die amerikanische Schriftstellerin Lorrie Moore ihren neuen Roman vor, der in den USA wochenlang auf der Bestsellerliste der New York Times stand. Zu Recht, denn der Roman beschreibt meisterhaft am Beispiel seiner Protagonistin, der jungen Frau Tassie, das Lebensgefühl von Menschen in den USA nach dem 11. September 2001. Es gelingt ihr, stellenweise regelrecht weise, und immer voller hintergründigem Witz die Geschichte der jungen Tassie und ihrer Verletzlichkeit und Orientierungslosigkeit beim schwierigen Weg zum Erwachsenwerden literarisch zu verbinden und zu verweben mit der Lage der USA nach den Anschlägen auf die Twin Towers, die das Land in eine Selbstvergewisserungskrise gestürzt haben, die noch immer nicht bewältigt scheint. Dieser sprachgewaltige Roman, für dessen Hauptfigur Tassie sich das „Tor zur Welt“ immer nur kurz und dabei in einer meist nicht sehr glücklichen Weise öffnet, drückt so viel vom Lebensgefühl der Amerikaner aus, dass die ihn regelrecht verschlungen haben. Der deutsche Leser rezipiert diesen langen, stellenweise zu langen Roman aus einer anderen, eher beobachtenden Perspektive und ist dabei immer wieder fasziniert und beeindruckt, wie Lorrie Moore die Menschen in ihrem Roman beschreibt und ihre verzweifelten Versuche, einen Weg zu finden in ihrem Leben bzw. erst einmal in ihr Leben hinein.

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  • Rezension zu "Ein Tor zur Welt" von Lorrie Moore

    Ein Tor zur Welt
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    04. April 2011 um 12:23

    Erwachsen werden durch Enttäuschung Die Ereignisse von 9/11 sind es, die im Buch den Einstieg zum Kennenlernen der Protagonisten eröffnen. Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, in welch freien Assoziationsketten jene Tassie , die die Geschichte des Buches aus der Ich-Perspektive erzählt, die Welt zunächst mit ihren ganz eigenen, naiven Augen betrachtet. Vom Lande stammend, mancherlei Zoten ihrer Kommilitonen ausgesetzt (die doch das eigentliche über Ziegen nie fragen, so dass es Tassie auch nicht erwähnen kann), ist ihr Herz für die Literatur entbrannt. Sensibel ist diese Tassie durch Lorrie Moore angelegt, ihren Platz in dieser Welt suchend, einer Welt, die selber kaum mehr klare und feste Orientierungspunkte zu bieten hat. Schon diese ersten Seiten führen, sprachlich mit literarischer Qualität dargelegt, mitten hinein in die Welt der jungen Erwachsenen unserer Tage. In die Innenwelt, wohlgemerkt, denn nicht um Hedonismus, Party oder ein einfaches Karrierestreben geht es der Autorin, sondern um das Finden eines eigenen Weges inmitten wankender und unsicherer Zeiten. Tassie wird diesen Weg zu gehen haben. Jene Tassie, die der Leser zunächst auf Jobsuche antrifft. Sie wird fündig als Kindermädchen bei einer der wenigen noch stabilen, klassischen Mittelschichtsfamilien, die im Folgenden durch eine Adoption nun den langersehnten Nachwuchs erhalten werden. Vordergründig stabil, müsste man sagen, denn die Brinks sind hinter der Fassade alles andere als gleichförmig und stabil. Und die innerlich unsichere, verletzliche, schwankende, mehr in Büchern denn in der realen Welt sich findende Tassie wird so zunächst im Buch die Erzieherin, die feste Größe im Leben der kleinen Mary-Emma. Schon dieses Setting ist spannend gewählt. Eine, die sich selber sucht, die nicht wirklich ganz in dieser Welt sich aufhält, erhält eine hohe Verantwortung. Derer Tassie sich aber kaum konzentriert bewusst wird. Denn nicht nur das nähere Kennlernen vornehmlich der Mutter, Sarah Brink, verwirrt Tassie zunehmend, zudem nämlich dringt die erste Liebe in ihr Leben. Doch nichts wird bleiben, wie es war. Job und erste Liebe gehen dahin. Beides auf eine harte Weise im Rahmen je aufgedeckter Lügengespinstes. Eine ernüchternde und kühle Ent-Täuschung der jungen Frau. Der klaren und festgefügten Welt ihrer Herkunft ist Tassie mittlerweile innerlich entwachsen, da bleibt nichts anderes übrig, sie wird nun erwachsen werden müssen. Vor allem, als sie noch mit der Realität der brutalen Seite der Welt konfrontiert wird Ihr Bruder Robert meldet sich zum Krieg, mit ebenso bitteren und harten Folgen. Ein Weg, auf dem Lorrie Moore nun den Leser in einer wahren Sprachflut mit hinein nimmt und ihn nicht so schnell wieder loslassen wird aus dieser Welt der gebrochenen Figuren und in Teilen fast skurrilen Erlebnisse derselben. So öffnet sich für Tassie im Buch das „Tor zur Welt“ in einer ganz anderen, wenig harmonischen und nicht glücklichen Form. In eine Welt hinein, die Lorrie Moore zwar mit viel sprachlichem Witz und durchaus schrägem Humor zeichnet, die sie dennoch mit kühlem Blick zu sezieren versteht. So darf der Leser im temporeichen zweiten Teil des Buches bis zum Ende hin gespannt bleiben, wie Tassie ihren Platz finden wird, ohne ihre eigentlichen Stärken der Sensibilität und Feinfühligkeit vollends zu verlieren. Einige Längen im buch bleiben nicht aus und mancher Dialog und manche übersteigerte Situation wirken ein wenig künstlich und aufgesetzt. Im Gesamten aber sprachlich und inhaltlich ein interessantes Kaleidoskop einer sich verlierenden, verlogenen, oft auf Täuschung aufgebauten Welt, in der es bei weitem nicht einfach ist, einen eigenen Weg wirklich zu finden.

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