Lothar Machtan

 4,2 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Kaisersturz, Hitlers Geheimnis und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Lothar Machtan

Lothar Machtan ist emeritierter Professor für Neuere Geschichte an der Universität Bremen. Er forscht zur Kultur- und Politikgeschichte Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert. Machtan ist Autor für Spiegel, ZEIT und FAZ sowie Verfasser zahlreicher erfolgreicher Sachbücher.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Lothar Machtan

Cover des Buches Kaisersturz (ISBN: 9783806237603)

Kaisersturz

 (6)
Erschienen am 01.10.2018
Cover des Buches Die Abdankung (ISBN: 9783423280853)

Die Abdankung

 (1)
Erschienen am 22.04.2016
Cover des Buches Prinz Max von Baden (ISBN: 9783518424070)

Prinz Max von Baden

 (1)
Erschienen am 21.10.2013
Cover des Buches Bismarcks Tod und Deutschlands Tränen (ISBN: B00VBSAPD2)

Bismarcks Tod und Deutschlands Tränen

 (0)
Erschienen am 27.03.2015
Cover des Buches Der Endzeitkanzler (ISBN: 9783806236606)

Der Endzeitkanzler

 (0)
Erschienen am 01.01.2018
Cover des Buches Der Kaisersohn bei Hitler (ISBN: 9783455094848)

Der Kaisersohn bei Hitler

 (0)
Erschienen am 01.04.2006

Neue Rezensionen zu Lothar Machtan

Cover des Buches Kaisersturz (ISBN: 9783806237603)M

Rezension zu "Kaisersturz" von Lothar Machtan

Eine Studie zum Getrieben-Sein
Motzbeckvor 9 Monaten

Die Vorgänge rund um den 9.11.1918 sind vielfach beschrieben worden, insbeondere aber eher die Zeit nach dem Scheitern der deutschen Monarchie. Der Bremer Historiker Lothar Machtan beleuchtet das Geschehen quasi von der anderen Seite her, nämlich den letzten Monaten vor dem Umsturz. Dabei stellt er drei Handelnde und drei Orte in den Mittelpunkt. Die Personen des Dramas sind natürlich Kaiser Wilhelm, der letzte von ihm ernannte Reichskanzler Max von Baden (ein Vetter des Hohenzollern) und Friedrich Ebert, Führer der MSPD, nach der Revolution kurzfristig Reichskanzler und später Reichspräsident. Die Orte: das belgische Spa als Sitz der Obersten Heeresleitung, wo Wilhelm die meiste Zeit weilte, die Reichskanzlei und der Reichstag in Berlin.

Wilhelm II könnte als Held eine tragikomischen Komödie gelten. Seit Kriegsbeginn verlor er, obwohl er sich als Oberster Kriegsherr der deutschen Truppen sah, zunehmend an Einfluss, erst recht, als mit der 3. OHL unter Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff, die quasi eine Muilitärdiktatur errichteten, ein neues Machtzentrum entstanden war. Der schleichende Machtverlust wurde zu einem galloppierenden, als sich im Sommer 1918 abzeichnete, dass das Reich nicht als Sieger aus dem Weltkrieg hervorgehen würde. Das ist nun nicht unbedingt die Schuld des Kaisers, dem von den ihm umgebenden Hofschranzen niemals reiner Wein eingeschnkt wurde, dem stattdessen immer wieder der naheliegende Sieg versprochen wurde. Aber ihm, der sich als gottgewollter Herrscher auf dem deutschen Thron sah, fehlte auch das Engagement, sich selbst um die Informationen zu kümmern um einen deutlicheren Blick für das Kriegsgeschen zu entwickeln. Zudem fehlte ihm jedes Gespür für die Nöte und Sorgen des nunmehr seit vier Jahren unter dem Krieg leidenden Volkes, wie seine Ansprache vor Kupp-Angehörigen Anfang September 1918 zeigt. In völliger Selbstbeweihräucherung verlangt er von seinen Zuhörern den Glauben an ihn und an seine Siegeszuversicht. Bereits da dämmerte es sogar seinen Gefolgsleuten, dass er die Bodenhaftung verloren hatte. Und das blieb bis zuletzt so, Wilhelm musste, um es drastisch auszudrücken, erst in den Hintern getreten werden, um seinen Rücktritt, den andere vorbereitet und verkündet hatten, zu akzeptieren. Unmittelbar zuvor phantasierte er noch davon, an der Spitze seiner Armee nach Berlin zu marschieren, um dem dortigen revolutionären Treibe ein gewaltsames Ende zu bereiten, wohlgemerkt mit Truppen, die ihm in der Realität bereits die Gefolgschaft verweigerten. Ebenso hielt er bis zuletzt an der Vorstellung fest, nur als Deutscher Kaiser zurückzutreten, aber preußischer König zu bleiben. Deutlicher kann eine Wirklichkeitsverzerrung nicght ausfallen.

Die zweite wichtige Person im Drama, Max von Baden, war erst am 3.10.1918 als Reichskanzlewr angetreten, um seinen Vetter und damit die Staatsform Monarchie zu retten. Die von ihm verantworteten Oktoberreformen (Schritte in Richtung einer parlamentarischen Demokratie unter den Vorzeichen einer konstitutionellen Monarchie), die überhaupt nur unter dem Druck der Wilson-Noten zustandekamen, waren zunächst nur taktische Manöver, die nach einem erolgten Friedensschluss womöglich rückgängig gemacht werden konnten. Aber selbst für diese Taktik war der verblendete, selbstverliebte Kaiser nicht zu gewinnen, sodass Max von Baden immer deutlicher erkennen musste, dass es keine Alternative zum Rücktritt Wilhelms und seines Sohnes mehr gab, sodass er diesen dann letztendlich in die Wege leitete. Seine wahnwitzige Vorstellung dabei war, dass er selbst als eine Art Reichsverweser die Monarchie damit retten könne, was dann aber durch die Ereignisse in Berlin und anderswo obsolet wurde.

Ähnlich ging es wohl Ebert. Er arbeitete als Führer der einflussreichsten demokratischen Parteieng mit dem Reichskanzler zusammen, wobei sich der biedere Ebert zunächst auch keinen radikalen Bruch mit dem System der Monarchie vorstellen konnte. Doch der Druck der Demonstranten, die zunehmend von der oppositionellen USPD geleitet wurden, drohten den Einfluss der MSPD zu minimieren, weshalb Ebert und seine Partei gezwungenermaßen auf den Zug der Revolution aufsprangen, um nicht vollends die Kontrolle zu verlieren.

Damit endet Machtans Darstellung. In einem Epilog sinniert er darüber, ob ein weniger harter Übergang wie eine konstitutionelle Monarchie den weiteren Verlauf der deutschen Geschichte positiv beeinflusst hätte: "Folgt man der begründeten Vermutung, dass Hitler gegen eine glaubwürdig modernisierte monarchische Ordnung mit einem volksnahen Throninhaber kaum eine Chance gehabt hätte, so beginnt 1933 vielleicht doch 1918" (S.300). Was bitte begründet den diese Vermutung (Machtans Studie jedenfalls keineswegs)? Und ist das nicht überhaut ein bisschen viel Konjunktiv und vielleicht? Gedanken nach dem Muster "Was wäre wenn..." bringen die Geschichtswissenschaft nicht unbedingt weiter, außerdem verkennt Machtan, dass bei allen Geburtswehen der Weimarer Republik diese keineswegs zum Scheitern verurteilt war. Entwiclungen der Endphase wie etwa die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise werden so mit einem Federstrich nivelliert (wobei, wie ich gerade bemerke, ich mich selbst auf das Niveau was wäre wenn begebe).

Abschließend sei noch eine Unsitte des Autoren kritisiert. Mehrfach versucht er Nebensätze dadurch aufzuwerten, dass er die sie bedingenden, davor stehenden Hauptsätze mit einem Punkt enden lässt. Das kreide ich jedem meiner Studierenden in Klausuren als Satzbaufehler an.

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Cover des Buches Kaisersturz (ISBN: 9783806237603)B

Rezension zu "Kaisersturz" von Lothar Machtan

Vom Scheitern eines großen Reiches ...
Bellis-Perennisvor 4 Jahren

Das Scheitern von Deutschland und Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg bedeutet für beide Kaiser(reiche) das Aus. Die dritte große Monarchie hat schon Monate vorher ihr Ende gefunden: das Zarenreich.

Doch was soll stattdessen kommen? Nur ein anderes Oberhaupt? Eine andere Staatsform? Wenn ja, welche?

Autor Lothar Machtan, emeritierter Professor an der Uni Bremen versucht Antworten auf diese Fragen zu geben.

Zunächst erhalten wir einen Überblick über das deutsche Kaiserreich, das ja erst seit knapp fünfzig Jahren existiert.
Ein besonders aufschlussreiches Highlight ist der letzte Auftritt von Kaiser Wilhelm II. im Essener Krupp-Werk, wo er eine peinliche Rede hält, die an der Realität völlig vorbei geht.

Stimmen aus allen politischen Lagern werden laut, den Krieg endlich zu beenden. Ein „Siegfrieden“, wie ihn der realitätsferne Kaiser fordert, ist längst kein Thema mehr.
Einige Politiker, darunter Friedrich Ebert und Max von Baden suchen nach einer Lösung. Max von Baden wird schließlich zum Reichskanzler ernannt und leitet die Waffenstillstandsverhandlungen ein. Die Regierung ist uneins, wie die Regierungsform aussehen soll. Doch viel zu mitzureden haben sie ohnehin nicht. Die Siegermächte, unter Wilsons Federführung, fordern eine Abdankung Wilhelms II. Doch Wilhelm klammert sich an den Thron und löst damit die Novemberstreiks aus. Bayern wird zur Räterepublik und in Berlin etabliert sich ein Bauern- und Soldatenrat. Der Kaiser flieht mit seiner Entourage in die neutralen Niederlande.
Friedrich Ebert wird Reichskanzler. Doch damit ist noch nicht alles ausgestanden …

Meine Meinung:

Dieses Buch erzählt spannend wie sich der deutsche Kaiser und andere politische Akteure an die längst vergangen Macht klammern, ohne auch nur im entferntesten daran zu denken, welche fatalen Auswirkungen ihre Arroganz haben könnte.

Neben vielen historischen Zahlen, Daten und Fakten im Buch selbst, kann der Leser im umfangreichen Anhang weiterführende Literatur finden. Eine große Anzahl von Abbildungen ergänzt dieses im WBG-Theiss-Verlag erschienene Buch.

Fazit:

Für Leser, die gerne mehr über die politischen Hintergründe erfahren wollen, die zum Sturz des Deutschen Kaiserreichs führten. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Cover des Buches Kaisersturz (ISBN: 9783806237603)S

Rezension zu "Kaisersturz" von Lothar Machtan

Was passiert, wenn niemand zum politischen Handeln bereit ist
seschatvor 4 Jahren

Lothar Machtan, Professor emeritus für Neuere Geschichte, hat sich an ein interessantes Kapitel deutscher Zeitgeschichte, nämlich den Herbst 1918, gewagt. 


Jeder kennt wohl noch den Fakt, dass mit dem 9. November 1918 in Deutschland eine neue Staatsform eingeführt wurde und der bis dato herrschende Kaiser Wilhelm II. abdankte. So die offizielle und faktische Gemengelage. Doch was sich innerhalb weniger Monate 1918 wirklich zutrug, versucht Machtan unter Zuhilfenahme diverser Quellen zu ergründen. Er geht dabei sehr gründlich vor und versucht, alle politischen Kräfte (MSPD, USPD, OHL etc.) und Ereignisse (Erster Weltkrieg, Oktoberrevolution in Russland) mit einzubinden. Sein Fokus liegt dabei vor allem auf den drei wichtigsten Entscheidungsträgern dieser Tage. Da wäre zum einen der pragmatische Sozialist Friedrich Ebert und zum anderen die beiden überzeugten Royalisten, Kaiser Wilhelm II. und dessen Vetter Max von Baden. Allen dreien ist gemein, dass sie den Ernst der damaligen Lage nicht erkannten bzw. bis zuletzt apathisch am Weiterso festhielten. Der Hoffnungsträger und spätere Präsident Ebert wollte aus Angst vor dem Bolschewismus Wilhelm II. nicht stürzen und Reichskanzler Max von Baden steuerte eine probate Lösung für beide Gruppen - Royalisten und Sozialisten - an. Währenddessen Wilhelm II. bis zum Schluss an das Kaisertum von Gottes Gnaden glaubte. Auch die mächtige OHL, die die Kriegsniederlage kommen sah, schritt nicht ein, verlangte gar danach, den Kampf mit allen Mitteln weiterzuführen. Kurzum, die drei genannten Entscheidungsträger taumelten ohnmächtig den Ereignissen entgegen und handelten erst, als es fast schon zu spät gewesen ist. Dass damit die noch junge Demokratie im November 1918 auf noch sehr wackeligen Beinen stand, ist nicht zu übersehen. Der Kaisersturz verlief nicht blutig, sondern war ein langes Hängen und Würgen um Macht und Verantwortung.

An Machtans Darstellung hat mir vor allem gefallen, dass er den Leser einmal hinter die Kulissen der damaligen Macht blicken ließ. Detailliert und nahezu tagebuchartig gibt er Auskunft über den sog. Tanz auf dem Vulkan. Diese gedehnte, kleinteilige Darstellungsweise machte die Lektüre nicht immer leicht. Sprich, wer sich nicht 100 Prozent für die Materie interessiert, konnte leicht abschweifen. Ein konziserer Aufbau hätte dem grundgelehrten Werk gut getan und inhaltliche Wiederholungen hätten damit vermieden werden können. Auch die Verwendung von Vor- und Rückblenden hätte sparsamer ausfallen können - ein unnötiges dramaturgisches Mittel. Nichtsdestotrotz liefert Machtans Werk eine spannende Gesamtschau der Ereignisse des Herbsts von 1918 und macht diese dadurch für den Leser nachvollziehbarer und verständlicher. 

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