Lothar Mork Ohne mich...!

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Inhaltsangabe zu „Ohne mich...!“ von Lothar Mork

Buchbesprechung Es ist ein bemerkenswertes Buch, denn besprochen ist es schnell, wer will, in einem Satz: Ein Mensch flüchtet aus der DDR, macht Karriere in Amerika und beschließt seinen Lebensabend in Thailand. Das war’s. Ein schönes Leben. Warum das Buch kaufen, warum es lesen? Der Buchklappentext macht neugierig: Ein Journalist entdeckte in einem traditionellen Thaihaus an den steilen Hängen der Insel Phuket einen Ordner mit vergilbten Seiten, vor mehr als 20 Jahren geschrieben. „My Escape“ steht auf dem Buchrücken. Warum in Englisch? Welche Flucht? Warum liegen diese Seiten in Thailand? Da beginnt das Bemerkenswerte: Es ist ein junges Buch. Der Mensch, der da beschließt, sein Leben bei einer Flucht zu riskieren ist erst 15 Jahre alt. Es ist Lothar. Mit seiner Freundin und seinem besten Freund, beide ebenfalls 15, bricht er in thüringischen Worbis auf, um nach einem zehn Kilometer Nachtmarsch durchs Eichsfeld die schwer gesicherte innerdeutsche Grenze zu durchbrechen. Was bringt diese jungen Leute auf so eine lebensgefährliche Idee? Das Buch gibt Antworten. Es beginnt alles im Jahr 1963. Die junge DDR braucht ihre Kinder. Die Welt ist im Aufbruch, die Staatslenker überaltert. Unüberwindbare gesellschaftliche Konflikte machen den Nachkriegsgesellschaften zunehmend Probleme. Im Westen beginnen die Jugendrevolten mit ihrer Musik. Die jungen Menschen in der DDR sind nicht abgeschnitten, sie sehen illegal Westfernsehen. Auch sie suchen nach Orientierung und nach eigenen Werten. Doch hier gibt es keine Freiheiten. Das Anders sein wird gnadenlos unterdrückt. So werden Freunde zu Feinden, die einen zu Wächtern, die anderen zu Gefangenen, die einen zu Grenzern, die anderen zu Flüchtlingen. Aus der Sicht eines jungen Menschen beschreiben die Autoren an Hand der wahren Lebensgeschichte von Lothar Mork das Bleiben und Gehen einer Generation. Hier wird deutlich, dass in der DDR das Bleiben „Gefangen sein“ bedeutete und das Gehen meisten im Gefängnis endete. Es ist ein spannendes Buch. Alles beginnt im Wassertank. Nur Sekunden sind es, die Lothar am Leben lassen. Der Faulheit des Wachpersonals ist es zu verdanken, das das Buch überhaupt beginnen kann. Denn Tote machen mehr Arbeit als Lebende, das galt besonders für die Banja in Sofia, dem wohl berüchtigtsten Gefängnis im Ostblock. Aber schon in der nächsten Szene fliegt Lothar im Flugzeug zurück von Amerika in den Westen Deutschlands und beschließt diesen so ersehnten Westen Deutschlands umgehend zu verlassen. Doch nicht genug damit. Im folgenden Kapitel wird er Vizepräsident einer der größten Computerhardwarefirmen der Welt. Dann die Rückblende, die Geschichte beginnt. Lothar ist 15 und verabschiedet sich von seiner Familie. Ein rasanter Anfang eines Buches. Es ist ein mutmachendes Buch. Was ist, muss nicht so bleiben. Nach dem 1. Fluchtversuch erfolgten der Schulverweis und die Zwangslehre. Dann kommt das Außenhandels-Karriereversprechen. Doch Lothar bleibt aufmerksam, berechnend und skeptisch zugleich. Es ist das Jahr 1967. Im Westen beginnen die Studentenproteste. Die DDR versucht inzwischen mit allen Mitteln die Menschen zu halten. Lothar durchschaut das Stasi-System, den Einschluss durch die Mauer und das beobachtende und verlogene Miteinander. Er sucht unaufhaltsam die Freiheit, lässt wieder alles hinter sich und startet zu einem weiteren Fluchtversuch, diesmal im Ausland. Er scheitert an der Grenze zu Jugoslawien und verbringt Jahre hinter Gittern. Nur die Sehnsucht nach Freiheit hält ihn am Leben. Er entwickelt Überlebensstrategien, berechnet täglich seine Chancen und nutzt jede Gelegenheiten, dem Westen ein Schritt näher zu kommen. Steh auf wenn du am Boden liegst. Doch es gelingt nicht, das System ist verschlossen. Die Stasi bringt ihn zurück in die DDR. Er kommt in den politischen Strafvollzug. Wer hier liegen bleibt, hat verloren. Lothar kämpft. Dann geschieht das Unglaubliche. Der Zufall bringt ihn in den Westen. Es ist ein ehrliches Buch. Das Buch will die Subjektivität. Es wurde als eine Art „Dokufiktion“ konzipiert und erlaubte dadurch viele unterschiedliche Ebenen, mit denen der Inhalt transportiert wird. Tagebuch, Sachrecherchen, Rückblenden, fiktive Geschichten. Eine ganz besondere Ebene sind die Interviews: Lothars Blick zurück im Zorn. Aus der Distanz vieler Jahrzehnte haben die Autoren die Empfindungen des Lothars von damals aufgearbeitet. Das erzeugte eine unglaubliche Dichte der Authentizität, der Emotion und auch der Aggression. Diese Kapitel machen Mut, seine persönliche Meinung zu äußern. Man kann unterschiedlicher Meinung sein in der Geschichtsbetrachtung, aber wem nützt es, wenn man schweigt. Nach der Buchlektüre werden viele besser über die DDR-Vergangenheit reden können, denn hier wird gleichzeitig klar gemacht, dass gelebte Geschichte eben nur ein Ausschnitt sein kann. Besonders diese Kapitel machen das Buch zu einem Zeitzeugnis. Es ist gar kein Buch. Das stimmt. Das Buch ist eigentlich ein Film. In fünf Ebenen nähert sich das Buch der Wahrheit und bleibt doch ein persönlicher Augenblick, ein Blick auf Andere, ein Blick zurück im Zorn. Es hat 254 Kapitel, kurze Szenen, die eine enge Dramaturgie erzeugen und trotzdem die Leichtigkeit des Lesens nicht behindern. Gerade dadurch ist das Buch bestens geeignet für junge Menschen und insbesondere auch für die Generation, die das „Bücher lesen“ außerhalb des Schulpflichtprogramms nicht mehr kennen. Ein wunderbares Geschenk als Grundlage für ein Gespräch, Zuhause, in der Schule oder am Arbeitsplatz. Ost trifft West und Jung trifft Alt, das war das Ziel der Autoren. Die Mauer in den Köpfen muss verschwinden. Dieses Buch „Ohne mich…!“ von Lothar Mork und Ludger Wimberg wird dazu einen sinnvollen Beitrag leisten. Das Buch ist erhältlich im Zwingli-Verlag. Bestellung unter zwingliverlagberlin@gmail.com oder in jedem Buchhandel.

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