Louis-Ferdinand Céline

 4,4 Sterne bei 86 Bewertungen
Autor von Reise ans Ende der Nacht, Tod auf Kredit und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Louis-Ferdinand Céline

Louis-Ferdinand Céline (eigentlich Destouches) wurde 1894 geboren. 1932 erschien sein berühmter Roman «Reise ans Ende der Nacht». Nach einer Reise in die Sowjetunion 1936 veröffentlichte er antisemitische Pamphlete. 1944 floh er aus Frankreich. In Abwesenheit zum Tode verurteilt. Nach der Amnestie kehrte er 1952 zurück und ließ sich als Armenarzt in Meudon nieder. Céline starb 1961.

Alle Bücher von Louis-Ferdinand Céline

Cover des Buches Reise ans Ende der Nacht (ISBN: 9783499236587)

Reise ans Ende der Nacht

 (67)
Erschienen am 03.05.2004
Cover des Buches Tod auf Kredit (ISBN: 9783499238475)

Tod auf Kredit

 (10)
Erschienen am 03.01.2005
Cover des Buches Von einem Schloss zum andern (ISBN: 9783499149641)

Von einem Schloss zum andern

 (3)
Erschienen am 01.06.1982
Cover des Buches Guignol's Band I (ISBN: 9783498008673)

Guignol's Band I

 (1)
Erschienen am 01.08.1985
Cover des Buches Norden (ISBN: 9783499154997)

Norden

 (1)
Erschienen am 01.03.1985
Cover des Buches Céline, Tod auf Raten (ISBN: 9783498009472)

Céline, Tod auf Raten

 (0)
Erschienen am 15.06.2021

Neue Rezensionen zu Louis-Ferdinand Céline

Cover des Buches Von einem Schloss zum andern (ISBN: 9783499149641)S

Rezension zu "Von einem Schloss zum andern" von Louis-Ferdinand Céline

brutales Chaos
sKnaerzlevor 14 Tagen

Im ersten Teil jammert Celine über seine Situation, seine Armut, den Druck der Verleger, seine wenigen Patienten und die Verachtung, die ihm als Kollaborateur nach der Befreiung entgegenschlug. Um Mitleid bittet er auch, weil er nach dem Krieg in Schweden in Auslieferungshaft saß und fürchten musste, dass sein Todesurteil in Frankreich vollstreckt würde. Man denkt "Heul doch, in diesem Krieg sind auch wirklich Unschuldige in Massen umgekommen. Aber dann ruft man sich zur Ordnung - niemand sollte von Staatswegen sterben müssen.

Im zweiten Teil schildert er seine Erinnerungen, als die französische Vichyregierung in Sigmaringen im Exil war und mit ihr viele "normale" Franzosen, die nichts Gutes von der Befreiung zu erwarten hatten. Celine schildert dabei eine Zeit, die völlig aus den Fugen geraten ist, der Krieg geht zu Ende, das Deutsche Reich löst sich auf, die Nazis sind noch immer brutal, die Eisenbahn funktioniert nicht, die Versorgung funktioniert nicht, und die Menschen sind Unterwegs. Es sind fast immer Massen, die am Bahnhof hocken, weil es dort Transport gibt und Nahrung, wenn auch nur für vorbeifahrende Truppen. Massen kämpfen um einen Platz an der öffentlichen Toilette, weil alle Franzosen in Sigmaringen wegen des beständigen Rübeneintopfs an Durchfall leiden, es gibt Massen von Flüchtlingen, die aus Straßburg kommen und von angeblichen Gräueltaten der Armee des freien Frankreichs berichten, es gibt Flüchtlinge aus Ostdeutschland, die wie alle um Nahrung und Wärme kämpfen und das Durcheinander noch erhöhen. Celine als Arzt würde gerne helfen, aber ihm fehlt fast alles, vor allem werden ihm keine Medikamente zugeteilt und so bleibt ihm nur, das Chaos zu beobachten und zu beschreiben.

Celine schafft es in einer schnoddrigen und manchmal brutal-realistischen Sprache das alles als einen wirklichen Höllensabatth darzustellen und man vermutet: wahrheitsgemäß. Hier ist ein Autor auf der Höhe eines Stoffes, den nicht jeder angemessen darstellen könnte.


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Cover des Buches Tod auf Kredit (ISBN: 9783499238475)Huebners avatar

Rezension zu "Tod auf Kredit" von Louis-Ferdinand Céline

Ich fühle mich nackt mit diesem Buch
Huebnervor 6 Jahren

Céline (*1984) reflektiert auf nahezu grausame Weise seine (und die Arbeit seines Alter Egos) als Pariser Arzt, die er hasst, und mit der er auf radikale Weise abrechnet. Céline selbst kriegsinvalid, studierte Medizin und erlangt zweifelhafte Bekanntheit durch antisemitische Veröffentlichungen, floh 1844 aus Frankreich und wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Erst 1952 konnte er nach Frankreich zurückkehren und ließ sich als Armenarzt in Meuden nieder. Er starb 1961.
"Alte Erinnerungen sind hartnäckig... aber sie sind spröde... sie sind gebrechlich ...", zieht er, wie er es regelmäßig tun wird, auf S.52 eine Art Fazit, oder absolutiert sich vor seinen Lesern für sein chaotisches, versatzartiges Konglomerat aus erlebter und erzählter Rede, springt in seinen "hartnäckigen" Erinnerungen hin und her, was es dem Leser nicht immer leicht macht, ihm zu folgen. Nicht so sehr die Anekdoten, die er wie trash vor des Lesers Füße wirft, packen denselben, sondern die erbarmungslose Sprache. Er euphemisiert nicht, erzählt nicht durch die Blume. Alles, was ihn abstößt, Menschen im Besonderen, wird beim Worte genommen. Sexualität, Brutalität, das nackte Leben in Armut, ihre Abgründe, Gewalt, davor macht der Autor nicht Halt. Er reißt uns nicht mit in eine abgerundete Geschichte mit Liebeskeplänkel und einem formschönen Spannungsbogen, sondern in seine Abneigung gegenüber allen Menschlichen, wobei der Autor immer wieder in seine unfassbare Kindheit, eine "fast"-Kindheit zurück erinnert und ein wesentlicher Bestandteil seiner wichtigsten Erinnerung nimmt auch dieses Mal die Krankheit ein (seiner Mutter). Der Vater mag Inspiratior der expressiven Sprache gewesen sein. Die verwirrte Psyche des Vaters und die schwache Mutter geben den Anstoß für eine kritische Realitätsbetrachtung auf die Kindheit und Jugend. Céline seziert die gesamte Familie, rechnet ab, scheinber.
Und dennoch scheint Céline nie Ruhe zu finden, so heißt es: "Ich war unerbittlich, ich war rasend, besonders, weil ich mich mit der Phantasie entschädigte..." (301) Und wieder fällt er auf das Körperliche zurück, jede Tragödie scheint im Körperlichen zu münden, sei es eine Prügelei oder die Wollust.
Die Syntax: elypsenhaft, unvollendet, lässt den Leser zuweilen im Stich, nicht selten muss eine Passage wiederholt gelesen werden, um den Sprung von einen in den nächsten Gemützszustand nachvollziehbar zu machen, aber dennoch... Céline fesselt, weckt den düstersten, beschämensten Voyerismus in uns und dabei bekommt man rote Ohren, weil man sich ertappt und entblößt, ja nackt fühlt.

I.Hübner

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Cover des Buches Reise ans Ende der Nacht (ISBN: 9783499236587)franzzis avatar

Rezension zu "Reise ans Ende der Nacht" von Louis-Ferdinand Céline

Eine düstere Reise in die Nacht der Weltkriege
franzzivor 7 Jahren

Es ist beklemmend...
es ist zutiefst deprimierend...
es ist grauenhaft drastisch...
es ist ekelerregend detailreich...
es ist faszinierend wortgewaltig....
es ist...
...ein beeindruckendes Buch, das Louis-Ferdinand Céline da mit seiner "Reise ans Ende der Nacht" vorgelegt hat. 

Mit einer überbordend fabulierenden Sprache und einem lakonischen wie unkonventionellen Tonfall erzählt Céline darin das Leben seines Protagonisten Ferdinand in der Zeit des Ersten Weltkriegs und der Zwischenkriegszeit. Die Geschichte beginnt mit dem jungen, patriotisch-begeisterten Franzosen, der sich überhastet und unüberlegt als Freiwilliger für den Krieg meldet und der kein Kriegsgräuel auslässt. Allzu detailreich fliegen da die Kameraden in die Luft, kriecht den Soldaten die Angst in jede Pore, so dass sie weder tags noch nachts zu anderen Gedanken imstande sind als dem, irgendwie abzuhauen. 

"In diesem Beruf, dem, sich umbringen zu lassen, darf man nicht zimperlich sein, da muss man so tun, als ob das Leben weiter ginge, und diese Lüge, die ist das Härteste." (S. 46) 

Auch der Leser darf nicht zimperlich sein, denn die Kriegsschilderungen sind so beklemmend scharf gezeichnet, dass mehrfach der Drang aufkommt, das Buch wegzulegen und auch nicht wieder aufzuschlagen. 

Doch Ferdinand kommt davon. Er versucht dem Krieg zu entkommen, in dem er sich in die französischen Kolonien absetzt, wo ihn jedoch neues Elend, neue Einsamkeit und neue Existenzängste nur weiter mürbe machen. Nach einem erfolglosen Abstecher in die Vereinigten Staaten kehrt er schließlich zurück ins triste Nachkriegs-Frankfreich und versucht sich als niedergelassener Arzt. Doch auch hier begleiten ihn Tod, Missgunst und Misserfolg. Mit stoischer Lakonie beschreibt er sein Leben im Pariser Vorort, die Unfähigkeit zu leben. Einen Sinn zu sehen. Fertig zu werden. Mit irgendetwas, in irgendeinem Sinne. 

"Übrigens ähneln sich nach ein paar Jahren alle Versager. In den Massengräbern des Scheiterns gilt ein Doktortitel so viel wie der Prix de Rome. Höchstens, dass man nicht genau zur selben Zeit in den Bus steigt. Mehr nicht." (S. 367)

Und wohin er auch geht, stets trifft er auf seinen Bekannten Robinson, den er zwar ebenfalls als niedergeschlagenen Erfolglosen zeichnet, der aber doch ein Gegenentwurf zum Ich-Erzähler Ferdinand zu sein scheint - und der ihm zunehmend zur Last fällt. Erst recht, als eine seiner Gaunereien schrecklich schief geht und die viel beschworene Nacht um die beiden nur noch tiefer wird. 

"Die große Anstrengung im Dasein rührt vielleicht insgesamt von dieser enormen Mühe her, die wir zwanzig, viertig, noch mehr Jahre lang aufwenden, um vernünftig und nicht einfach nur schlicht und zutiefst wir selber zu sein, also schmutzig, widerlich, absurd." (S. 544)

Es ist ein niederschmetterndes wie genau beobachtetes Bild, das Céline in seinem Erfolgsroman zeichnet. Es ist ein Geniestreich, der mit seinem Sprachspiel trotz all der deprimierenden Geschichten fasziniert und mitreißt. Mit gespitztem Bleistift möchte man jede zweite Seite mitschreiben, was ihm da so einfällt, was ihm so auffällt und vor allem, wie er es ausdrückt. 

"Die Sonne, die allzu viel durchdringen muss, hat für die Straße nur noch ein herbstliches Licht voller Sehnsucht und Wolken übrig", schreibt er da mal poetisch (S. 363). Oder er formuliert einen Gedanken, den wohl jeder mal so ähnlich, aber kaum einer so schön hatte, wie folgt: "Überhaupt nicht lustig war das, und dann hat's mich nicht mehr losgelassen. So ein Gehirn, das ist der schlimmste Tyrann, den es gibt." (S. 319)

Und es ist ein schier unbegreifliches Meisterstück vom Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel, der diese Sprachgewalt mit scheinbarer Leichtigkeit ins Deutsche übertragen hat. Chapeau und vielen Dank dafür.

Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack. Denn eben jener Louis-Ferdinand Céline fällt nach seinem großen literarischen Wurf in den 1930ern vor allem durch ekelhafte antisemitische Pamphlete und Hetztiraden auf, die ihn zurecht diskreditierten. Wer das während der Lektüre ausblendet, wird den Autoren wie seinen Protagonisten kaum sympathischer finden, aber dennoch vor diesem Roman den Hut ziehen. 

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