Louis-Ferdinand Celine Voyage Au Bout De La Nuit

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Inhaltsangabe zu „Voyage Au Bout De La Nuit“ von Louis-Ferdinand Celine

Célines "Reise ans Ende der Nacht" gehört zu den größten, aber auch den umstrittensten literarischen Werken des 20. Jahrhunderts. Verfasst unter dem schockierenden Eindruck des großen Schlachtens im 1. Weltkrieg, ist es ein wilder Aufschrei gegen die Verkommenheit einer Welt, die ihre Rechnungen auf Kosten der Armen begleicht, in der Hass und Niedertracht das Leben bestimmen - ein wüstes, anarchisches Buch voll sprachlicher und gedanklicher Explosivkraft, mit dem ein neues, bahnbrechendes Kapitel in der Geschichte des Romans begann. Die Aktualität seiner radikalen Zivilisationskritik ist heute unverändert. Der Rowohlt Verlag legt nun, in der Übertragung des renommierten Literaturübersetzers Hinrich Schmidt-Henkel (Übersetzer u.a. von Célines "Guignol s Band II"), eine zeitgemäße Neuübersetzung von Célines Roman vor. Es ist die erste vollständige Übertragung des Originaltextes in deutscher Sprache. Sie ersetzt die bislang lieferbare, 1938 im tschechischen Mährisch-Ostrau erschienene Fassung, die unter dem Eindruck der faschistischen Herrschaft in Deutschland von den damaligen Herausgebern gekürzt und sprachlich wie politisch entschärft wurde. (Quelle:'Flexibler Einband/31.03.2009')

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  • Rezension zu "Voyage Au Bout De La Nuit" von Louis-Ferdinand Celine

    Voyage Au Bout De La Nuit
    Steerpike

    Steerpike

    23. September 2007 um 17:17

    In diesem ersten großen Roman Célines begleiten wir Ferdinand Bardamu auf einem Teil seines Lebenswegs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Begonnen wird mit dem Ersten Weltkrieg und seinen Schrecken. Hierhin begibt sich Bardamu aus freien Stücken, überwältigt von patriotischen Gefühlen im Paris des beginnenden Jahrhunderts. Doch schon bevor er auf dem Schlachtfeld ankommt, löst sich das ruhmvolle Trugbild des Krieges in Luft auf. Zurück bleibt ein Operettenkrieg ohne Sinn und Verstand mit Offizieren ohne Idealismus und Gewissen - allerdings ein Krieg voller allzu wirklicher Grausamkeit, aus dem Bardamu glücklicherweise nur leicht verletzt hervorgeht. Zurück in Paris wird er zunächst als Kriegsverwundeter gefeiert, als er jedoch nicht mehr in den Krieg zurück möchte und ihm die anfallsartige Weigerung die Einlieferung in eine Nervenklinik einbringt, deren Ärzte jedoch auch nichts an seiner grundsätzlichen Ablehnung zu ändern vermögen, wenden sich seine Freunde und vor allem seine patriotische Freundin Lola von ihm ab. Allein gelassen und ohne finanzielle Ressourcen, lässt sich Bardamu auf sein nächstes Abenteuer ein, eine koloniale Episode in Afrika, die er als Repräsentant der Compagnie Pordurière eigentlich vollständig im Fieberwahn verbringt. Als er die Sinnlosigkeit auch der kolonialen Projekte erkennt, macht er sich auf nach Amerika, wo ihm zunächst eine kurze Karriere als Ungezieferstatistiker im Quarantänelager auf Ellis Island beschieden ist. Doch Bardamu zieht es nach New York, wo ihm zum ersten Mal der volle Unterschied zwischen Arm und Reich bewusst wird. Als Armer, so seine Einsicht, hat man auf dieser Welt nichts verloren. Die Aussicht auf eine Arbeitsstelle bringt Bardamu in die Ford-Werke nach Detroit, wo er vollkommene Entindividualisierung erfährt. Doch auch diese Episode dauert nicht lange, Bardamu kehrt zurück in die Heimat und beendet sein vor dem Krieg begonnenes Medizinstudium. Seine Karriere als Arzt ist jedoch ebenfalls eher erfolglos, sein zu weiches Herz und seine zu unentschlossene Moral hindern ihn daran, Geld zu verdienen, die Tatsache, dass er seine Dienste oft umsonst anbietet, lässt ihn in der öffentlichen Meinung sinken. Bardamu wird so in allerlei unmoralische und halbkriminelle Machenschaften gezogen. Letzte Station Bardamus, bevor wir ihn wieder verlassen ist eine Irrenanstalt in Vichy, in der die Kranken durch Kinofilmberieselung geheilt werden sollen. Ein Eifersuchtsdrama, in das Bardamu verwickelt wird, setzt dieser Episode und dem Roman schließlich ein nachdenkliches Ende. Céline (bürgerlicher Name: Louis-Ferdinand Destouches) ist als Person höchst umstritten wegen seiner Kollaboration mit den Nazis. Er gilt nichtsdestoweniger als einer der bedeutendsten Romanciers des 20. Jahrhunderts. Voyage au bout de la nuit legte den Grundstein für diese Berühmtheit: Ein Roman von ausladender Opulenz und ungeschminkter Schnoddrigkeit, geschrieben in einem phasenweise sehr ausgefeilten, phasenweise sehr umgangssprachlichen Französisch, das die Lektüre nicht immer einfach macht. Ein Roman, in dem ständig neue Figuren auftreten, die manchmal im Laufe der Handlung wieder auftauchen, manchmal aber auch nur ein kurzes Intermezzo geben. Ein Roman, der rhythmisch sehr eigenartig angelegt ist, mit irritierenden Tempo- und Themenwechseln. Eine Figur, die immer wieder auftaucht, ist Léon Robinson. Ihn lernt Bardamu im Krieg kennen und trifft ihn an den einzelnen Stationen seiner Reise immer wieder. Er ist eine Art Alternative zu Bardamu und das Verhältnis der beiden ist im Grunde das Zentrum des Romans. Robinson lässt in dem genannten finalen Eifersuchtsdrama sein Leben, womit es Céline gelingt, die chaotische Episodenhaftigkeit seiner Erzählstränge am Ende doch noch in einen Roman zu verwandeln. Die titelgebende "Reise ans Ende der Nacht" ist nicht so hoffnungsfroh zu verstehen, wie man das auf den ersten Blick könnte. Am Ende tagt es zwar über einem sinnierenden Bardamu, doch der Ausweg aus der Sinnlosigkeit des Lebens zeichnet sich nirgends ab. Die Nacht, so steht zu befürchten, ist eine Sackgasse.

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