Louis Aguettant Lecture de Baudelaire

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Inhaltsangabe zu „Lecture de Baudelaire“ von Louis Aguettant

Kann man gut auch einführend zu Baudelaire lesen. Bietet aber auf französisch schon einen leicht fortgeschrittenen Status, der sich aber durch die sehr sympathische Art des Autors wieder ausgleicht.

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  • Rezension zu "Lecture de Baudelaire" von Louis Aguettant

    Lecture de Baudelaire
    Ein LovelyBooks-Nutzer

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    02. October 2009 um 19:12

    Louis Aguettant steigt in die Materie Baudelaire ein, indem er einen kurzen, sehr interessanten und pointierten Abriss des Lebens des Autors gibt und gar Briefexzerpte und eigene Richtungsweisungen einbringt. Dabei entsteht schon hier der unbedingte Eindruck des parlierenden Stils, der den Leser bei der Lektüre an die Hand nimmt, um ihm den Autor der Fleurs du mal, die Baudelaire wohl auf Ewigkeiten berühmt machen werden, ein wenig näher zu bringen. In verschiedenen, thematisch geordneten Kapiteln werden sinnzusammenhängende Abschnitte des Lebens und Werkes Baudelaires abgehandelt, alles aus der Sicht des lesenden Louis Aguettant. Eine sehr interessante Frage stellt sich daher nach der Intelligenz des großen, oft durch seine berühmten Essays und Kritiken ins Licht gestellten Autors. Aguettant ‚entlarvt‘ die maîtres Baudelaires, Poe und Joseph de Maistre, Staatsmann und Schriftsteller, deren Ideen Baudelaire stark beeinflussen, was seinem Tagebuch zu entnehmen ist. Dabei betont Aguettant besonders die Große Stärke Baudelaires in Bezug auf seine Sensibilität, die in erster Linie wohl selbstbezogen ist, jedoch auch auf die Beobachtung seiner Umwelt Auswirkungen hat und zu starken Gefühlsbildern in seiner schriftstellerischen Arbeit führen. „En revanche, l’intelligence de Baudelaire est aiguë est rare quand elle s’applique aux choses de la sensibilité. […] une part de l‘originalité des Fleurs du mal tient à cette lucidité envers soi-même, lucidité méritoire etant donné l’étrangeté et la complexité habituelles de l’objet…” („Auf der anderen Seite ist die Intelligenz Baudelaires scharf und rar wenn es sich um gefühlsmäßige Dinge handelt. […] ein Teil der Originalität der Fleur du mal kommt von dieser Scharfsinnigkeit sich selbst gegenüber, eine löbliche Scharfsinnigkeit, die dem Objekt Verfremdung und ihr eigene Komplexität verleiht…“ Üvm.) Dabei steuert die Schilderung Aguettants immer wieder auf die nervlich-fibrösen Tendenzen des baudelaireschen Charakters zu. Das Hauptwerk seinerseits wird wohl auf ewig die berühmte Gedichtsammlung der Fleur du Mal sein, die oft als ein in sich geschlossenes, stark durchdachtes Werk betrachtet wird. Laut Aguettant baut diese Arbeit, Baudelaires Arbeit generell, auf das Gefühl der Schwermut auf. „Le premier effet de cette recherche enfévriée de la sensation […] est l’ennui, un ennui spécial, assez différant de la vieille mélancholie romantique, le spleen.“ („Der erste Effekt dieser durch das Gefühl entzündeten Suche ist die Langeweile, eine besondere Langeweile, sich durchaus von der alten romatischen Melancholie unterscheidend, die Schwermut – der Spleen.“ Üvm.) Ausgangspunkt für die melancholische Gefühlsstimmung der Romantik ist also eine andere, die poetische Arbeit ist mit anderen Inhalten gefüllt. Der point zéro der romantischen Idee sei die Unerfüllbarkeit der eigenen Wünsche ob der Nichtlebendigkeit der Objekte, die die Welt ausfüllen. Da also der Gefühlswert der Welt gen null geht, kann auch das eigene Erleben nur von der Enttäuschung an die Welt genährt sein. Die Weltbetrachtung Baudelaires geht von einem Ich aus, das von sich selbst so abgestumpft ist, dass er das Böse in extravaganteren Erweiterungen sucht. Diese Ideen schildert Aguettant sehr anschaulich, indem er verschiedene Gedichte Baudelaires in ihren inhaltlichen Schwerpunkten aufzeigt. Dabei bleibt Aguettant hauptsächlich im lyrischen Werk Baudelaires verhaftet, wenn er auch die kritischen und essayistischen Texte betrachtet und in die theoretische Konzeption, die sich Baudelaire erschaffen hatte, eingliedert. Das lyrische Alterswerk, mit dem Baudelaire sich quasi neu erschaffen wollte und an dem er – dies kann man wohl so ausdrücken – letztlich, wenn auch durch die eigenen physischen Begrenzungen, denn die Syphilis raffte ihn geistig nieder, gescheitert ist.

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