Louise DeSalvo

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Erschienen am 30.10.2014

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Rezension zu "Virginia Woolf" von Louise DeSalvo

Rezension zu "Virginia Woolf" von Louise DeSalvo
Sokratesvor 7 Jahren

Die Autorin, selbst Dozentin für Literaturwissenschaft in den USA, hat nach gut 15 Jahren intensiver Arbeit an Virginia Woolfs Werk dieses Buch geschrieben. Sie beschäftigt sich mit einer Frage, die bislang in der Forschung wenig diskutiert wurde: welchen Einfluss hatten sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt auf das Leben von Virginia Woolf? Louise DaSalvo geht davon aus, dass – auch folgend aus der viktorianischen Sexualmoral – in der Familie Stephen, die nach der Heirat von Virginias Eltern immerhin 11 Personen zählte, sexuelle Übergriffe mehr oder minder starker Intensität an der Tagesordnung waren. Dies wäre auch durch die Familienmoral und Erziehungsethik bedingt gewesen; hinzu kam eine restriktive Rolle der Frau in der patriarchalen Familie. So waren Vanessa und Virginia zeit ihres Lebens zurückgesetzt, spielten nur eine untergeordnete Rolle, latent depressiv. Die Rolle zweier älterer Schwestern (Laura und Stella) waren Beispiel genug für eine Familienordnung, die auf die Stephen-Schwestern erdrückend, beängstigend, entwürdigend wirkte.
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Allerdings – und dies ist erschreckend – wurden sämtliche Anzeichen und Indizien in Biographie und Schaffen beider Frauen bislang völlig falsch interpretiert. Sämtliche Biographen taten sich schwer, das von Repressalien und Zwängen geleitete Familienklima richtig zu deuten; der sexuelle Missbrauch durch die Duckworth-Söhne an den Stephen-Mädchen wurde – selbst von Quentin Bell – nie ernst genommen. Erst Louise DeSalvo erkennt richtig, dass die vielen literarischen Metapher und stillen Andeutungen Virginias anders gedeutet werden können und ihr Selbstmord auch eigentlich keine andere Deutung zulässt. Vordergründig hat sie sich vielleicht wegen der weltpolitisch bedrohlichen Lage 1941 das Leben genommen, eigentlich jedoch waren ihre Probleme und der Wunsch, aus dem Leben zu scheiden, eine seit der Kindheit immerfort gärende Problematik.
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Das Buch sollte man als letztes biographisches Werk über Virginia Woolf lesen, so mein Eindruck. Beginnen sollte man mit den klassischen Biographien, hier vor allem zu nennen Quentin Bell oder Hermione Lee. Beide Autoren, insbesondere die letzte jedoch, sind recht aktuelle Biographien, die die Thematik des sexuellen Missbrauchs zumindest ansprechen, allerdings auch ungenügend problematisieren. Louise DeSalvo ist dann als Abschluss zu lesen: es korrigiert das von allen Biographen er-zeugte Bild der konfliktfreien, romantischen großbürgerlichen Familie Stephen, wo die Töchter Zugang zu Bildung hatten und ein harmonischer Umgang gepflegt wurde. Außerdem hinterfragt keiner der bisherigen Biographien die ständig wiederholte Meinung, dass Virginias psychische Auffälligkeiten krankheitsbedingt waren; selbst Quentin Bell meint, sie hätte an einer Gehirnerkrankung gelitten. Louise DeSalvo räumt mit diesem Mythos auf, bedingt durch die Psychologie der Alice Miller, die mittlerweile zulässt, dass man akzeptiert, sexueller Missbrauch und familiäre Situationen bringen entsprechende psychische Auffälligkeiten hervor.
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Zum Schreibstil der Autorin sage ich wenig: sehr gut geschrieben, flüssig, problemlos zu lesen und zu verstehen. Ein Text, der sich auch dem Laien erschließt, ob bei biographischen oder psychologischen Fakten.

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