Louise Erdrich Ein Lied für die Geister

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Inhaltsangabe zu „Ein Lied für die Geister“ von Louise Erdrich

Als Landreaux Iron bei einem tragischen Jagdunfall Dusty, den Sohn seiner Nachbarn, tötet, beschließen er und seine Frau, ihren jüngsten Sohn LaRose bei Dustys Familie aufwachsen zu lassen. Ergeben beugt sich LaRose dieser indianischen Tradition, die zu aller Überraschung ungeahnte, tröstliche Dinge bewirkt. Alles könnte sich zum Guten wenden, wäre da nicht einer, der mit Landreaux eine alte Rechnung offen hat und seine große Chance auf Rache wittert.

„Ein Meisterwerk der amerikanischen Literatur, das bleiben wird.“ Booklist

„Erdrich trägt, wie Faulkner, das dunkle Wissen ihres Landes in sich. Sie zählt zu den besten amerikanischen Schriftstellern.“ Philip Roth, New York Times

„Wie Toni Morrison, Tolstoi oder Steinbeck zeichnet Erdrich ihre Charaktere voller Liebe und erzählt von ihnen, ohne je über sie zu richten.“ San Francisco Chronicle.

Ein großartiges Buch über Trauer und Verlust, aber auch Hoffnung und Vergebung.

— Sikal

Mein zweiter Roman von Erdrich und wieder hat sie mich verzaubert, Auch wenn das Thema alles andere als zauberhaft ist ...

— 19angelika63

Wahrhaft himmlisch, nur sollte der deutsche Titel wie im Original "LaRose" lauten: das ist der Dreh- und Angelpunkt von allem. Wirklich!

— TochterAlice

Wieder beweist Louise Erdrich ihr Können. Ein großartiger Familienroman zwischen Schuld und Sühne.

— Bibliomarie

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  • Ein faszinierendes Buch

    Ein Lied für die Geister

    Sikal

    19. May 2017 um 12:03

    Gleich zu Beginn des Buches wird man mit einem dramatischen Ereignis konfrontiert – der kleine Dusty wird versehentlich von Landreaux erschossen. Eine unvorstellbare Katastrophe für die beiden ehemals befreundeten Familien, keine weiß mit der Trauer umzugehen. Nach indianischer Sitte beschließen Landreaux und seine Frau Emmaline ihren jüngsten Sohn LaRose als „Ersatz“ für Dusty bei dessen Eltern aufwachsen zu lassen. Doch niemand konnte ahnen, welche emotionalen Höhenflüge hier vorprogrammiert wurden. LaRose findet mit seiner ruhigen Art schnell einen Zugang zu allen Familienmitgliedern, besonders zu Maggie, die gerade eine schwierige Phase durchlebt und in LaRose einen Seelenverwandten findet. In Rückblenden erfährt man, dass der Name LaRose in der Familie Tradition hat, bereits vier LaRoses gab es bereits, die allesamt kein einfaches Leben hatten. Wie wird sich die Familie mit dem Tod des kleinen Dusty auseinandersetzen? Wird es wieder ein normales Leben nach der Trauerphase geben können? Wenn man selbst Kinder hat und sich hier hineinversetzt, kann man es sich eigentlich nicht vorstellen. Doch was macht nun die Magie dieses Buches aus? Trotz des tragischen Einstiegs, findet man zwar Melancholie, doch keine Hoffnungslosigkeit. Man findet Trauer, Enttäuschung, Wut, aber auch Freundschaft, Liebe, Zusammenhalt. Die Autorin Louise Erdrich hat selbst indianische Vorfahren und schafft es hier mit viel Empathie und Poesie über ein Thema zu schreiben, das nicht einfach ist. Sie berührt und bewegt, tiefsinnig aber nicht schwermütig. Die Charaktere sind sehr vielschichtig, oft beinahe eigenbrötlerisch – vielleicht passend für das Leben in einem Reservat. Anfangs verschlossen, öffnen sie sich im Laufe der Geschichte dem Leser und man entdeckt hinter manchem Verhalten die Hintergründe. Ein Buch, das mich sehr berührt hat, welches ich sehr gerne gelesen habe und bestimmt wieder lesen werde. Eine großartige Geschichte über zwei Familien, die lernen müssen mit einem furchtbaren Schicksalsschlag zu leben.

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    • 3
  • Leserunde zu "Ein Lied für die Geister" von Louise Erdrich

    Ein Lied für die Geister

    Gruenente

    Sorry, hier kann kein Buch gewonnen werden.Dies ist eine "freiwillige" Leserunde, entstanden aus dem Thread "SuB Aufbau mit Niveau" .Jeder weitere Teilnehmer ist herzlich willkommen.Die Leserunde soll ab April 2017 stattfinden.Ich freue mich auf einen schönen Austausch mit allen MitleserInnen.Die Seitenangaben be den Leseabschnitten beziehen sich auf meine eBook-Ausgabe. Doch die Kapitelangaben sollten eindeutig sein. Hier die Seitenzahlen vom Hardcover Abschnitt 1 bis S 78 Abschnitt 2 ab S 78 beginnt "der Durchgang". Abschnitt 2 bis S 184 beginnt "Nehmt alles..." Abschnitt 3 bis S. 263 da beginnt " Der Küchenstuhl" Abschnitt 4 ab S. 415 beginnt "Die Versammlung

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    • 23
  • Von Traditionen und Mythen

    Ein Lied für die Geister

    19angelika63

    16. January 2017 um 15:02

    Klappentext1999 in North Dakota. Ein goldener Herbstnachmittag, ein Hirsch, ein Schuss, ein toter Junge. Nichts wird je wieder so sein, wie es einmal war.Nachdem Landreaux und Emmaline in einer Schwitzhüttenzeremonie ihre Vorfahren befragt haben, bringen sie ihren jüngsten Sohn LaRose zu Dustys Familie: dem verschlossenen Vater Peter, der seit Dustys Tod völlig vernachlässigten 9-jährigen Maggie und der psychisch labilen Mutter Nola. Tatsächlich gelingt es dem sanften Jungen, die in Trauer, Zorn und Verzweiflung erstarrten Herzen zu öffnen und die beiden einst befreundeten Familien einander wieder anzunähern. Indes schmiedet der verschrobene Einzelgänger Romeo, der mit Landreaux eine uralte Rechnung offen hat, einen irrwitzigen Racheplan.Das Gerüst der Geschichte ist schnell erzählt. Bei einem Unfall kommt der 5-jährige Dusty ums Leben. Landreaux, sein Onkel, hat ihn aus Versehen erschossen. Dustys Eltern Peter und Nola, so wie die Schwester Maggie erstarren vor Trauer. Landreaux und seine Frau Emmaline beschließen einer alten Tradition zu folgen und geben ihren 6-jährigen Sohn LaRose der trauernden Familie. Er soll dafür sorgen, dass Dustys Familie ihren Schmerz überwinden kann. "Er hatte von solchen Adoptionen in den alten Zeiten gehört, als Krankheiten und Morde manche Familien zerstörten und andere verschonten. Es war eine uralte Form der Gerechtigkeit. Eine Geschichte, und Geschichten berührten ihn." (Seite 47)Zu Anfang der Geschichte habe ich oft gedacht was für eine Tragödie. Der Onkel erschießt den Neffen und fühlt sich, obwohl es ein Unfall war, schuldig. Die Eltern von Dusty, Nola und Peter, verlieren sich in ihrer Trauer. Nola verzweifelt am Leben und Peter ist voller Hass. Als Landreaux und Emmaline dann beschließen ihr jüngstes Kind LaRose, zerbricht Emmaline  fast an dieser Entscheidung. Und LaRose ... versteht am Anfang gar nicht, warum er nun bei einer fremden Familie leben soll. Doch je weiter man liest, desto klarer wird dieses Geflecht aus Wut, Trauer, Schuld und Sühne. Vor allem LaRose hat eine besondere Rolle in dieser Geschichte. Er ist der fünfte, der den Namen LaRose trägt. Vor ihm haben jedoch nur Frauen diesen Namen getragen, doch allen LaRoses wird eine besondere Fähigkeit zugeordnet ... sie können die Geister ihrer Urahnen sehen. Als LaRose in die neue Familie kommt, kann er jedoch nicht verstehen, warum seine Mutter ihn weg gibt. Erst im Laufe der Zeit ahnt er, was seine Aufgabe ist. Er soll alle Beteiligten wieder zueinander führen."Dauernd sammelst du Steine. Was soll mir der bitte nützen? Sie ließ den Kiesel fallen. Wir müssen auf sie aufpassen. Wir müssen sie aufhalten!Ich weiß, sagte LaRose. Er nahm ihre Hand, öffnete sie und legte den Stein wieder in ihre Handfläche. Das ist ein Aufpasserstein. Wenn ich aufpassen soll, gibst du ihn mir. Und wenn du aufpassen sollst, kriegst du ihn." (Seite 271)Was auf den ersten Blick wie eine klar konstruierte Geschichte aussieht ist in Wahrheit ein Geflecht aus dem wahren Leben, Traditionen und Mythen. Und je weiter ich gelesen habe, um so mehr hat mich diese sehr eigene Welt der Indianer fasziniert. An manchen Stellen habe ich mir vorgestellt, wie es sein muss mit solchen Traditionen und Mythen aufzuwachsen. Es verbindet die Menschen innerhalb einer Familie, aber die Menschen außerhalb haben für viele Entscheidungen kein Verständnis. So erging es mir ja auch ... ich konnte überhaupt nicht verstehen, wie man ein kleines Kind, sein eigen Fleisch und Blut, in eine andere Familie geben kann. Was macht das mit einem Kind? Mit einem selbst? In Erdrichs Roman bekommt man einen Einblick in dieses Geflecht ... und auch ein Gefühl dafür warum diese Menschen so handeln wie sie handeln ... "Maggie verbiss sich ihre Worte. Sie sagte nicht, dass es ihr leidtat, aber tat ihr ganz furchtbar leid. Es tat ihr leid, dass sie nie etwas richtig machte. Es tat ihr leid, dass sie ihrer Mutter nicht bieten konnte, was sie brauchte. Tat ihr leid, dass sie ihr nicht helfen konnte. Tat ihr manchmal auch leid, dass sie Nola in der Scheune überrumpelt hatte. Leid, leid, leid, dass sie so etwas denken konnte. Dass sie böse war. Dass sie nicht in jeder Sekunde für das Leben ihrer Mutter Dankbarkeit empfand. Es tat ihr leid, dass LaRose der Liebling ihrer Mutter war, dabei war er auch ihr eigener. Tat ihr leid, dass sie ständig daran dachte, wie leid es ihr tat, und dass sie all ihre Zeit mit diesem Gefühl verschwendete. Vor dieser Sache mit ihrer Mutter hatte Maggie nie irgendwas leidgetan. Sie sehnte sich so sehr danach zurück." (Seite 283/ 284)Mich hat dieser Roman tief bewegt. Erdrich zeichnet ihre Charaktere mal sehr liebevoll, dann wieder sehr distanziert. Immer so, wie es die Situation gerade braucht. Jeder einzelne Charakter hat mich berührt. Ich konnte den Schmerz, die Wut und die Trauer von Dustys Eltern spüren. Landreaux Schuld lag auch mir schwer auf den Schultern. Emmalines Zerrissenheit ob es richtig ist LaRose der anderen Familie zu geben, hat auch mich zerrissen. Und LaRose ... LaRose ist der Liebling aller, weil er etwas ganz besonderes ist ...Unbedingt lesen!

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    • 6
  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Zauberhaft und magisch, melancholisch und tragisch

    Ein Lied für die Geister

    Federfee

    13. December 2016 um 19:58

    Inhaltlich gibt es wenig zu sagen und darauf kommt es auch nicht an: Der kleine Dusty wird aus Versehen (ein Jagdunfall) von Landreaux Iron erschossen. Das stürzt beide beteiligten und eigentlich befreundeten Familien ins Unglück. Landreaux lebt im Reservat und beschließt nach indianischer Sitte zusammen mit seiner Frau Emmaline, ihren jüngsten Sohn LaRose der Familie des Getöteten zu übergeben. Er soll dort als Sohn aufwachsen, bei Peter und der psychisch instabilen Nola und deren eigenwilliger Tochter Maggie."Es war eine uralte Form von Gerechtigkeit."LaRose fügt sich und schafft es mit seiner mitfühlenden verständnisvollen Art in die Herzen aller. Vor ihm trugen schon vier Vorfahren diesen seltsamen Namen, allesamt Frauen, deren Geschichte wir nach und nach erfahren und damit auch einiges über das Schicksal der Indianer, das Unrecht, das ihnen angetan wurde und wie sie heute zwischen zwei Welten leben.Das klingt nach einem deprimierenden Buch, aber Louise Erdrich, selbst mit indianischen Vorfahren, schafft es, Hoffnungsfünkchen und Humor aufblitzen zu lassen. Das Besondere an diesem Buch ist für mich die wunderbare Sprache der Autorin, die diese geradezu virtuos anpasst: mal im Jugendlichen-Jargon, mal wird mit zwei, drei Sätzen die Landschaft so beschrieben, dass man sie bildhaft vor Augen hat. Vor allem schafft sie es auf geradezu magische Weise, die Gefühle und Gedanken der Hauptfiguren zu verdeutlichen.Ein lesenswerter Roman über Verlust und Schuld, über Hoffnung und Vergebung.

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    • 5
  • Unser Sohn soll jetzt euer Sohn sein

    Ein Lied für die Geister

    MikkaG

    10. December 2016 um 23:23

    "Ein Lied für die Geister" ist ein ungewöhnliches Buch, das mich noch lange beschäftigen wird. Tatsächlich ist es auch ein Buch, für das ich deutlich länger gebraucht habe, als ich das normalerweise für 444 Seiten tue - aber ich bitte darum, das nicht als Kritik zu verstehen, im Gegenteil. Manchmal muss man sich für die besten Dinge im Leben Zeit nehmen. Worin liegt jedoch der Zauber, der sich mit jeder Seite mehr entfaltet? Wenn ich die Geschichte auf ihre grundlegendsten Zutaten herunterbreche und nur diese betrachte, erscheinen sie mir öde, nüchtern, trostlos, deprimierend... Schlimmer noch, voll unterschwelligem Pathos. Die Geschichte im Ganzen ist in meinen Augen jedoch nichts davon. 'Magisch' würde mir da eher in den Sinn kommen, 'tiefgründig' oder 'bewegend'. Und ja, manchmal tragisch.Es geht um viele Dinge, nicht nur um den Tod des kleinen Dusty und dessen Auswirkung auf die beiden betroffenen Familien. LaRose, der Junge, der Dustys Platz einnehmen soll, ist der fünfte Mensch dieses Namens in seiner Familie, wobei die erste vier alle Frauen waren. In Rückblicken erzählt die Autorin aus dem Leben der ersten vier LaRoses und spricht dabei das enorme in der Vergangenheit an den Indianern begangene Unrecht an, und die Zerissenheit ihrer Nachfahren zwischen den Kulturen. (Erdrichs Großvater mütterlicherseits war übrigens ein Häuptling der Chippewa.)Der Schreibstil ist wunderbar und trügerisch. Mal karg, mal von schlichter Eleganz, dann wieder bewegend und voll emotionaler Tiefe. Wenn sich indianische Legenden und schonungslose Gegenwart vermischen, entsteht ein ganz eigener, magischer Realismus, und dennoch entbehrt die Geschichte nicht einem gewissen Humor.Die scheinbare Einfachheit des Schreibstils täuscht vielleicht anfänglich darüber hinweg, wie authentisch und komplex die Charaktere sind, aber mit jeder Seite enthüllen sie dem Leser mehr von ihrer Persönlichkeit. Die Autorin scheut nicht davor zurück, sie bis an die Grenzen dessen zu treiben, was sie ertragen können, lässt ihnen aber immer den letzten Funken Hoffnung. Viele Charaktere zeigen im Laufe der Geschichte überraschende Eigenschaften, die den Leser zwingen, seine ersten Eindrücke zu überdenken.Das trifft auf keinen davon so sehr zu wie auf Romeo:Romeo, der Schmarotzer, der Widerling, der kleine Gauner, der in seinem Leben nichts erreicht hat, aber klaut, betrügt, lügt und sich mit Tabletten sein erbärmliches Dasein erträglich macht. Romeo und seine sinnlose, skrupellose Rache. Romeo, den man wirklich nur hassen kann.Dachte ich.Man erfährt später im Buch noch, welches Trauma und welcher Verrat ihn zu dem gemacht haben, der er ist, und dann hätte ich am liebsten um den loyalen, intelligenten Jungen geweint, der Romeo einmal war.Die Geschichte hat meiner Meinung nach keinen klar strukturierten Handlungsbogen, entwickelt aber eine starke psychologische Spannung, weil man als Leser mitfiebert und mitleidet mit den Charakteren. Man muss sich allerdings darauf einlassen, dass nicht alles erklärt wird oder überhaupt erklärbar ist.Fazit:Der kleine Dusty wird bei einem Jagdunfall aus Versehen erschossen. Der Schicksalsschlag droht, zwei Familien zu zerstören: die des Jungen und die des erschütterten Todesschützen, Landreaux Iron. Dieser beschließt nach Anrufung seiner Ahnen, einer alten indianischen Tradition zu folgen und den trauernden Eltern seinen eigenen Sohn zu übergeben, den fünfjährigen LaRose. "Ein Lied für die Geister" setzt sich zusammen aus den Fragmenten verschiedener (fiktiver) Leben und überspannt mehrere Generationen. Es erzählt von Verlust, Schuld und Verrat, aber auch von Hoffnung, Vergebung und Loyalität, und das immer vor dem Hintergrund der Geschichte der indianischen Urbevölkerung in den USA.In meinen Augen ist es ein außergewöhnliches Buch, dem man Zeit geben muss und von dem man keine einfachen Lösungen erwarten sollte, das aber dennoch sehr lohnend ist.

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  • Ein großer Wurf!

    Ein Lied für die Geister

    dubh

    04. December 2016 um 21:09

    Bei einem Jagdunfall tötet Landeaux Iron versehentlich den kleinen Sohn der Nachbarn, Dusty. Nach einer Zeremonie in einer Schwitzhütte beschließt Landeaux gemeinsam mit seiner Frau Emmaline, dass sie ihren Sohn LaRose den Raviches anvertrauen - eine alte indianische Tradition auf die sich die Eheleute besinnen, die dem Stamm der Chippewas angehören. Sie soll den Verlust von Dustys Eltern lindern - was tatsächlich auch zu funktionieren scheint.Für den sechsjährigen LaRose bedeutet dieser Wechsel zu den Raviches eine ziemliche Veränderung, auch in kultureller Hinsicht - denn seine neue Familie sind keine Native Americans: Peter und Nola Ravich sind Weiße, mal abgesehen davon, dass Nola eine Halbschwester von LaRoses Mutter ist und somit zum Teil ebenfalls Chippewa.Schon bald haben die Eheleute den kleinen LaRose in ihr Herz geschlossen und so ergibt sich eine äußerst schwierige Situation für beide Eltern. Kann es dennoch eine Aussöhnung geben?Dieses Buch hat mich sehr berührt, was vor allem daran liegt, dass Louise Erdrich einen unglaublich liebevollen Blick auf ihre Figuren hat. Außerdem ist diese Autorin, selbst deutscher und Chippewa'scher Abstammung, so etwas wie das Gewissen der Vereinigten Staaten was die Situation der Native Americans angeht. Erdrich lässt ihren Figuren Raum, lässt sie agieren ohne jemals über sie zu richten. Wie all ihre Romane beschäftigt sich auch "Ein Lied für die Geister" mit der inneren Zerrissenheit vieler Natives: sie sind Teil der Vereinigten Staaten, einem Land, in dem sie in der Regel noch immer ganz unten stehen, und zugleich möchten sie auch ihre eigene Kultur bewahren, ohne sie zu Touristenfolklore verkommen zu lassen. Für diesen dreidimensionalen, respektvollen und ehrlichen Blick auf die Kultur ihrer Familie mütterlicherseits schätze ich Louise Erdrich ganz besonders.Vielleicht wählt Erdrich eine so reduzierte Sprache, um ihren Figuren eine noch größere Rolle zu ermöglichen, aber ich muss gestehen, dass dieser Stil für mich wirklich den großen Wurf der Autorin komplett abrundet."Ein Lied für die Geister" ist ein ganz wunderbarer Roman und ich hoffe sehr, dass Louise Erdrich nicht nur weitere Literaturpreise einheimst, sondern auch hierzulande mehr LeserInnen findet. Sie und ihre Geschichten hätten es wahrlich verdient!

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  • LaRose

    Ein Lied für die Geister

    TochterAlice

    26. November 2016 um 16:09

    LaRose ist ein kleiner Junge aus dem Stamm der Ojibwe, der aufgrund eines fatalen Fehlers, den sein Vater Landreaux Iron begangen hat, ein neues Leben beginnen muss. Landreaux hat nämlich beim Jagen aus Versehen den Sohn der Nachbarn getötet. Einem alten Ojibwe-Brauch folgend, bieten er und seine Frau Emmaline diesen ihren eigenen Sohn an. Für LaRose, mit sechs Jahres das jüngste der vier Iron-Kinder, zu denen noch der Ziehsohn Hollis hinzukommt, bedeutet der Umzug zu den Raviches nicht nur einen Wechsel der Familie, sondern gleich einen der ganzen Kultur, denn er bedeutet einen Wechsel über die Reservatsgrenze hinaus. Peter Ravich ist nämlich Weißer, seine Frau Nola, zufällig eine Halbschwester von LaRoses Mutter Emmaline, nur zu einem Bruchteil Indianerin. Der kleine LaRose verkörpert eine besondere Eigenart, die er mit seiner Mutter gemein hat – er bringt ohne eigenes Zutun, ja, ohne es zu merken, die Menschen um ihn herum dazu, ihn zu lieben. Daher können bald weder die Irons noch die Raviches ohne ihn leben. Einfach wird es nicht, inmitten des Geflechts von Schuld-, Sühne-, und Rachegefühlen einen Weg zu finden, doch – und da erlaube ich mir, frei nach dem Buch der Bücher zu sprechen, ist auch hier die Liebe das größte Gefühl von allen, die die Leser in den Genuss eines – wenn auch sehr verhaltenen Happy Ends – bringt. Ein kluges, gekonnt geschriebenes Buch, in dem Louise Erdrich ihrem üblichen eher sachlichen, manchmal fast kargen Stil ein wenig untreu wird. Doch eines ist wie immer enthalten und zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch - ein ungeheures Ausmaß an Herzenswärme, diesmal vor allem verkörpert durch die Figuren LaRose und seine Mutter Emmaline. Louise Erdrich ist eine wahrhaft große und dabei sehr menschliche Autorin, der ich noch mannigfaltige Preise wie durchaus auch den Literaturnobelpreis zutraue und vor allem gönne. Sie versteht sich auf die Sprache zwischen den Zeilen - in ihrem ganz besonderen, klaren Stil vermag sie auf relativ wenig Seiten - wobei es diesmal mit mehr als vierhundert für ihre Verhältnisse schon sehr viele sind - eine eigene Welt zu erschaffen, Botschaften zu senden und das Bedürfnis nach MEHR zu wecken: mehr brillianter, kraftvoller Literatur, mehr spannenden und gut erzählten Themen, mehr wichtigen Botschaften, mehr eindringlichen Zitaten - eben einfach nach mehr Erdrich! Wobei ich mir fast anmaßend dabei vorkomme, dergestalt über diese großartige Autorin zu urteilen, sie zu bewerten! Wer sie lesen sollte? Mütter, Väter, Schwestern, Brüder, Töchter und Söhne - solche, die am großen Amerika verzweifeln und wenig Hoffnung in sich tragen, aber auch solche, die von den U.S.A lernen wollen! Und zwar von ihren Ureinwohnern, die trotz aller Widrigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, immer noch das alte Wissen in sich tragen und es weitergeben - durch die Lektüre von Erdrich-Romanen auch an uns, wenn wir bereit sind, uns darauf einzulassen. Louise Erdrich ist eine Autorin, die uns Wichtiges aufzeigt, die Werte für sich sprechen lässt. Auch die vielen Englisch-Leistungskurse im ganzen Land, die Fakultäten für Anglistik an den Hochschulen, deren Lehrer und Dozenten verzweifelt nach aktueller Lektüre suchen, die die Schüler aufrüttelt, sie packt: Versucht es mal hiermit! Ihr habt zumindest eine Chance! Ein wunderbares Buch, man könnte es im wahrsten Sinne des Wortes als himmlisch bzw. als göttlichen Roman bezeichnen, nur sollte der Titel auch in deutscher Sprache wie im Original "LaRose" lauten, denn LaRose ist auf gewisse Art der Dreh- und Angelpunkt von allem. Wirklich. Lest selbst!

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    • 2
  • Schuld und Erlösung

    Ein Lied für die Geister

    serendipity3012

    21. November 2016 um 19:09

    Schuld und Erlösung Es ist ein Versehen, aber ein sehr tragisches: Landreaux verfehlt bei der Jagd den Hirsch, auf den er angelegt hatte, und trifft stattdessen Dusty, den 5-jährigen Sohn der Nachbarn. Dusty stirbt. Er hinterlässt seine Eltern Nola und Peter, sie psychisch labil und kaum fähig, den Verlust des Sohnes zu begreifen und zu verkraften, ihn, der versucht, irgendwie weiterzuleben. Die 9-jährige Schwester Maggie ist ein schwieriges Kind, für das die Eltern nun keinen Kopf mehr haben. Landreaux und seine Frau Emmaline entscheiden sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: In einem Fall wie diesem gibt es eine alte Tradition, die besagt, dass die Familie nun den eigenen Sohn in die Obhut der anderen Familie geben solle. So bringt Landreaux seinen jüngsten Sohn LaRose zu den Nachbarn, damit dieser dort aufwächst. „Bevor sie im letzten Herbst LaRose zu den Raviches brachten, hatten Landreaux und Emmaline seinen Namen ausgesprochen. […] Dieser Name würde ihn vor dem Unbekannten schützen, vor dem, was mit dem Unfall auf sie alle losgelassen worden war. Wenn das Chaos, das Unheil in die Welt kommt, pflanzt es sich immer weiter und weiter fort. Selten bleibt es bei nur einem Unglücksfall. Das wissen die Indianer.“ S. 127In Louise Erdrichs neuem Roman „Ein Lied für die Geister“ entspinnt sich eine prall gefüllte Geschichte rund um die beiden Familien, die durch den tragischen Tod des kleinen Dusty untrennbar miteinander verbunden sind. Alle versuchen mit mehr oder weniger Erfolg, mit der Situation umzugehen: Landreaux mit der Schuld, die er auf sich geladen hat, Nola und Peter mit der sie verzehrenden Trauer um das eigene Kind und der Wut auf Landreaux, Emmaline mit der Entscheidung, LaRose in die Nachbarsfamilie zu geben. LaRose ist ein besonderes Kind, das sich mit der Zeit in der neuen Situation zurechtfindet und sich schließlich als Mitglied von zwei Familien fühlt. Ein Junge, der sehr geliebt wird und der vielleicht sogar die Gabe hat, die Familien wieder ein Stück weit zueinander finden zu lassen.Erdrichs Roman ist aber weit weniger zentriert, als es der Klappentext und diese Inhaltsangabe suggerieren. So ist der kleine LaRose der bisher letzte Nachkomme einer Reihe von Ahnen mit dem gleichen Namen, und er ist der erste Junge unter ihnen. „Ein Lied für die Geister“ führt auch uns zurück zur ersten LaRose und ihrem Leben. Und natürlich gibt es auch immer wieder die alten Indianermythen, den Glauben an Geister, die in der Geschichte gegenwärtig sind und sie zu etwas ganz Besonderem machen.Zudem sind es noch einige Figuren mehr, über die Erdrich schreibt, so dass nach und nach ein Panorama dieses Ortes entsteht, der Menschen, die dort leben, der Art und Weise, wie sich die amerikanische Modernität und die alten Mythen der Indianer miteinander vermengen. Diese werden immer wieder eingeflochten, nicht nur, wenn es um längst vergangene Zeiten geht. Die anderen Kinder der beiden Familien um LaRose wachsen heran. Und es gibt einen Mann aus der Vergangenheit Landreaux’, der eine alte Geschichte nicht ruhen lassen kann und will.Louise Erdrich schreibt in ihrem charakteristischen, ein wenig nüchternen, sehr klaren Stil, der mich schon in „Das Haus des Windes“ überzeugt hat. Oftmals spricht sie Gefühle nicht direkt an bzw. aus, sondern vermittelt das, was sich nicht leicht benennen lässt, nebenbei. Sehr sparsam dosiert und dadurch zumeist mit Wucht treffend bringt sie starke Bilder, die aus der sonst so schnörkellosen Sprache herausstechen.„Peter steckte Kerzen an, holte eine Flasche Sekt und legte Holzscheite nach. Er ließ die perlende Flüssigkeit behutsam erst in Nolas Sektkelch fließen und dann in seinen. Schweigend stießen sie an. Nola strich sich die losen blonden Locken aus dem Gesicht. Beim Trinken blickten sie einander in die Augen und sahen Fremde die beiden Körper bewohnen, die einmal ihren Sohn gezeugt hatten.“ S. 74Gerade Erdrichs Sprache ist es, auf die ich mich zunächst ein Stück weit einlassen musste. Doch „Ein Lied für die Geister“ ist eine überzeugende, auch lehrreiche Geschichte, in der das Magische als natürlich vorausgesetzt wird, was einen speziellen Reiz hat. Erdrich ist eine ganz besondere Autorin mit großem Gespür für ihre Figuren und einem ganz eigenen Ton. Ein eindringlicher, lesenswerter Roman.

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  • ein Monatshighlight

    Ein Lied für die Geister

    brauchnix

    17. November 2016 um 16:43

    Auf den ersten Blick mutet uns die Geschichte ungeheuerlich an. Ein Mann erschießt auf der Jagd nach einem Hirsch stattdessen den kleinen Nachbarsjungen. Und in seiner Verzweiflung deutet er die Visionen im Schwitzhaus als Aufforderung zu einem altem Ritual und bringt seinen eigenen jüngsten Sohn zu den fassungslosen Eltern des toten Kindes und sagt, er wäre nur ihr Sohn. Ein Sohn für den anderen. So wie es früher schon in den alten Zeiten war. Luise Erdrich schreibt mit einer wohldosierten Distanz, die dem Leser Raum lässt für eigene Interpretationen. Sie beschreibt mit gefühlvollen lebhaften Worten, aber alle ihre Figuren sind ihr gleich lieb und sie ist eine kluge Beobachterin, die die Geschehnisse beschreibt ohne zu werten oder zu erklären. Von Anfang an nahm mich diese Geschichte gefangen. Man spürt die indianische Spiritualität, man riecht das weite Land, die Felder und Wälder. Man erfährt, wie das Leben der Indianer noch immer dadurch bestimmt ist, dass sie ihre Herkunft und ihre Kultur verleugnen sollen, dass sie sich anpassen und ihre Eigenheiten ablegen sollen. Das neue und das alte Amerika, die Kraft der alten Riten und die Verlockung der westlichen Errungenschaften, ringen miteinander und jeder Indianer versucht seinen eigenen Weg für sein eigenes Leben zu finden. Lebendig und ganz nah kommen einem die Personen. Die Einblicke in eine fremde Gesellschaft, ganz anders, wie wir sie aus Karl-May-Büchern und Wild-West-Filmen kennen, ist ruhig und eindringlich erzählt. Schon das Cover ist ein Augenschmaus und der Titel hallt ebenso wie die ganze Geschichte kräftig und lange in mir nach.

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  • Ein Lied für die Geister

    Ein Lied für die Geister

    thenight

    30. October 2016 um 14:39

    Inhalt: Als Dusty aus versehen von Landreaux Iron einem Nachbarn, Freund und Schwager erschossen wird, zerstört das nicht nur das Leben seiner Eltern auch für Landreauxs Familie beginnt eine Zeit voller Leiden, nicht nur das mit dem Unfall eine untilgbare Schuld auf Landreux liegt, er und seine Frau Emmaline beschließen ihren jüngsten Sohn LaRose bei den Nachbarn aufwachsen zu lassen um deren Schmerz zu lindern, wie es eine alte indianische Tradition vorsieht und tatsächlich scheint LaRose Anwesenheit die seelischen Wunden langsam  zu heilen. Meine Meinung: Ein Buch das nachhallt, das ich nach der letzten Seite nicht einfach an die Seite legen und vergessen konnte. Louise Erdrich hat mich in eine völlig andere Welt entführt, eine Welt geprägt von Tradition, von Gewalttätigkeit und dem Bemühen um ein besseres Leben. In Ein Lied für die Geister, erzählt die Autorin von Indianerinternaten, in denen der Indianer aus dem Menschen getilgt werden sollten, wo sie lernen sollten wie Weiße zu leben, zu denken und zu fühlen und wo viele Menschen zerbrachen, die angesprochene Gewalttätigkeit spielt sich in diesem Buch fast nur in der Vergangenheit ab, wenn sie die Geschichte der ersten LaRose erzählt, diese Geschichte zieht sich in Rückblenden durch das ganze Buch und brachte mir die Geschichte der First Nation, näher als so manches Geschichtsbuch. Ein Lied für die Geister handelt von der Zerrissenheit der Menschen die eine Balance finden müssen zwischen der Welt der Weißen und dem Leben im Reservat, einem Balanceakt bei dem man entweder erfolgreich in beiden Kulturen leben kann oder im schlimmsten Fall scheitert. Die Geschichte treibt auf zwei mögliche Enden zu, auf eine Katastrophe die beide Familien noch viel tiefer ins Unglück stürzt oder auf ein Happy End, beides ist lange möglich, wie es ausging verrate ich hier natürlich nicht. Louise Erdrich hat nicht nur eine bewegende Familiengeschichte geschrieben, sie hat ein Stück Geschichte der First Nation lebendig werden lassen ohne Anklage und ohne erhobenen Zeigefinger.  Ein Lob gebührt hier sicher auch der Übersetzerin Gesine Schröder Ich gebe für diese Buch eine uneingeschränkte Leseempfehlung. 

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  • Ein großartiger Familienroman

    Ein Lied für die Geister

    Bibliomarie

    26. October 2016 um 11:43

    Es war ein im Nachhinein unerklärlicher Jagdunfall bei dem Landreaux Iron den kleinen Sohn der benachbarten und verwandten Familie Ravich tötet. Nach einer Schwitzhüttenzeremonie folgen er und seine Frau Emmeline einer alten indianischen Tradition und geben ihren jüngsten Sohn LaRose in Obhut der trauernden Familie Ravich. Kann der Verlust des Kindes durch einen weiteren Verlust gesühnt werden?Louise Erdrich gelingt es, den Spagat der Familien der amerikanischen Ureinwohner zwischen Tradition und Moderne aufzuzeigen. Dazu geht sie mehrere Generationen zurück und erzählt in einer Parallelhandlung die Geschichte der Familie, von der ersten LaRose, der direkten Vorfahrin, bis hin zu Emmeline Iron, der Mutter des kleinen LaRose. Die Überlieferungen, das Wissen um die spirituelle Kraft der Lieder, das alles ist in dem kleinen Jungen vereint. Wenn es die Möglichkeit zur Aussöhnung gibt, dann liegt sie bei ihm.Der Autorin gelingt es, die Zerrissenheit der amerikanischen Ureinwohner aufzuzeigen. Die an ihre Traditionen und Werten festhalten wollen, ohne sie zur Folklore verkommen zu lassen, die aber auch ein Teil des heutigen Amerikas sind, und immer noch zu selten ihren angestammten Platz in der Gesellschaft bekommen. Ein Buch, das mich tief berührt hat, das menschliche Schwäche und Größe beschreibt, ohne zu werten oder anzuklagen. Gerade das macht diesen Roman so lesenswert. Die Autorin ist für mich eine große Stimme der amerikanischen Literatur.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    27. December 2015 um 19:56

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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