Louise Erdrich Schattenfangen

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Inhaltsangabe zu „Schattenfangen“ von Louise Erdrich

Ein grausames Spiel hat sich Irene ausgedacht, als sie feststellt, daß ihr Mann heimlich in ihrem Tagebuch liest. Sie beginnt ein neues, das sie jetzt besser versteckt. Dem vertraut sie ihre wahren Gefühle, ihre Hoffnungen und Enttäuschungen an, die Zweifel an ihrer Ehe, aus der sie nicht loskommt. Das alte Tagebuch führt eine andere Irene. Eine, die ihren Mann wissen lassen will, daß sie ihn nicht mehr liebt, eine, die vorgibt, ihn zu betrügen, eine, die ihm sagen will, daß sie nur noch Verachtung für ihn übrig hat. Es ist der perfide Versuch, die Ehe zu einem Ende zu bringen. Das Bild, das die beiden nach außen vermitteln, ist ein anderes: zwei, die füreinander bestimmt sind. Er der Maler, sie die Kunstwissenschaftlerin, seine Muse. Ohne sie kann er nicht malen. Ohne ihn kann sie nicht leben. In Wirklichkeit: ein Paar, aneinander gefesselt durch Haßliebe und ihre Kinder. Sie werden zusammenbleiben, bis daß der Tod sie scheidet. Louise Erdrich hat mit »Schattenfangen« einen beeindruckenden Psychothriller geschrieben, konsequent stülpt sie das Innenleben ihrer Protagonisten nach außen und zeigt, wohin es führt, wenn aus Liebe Hass wird.

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  • Rezension zu "Schattenfangen" von Louise Erdrich

    Schattenfangen

    SinjeB

    Ein Paar in einer Spirale aus Liebe, Hass und dem schönen Schein, den es für Gesellschaft und Kinder zu wahren gilt. Mit überspitzt tragischer Konsequenz. Zum Inhalt: Irene und Gil sind schon lange verheiratet. Beide zum Teil indianischer Abstammung, beide trinkfest, beide auf ihre Weise vom anderen fasziniert, haben sie vor Jahren zueinander gefunden, und Irene wurde zu Gils immerwährender Muse. Selbst als sie längst verheiratet sind, drei Kinder haben, ist sie noch immer das einträchtigste Motiv des Malers. Er malt sie in allen erdenklichen Posen, von verträumt bis pornografisch erniedrigend. Seine Bilder von Irene machen ihn zum indianischen Edward Hopper. Irene lässt ihn gewähren. Doch während sie in Kunstkreisen weiterhin als die rühmliche Ausnahme gelten, stimmt in ihrer Beziehung schon lange nichts mehr. Irene hat ihre eigene wissenschaftliche Karriere, nebst Dissertation, auf Eis gelegt, um ihre Rolle als Ehefrau und Mutter ausüben zu können. Was ihr nicht gelingt, denn sie ist die Unentschlossene, die scheinbar nichts zu Ende bringen kann, Bücher über Bücher stapelt, nie zu Ende liest und ihnen nur Passagen entnimmt, die sie für ihre Dissertation benötigt, die sie vermutlich ohnehin nie fertigstellen wird. Was sie beschäftigt, quält, hält sie in einem Tagebuch fest, das sie, so glaubt sie, gut versteckt. Gil, dem krankhaft Eifersüchtigen, bleibt es jedoch nicht verborgen. Als er Irenes Aufzeichnungen findet, ist er der festen Überzeugung, dass sie ihn hintergeht. Sie hingegen weiß längst, dass er ihr indiskret nachspioniert. Verärgert beschließt Irene, ein Tagebuch nur für Gil zu verfassen, während sie die wahren Ereignisse in einem anderen Tagebuch dokumentiert, das sie in einem Bankschließfach aufbewahrt und sogar in der Bank schreibt. Ihr kleiner Racheakt manifestiert jedoch nur umso stärker, wie weit ihre Beziehung bereits zerbrochen ist. Man liebt sich, man hasst sich, Intimitäten sind längst nicht mehr liebevoll, sondern von Verzweiflung und Gewalt geprägt. Verzweifelt tragen Gil, der die Einsamkeit ohne Irene und die Kinder fürchtet wie eine tödliche Krankheit, und Irene, die ihre eigene Unzulänglichkeit bald ganztags und vor Kinderaugen im Wein ertränkt, einen erbitterten Kampf aus, um eine zerrüttete Familie zu retten. Der Kinder wegen? Um den Schein zu wahren? Einen Kampf, dem das schwächste Glied unterliegen wird. Meine Meinung: In ihrem nur 239 Seiten starken Roman schildert Louise Erdrich die Komplikationen einer Beziehung, die von Liebe geprägt sein will, letztendlich aber nur von Abhängigkeiten gefährlich fragil zusammengehalten wird. Die Paarung von Künstler und Muse schabt bereits am Klischee des irren Künstlers, für den es zwangsläufig keine Normalität gibt. Gil ist ein Maler, der all seine Inspiration in Irene findet. Selbst wenn er es leugnet, so nährt er seine künstlerische Ader ganz und gar von ihr, während sie ihm überdies das vollkommene Familienbild verschafft, sich als die Frau an seiner Seite präsentiert und ihm zwei Söhne und eine Tochter gebiert, deren Zusammenhalt er mit aller Macht bewahren will. In erstickender Absolutheit umgibt er sich mit ihr, besitzt sie und erdrückt sie doch mit vollkommen abwegiger Eifersucht. Irene wiederum hat sich mit einer Absolutheit der Familie verschrieben, dass sie selbst irgendwo auf der Strecke verloren gegangen ist, den Familienalltag aber im Grunde nicht meistern kann und an sich selbst verzweifelt. Beide haben in ihrer Beziehung einen Punkt erreicht, an dem selbst Kleinigkeiten zur Eskalation führen. Lächerliche Banalitäten zu endlosen Verletzungen führen und keiner nur einen Millimeter mehr von seinem Standpunkt abrücken kann. Mutet Irenes Tagebuchschreiberei zunächst nach kindischem Piesacken an, hat sie doch das Ausmaß von Gils Besitzsucht einigermaßen unterschätzt. Gemeinheiten werden zum Spiel, wo doch eine Scheidung so viel einfacher scheint. Über den gesamten Roman hinweg ist die Beziehung dieser beiden zentralen Figuren von übertriebenen Animositäten und einem unentschlossenen Vor- und Zurückrudern geprägt, und dazwischen stehen immer wieder die Kinder, eingebettet in ein Konstrukt aus Belang- und Ereignislosigkeit. Die Autorin hat mit "Schattenfangen" ein trotz seiner Kürze einigermaßen kompliziertes Werk geschaffen, das mit seiner Eigenwilligkeit nicht jedem Leser liegen wird. In kursiv gedruckten Tagebuchaufzeichnungen, die zwischen dem blauen - dem echten - und dem roten - dem falschen - Tagebuch wechseln, lässt sie Irene zu Wort kommen, während ein (vermeintlich) allwissender Erzähler die Passagen mit Zwischenbetrachtungen zusammenhält. Dialoge sind nicht als solche gekennzeichnet und fügen sich in das Plätschern der Handlung ein. Die einzelnen Erzählebenen lesen sich nicht immer leicht, und ich hatte insbesondere in den Tagebuchpassagen, obwohl diese immer gekennzeichnet sind, meine Schwierigkeiten, auseinanderzuhalten, was sich Irene denn nun für Gil ausgedacht hat und was ihre Realität ist. Die Schilderungen des auktorialen Erzählers, dessen Identität sich erst auf den letzten Seiten des Buches enthüllt, wodurch ihm seine Allwissenheit wieder genommen wird, sind oft quälend uninteressant und kaum handlungsrelevant und vermitteln doch gewissermaßen die Schlichtheit und Alternativlosigkeit des Lebens, das um die Familienblase herumdümpelt. Ethnische Be- und Empfindlichkeiten klingen hier und da an, fühlen sich aber erzwungen an, weil nun mal dummerweise Protagonisten halbindianischer Abstammung gewählt wurden, einer Herkunft, die den Kindern nur halbherzig vermittelt wird. Blass bleibt zudem Gils Kunst, die kaum bildlich greifbar wird und ihm, bewusst oder unabsichtlich, einen Hauch von Überschätztsein wie auch Selbstüberschätzung anheftet. Selbst Irene hält seine angebliche politische Botschaft für scheinheilig und würdigt seine Bilder selten eines Blickes, die Bilder, die sie darstellen, wie Gil sie sehen will, Irene sich aber nicht erkennt. Nicht selten schüttelt man den Kopf angesichts der absurden Blüten, die Gils und Irenes Reibereien ausschlagen, und doch erschreckt die Einfachheit des Beziehungsdramas, das sich in vermeintlich illustren Kreisen abspielt. Beide Partner sind erwachsen und doch unfähig, die notwendigen Schritte zu gehen. Kommunikation scheitert und wird unter Hinzuziehung professioneller Hilfe nahezu lächerlich. Anstatt einfach zu gehen, spielt Irene ein Spiel mit Gils unbezähmbarem Temperament, das ihr sehr wohl bewusst ist. Und unweigerlich zieht sie die vielversprechenden Kinder mit hinein, Florian, der unter so manchem Ausbruch des ach so anerkannten Malers Gil LaRose zu leiden hat, die still beobachtende Riel, die nach ihren indianischen Wurzeln sucht und sich wohl nie von der Wut auf ihre Mutter erholen wird, und der kleine Stoney, der am verhängnisvollen 11. September zur Welt kam, einem Tag, an dem das freudige Ereignis seiner Geburt für Gil hinter die nationale Tragödie rückte, was Irene ihm nie verzeihen konnte. Obwohl die Partner, die ohne einander nicht sein können, irrational und überzogen reagieren, bleibt "Schattenfangen" leise und wirkt stellenweise so ungeklärt und unfertig wie die festgefahrene Beziehung, die der Roman erzählt. Der Erzähler bekommt Gelegenheit, Partei zu ergreifen, und mit ihm auch der Leser. Sympathien und Verständnisbereitschaft wechseln, bis man angesichts des radikalen Endes einer radikalen Liebesgeschichte, die so voller Besessenheit war, dass sie nur verglühen konnte, schockiert zurückbleibt. Fazit: Die Geschichte einer Liebe, die an fast schon profanen Machtspielen und Besessenheit zerbricht und doch mit tragischer Konsequenz überdauert. Mehrere Erzählebenen schildern die Verwirrungen von Liebe und Hass einigermaßen komplex und verlangen vom Leser Geduld und Bereitschaft, zwischen den den leisen Zeilen zu lesen und Banalitäten zu überwinden, um tiefer zu blicken, weshalb für "Schattenfangen" eher eine eingeschränkte Leseempfehlung auszusprechen ist. Gesamteindruck: 4 von 5 Punkten

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  • Rezension zu "Schattenfangen" von Louise Erdrich

    Schattenfangen

    Eka

    20. November 2011 um 14:13

    Nach außen hin ist es die absolut heile Welt, in der Gil und Irene als Ehepaar mit ihren drei Kindern leben. Gil ist ein begabter Maler, Irene seine Muse. Sie ist Kunstwissenschaftlerin, hat aber ihre Dissertation wegen der Kinder abgebrochen. Gil, der am Anfang seiner Karriere nur Landschaftsbilder gemalt hat, konzentriert sich nun ganz auf Irene, malt sie auf verschiedene Art und Weise und die Begeisterung der Käufer wächst. Eines Tages - Irene führt schon seit langer Zeit ein Tagebuch - stellt sie fest, daß Gil heimlich das Tagebuch liest. Sie ist völlig schockiert und kann es nicht fassen, daß Gil nun ihre geheimen Gedanken kennt, die sie nur ihrem Tagebuch anvertraut hat. Unter anderem hat sie dort auch festgehalten, daß sie ihren Mann nicht mehr liebt und am liebsten aus der Ehe aussteigen möchte. Sie denkt sich nun ein grausames Spiel aus: sie beginnt ein neues Tagebuch, das sie in einem Tresor versteckt, ihr altes führt sie weiter und schreibt dort ihre Enttäuschungen über ihre Ehe auf und daß sie eine Trennung anstrebt. Natürlich legt sie es dort ab, wo ihr Mann Zugang hat, um das Tagebuch zu lesen. Als Gil nun eines Tages liest, daß seine drei Kinder nicht von ihm, sondern von drei verschiedenen Männern sind, beginnt eine Zeit voller Mißtrauen, Eifersucht und Hass. Doch Gil will Irene nicht freigeben, sondern unbedingt an der Ehe festhalten. Am Anfang habe ich gedacht, es sei nur ein ganz normaler Familienroman, doch plötzlich kommt Spannung auf, indem die Autorin zeigt, wohin es führen kann, wenn aus Liebe Hass wird. Leider sind alle Dialoge ohne Anführungszeichen geschrieben, so daß man sich beim Lesen schon sehr konzentrieren muß. aber die Autorin hat einen wundervollen Schreibstil, so daß sich die Geschichte nach anfänglichen Schwierigkeiten dann bis zum überraschenden Schluss gut lesen lässt.

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