Louise Kennedy

 4,3 Sterne bei 61 Bewertungen
Autor*in von Übertretung, Trespasses und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Louise Kennedy wuchs in der Nähe von Belfast auf. Bevor sie mit dem Schreiben begann, arbeitete sie fast dreißig Jahre lang als Köchin in Irland und dem Libanon. 2021 erschienen ihre Short Stories, die die Autorin mit einem Schlag bekannt machten. Ihr erster Roman Übertretung erschien 2023, wurde für den Women's Prize for Fiction nominiert, war ein internationaler Bestseller und wurde für Channel 4 verfilmt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Louise Kennedy

Cover des Buches Übertretung (ISBN: 9783969992593)

Übertretung

(51)
Erschienen am 10.08.2023
Cover des Buches Das Ende der Welt ist eine Sackgasse (ISBN: B0F99GF4LJ)

Das Ende der Welt ist eine Sackgasse

(2)
Erschienen am 21.05.2025
Cover des Buches Das Ende der Welt ist eine Sackgasse (ISBN: 9783969994580)

Das Ende der Welt ist eine Sackgasse

(2)
Erschienen am 27.03.2025
Cover des Buches Red (ISBN: 9783546101714)

Red

(0)
Erscheint am 24.09.2026
Cover des Buches Trespasses (ISBN: 9781526623324)

Trespasses

(6)
Erschienen am 14.04.2022

Neue Rezensionen zu Louise Kennedy

Cover des Buches Das Ende der Welt ist eine Sackgasse (ISBN: B0F99GF4LJ)
MsWatsons avatar

Rezension zu "Das Ende der Welt ist eine Sackgasse" von Louise Kennedy

MsWatson
Die Tür in andere Leben

Mit “Das Ende der Welt ist eine Sackgasse” hat Louise Kennedy einen Erzählband geschafften, der deinen in die raue und unromantische Welt von Irland katapultiert. Statt Postkarten-Grün, Pubs und Wohlfühlmelancholie wird einem hier die harte Realität des Alltags serviert. Es geht um Enttäuschungen, um Loyalitäten (und deren Preis), um Verrat  und immer wieder um Beziehungen, in denen Macht, Abhängigkeit und Sprachlosigkeit oft deutlich mehr Gewicht haben, als Zuneigung.  Das “Ende der Welt” meint hier nicht den Weltuntergang, sondern jene Momente, in denen das eigene Leben kippt. Wendepunkte eben, die wir alle kennen. 


Für mich ganz besonders intensiv beim Lesen waren die Momentaufnahmen, in denen Hoffnung und Zuversicht eher selten das literarische Tageslicht gesehen haben und die sich so oftmals zäh und bedrückend anfühlt. Dabei Besonders: Dieses Gefühl kommt nicht als Effekt daher, sondern entsteht daher, weil Kennedy das soziale und emotionale Gefüge ihrer Figuren ernst nimmt und sie wahnsinnig feingliedrig zeichnet. 

Die Enge von Provinz und ökonomischer Unsicherheit, die Härte bestimmter Milieus, die Schatten von Gewalt und männlicher Dominanz: Das sind keine Dekoartikel für eine Geschichte, sondern spürbare Kräfte, die Entscheidungen prägen und Räume (ver)formen. Gerade die weiblichen Perspektiven stehen in der Geschichte im Zentrum der Aufmerksamkeit, weshalb vieles um die Frage kreist, wie man sich behauptet, wenn die Bedingungen gegen einen arbeiten.


Den Ton der Geschichte würde ich als sehr präzise und unprätentiös beschreiben. Man könnte sagen, dass das Motto hier definitiv “Show, don’t tell” heißt und wo man beim Lesen selbst die Lücken füllt, die aus dem Nicht-Erklären entstehen und gerade dadurch stärker involviert ist. Das fand ich ganz besonders toll!  Daher wirken die Geschichten eher wie Türen, die kurz aufgehen und einen Blick in diese Fremden Leben erlauben. Und eben weil man nicht reinspazieren und sich in Ruhe umsehen kann, sondern nur diesen Blick erhaschen kann und sich dann selbst ein Bild malt, ist dieses Buch so intensiv!


Ich würde sagen, dass dieses Buch ein Erzählband ist, der hinschau: auf Abhängigkeiten, auf brüchige Nähe, auf das Verstummen zwischen Menschen – und auf jene stillen, privaten Katastrophen, die sich anfühlen können wie das Ende der Welt. Und wer kennt das im Kleinen (und vielleicht im Großen) auch nicht? Man wird definitiv hineingezogen und Teil dieser Schicksale. Vorausgesetzt man ist bereit, sich diesem Erzählband emotional zu öffnen. Wenn man das macht, dann ist es ein großer Gewinn! 


Absolute Leseempfehlung von meiner Seite! 

Cover des Buches Das Ende der Welt ist eine Sackgasse (ISBN: B0F99GF4LJ)
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Rezension zu "Das Ende der Welt ist eine Sackgasse" von Louise Kennedy

dracoma
Eindringlich...

Mein Lese-Eindruck:

Louise Kennedy legt in diesem Band 15 Kurzgeschichten vor, alle zwischen 10 und 15 Seiten lang. Mit der titelgebenden Geschichte „Das Ende der Welt ist eine Sackgasse“ schlägt sie schon den Grundakkord in moll für alle diese Geschichten an. Sarah, Hauptperson dieser 1. Geschichte, steht alleine da mit den Bauruinen ihres betrügerischen Mannes, der sich nach Spanien abgesetzt hat und seine Frau mit der Schande und dem finanziellen Chaos alleine zurückließ. Eine leere Siedlung, ein trostloser Anblick und eine trostlose Situation, damit muss Sarah klarkommen.

Alle Geschichten spielen in Louise Kennedys Heimat Irland, fern von jeder Irland-Romantik. In allen Geschichten stehen überwiegend Frauen im Mittelpunkt. Es sind unterschiedliche Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen, deren Leben uns wie mit einem Schlaglicht vorgestellt wird. Da ist die Kosmetikerin, deren Bruder in den irischen Unruhen getötet worden war; die junge Mutter, die sich aus Not mit einem Drogenhändler einlässt; die alleinerziehende Pflegehelferin aus dem Norden, deren Tochter in der Schule ausgegrenzt wird – und alle haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Sie sind belastet mit dem Erlebnis von Verrat, Betrug, Untreue, Verlassenwerden, Drogenkonsum, Doppelmoral, Gewalterfahrungen, Lieblosigkeit, Ausgrenzung, Schuld und Abtreibung, und zurückliegende Traumatisierungen belasten ihr Leben in der Gegenwart. Ihr Leben steckt, wie der Titel es schon sagt, in einer Sackgasse.

Louise Kennedy erzählt keine heiteren Geschichten. Sie zieht den Schleier von der alltäglichen Oberfläche und legt das Innere ihrer Figuren frei, in das der Leser wie in einen Abgrund schaut und die Kälte der Welt spürt. Die reduzierte Sprache der Autorin verstärkt die Wirkung. Louise Kennedy beobachtet eindringlich genau und formuliert genauso eindringlich präzise, kein Wort ist zuviel, ihre Sprache ist schneidend klar. 

Ein nicht leicht zu lesendes und nachdenkenswertes Buch, aber ein großer Lesegewinn!



 

Cover des Buches Das Ende der Welt ist eine Sackgasse (ISBN: 9783969994580)
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Rezension zu "Das Ende der Welt ist eine Sackgasse" von Louise Kennedy

esmerabelle
Das Ende der Welt ist eine Sackgasse

Vor zwei Jahren habe ich mit ziemlicher Begeisterung Louise Kennedys „Trespasses“ gelesen, damals im Rahmen des BookTube Preises, bei dem ihr Erstlingswerk (neben diversen anderen Preisen und Nominierungen) die Bronze-Medaille erhalten hat. Ich war ziemlich beeindruckt von dem Talent Kennedys, Atmosphäre zu schaffen. Aber nicht die übliche (und von mir sehr geliebte), durch die man von irischem Grün, rauen Küsten und urig-originellen Einwohnern träumt, sondern eine dunkle, trostlose, die einen spüren lässt, wie sehr die politischen Spannungen des Landes den Alltag durchdringen, ohne je Alltag sein zu können.


Und genau diese Stimmung erschafft sie in der Kurzgeschichtensammlung „Das Ende der Welt ist eine Einbahnstraße“ wieder. Die Frauen, die Kennedy in den Mittelpunkt ihrer 15 Erzählungen stellt, wirken allesamt in ihren oft von Männern dominierten Situationen festgefahren, scheinen keinen Ausweg zu sehen oder gehen zu können/wollen. Für diese greifbare Dichte der Atmosphäre kann ich Kennedy nur gratulieren.


Aber davon abgesehen blieb das Buch für mich unbefriedigend. Das Abrupte, mit dem Kennedy jedes Kapitel beendet, gibt einem mehr den Eindruck, Auszüge aus 15 Manuskripten zu lesen, die mittendrin aufhören. Auszüge, die das Zeug hätten, spannende Romane zu werden, aber die mir persönlich so wenig mitgeteilt haben und mich auch nicht animieren konnten, mir selbst vorzustellen, wie es weitergehen könnte. Genau genommen hätte ich schon zwei Tage später keine einzige von ihnen nacherzählen können.


Was mich, nebenbei, auch verwundert hat, ist die Anordnung der einzelnen Erzählungen. Ich habe jetzt schon öfter gehört, dass Leser nach den ersten zwei oder drei aufgegeben und das Buch abgebrochen haben. Mir wäre es fast ebenso gegangen, aber so kann ich sagen: Sie werden besser. Je weiter man sich nach hinten vorarbeitet, umso interessanter die Geschichten. Zumindest daran erinnere ich mich noch.


Fazit: Kennedy kann schreiben, und zwar auf ihre ganz eigene, unverkennbare Weise. Und das ist recht selten und großartig. Aber ich werde mich in Zukunft auf ihre Romane beschränken.

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