Louise de Vilmorin Julietta

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Inhaltsangabe zu „Julietta“ von Louise de Vilmorin

Kaum mit dem Prinzen von Alpen verlobt, bereut die bürgerliche Julietta ihren Schritt schon. Sie ekelt sich regelrecht vor den Küssen ihres Gatten in spe, der wesentlich älter ist als sie, ja, ihr Vater sein könnte. Auf dem Weg zur Verlobungsfeier in Paris flüchtet Julietta ins verwaiste Landhaus des jungen Anwalts André Landrecourt und nistet sich dort ein - nicht ahnend, dass der Hausherr noch am selben Abend mit seiner Geliebten dort eintreffen wird. Es beginnt ein humorvolles Versteck- und Verwirrlustspiel. Als schließlich auch noch der Prinz von Alpen vor der Tür steht, ist das Liebeschaos perfekt ...

Leider ziemlich langweilig...

— Leila14

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  • Rezension zu "Julietta" von Louise de Vilmorin

    Julietta

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    23. June 2010 um 22:18

    Eine Lüge kann zum bitteren Verhängnis werden. Innerhalb unserer zwischenmenschlichen Beziehungen sind wir ja immer darauf aus, uns gut zu verstehen - während wir gewisse Ziele oder Zwecke verfolgen. Dabei erwarten wir wohl grundsätzlich immer Ehrlichkeit oder Aufrichtigkeit oder Authentizität vom Anderen. Das ist es, was man sieht, wenn man einen Menschen kennenlernt. Wir möchten uns diesem Menschen in seiner Eigenart nähern. Möchten ihn in seiner Echtzeit zu fassen kriegen. Dabei ist doch so eine kleine Lüge manchmal etwas recht Verführerisches. Sie kann ganz schnell dazwischenkommen. Sie kann so einfach dahergesagt sein, manchmal weiß man gar nicht genau, warum man sie nun so geäußert hat. Sie aber zurückzunehmen - das bedeutet eine Menge. "'Monsieur! He! Monsieur!' [rief] Julietta während ringsum die Frauen stehenblieben und sie anstarrten, ohne dass ein einziger Mann reagierte. [...] 'Das gehört Ihnen', sagte sie, 'hier, Ihr Etui. Sie haben es vergessen.'" So beginnt für Julietta, aber auch für den fremden Monsieur, den Rechtsanwalt André Landrecourt, eine kleine Verwechslungskomödie. Julietta ist zarte 18 Jahre alt, und ihr Leben ist reine Träumerei für sie. Sie ist dem Prinzen von Alpen versprochen, und bis vor einigen Tagen hatte sie auch noch die größte Romantik für jenen übrig. Voller Inbrunst hatte sie an die bevorstehende Zeit gedacht. Doch dann hatte sie der schon etwas in die Jahre gekommene Prinz geküsst, und mit einem Mal wurde Julietta klar, dass sie ihn nicht liebt, dass sie ihn nicht heiraten will. Juliettas Mutter, Madame Valendor, gerät bei dieser Beichte vollkommene aus der Fassung; was das für den Ruf der Familie bedeuten würde! "'Du brauchst deinen Verlobten doch nur zu bitten, dich nicht zu küssen. Lass dir eine Ausrede einfallen. Sag ihm, dass du vom Küssen Ausschlag bekommst, es gibt solche Fälle. Sonst überwindest du dich eben. Glaub mir, in der Ehe hat es sich bald ausgeküsst.'" Also fahren Mutter und Tochter zum vereinbarten Termin nach Paris, um mit dem Prinzen zusammenzutreffen. Als jedoch dieser ruhige, unbekannte Fremde im Abteil sein Etui liegenlässt, als er den Zug vier Stunden vor der Ankunft der beiden Frauen in Paris verlässt, denkt Julietta nicht darüber nach und bringt ihm dieses hinterher. Die schlafende Mutter im Abteil und die Zeit gegen sie (oder für), denn der Zug fährt an und lässt Julietta mit dem neuen Bekannten zurück. André Landrecourt seinerseits ist verlobt mit Madame Facibey, zu der er am nächsten Morgen, nach einer kleinen Visite in seinem einsamen Haus, zu fahren gedenkt. "'Sind Sie verheiratet?', fragte [Julietta]. 'Nein, verlobt und Sie?' 'Witwe', antwortete Julietta. 'Witwe?' wiederholte [Landrecourt] fast lachend." Dass nun dieses junge Mädchen so zart vor ihm steht, weder Geld oder Möglichkeiten zur Hand hat, um sich eine andere Weiterfahrt zu besorgen, erscheint ihm ein wenig lästig, aber Landrecourt ist dankbar für das zurückgebrachte Etui, ein Geschenk seiner Verlobten, und so nimmt er Julietta, nachdem man einige Pensionen abgegrast hat, die alle keine Übernachtungsplätze mehr anbieten, mit in sein Haus. Am nächsten Morgen verabschieden sich die beiden voneinander; ein Chauffeur würde Julietta später zum Bahnhof bringen. Die Wege beider würden sich wieder trennen. Eine sanfte Erinnerung von dieser ungewöhnlichen Nacht würde wohl irgendwann zurückbleiben. Dass der Stoff, aus dem Romane gemacht sind, ein anderer ist, bleibt zu erwarten. Die Handlung des im Jahr 1951 in Frankreich erstmals erschienenen Buches "Julietta" beginnt erst so richtig, als André Landrecourt mit seiner Verlobten, Madame Facibey, nach kurzfristigem Umdenken in sein Landhaus fährt; Madame Facibey, die im Übrigen die beste Vertraute des Prinzen von Alpen ist, der wiederum über das Abhandenkommen seiner ihm Zugesprochenen mehr als überrascht scheint, sich aber schnell damit abfindet. Im Landhaus befindet sich noch immer Julietta, die niemals aufgebrochen ist, um weiter nach Paris zu fahren. Während Madame Facibey in den unteren Räumen des Hauses verweilt, stößt Landrecourt im oberen Stockwerk auf Julietta, erschrickt, nimmt die junge Dame bei der Hand und versteckt sie auf dem Dachboden. Damit entspinnt sich ein Lügen- und Verwirrspiel in Landrecourts Haus. Die geliebte Verlobte André Landrecourts soll nicht merken, dass da noch ein anderes Mädchen unter dem Dach weilt. Julietta soll sich möglichst ruhig verhalten, bis man, so schnell wie möglich, wieder abreisen würde, und Landrecourt sieht sich alsbald den eigenen Verhaltensweisen gegenübergestellt. Warum hatte er gelogen? Warum hatte er nicht sofort das junge Mädchen mit nach unten genommen und die Sache aufgelöst. Es hätte aus der Situation heraus sicherlich aufrichtig gewirkt, und man hätte seiner Wege gehen können. Doch natürlich braucht es all diese Spielereien, denn Louise de Vilmorin spielt in ihren ironischen Überzeichnungen mit den Konventionen des realistischen Romans des 19. Jahrhunderts, sie hebelt sie aus, um in ihren Darstellungen die menschliche Seele in Frage zu stellen. Das uneigentliche Sprechen, die fehlgeleitete Kommunikation, das sind die Themen des Romans. Das Wollen und Nichtwollen, dass wir uns so gern in Situationen begeben, die uns doch so gütlich und richtig erscheinen, wo doch die Sehnsüchte aber im Verborgenen ganz woanders liegen. Dass nun also Landrecourt in Schizophrenie verfallen, seine Verlobte stetig enttäuschen muss und Julietta voller Glück angesichts der Tatsache ist, nicht in Paris sein zu müssen, offenbart das wackelige Gehäuse der Liebe, in dem sich alle Beteiligten befinden. Dabei lässt de Vilmorin die Gleichzeitigkeiten der einzelnen Geschehnisse anfangs ganz bunt gegeneinanderlaufen, um in der Haupthandlung des Romans die Begebenheiten der drei Protagonisten zu beleuchten, die in Analogie zu all den Geheimnissen und Täuschungen gesehen werden können, denen sich die Menschen im Lauf des Lebens so aussetzen. Die tragische Geschichte um eine arrangierte Ehe, die Liebe zwischen unterschiedlichen Ständen, die Unausgegorenheiten der Menschen, die so gern träumen, in der Realität aber eigentlich ganz anders handeln würden, spielen in "Julietta" eine große Rolle. Louise de Vilmorin schreibt mit einem Augenzwinkern von tragischen Verwicklungen, die sie geschickt zu arrangieren und in gewitzt gesetzten Vorausdeutungen und Innensichten der Protagonisten zu spiegeln weiß. Der innere Monolog ist ein wichtiger Aspekt der Wahrnehmungsoffenbarung ihrer Figuren. Dass sich die Dinge nämlich in der Reflexion ändern, dass es immer auch die Unsicherheit im Umgang mit dem Anderen ist, weiß de Vilmorin zu erzählen. Dass die Charaktere überzeichnet sind und den naturalistisch-realistischen Roman damit aushöhlen, wurde bereits angedeutet. Dass dies allerdings in einer durchaus für die 1950er-Jahre auch schon antiquierten Sprache immer noch gut funktioniert, dem Leser gar größte Freuden beim Lesen bereitet, sei hier noch einmal betont. Dass eine Lüge also zum bitteren Verhängnis werden kann, mag ganz deutlich geworden sein. Dass so manche Lüge aber wohl irgendwie auch eine Notwendigkeit sein kann, um den Träumereien ein Ende zu setzen oder einen guten, kurzweiligen Roman zu schaffen, sollte man sich bei Louise de Vilmorins "Julietta" noch einmal genauer anschauen.

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