Ein Epos dauert, klar. Dieser Epos zieht sich in die Länge. Ich habe ungewöhnlich lange gebraucht, bis ich mich durch das Buch gekämpft habe.
Als der grösste Teil Italiens sich 1861 zum Königreich Italien vereinte, blieb der Kirchenstaat aussen vor. Erst im Herbst 1870 eroberten die italienischen Truppen auch Rom.
Über die Geschichte von drei jungen Menschen erzählt der Autor wie es dazukam. Eine interessante Idee, aber da er auch vieles über ihre eigene Geschichte und die ihres nächsten Umfelds eingebaut hat, mäandert die Erzählung. Es geht genauso um Fragen der Zugehörigkeit, der Liebe, der Ehre und des Stolzes.
Die Figuren sind charakterlich gut beschrieben, aber ihr Aussehen ist skizzenhaft. Ihr Verhalten ist stark von Impulsen getrieben und wirkt zwischendurch wenig überzeugend.
Ich habe es nicht bereut, das Buch zu lesen, aber empfehlen kann ich es nur denjenigen, die Zeit und Interesse haben, in die Welt der Menschen zu diesem besonderen Zeitpunkt der italienischen Geschichte einzutauchen.
Luca Di Fulvio

Lebenslauf
Luca Di Fulvio, geb. 1957, lebt und arbeitet als freier Schriftsteller in Rom. Bevor er sich dem Schreiben widmete, studierte er Dramaturgie bei Andrea Camilleri an der Accademia Nazionale d'Arte Drammatica Silvio D'Amico. Seine Romane Der Junge, der Träume schenkte und Das Mädchen, das den Himmel berührte standen monatelang auf den ersten Plätzen der Spiegel-Bestsellerliste.
Quelle: Bastei Lübbe
Luca Di Fulvio verstarb am 31. Mai 2023 in Rom.
Alle Bücher von Luca Di Fulvio
Der Junge, der Träume schenkte
Das Mädchen, das den Himmel berührte
Das Kind, das nachts die Sonne fand
Als das Leben unsere Träume fand
Es war einmal in Italien
Das verborgene Paradies
Ein Cent für ein Leben
Die Rache des Dionysos
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Neue Rezensionen zu Luca Di Fulvio
Die Geschichte beginnt in einem italienischen Waisenhaus im März 1870. Hier ist Pietro nur eine Nummer ohne Perspektive. Dann kommt eine junge Contessa mit ihrem Mann, um einen der schon beinahe erwachsenen Jungen zu adoptieren. Und es ist Pietro den sie erwählt. Das gute neue Leben währt nicht lang, denn auf Grund der politischen Umstände ändert sich auch das Leben der Contessa radikal. Aber sie setzt alles daran ihrem neuen Sohn trotzdem eine Zukunft zu bieten. Und so entdeckt er etwas für sich, dass sein Leben erneut in eine neue Richtung lenkt: die Fotografie.
An anderer Stelle findet die junge Martha, die ihr ganzes Leben in einen Zirkus verbracht hat, Dinge über ihre Vergangenheit heraus, die sie im Kern erschüttern. Das Schicksal und ihre Unsicherheit lassen jedoch auch sie ihre Leidenschaft finden: den Kampf um ein vereintes Italien.
Sehr viele starke Charaktere lassen in diesem Buch aus mehreren Handlungssträngen am Ende ein großes faszinierendes Bild entstehen. Die Contessa, die eigentlich Nella heißt, ist eine beeindruckend starke Frau, deren Charakter im Buch eine enorme Spannbreite an Emotionen und Geschehnissen abdeckt. Zwischenzeitlich hat man Angst um ihr Leben, dann ist sie wieder stark und schön und in allem Leid immer stolz.
Ähnlich steht es um Pietro. Er kämpft in seinem Alltag, um die Hoffnung nicht zu verlieren, erblüht, strauchelt, fällt beinahe in eine noch schlimmere Situation als je zuvor und erhält schließlich eine unglaubliche Perspektive.
Martha und Melo aus dem Zirkus zeigen uns eine dritte faszinierende Welt und haben beide eine Art doppelten Boden in sich, denn ihre Geschichte hat eine Tiefe, die einen sehr berührt.
Ich musste schmunzeln, weil dieses Buch schon wieder eines ist, in dem es um den Kampf eines vereinten Italiens geht. Geschichten, welche die gleiche Zeit und das gleiche Thema umspannen sind mir die letzten Jahre schon mehrfach unbewusst und dann gezielt in die Finger gekommen. Hier war es wieder unbewusst. Es scheint ein Thema zu sein, dass den Autoren Flügel verleiht, denn alle waren in ihrer Erzählung bisher großartig (die übrigen waren von Karin Seemayer und hingen lose zusammen).
Dieser Roman war der Dritte, den ich von diesem Autor gelesen habe. Und obwohl er an einigen Stellen vielleicht ein paar kleine Längen aufweist, ist er eine großartig runde Erzählung über Armut, Hoffnung, Liebe und den Wunsch nach einem freien, selbstbestimmten Leben.
Dieses Buch ist absolut nichts für schwache Nerven und meiner Meinung nach schlichtweg ekelhaft. Lassen Sie sich nicht von dem recht harmlos wirkenden Einband täuschen – der Inhalt steht in krassem Gegensatz zur optischen Aufmachung.
Meine Kritikpunkte:
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Exzessive Gewalt: Das Buch reiht eine detailgetreue Gewaltszene und Vergewaltigung an die nächste. Die Beschreibungen gehen dabei bis ins kleinste, unnötige Detail.
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Sadistischer Unterton: Beim Lesen drängt sich unweigerlich der Eindruck auf, dass hier eine gewisse Freude an sadistischen Szenen besteht. Besonders eine Szene – in der eine Frau mit Essen ruhiggestellt wird, während sie missbraucht wird, gefolgt von einem regelrechten Abschlachten – ist schlichtweg verstörend und abstoßend.
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Fehlende Grenze: Es gibt einen Unterschied zwischen einer harten Geschichte und einer Aneinanderreihung von Grausamkeiten, die psychologisch fragwürdig wirken.
Fazit: Ich war einfach nur geschockt. Wer keine Lust auf detailliert beschriebene Grausamkeiten und Sadismus hat, sollte einen großen Bogen um dieses Werk machen. Für mich war es eine absolut grenzwertige Erfahrung, die ich niemandem weiterempfehlen kann.
Gespräche aus der Community
Ich lese gern historische Romane, weil ich das Eintauchen in eine andere Zeit spannend finde. Besonders gefallen mir Intrigen und der Kampf um Macht. Dabei lern man nebenbei viel, was die damaligen Gesetze betrifft, besonders die Bücher von Ken Follett mag ich in dieser Hinsicht.
In Sachen Intrigen hat bisher nichts Gefährliche Liebschaften übertroffen. Ich würde gern über Verführung und Manipulation lesen, anstatt nur dieselbe Liebesgeschichte zu bekommen. In die Richtung ging auch der Film Der Preis der Versuchung.
Bei Outlander gefällt mir die Zeitreise. Schottland ist zumindest auch etwas anderes als die anderen Mittelalterromane. Die Buchreihe konnte mich in späteren Bänden nicht mehr so fesseln (als es in Amerika spielte).
Das Mädchen, das den Himmel berührte ist ganz spannend geschrieben und hat mir sehr gut gefallen. Mir würden ein Dieb als Hauptperson gut gefallen (obwohl ich Assassinen faszinierender finde).
Von Iny Lorentz habe ich einiges gelesen, aber leider wurde die Geschichte immer absurder. Wanderhure als Beispiel - immer wurde die Heldin entführt, Opfer böser Menschen, kehrt dann wundersamenweise aber immer nach Hause zu ihrer großen Liebe zurück. Ich war schon raus als einer einen Traum vom anderen hatte, dass dieser noch lebt.
Die Romane von Sabine Ebert und Rebecca Gable konnten mich nicht begeistern. Die Nachtigall von Kristin Hannah und Die sieben Schwestern waren mir zu langatmig.
Die Liebesgeschichte ist eine andere Punkt, der mir oft nicht ganz gefällt. Ich würde gern etwas weniger kitschiges geboten bekommen. Besonders historische Romane bieten einen guten Hintergrund für Erpressung, Verrat und Täuschung und vielschichtige Charaktere. Leider bekommt man oft nur den einen lieben, guten, aufrichtigen jungen Mann und die anderen sind als schlecht=grob=unmenschlich abgestempelt.
Eines meiner Lieblingsbücher ist Das Bildnis des Dorian Gray. Dort werden allein auf den ersten Seiten so viele interessante Ansichten dargeboten, dass man eine Zitatsammlung daraus machen könnte. Der Name der Rose und Der Graf von Monte Christo sind ebenfalls grandios. Rache als Motiv würde mir sehr gefallen.
Würde mich freuen zu hören, wie Dir der Roman gefallen hat, falls du dich dafür entscheidest.
Liebe Grüße
Elias
Rom, 1870: Inmitten der Ewigen Stadt kreuzen sich die Schicksale von Pietro, einem Waisenjungen, der Gräfin Silvia und der jungen Zirkusartistin Marta. Drei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, doch die die Suche nach Liebe und Heimat eint und deren Träume auf magische Weise miteinander verbunden sind.Als ein dramatisches Ereignis Rom erschüttert, verändert sich alles ...
Mich wundert, dass hier nirgendwo eine richtige Besprechung des Hörbuches stattfinden kann. Ansonsten sind immer irgendwelche Unterthemen aufgeführt, wo man seinen Eindruck einstellen kann.
Also schreibe ich einfach hier was: Der Sprecher macht seinen Job richtig gut. Wie er die Contessa spricht ist einfach phantastisch. Da kommt so richtig die Hochnäsigkeit durch, die man dem Adel der damaligen Zeit zuschreibt.
Die drei ersten CDs fand ich toll. Bei der 4. und 5. hat sich meine Begeisterung etwas gelegt. Einiges war mir zu glatt gebügelt. Aber ab der 6. CD nimmt alles wieder mehr Fahrt auf. Dass sich Pietro einer Verbrecherbande anschließt und Morde mit anschaut, finde ich schon grenzwertig. Dass ihn der franz. Soldat dann auch noch laufen lässt - na ja. Aber vielleicht ging man mit dem Recht in der damaligen Zeit großzügig um.
Was mir an dem Hörbuch besonders gefällt, es gibt mir Anstöße mich näher mit Italien im 19. Jahrhundert zu beschäftigen.
Auf einen von euch wartet dabei ein besonderer Gewinn!
Wir verlosen ein großes Lieblingsbücher-Paket unter allen Teilnehmern dieser Verlosung. In diesem Paket wird jedes der hier genannten 18 Lieblingsbücher einmal vertreten sein.
Und los geht es mit unseren Herzensbüchern des Jahres:
Marina_Nordbreze empfiehlt "Mein italienischer Vater" von Anika LandsteinerItalien. Das Reiseland schlechthin für uns Deutschen. Meine Familie ist viele Jahre lang jeden Sommer an die Adria gefahren. Rimini, Ravenna, Bellaria – in 12 Stunden runter mit dem Auto, zwei Wochen am Strand gelegen und mit Sonnenbrand zurück. Doch Italien ist viel mehr als das. Und dieses „mehr“ packt Anika Landsteiner mit „Mein italienischer Vater“ in eine ganz wunderbare Geschichte, sodass man nur so durch die Seiten fliegt und in einem das dringende Bedürfnis wächst, direkt nach Italien zu reisen.
kultfigur empfiehlt "Kollaps - Das Imperium der Ströme" von John Scalzi"Kollaps - Das Imperium der Ströme" von John Scalzi war ganz klar mein Science Fiction Lesehighlight 2018. Ich habe nicht nur eine neue Reihe entdeckt, auf deren Fortsetzung ich mich schon sehr freue, sondern auch einen für mich neuen Autor mit einer spannenden Backlist (z.B. "Der wilde Planet"). In Kollaps beherrscht die menschliche Zivilisation mehrere weit entfernte Systeme, die über eine Art Wurmloch (genannt Ströme), verbunden sind, ohne wirklich zu begreifen, warum es diese Ströme gibt und wie sie funktionieren. Als plötzlich klar wird, dass die Ströme nicht so stabil und gottgegeben sind, wie jahrtausendelang angenommen, steht die gesamte Menschheit vor dem Ende.
hallolisa empfiehlt "Heute schon für morgen träumen" von Lori Nelson SpielmanKein Buch vermochte es in diesem Jahr, mich so zu verzaubern und zugleich auch emotional zu ergreifen, wie "Heute schon für morgen träumen". Unvergleichlich erzählt Lori Nelson Spielman hier eine bezaubernde, berührende und vor allem lebensbejahende Geschichte über Schicksal, Hoffnung und die wahre Liebe. Taschentücher bereithalten!
Daniliesing empfiehlt "Stille" von Erling KaggeIch gebe es zu, ich tue mich sehr schwer damit, einfach mal einen Moment still dazusitzen und die Ruhe zu genießen. Ständig schwirrt mir irgendwas im Kopf herum, was ich noch tun oder erledigen könnte. Aber dann kam Erling Kagge mit seinem Buch "Stille: Ein Wegweiser" daher und die 33 Gedanken des Autors zum Thema Stille haben mir ein Stück weit die Augen geöffnet. Allein beim Lesen des Buches fühlt man sich bereits ruhiger und entspannter. Nachdem mich Erling Kagge mit diesem kleinen Buch so für sich eingenommen hat, versuche ich immer mehr die ruhigen Momente im oft stressigen Alltag zu finden und zu schaffen. Denn Stille und auch Langeweile müssen nichts Negatives sein: ganz im Gegenteil! Sie machen den Kopf frei für neue Ideen und bringen Entspannung sowie neue Kraft!
markusros empfielt "Als das Leben unsere Träume fand" von Luca Di FulvioEin gelungener historischer Roman, in dem es zwei Sizilianer und eine polnische Jüdin in sehr jungen Jahren nach Buenos Aires verschlägt – und da ich sowohl Süditalien als auch Südamerika faszinierend finde, hatte der Roman schon mal gute Chancen bei mir. Einige detaillierte Beschreibungen von Gewaltverbrechen passen nicht so in die Adventszeit, aber geben ein klares und hartes Bild jener Zeit, wenn man nicht privilegiertes Mitglied der Oberschicht war. Für mich 5 Sterne!
Cari_f empfielt "Der Report der Magd" von Margaret Atwood"Der Report der Magd" hat mich mit spielerischer Leichtigkeit aus einer schweren Leseflaute katapultiert. Die Geschichte von Desfred in einer Welt, in der Frauen jegliche Freiheit genommen wurde, habe ich innerhalb eines Tages verschlungen. Nicht nur die erschreckende Aktualität im Kontext der #metoo-Bewegung, sondern auch der Schreibstil von Margaret Atwood haben mich sehr gefesselt. Eine klare Lese-Empfehlung!
Malista empfiehlt "Frauen, die Blumen kaufen" von Vanessa MontfortEin Roman und zugleich ein herrlicher Reiseführer zu wunderbaren Plätzen in Madrid. Geistreiche, witzige und sehr unterschiedliche Protagonisten lassen den Leser lachen, hadern und weinen. Für mich ein Buch, das alles hat, um einfach 'abzutauchen'.
doceten empfiehlt "Regen" von W. Somerset Maugham"Regen" war meine erste Begegnung mit W. Somerset Maugham und wird nicht meine letzte bleiben. Meisterlich beschreibt Maugham die menschlichen Abgründe und Eitelkeiten seiner britischen Mitbürger, die sich unter vermeintlich weniger kultivierten Zivilistationen eingerichtet haben, und wirft so einen kritschen Blick hinter die goldene Fassade des kolonialen Empires. Selten habe ich einen so intensiven Eindruck einer anderen Welt in einer anderen Zeit erhalten - und dafür gab es 5 Sterne!
SandraKath empfiehlt "Wolkenschloss" von Kerstin GierKerstin Giers Bücher zeichnen sich stets durch viel Humor und eine tolle Geschichte aus, doch "Wolkenschloss" hat mich dieses Jahr ganz besonders begeistert. Als ich das Buch zugeklappt habe, wollte ich am liebsten sofort wieder von vorne beginnen. Es schadet der Geschichte nicht im Geringsten, dass sie ein wenig braucht, bis die Handlung Fahrt aufnimmt, denn das Lesen fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen und am liebsten möchte man selbst sofort ins Wolkenschloss einziehen. Neben den tollen Figuren und dem gemütlichen Setting zeichnet sich der Jugendroman aber auch durch ein spannendes Finale aus, das man garantiert nicht kommen sieht!
TanjaMaFi empfiehlt "Die Herzen der Männer" von Nickolas ButlerSelten habe ich ein Buch gelesen, das mich von der ersten bis zur letzten Seite so sehr begeistert hat. „Die Herzen der Männer“ erzählt davon, was Herzen bewegt, von unbändiger Wut über tiefe Trauer bis zur größten Hingabe. Und wir fühlen mit den Männern in diesem Buch - möchten mit ihnen lachen und weinen, lieben und hassen!
aba empfiehlt "Im Grab schaust du nach oben" von Jörg MaurerLange habe ich überlegen müssen, bis ich mich endgültig für ein Lieblingsbuch des Jahres 2018 entscheiden konnte. Am Ende kamen zwei Bücher in die ganz engere Wahl: "Löwen wecken" und "Im Grab schaust du nach oben". Zwei ganz unterschiedliche Genres. Mit seinem 2017 erschienenen "Im Grab schaust du nach oben" hat schließlich Maurer das Rennen gemacht. Letztendlich weil ich es vor ein paar Tagen zu Ende gelesen habe... Jörg Maurer ist definitiv einer meiner Lieblingsautoren! Mit seinen Büchern um den Kriminalhauptkommissar Hubertus Jennerwein begeistert er mich - eigentlich keine echte Krimileserin - seit Jahren. In "Im Grab schaust du nach oben" zeigt Maurer noch einmal, dass er nicht nur ein guter Geschichtenschreiber ist, sondern auch, dass er weiß, wie er den Leser auf hohem Niveau unterhalten und mit originellen Einfällen und Wendungen überraschen kann. Maurer? Immer wieder!
sarah_elise empfiehlt "Nordwasser" von Ian McGuireWie viel Meer steckt im Menschen? Ian McGuire nimmt uns in seinem Buch "Nordwasser" mit auf die Seereise einer englischen Walflangflotte Mitte des 19. Jahrhunderts ins arktische Eismeer. Die See ist wie das Leben - bisweilen trügerisch schön, doch im tiefsten Inneren eiskalt, unberechenbar, barbarisch und zerstörerisch. Und so ist auch der Mensch, den hier am Ende der Welt bestialische, animalische Urinstinkte leiten, um ein Überleben zu sichern. Für jeden einzelnen Seefahrer geht das Leben auf dem alten brüchigen Kahn mit einem steten Kampf zwischen Moral und Profit einher. Aufgrund der schonungslos ehrlichen Erzählweise über das tiefste Wesen des Lebens, des Meeres und des Menschen, der vielschichtigen und spitzzüngig präzisen Erzählweise ist "Nordwasser" aus dem mare Verlag mein Buch des Jahres.
Lariluna empfiehlt "Die letzten Tage des Patriarchats" von Margarete StokowskiMargarete Stokowskis neues Buch stand seit Bekanntgabe des Erscheinungstermins auf meiner Leseliste – die Autorin ist einfach eine der stärksten deutschsprachigen Stimmen insbesondere zum Thema Feminismus. "Die letzten Tage des Patriarchats" ist eine Auswahl ihrer Kolumnen für die taz und Spiegel Online aus den letzten Jahren und zeigt, dass Stokowski zu allen möglichen Themen des aktuellen Weltgeschehens etwas Lesenswertes (!) zu sagen hat.
Wer also nicht ohnehin schon seit Jahren jede Woche ihre Kolumnen liest, dem öffnet sich mit diesem Buch eine Fundgrube an Texten zu feministischen, gesellschaftlichen und politischen Themen aller Art. Der Effekt des Ganzen ist dann - neben hoffentlich viel Nachdenken - eine verrückte Mischung aus lautem Auflachen angesichts der zahlreichen Absurditäten, die die Autorin beschreibt, und leise vor sich hin Fluchen angesichts der Misere, in der unsere Gesellschaft noch immer steckt.
E-Tuna empfiehlt "Die Stadt der träumenden Bücher" von Walter MoersSelten begeisterte mich ein Fantasy-Buch so sehr. Eine Stadt voller Bücher, Antiquariate egal, wohin das Auge blickt, versteckte Buch-Katakomben, mit kilometerlangen Regalen. Dichter, Autoren, Wesen die alle Aphorismen eines bestimmten Autors auswendig können. Walter Moers erschafft hier eine wunderbare Welt der Literatur, so wunderbar, dass ich mir oft gewünscht habe einfach in das Buch eintauchen und die Welt besuchen zu können. Ich würde wohl nie wieder zurückkommen. Es geht um einen Dichter, der auf der Suche nach dem Autor der besten Geschichte der Welt ist. Nicht ahnend, in was für Gefahren er sich damit begibt. Die Reise, auf die Walter Moers den Leser einlädt, ist ein einmaliges Leseerlebnis und sollte von jedem gelesen werden, der behauptet Bücher zu lieben! Zamonien (Das fiktive Land, in dem die Geschichte spielt) ist mit seinen Wesen, seinen Orten und seinen Bräuchen wohl das faszinierenste Land, dass je von einem Autor kreiert wurde. Hier lernt der Leser, dass man tatsächlich kein Buch nach dem Umschlag beurteilen sollte.
MontyTitan empfiehlt "Geschichte der griechischen Philosophie" von Luciano De CrescenzoDie Zeitreise ins alte Griechenland liefert mir auch auf die heutige Zeit anwendbare Lebensweisheiten und Perspektiven. Luciano De Crescenzo schafft es wieder perfekt, komplexe Gedanken in einfachen Worten spannend zu erzählen.
Desireep empfiehlt "Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict WellsBenedict Wells erzählt mit einer so sanften und doch eindringlichen Art eine Geschichte – über Familie und das Erwachsenwerden, über Verlust und die große Liebe – die einen zutiefst berührt. Die vielschichtig gezeichneten Charaktere sind liebenswert menschlich und schon nach wenigen Seiten, glaubt man ihnen schon "oft" begegnet zu sein. Ein Buch über das man nachdenkt, über das man lachen und weinen kann. Ein ganz außergewöhnlicher Roman von einem großartigen Autor.
JohannaLuisa empfiehlt "Ein wenig Leben" von Hanya YanagiharaEs gibt nur wenige Bücher, die mich so berührt, aufgewühlt und beeindruckt haben wie "Ein wenig Leben". Eine Geschichte von so einer Intensität ist mir selten begegnet. Mit diesem besonderen Roman über Trauma, Gewalt, Freundschaft und Liebe hat Hanya Yanagihara ein Meisterwerk geschaffen, bei dem ich trotz stolzer 960 Seiten gehofft habe, dass es nie zu Ende geht. Mein absolutes Buchhighlight des Jahres!
VeraBaer empfiehlt "Der Klavierstimmer" von Pascal MercierAls der Vater von Patrice und Patricia einen Mord begeht, entschließen sich die beiden entfremdeten Zwillinge, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Die Hintergründe der Tat werden zwischen den beiden briefwechsel-artig aufgeschlüsselt, von den Ambitionen und Enttäuschungen des Vaters bis zu den Beziehungen der Kinder zu ihren Eltern und zueinander.
Ein Roman, der dem zugrundeliegenden Mord nur einen Randplatz zugesteht und mit den Empfindungen und Gedanken seiner Figuren ein detailliert schattiertes Bild zeichnet.
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Zusätzliche Informationen
Luca Di Fulvio wurde am 13. Mai 1957 in Rom (Italien) geboren.
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