Lucette ter Borg Das Geschenk aus Berlin

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Inhaltsangabe zu „Das Geschenk aus Berlin“ von Lucette ter Borg

Ein Bechstein-Flügel in der kanadischen Wildnis. Eine geheimnisvolle Geschichte
Welche Ausmaße die Liebe zur Musik annehmen kann, zeigt die Geschichte von Andreas Landewee. Als er im Alter von sechsundsiebzig Jahren beschließt, Deutschland den Rücken zu kehren, um in Kanada ein neues Leben zu beginnen, muss vor allem eines mit: der Bechstein-Flügel. Es sind auch die Erinnerungen an seine Frau, die »das Geschenk aus Berlin« zu einem besonderen Reisebegleiter machen. Lucette ter Borg erzählt in ihrem Debüt von den Geheimnissen einer Familie, von Verführung und Liebe, den Verlockungen des Selbstbetrugs und vom Zauber der Musik.

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  • Rezension zu "Das Geschenk aus Berlin" von Lucette ter Borg

    Das Geschenk aus Berlin

    HeikeG

    12. August 2008 um 13:12

    Ein ganzes Jahrhundert Musik oder Erinnerungen an die Heimat Beethovens Neunte und ein Bechstein-Flügel mit den Initialen A. H. sind die Schlüsselelemente und Ankerpunkte im Romandebüt der niederländischen Autorin Lucette ter Borg, deren Buch 2006 in Deutschland erschien und jetzt mit einem großartigen Gert Heidenreich eine akustische Aufwertung erfährt. Überhaupt durchzieht Musik - wie ein roter Faden - das gesamte Romankonstrukt. Auf der einen Seite haben die Protagonisten fast allesamt mehr oder weniger damit zu tun, auf der anderen gelingt es der Autorin eine Stimmung zu erzeugen, die wie eine gelungene, harmonische Komposition, wie ein sanfter sinfonischer Satz erscheint und das geistige bzw. auditive "Auge" umspült. "Das Geschenk aus Berlin" ist ein wunderschöner, raffiniert konstruierter Familienroman über ein ganzes Jahrhundert: das Zwanzigste. Es ist die Geschichte von Andreas Landewee - Jahrgang 1900 -, der im Alter von 76 Jahren von Rothenburg in Deutschland nach Kanada - in das verlassene Goldgräberdorf Black Creek in British Columbia - auswandert, zu seinem Sohn Wolfgang, der diesen Schritt schon früher ging. Bis zu seinem 90. Geburtstag begleitet der Leser fortan, geführt durch die unsichtbare Hand eines Erzählers, Landewee kreuz und quer, aber sicher durch das Puzzle seiner Erinnerungen, welches sich nach und nach zu einem Ganzen fügt. Reisen und Zurückbleiben Ungewöhnlich scheint die radikale Abkehr Andreas Landewees von seiner Heimat und dann noch in diesem Alter. Heimat? Weit gefehlt. Deutschland ist nicht sein Vaterland. In eine nordböhmische Musikerfamilie hineingeboren, später auf einem feudalen Gut lebend und arbeitend, wurde er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als so genannter Sudetendeutscher vertrieben. Nun hat der alte Mann auch seinen letzten Halt verloren, seine zweite Frau und große Liebe. Sie starb, wie einst seine Mutter, an Krebs. Wie sie war Elisabeth Bruch Sängerin, Sopranistin, eine berühmte sogar, die unter Furtwängler brillierte. Mit seinen beiden anderen Kindern verbindet Andreas Landewee kaum etwas. Nach und nach, zwischen Wanderungen durch die wilde Schönheit Kanadas ("Die Natur ist tief, unerbittlich schön und gefährlich. Sie ist Boden und bodenlos zugleich.") und am abendlichen Kamin kommen die Erinnerungen. An seine Kindheit mit einem egomanischen Vater und die fehlende Mutterliebe, weil diese lieber mit ihrem Gatten durch die Gegend tingelte, die sich jedoch schlagartig nach einem schweren Schlittenunfall in wahre "Affenliebe" wandelt. Diese Rückblenden baut Lucette ter Borg geschickt in die Gegenwartsebene der Handlung ein und lässt so eine Geschichte aus tausend Einzelheiten erblühen. Der Hörer nimmt beinahe physisch von den Gedanken des alten Mannes Besitz, kehrt mit ihm noch einmal in dessen Vergangenheit zurück. Behutsam rollt sie das Leben von Andreas nach und nach vor dem Hörer aus und setzt es wie ein Puzzle Stück für Stück zusammen. Die ständig wechselnden kurzen Passagen aus seiner Kindheit zwischen Reisen und Zurückbleiben, Abenteuer und Krankheit, Ersatzmutter und Mutter, sind ein stetes Spiel zwischen Imagination und Einfühlung und entfalten eine zauberhafte Poesie von unterschwelliger Wehmut, die jedoch keinesfalls kitschig und allzu empathisch vorgetragen wird. Gleichzeitig beobachtet die Autorin Andreas Altern sehr feinfühlig und wartet mit stimmungsvollen Landschaftsbeschreibungen auf. Heidenreichs Gespür für literarische Tiefe Die gediegene, ruhige, abgeklärte, von großer Liebe zur Natur, beinahe altdeutsch manierlich erzählende Geschichte weiß Gert Heidenreich großartig zu intonieren. Seine Stimme ist in Deutschland sicher den meisten bekannt, denn seit 1972 ist der Grimme-Preisträger als Sprecher fürs Radio und Fernsehen tätig. Mit viel Gespür für literarische Tiefe liest er Lucette ter Borgs Roman. Nahezu prädestiniert ist seine warme, nuancierende Stimme mit dem dunklen Timbre für den alten Landewee. Gert Heidenreich weiß die Stimmung des Romans mit seinem unfehlbaren Gespür für Takt und Tempo zu nehmen und verleiht so der Geschichte ein besonderes Flair. Da wird Literatur noch einmal ganz anders greifbar: packend geschrieben sowieso, jetzt aber von einer Stimme zum Leben erweckt, der man "immer noch eine und noch eine Stunde zuhören könnte". Fazit: Die niederländische Autorin hat mit diesem Buch der Familie ihrer Großmutter nachgespürt. Eine feinfühlige Menschenstudie über fast ein ganzes Jahrhundert. Gert Heidenreich setzt dem ganzen noch ein i-Tüpfelchen auf - ein wunderbares Hörbuch.

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