Lucia Berlin war mir vorher kein Begriff, und Kurzgeschichten sind eigentlich auch nicht so mein Genre. Aber dieses Buch hat mich überrascht. Was ich sonst noch verpasst habe ist keine leichte Sammlung von Storys, die man schnell wegliest – es ist ein literarisches Werk, das tief geht. Berlin schreibt autofiktional, das heißt, vieles in den Geschichten ist aus ihrem eigenen Leben inspiriert. Und obwohl es sich um über 30 einzelne Erzählungen handelt, tauchen oft dieselben Figuren auf, was das Ganze wie einen Roman mit vielen Episoden wirken lässt.
Im Zentrum stehen meist Frauen, die durchs Leben taumeln: Alleinerziehende, Alkoholkranke, Putzfrauen, Sekretärinnen. Menschen, die arbeiten, trinken, irgendwie funktionieren – und doch nicht ganz hineinpassen in diese Welt. Es sind keine Heldinnen, sondern Antiheldinnen. Und gerade das macht sie so menschlich.
Lucia Berlin schreibt ohne Pathos. Manchmal mit trockenem Humor, manchmal mit tiefer Melancholie – aber nie gefühlsduselig. Sie sieht die dunklen Ecken, aber auch das Licht darin. Natürlich, bei so vielen Geschichten sind nicht alle gleich stark. Manche haben mich weniger berührt. Aber Mijito war für mich ein Höhepunkt – eine Geschichte, die ich nicht vergessen werde.
Wer literarische Qualität sucht und keine Angst vor Schmerz, Ehrlichkeit und rauem Alltag hat, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Ich empfehle es uneingeschränkt weiter.













