Lucia Berlin Was ich sonst noch verpasst habe

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Inhaltsangabe zu „Was ich sonst noch verpasst habe“ von Lucia Berlin

Niemals aufgeben: ein Buch voller zweiter Chancen Alleinerziehende Mütter, Alkoholikerinnen auf Entzug, Haushaltshilfen, Krankenschwestern und Sekretärinnen – Lucia Berlin erzählt von unterprivilegierten Frauen, die um ein besseres Leben kämpfen. In Waschsalons, Cafés und Restaurants, Krankenhäusern und Arztpraxen zeigen sich die kleinen Wunder des Lebens oder entwickeln sich herzzerreißende Tragödien, denen die Autorin mal mit abgründigem Humor, dann wieder voller Melancholie, aber stets mit ergreifender Empathie auf den Grund geht. Unsentimental und unaufgeregt erkundet Lucia Berlin die Warteräume des Lebens und richtet ihren Blick nicht nur auf die schmutzigen Winkel, sondern auch auf die Sonnenstrahlen mitten im prosaischen Alltag.

Harter Stoff, aber lesenswert

— JohannesGroschupf
JohannesGroschupf

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    Was ich sonst noch verpasst habe
    andrea_hessler

    andrea_hessler

    17. June 2017 um 21:32

    So beginnt Lucia Berlin ihre erste Kurzgeschichte in dieser Sammlung von Erzählungen. Sie beschreibt Kindheit und Jugend, ihre Zeit in einer Schule, die von Nonnen geleitet wird. Große Themen werden in sehr persönliche Geschichten verpackt, Liebe, Hass und Tod, Religion, Krankheit und Leiden. Die Charakterisierungen der Mitglieder ihrer Familie sind skurril (so ist zum Beispiel ihr Großvater ein ziemlich unheimlicher Zahnarzt - besser wohl Zahnklempner). Ihre Beschreibungen von Situationen und Dingen ("...ein Auto,  dem die Haare zu Berge standen ....") sind ebenso treffend wie außergewöhnlich. Ihr Leben beginnt als höhere Tochter in Chile, der Vater ist Manager von Bergbauunternehmen, doch dann läuft alles irgendiwe aus dem Ruder. Sie war drei Mal verheiratet und hatte vier Söhne, die sie allein aufzog. Schließlich wurde ihr Leben etwas ruhiger, sie war Dozentin an der Universität von Boulder, Colorado. 2004 ist sie gestorben, sie wurde erst vor kurzem wiederentdeckt. Ich bin fasziniert von ihrem Schreibstil und ihrer Nonchalance, mit der sie Niederlagen wegsteckt. Ein grandioses Lese-Erlebnis.

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  • Lucia Berlin ist eine Entdeckung

    Was ich sonst noch verpasst habe
    JohannesGroschupf

    JohannesGroschupf

    09. January 2017 um 21:44

    Drogenschmuggel, Scheidung, Alkoholkrankheit, erster Entzug, Putzfrauendasein, Waschsalonlangeweile und Notaufnahmestress:Lucia Berlin berichtet aus dem low life einer Trinkerin, die morgens um vier wach wird und kurz vor dem Delirium tremens steht. 'In der tiefen dunklen Nacht der Seele sind die Spirituosenläden und Bars geschlossen. Sie griff unter die Matratze; die Viertelliterflasche Wodka war leer.' Die Story erzählt nicht mehr als den Gang durch die Nacht zum Schnapsladen, der um sechs Uhr öffnet, und wieder nach Hause, ehe die Söhne aufwachen. Und doch taucht man als Leser tief in die Verzweiflung, Scham und sture Selbstzerstörung einer Trinkerin ein.Die stärksten Erzählungen neben den Suchtnotaten sind ihre Berichte aus der Arbeitswelt. Lucia Berlin hat gern in Grenzbereichen gearbeitet. Sie kennt sich aus in den Niederungen und reagiert als Autorin auch stilistisch darauf. Wenn es hart auf hart kommt, kann eine Story nicht mehr der Ort des wohligen Erzählens, der eleganten Sätze sein.In "Notaufnahme-Notizbuch, 1977" wird mit geradezu journalistischer Präzision der Krankenhausalltag skizziert: 'Angst, Armut, Alkoholismus und Einsamkeit sind tödliche Krankheiten. Also Notfälle.' Der Text öffnet sich zur Collage aus Sanitäter-Funkverkehr, Kollegensprüchen ('Nimm's mit Tumor'), Fallbeschreibungen, Kurzdiagnosen, Charakterskizzen von Selbstmördern, Trinkern und Unfallopfern. Dazwischen ein literarischer Satz, der das ganze Elend älterer Patientinnen umfasst: 'Wenn ihre Handtaschen nicht längst gestohlen sind, dann scheinen alte Frauen nichts weiter darin zu haben als Unterkiefergebisse, den Fahrplan des 51er-Busses und ein Adressbuch, in dem keine Nachnamen stehen.'Ebenso erfahrungssatt und literarisch gekonnt ist die Story "Handbuch für Putzfrauen", in der Berlin auf ihre Jahre als Putzhilfe in fremden Häusern zurückblickt und eine großartige Innansicht dieses Jobs gibt. 'Das Einzige, was ich tatsächlich stehle, sind Schlaftabletten, falls einer dieser dunklen Tage kommt.' Staubsaugen, Fensterputzen, Puzzleteile suchen für eine ältere Dame, die um ihren Mann trauert. Berlin kombiniert das mit Hinweisen für etwaige Kolleginnen: Nie für Psychiater arbeiten, nie für Freunde, nie in einem Haushalt mit Vorschulkindern. 'Putzfrauen: Ihr werdet einer Menge emanzipierter Frauen begegnen. Das erste Stadium ist eine Selbsterfahrungsgruppe, das zweite Stadium eine Putzfrau, das dritte die Scheidung.'Die Erzählungen sind zu einem großen Teil deutlich autobiografisch. Lucia Berlin schreibt ' oft als Ich-Erzählerin ' von dem, was sie erlebt und überlebt hat, und sie erzählt davon mit einem stoischen, harten, bisweilen sarkastischen Humor.

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  • Subtile Wortgewalt

    Was ich sonst noch verpasst habe
    CocuriRuby

    CocuriRuby

    19. October 2016 um 01:16

    Dieses Buch ist eine Kurzgeschichtensammlung, allerdings dadurch, dass viele der Geschichten, doch irgendwie zusammen hängen oder sogar auch Figuren noch mal auftauchen und z.T. anders beleuchtet werden – bekommt es fast sowas wie einen Romancharakter (wobei ich tatsächlich auch die einzelnen Momentaufnahmen sehr beeindruckend finde). Das fand ich zunächst relativ befremdlich und brauchte meine Zeit, bis ich das richtig für mich einordnen konnte. Hatte letztendlich aber auch etwas Interessantes an sich. Wobei ich auch sagen kann, dass die Auswahl der Kurzgeschichten und wie man sie anordnet, vom Verlag sehr gut gewählt wurde. Das Buch ist schon sehr autobiografisch angelehnt – Lucia Berlin schreibt über Dinge, die sie selbst kennt oder erlebt hat. Das Haucht den Geschichten erst richtig Leben ein und erschafft dadurch in jeder Geschichte eine Atmosphäre, die einnehmend ist. Ich weiß nicht so genau, wie ich den Schreibstil beschreiben soll – vielleicht als schlichte Wortgewalt. An sich ist die Sprache schlicht, schon fast lakonisch. Aber dann plötzlich haben wir einen herausragenden Vergleich oder Formulierung oder Satz, die einen kurz sprachlos macht, weil dort eine Kraft hinter steckt, die bemerkenswert ist. Es werden auch viele düstere und bedrückende Dinge geschildert, z.B. Trunkenheit, Vernachlässigung oder Missbrauch – bzw. es geht immer um Personen, die am Abgrund stehen. Manchmal gibt es sogar fast gruselige, brutale oder eklige Szenen. Beeindruckend daran finde ich aber, dass diese „dunklen Dinge“ fast beiläufig erzählt werden. Das Buch ist zu keiner Zeit wertend oder gar verurteilend. Stattdessen findet sich sogar gelegentlich ein einzigartiger Humor. Es ist nicht erdrückend, sondern interessanter weise findet man im Rückblick fast sowas wie Leichtigkeit (das Wort trifft es nicht ganz, aber mir fiel kein besseres ein). Bei vielen der Geschichten war es so, dass sich mir der Sinn oder die Aussage nicht auf Anhieb erschloss, denn ich finde bei vielen ist das sehr Subtil. Erst nachdem ich die Geschichte noch mal Revue passieren ließ bzw. noch mal darüber nachdachte, erschloss es sich mir dann - bei ein paar auch nicht. Es gab auch Geschichten, wo ich gar nicht ausmachen konnte, was sie mir sagen wollten. Auf der einen Seite finde ich das Gut, dass einen die Geschichte in dem Sinne fordert – auf der anderen Seiten muss man dazu eben auch eine Bereitschaft mitbringen und wenn man eben dieses eine Wort oder die eine Andeutung überliest, dann verliert die Geschichte möglicherweise ihre Aussagekraft.   Fazit Das Buch ist in gewisser Weise von Kontrasten durchzogen. Vieles passiert sehr subtil und vieles davon birgt sehr viel Kraft in sich. Es werden Momentaufnahmen am Abgrund beschrieben, aber ohne Zynismus. Ich konnte nicht alles wirklich greifen von dem was einem geboten wird – aber was ich für mich rausziehen konnte, fand ich sehr beeindruckend.

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  • Mitten aus dem Leben gegriffen

    Was ich sonst noch verpasst habe
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    10. March 2016 um 14:01

    Mitten aus dem Leben gegriffen„Soweit ich mich zurückerinnern kann, habe ich immer einen sehr schlechten ersten Eindruck gemacht“Eine frühe Mitteilung in der ersten der 30 Kurz- (und „Kürzest“) Geschichten, die in diesem Band von der, lange Zeit ihres Lebens kaum real greifbaren, Schriftstellerin Lucia Berlin. Erst 2015 wurde das Geheimnis ihrer Identität gelüftet, 11 Jahre nach ihrem Tod.Frei weg fließen die Worte. Ob sie eben jenen ersten Eindruck schildert, den sie an der neuen Schule hinterlassen hat (und der ihr lange nachgehen wird dort), ob sie von einem „Mama, Mama“ Wimmern eines Jockeys erzählt (und dabei die Kleidung des Sportlers und seinen filigranen Körperbau minutiös beschreibt), oder ob sie den Scheinwerfer auf die Härten der Kindheit lenkt, auf die einfach auch Grausamkeit des Mobbings untereinander, wenn man nicht ganz hineinpasst, den ersten Eindruck vergeigt hat. Oder auf den „religiösen Fanatismus“, der ihre Ich-Erzählerin in einer der Geschichten ergriffen hat und doch nicht Selbstzweck ist, sondern Mittel zum Ziel, wie sich am Ende herausstellen wird.Für alle Geschichten im Buch gilt gleichermaßen, dass Berlin sprachlich wunderbar zu formulieren versteht, lebhafte, detaillierte innere Bilder beim Leser erweckt.Wobei das alltägliche Leben, die eigenen Erlebnisse letztlich niedergeschrieben werden, Leben und Schreiben sind eine „fortlaufende, sich wechselseitig entzündende Bewegung“.Unbedingt nun aber den „tieferen Sinn“ oder eine „höhere Moral“ hinter den Geschichten zu suchen oder zu vermuten, das wird nicht immer gelingen. Eher sind es „Aha.Effekte“ (wie bei der Schilderung des Spotts anderer Kinder), die im Leser eigene „Lebensbilder“ wachrufen. In ihm, trotz der doch nun lange zurückliegenden Zeit der Verfassung der Geschichten, auch das eigene Leben immer wieder vor Augen führt.Nicht „Worum es im Tieferen geht“ ist dabei das Thema der Autorin, sondern „was passiert?“ Hier, jetzt, um die Ecke, zufällig, wie auf den Lebensweg geworfen.Das Besondere in diesem Alltäglichen zu beschreiben, oft schroff, kaum zueinander passend in den Figuren, lenkt Berlin immer wieder den Blick auf die Abgründe des menschlichen Lebens, das Sein hinter den Fassaden.Das ist nicht immer leicht zu lesen, das hat nicht immer eine Spannung, die den Leser ergreift, aber durchgehend findet sich schon ein je besonderer Hauch in diesen Begegnungen und Abgründen des menschlichen Lebens, welche Berlin am eigenen Leben zuhauf selbst erfahren hat.Man braucht allerdings Geduld und eine vordergründige Freude an der Sprache und Formulierkunst der Autorin, um in den einzelnen Geschichten als Leser auf seine Kosten zu kommen. 

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