Lucia Leidenfrost

 3.8 Sterne bei 13 Bewertungen

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Mir ist die Zunge so schwer

Mir ist die Zunge so schwer

 (13)
Erschienen am 08.02.2017

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Rezension zu "Mir ist die Zunge so schwer" von Lucia Leidenfrost

Keine leichte Lektüre
gstvor einem Jahr

Immer wieder kommt es vor, dass ein Name den Stil des Autors vorgibt. So auch hier: Lucia Leidenfrost hat in diesem wunderschön aufgemachten Buch achtzehn Erzählungen vereint, die den Leser manchmal frösteln, aber auf jeden Fall leiden lassen. Sie erzählt von Menschen, die als Kinder oder junge Menschen den Krieg erlebt haben und nun im Alter beginnen, ihre Erinnerungen weiterzugeben. Leicht fällt ihnen das nicht, diese oft traurigen Geschichten in Worte zu fassen. Ganz im Gegensatz zu der Autorin, deren Erzählungen trotz der kargen Worte gewaltig daherkommen.

Lucia Leidenfrost ist es gelungen, sich gut in die Menschen einzufühlen, von denen sie erzählt. So manches hat mich an meine Eltern erinnert, die zwar weder in Österreich noch auf dem Land gelebt haben, aber mit anderen Worten von ähnlichen Episoden berichteten. So hat die Autorin ein Kaleidoskop von Eindrücken zusammengestellt, die ihr Verlag mit schwarzen Trennblättern versah. Damit die Schwere nicht überwiegt, fliegen über das Cover und die Innenseiten Samenfäden vom Löwenzahn.

Etwas erstaunt mich, dass eine so junge Autorin (Lucia Leidenfrost wurde 1990 in Oberösterreich geboren) sich so treffend in die Generation ihrer Groß- bis Urgroßeltern einfühlen konnte. Kein Wunder also, dass sie bereits einen Anerkennungspreis U19 gewonnen hat. Allerdings hoffe ich, dass ihre Schreibe im Laufe der Zeit etwas positiver wird; dann nehme ich auch gerne ein weiteres Buch von ihr zur Hand. 

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Rezension zu "Mir ist die Zunge so schwer" von Lucia Leidenfrost

Das Schweigen der Nachkriegszeit
Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren

Lucia Leidenfrost erzählt in 18 Kurzgeschichten zur Nachkriegszeit, das was der Kriegsgeneration in Erinnerung bleibt. Dabei kommen vor allem die einfachen Menschen vom Land zur Sprache. Sie haben Schwerwiegendes erlebt oder mussten Schlimmes mitansehen. Jetzt befinden sie sich in einer Zeit der Verarbeitung, Reflexion und Trauerarbeit. Dabei kommen auch viele Dinge durch die entstandenen Traumata nicht zu Worte. Unausgesprochenes wird an die nächste Generation weitergegeben. 
Die Geschichten sind vielschichtig, abwechslungsreich und erzählen eher leise. Der Leser kann sich in die ein oder andere Begebenheit sicherlich einfinden oder sich zumindest aus Berichten erinnern.
Mich persönlich berührt dieses Thema, gehöre ich doch zu den Nachkriegsenkeln und habe selbst in meiner Familie von den Kriegsgeschichten manchmal mehr oder auch weniger erfahren können. 
Insgesamt sind die Geschichten für mich von sehr unterschiedlichem Niveau. Es gibt Stärken und auch Tiefen. An manchen Stellen überwiegen Metaphern, die sich mich leider nicht erschliessen. Bilder entstehen bei mir eher wenige und die Geschichten lassen mich zum grossen Teil unberührt, daher kann ich dem Buch leider keine gute Note geben.

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aspecialkates avatar

Rezension zu "Mir ist die Zunge so schwer" von Lucia Leidenfrost

Wenn die poetische Kraft der Sprache die Grenzen der Sprachlosigkeit sprengt!
aspecialkatevor 2 Jahren

„Pass auf, wenn ich dir eine Geschichte erzähl, es könnte eine meiner letzten sein. Nur von den Alten kann man lernen.“ Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen. Eine persönliche Lebensgeschichte, die sich aus historischen und sozialen Gegebenheiten formt. Doch manchmal ist das Erlebte bedrückend wie eine schwere Last. Die Schwierigkeit, etwas in Worte zu fassen, „spiegelt“ sich auf der Zunge wider. Wie eine Schwelle, die sich nicht überwinden lässt, lastet Ungesagtes auf ihr, dem Spiegel der Seele.

Der Autorin Lucia Leidenfrost genügten die Erinnerungen und Erzählungen von Menschen, um tiefgründige Umrisse zu zeichnen, sie feinfühlig in Erscheinung treten zu lassen, die Erschütterung und seelischen Traumata einzufangen und die damit verbundenen Gefühle empor zu holen. Daraus entstanden ist ein eindrucksvolles, poetisches Erzählband mit dem Titel „Mir ist die Zunge so schwer“. In achtzehn Kurzgeschichten wird die Herausforderung des Erinnerns und Erzählens einer Generation der Nachkriegszeit skizziert.

Die Autorin ist das Sprachrohr für all jene, die um Worte ringen. Sie widmet sich den Geschichten mit poetischer Anmutung und schenkt ihnen Beachtung, denn sie sollen nicht in Vergessenheit geraten. Es sind Lebensgeschichten voll Sehnsucht und Hoffnung. Über Erfahrungen des Krieges von Menschen, die zu Tätern wurden und gleichzeitig Opfer waren. Überlebenskämpfe, in denen Kameradschaft und Zusammenhalt siegten. Aber es kommen auch jene zu Wort, die Verluste betrauern oder sich mit der eigenen Vergänglichkeit auseinandersetzen. Jene, die endlich loslassen können und ihren inneren Frieden finden. Aber auch solche, die in alteingesessenen, gesellschaftlichen Zwängen gefangen sind oder zwischen den Fronten stehen. Bei manchen bleibt vieles im Verborgenen, bei vielen nagt die Schuld, einige fühlen sich missverstanden und bei so manchem hält die Einsamkeit Einzug. Melancholisch schön und mit einem Gespür von Zuversicht betont sie die Tragweite jeder einzelnen Erzählung und lässt ausreichend Spielraum um zwischen den Zeilen zu lesen. Die Geschichten haben alle eines gemeinsam: Sie vereinen die Schwierigkeit, die Vergangenheit mit all ihren Sehnsüchten, Ängsten und Schuldgefühlen zum Ausdruck zu bringen.

Es ist ein Erzählband mit Nachwirkung. In mir verfestigt sich der Gedanke, dass jeder Mensch eine Geschichte zu erzählen hat. Jeder besitzt die nötigen Werkzeuge, um die eigene Lebensgeschichte zu erzählen, aber auch um ein offener Zuhörer zu sein. Die Erzählung „Lass dir eine Geschichte erzählen“ verdeutlicht das Gefühl der Freiheit und die Lebendigkeit des Geschichten Erzählens. Auch ich erkenne, dass Geschichten wie Vögel sind, denn es gibt sie in unermesslichem Ausmaß. Sie verbreiten sich, in dem sie weiter erzählt werden, sich tief in uns verankern oder schriftlich festgehalten werden. Nur dann existiert ein Mensch auch noch nach seinem Tod weiter. Geschichten sind so vielfältig und doch findet sich immer wieder eine, an der man selbst wächst und die einem dazu verhilft, Mut zu fassen und die eigene Geschichte zu erzählen. Wer nicht redet, der hat auch keine Zuhörer. Am Ende unseres Lebens erlischt unsere Stimme und wir verpassen den Zeitpunkt, um zu reden. Unsere Geschichte wird dann mit uns begraben. Mit Zuversicht vertraue ich darauf, dass es jemanden auf dieser Welt gibt, der sich für meine/deine persönliche Geschichte interessiert.

„Mir ist die Zunge so schwer“ ist ein berührendes, geschichtsträchtiges Erzählband, das dem Schrecken der Nachkriegszeit eine Stimme gibt. Tiefgründig und mit großer Sorgfalt erzählt Lucia Leidenfrost traurige, nachdenkliche Geschichten einer Generation der Nachkriegszeit. Durch die poetische Kraft der Sprache verleiht sie ihnen jedoch etwas Tröstliches und Versöhnliches.

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Gespräche aus der Community

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Verlag_Kremayr-Scheriaus avatar

Worum geht's?

In achtzehn Kurzgeschichten kommen Menschen zu Wort, die zeit ihres Lebens versäumt haben, zu sprechen. Es sind Täter und Opfer, Sehnsüchtige und Missverstandene, Einsame und Trauernde, die erst in hohem Alter mit der Vergangenheit hadern und mühselig ihre Erinnerung ans Licht bringen.
Sie sprechen von Geheimnissen, Fehlern und Missverständnissen, von verlorenen Lieben, von Kriegserfahrungen und Schuld. Sie alle verbindet die Schwierigkeit, Vergangenes in Worte zu fassen, und eine tiefe Sehnsucht nach dem Leben.
Mit großem Feingefühl und bildgewaltiger Sprache entwirft Lucia Leidenfrost ein Psychogramm der österreichischen Nachkriegszeit. Fast hört man die Stimmen ihrer Figuren, so genau trifft sie deren Ton. Bemerkenswerte Geschichten voller Schönheit, Melancholie und einer Ahnung von Hoffnung.

"Meine Erinnerung könnte eine Eule sein. Tagsüber macht sie nur ein Auge auf, um zu sehen, wer ihr nahekommt, aber in der Nacht wartet sie, bis die Mäuse über den Waldboden huschen. Lautlos gleitet sie hinab und greift zu mit ihren Klauen."

Lucia Leidenfrost

wurde 1990 in Frankenmarkt (Oberösterreich) geboren. Sie studierte Germanistik, Skandinavistik und Germanistische Linguistik an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen. Seit 2014 lebt sie in Mannheim und arbeitet am Institut für Deutsche Sprache. Ihre Erzählungen sind in österreichischen und deutschen Literaturzeitschriften erschienen. Sie erhielt u.a. das Start-Stipendium des BMUKK für Literatur sowie den Anerkennungspreis U19 beim Marianne-von-Willemer-Preis. „Mir ist die Zunge so schwer“ ist ihr erstes Buch.


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