Lucia Leidenfrost Mir ist die Zunge so schwer

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Inhaltsangabe zu „Mir ist die Zunge so schwer“ von Lucia Leidenfrost

In achtzehn Kurzgeschichten kommen Menschen zu Wort, die zeit ihres Lebens versäumt haben, zu sprechen. Es sind Täter und Opfer, Sehnsüchtige und Missverstandene, Einsame und Trauernde, die erst in hohem Alter mit der Vergangenheit hadern und mühselig ihre Erinnerung ans Licht bringen. Sie sprechen von Geheimnissen, Fehlern und Missverständnissen, von verlorenen Lieben, von Kriegserfahrungen und Schuld. Sie alle verbindet die Schwierigkeit, Vergangenes in Worte zu fassen, und eine tiefe Sehnsucht nach dem Leben. Mit großem Feingefühl und bildgewaltiger Sprache entwirft Lucia Leidenfrost ein Psychogramm der österreichischen Nachkriegszeit. Fast hört man die Stimmen ihrer Figuren, so genau trifft sie deren Ton. Bemerkenswerte Geschichten voller Schönheit, Melancholie und einer Ahnung von Hoffnung. "Meine Erinnerung könnte eine Eule sein. Tagsüber macht sie nur ein Auge auf, um zu sehen, wer ihr nahekommt, aber in der Nacht wartet sie, bis die Mäuse über den Waldboden huschen. Lautlos gleitet sie hinab und greift zu mit ihren Klauen."

18 Kurzgeschichten zur Nachkriegszeit

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

Ein berührendes, geschichtsträchtiges Erzählband über die Schwierigkeit, die Schatten der Vergangenheit zum Ausdruck zu bringen.

— aspecialkate
aspecialkate

18 Geschichten, in denen den Menschen zur rechten Zeit die Worte fehlten.

— Waschbaerin
Waschbaerin

Nachkriegserinnerungen. Wie oft wird geschwiegen, bereut, geschämt, getrauert? Und niemand weiß darum. 18 intensive Kurzgeschichten.

— Buchstabenliebhaberin
Buchstabenliebhaberin

Selbstportraits/Erinnerungen aus der (Nach-)Kriegszeit. Emotional, bewegend, nah. Großartig!

— MrsFraser
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  • Leserunde zu "Mir ist die Zunge so schwer" von Lucia Leidenfrost

    Mir ist die Zunge so schwer
    Verlag_Kremayr-Scheriau

    Verlag_Kremayr-Scheriau

    Worum geht's? In achtzehn Kurzgeschichten kommen Menschen zu Wort, die zeit ihres Lebens versäumt haben, zu sprechen. Es sind Täter und Opfer, Sehnsüchtige und Missverstandene, Einsame und Trauernde, die erst in hohem Alter mit der Vergangenheit hadern und mühselig ihre Erinnerung ans Licht bringen.Sie sprechen von Geheimnissen, Fehlern und Missverständnissen, von verlorenen Lieben, von Kriegserfahrungen und Schuld. Sie alle verbindet die Schwierigkeit, Vergangenes in Worte zu fassen, und eine tiefe Sehnsucht nach dem Leben.Mit großem Feingefühl und bildgewaltiger Sprache entwirft Lucia Leidenfrost ein Psychogramm der österreichischen Nachkriegszeit. Fast hört man die Stimmen ihrer Figuren, so genau trifft sie deren Ton. Bemerkenswerte Geschichten voller Schönheit, Melancholie und einer Ahnung von Hoffnung."Meine Erinnerung könnte eine Eule sein. Tagsüber macht sie nur ein Auge auf, um zu sehen, wer ihr nahekommt, aber in der Nacht wartet sie, bis die Mäuse über den Waldboden huschen. Lautlos gleitet sie hinab und greift zu mit ihren Klauen." Lucia Leidenfrost wurde 1990 in Frankenmarkt (Oberösterreich) geboren. Sie studierte Germanistik, Skandinavistik und Germanistische Linguistik an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen. Seit 2014 lebt sie in Mannheim und arbeitet am Institut für Deutsche Sprache. Ihre Erzählungen sind in österreichischen und deutschen Literaturzeitschriften erschienen. Sie erhielt u.a. das Start-Stipendium des BMUKK für Literatur sowie den Anerkennungspreis U19 beim Marianne-von-Willemer-Preis. „Mir ist die Zunge so schwer“ ist ihr erstes Buch. >>Informationen zum Buch >> Leseprobe Bewerbung zur Leserunde:  Wenn ihr mehr wissen wollt, dann sagt uns, was euch an diesem Buch interessiert und auf welchen Plattformen ihr eure Rezension veröffentlichen werdet. Eine baldige Beteiligung an der Leserunde sowie das Schreiben einer Rezension sind gewünscht! Natürlich sind auch alle LeserInnen mit einem eigenen Exemplar herzlich eingeladen, an unserer Leserunde teilzunehmen. Wir freuen uns auf eure Teilnahme! > Besucht unsere Webseite! www.kremayr-scheriau.at> Folgt uns auf Facebook und Twitter und verpasst keine Neuigkeiten und Buchverlosungen mehr.

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    • 265
  • Das Schweigen der Nachkriegszeit

    Mir ist die Zunge so schwer
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    13. March 2017 um 10:49

    Lucia Leidenfrost erzählt in 18 Kurzgeschichten zur Nachkriegszeit, das was der Kriegsgeneration in Erinnerung bleibt. Dabei kommen vor allem die einfachen Menschen vom Land zur Sprache. Sie haben Schwerwiegendes erlebt oder mussten Schlimmes mitansehen. Jetzt befinden sie sich in einer Zeit der Verarbeitung, Reflexion und Trauerarbeit. Dabei kommen auch viele Dinge durch die entstandenen Traumata nicht zu Worte. Unausgesprochenes wird an die nächste Generation weitergegeben. Die Geschichten sind vielschichtig, abwechslungsreich und erzählen eher leise. Der Leser kann sich in die ein oder andere Begebenheit sicherlich einfinden oder sich zumindest aus Berichten erinnern.Mich persönlich berührt dieses Thema, gehöre ich doch zu den Nachkriegsenkeln und habe selbst in meiner Familie von den Kriegsgeschichten manchmal mehr oder auch weniger erfahren können. Insgesamt sind die Geschichten für mich von sehr unterschiedlichem Niveau. Es gibt Stärken und auch Tiefen. An manchen Stellen überwiegen Metaphern, die sich mich leider nicht erschliessen. Bilder entstehen bei mir eher wenige und die Geschichten lassen mich zum grossen Teil unberührt, daher kann ich dem Buch leider keine gute Note geben.

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  • Wenn die poetische Kraft der Sprache die Grenzen der Sprachlosigkeit sprengt!

    Mir ist die Zunge so schwer
    aspecialkate

    aspecialkate

    11. March 2017 um 17:08

    „Pass auf, wenn ich dir eine Geschichte erzähl, es könnte eine meiner letzten sein. Nur von den Alten kann man lernen.“ Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen. Eine persönliche Lebensgeschichte, die sich aus historischen und sozialen Gegebenheiten formt. Doch manchmal ist das Erlebte bedrückend wie eine schwere Last. Die Schwierigkeit, etwas in Worte zu fassen, „spiegelt“ sich auf der Zunge wider. Wie eine Schwelle, die sich nicht überwinden lässt, lastet Ungesagtes auf ihr, dem Spiegel der Seele. Der Autorin Lucia Leidenfrost genügten die Erinnerungen und Erzählungen von Menschen, um tiefgründige Umrisse zu zeichnen, sie feinfühlig in Erscheinung treten zu lassen, die Erschütterung und seelischen Traumata einzufangen und die damit verbundenen Gefühle empor zu holen. Daraus entstanden ist ein eindrucksvolles, poetisches Erzählband mit dem Titel „Mir ist die Zunge so schwer“. In achtzehn Kurzgeschichten wird die Herausforderung des Erinnerns und Erzählens einer Generation der Nachkriegszeit skizziert.Die Autorin ist das Sprachrohr für all jene, die um Worte ringen. Sie widmet sich den Geschichten mit poetischer Anmutung und schenkt ihnen Beachtung, denn sie sollen nicht in Vergessenheit geraten. Es sind Lebensgeschichten voll Sehnsucht und Hoffnung. Über Erfahrungen des Krieges von Menschen, die zu Tätern wurden und gleichzeitig Opfer waren. Überlebenskämpfe, in denen Kameradschaft und Zusammenhalt siegten. Aber es kommen auch jene zu Wort, die Verluste betrauern oder sich mit der eigenen Vergänglichkeit auseinandersetzen. Jene, die endlich loslassen können und ihren inneren Frieden finden. Aber auch solche, die in alteingesessenen, gesellschaftlichen Zwängen gefangen sind oder zwischen den Fronten stehen. Bei manchen bleibt vieles im Verborgenen, bei vielen nagt die Schuld, einige fühlen sich missverstanden und bei so manchem hält die Einsamkeit Einzug. Melancholisch schön und mit einem Gespür von Zuversicht betont sie die Tragweite jeder einzelnen Erzählung und lässt ausreichend Spielraum um zwischen den Zeilen zu lesen. Die Geschichten haben alle eines gemeinsam: Sie vereinen die Schwierigkeit, die Vergangenheit mit all ihren Sehnsüchten, Ängsten und Schuldgefühlen zum Ausdruck zu bringen. Es ist ein Erzählband mit Nachwirkung. In mir verfestigt sich der Gedanke, dass jeder Mensch eine Geschichte zu erzählen hat. Jeder besitzt die nötigen Werkzeuge, um die eigene Lebensgeschichte zu erzählen, aber auch um ein offener Zuhörer zu sein. Die Erzählung „Lass dir eine Geschichte erzählen“ verdeutlicht das Gefühl der Freiheit und die Lebendigkeit des Geschichten Erzählens. Auch ich erkenne, dass Geschichten wie Vögel sind, denn es gibt sie in unermesslichem Ausmaß. Sie verbreiten sich, in dem sie weiter erzählt werden, sich tief in uns verankern oder schriftlich festgehalten werden. Nur dann existiert ein Mensch auch noch nach seinem Tod weiter. Geschichten sind so vielfältig und doch findet sich immer wieder eine, an der man selbst wächst und die einem dazu verhilft, Mut zu fassen und die eigene Geschichte zu erzählen. Wer nicht redet, der hat auch keine Zuhörer. Am Ende unseres Lebens erlischt unsere Stimme und wir verpassen den Zeitpunkt, um zu reden. Unsere Geschichte wird dann mit uns begraben. Mit Zuversicht vertraue ich darauf, dass es jemanden auf dieser Welt gibt, der sich für meine/deine persönliche Geschichte interessiert.„Mir ist die Zunge so schwer“ ist ein berührendes, geschichtsträchtiges Erzählband, das dem Schrecken der Nachkriegszeit eine Stimme gibt. Tiefgründig und mit großer Sorgfalt erzählt Lucia Leidenfrost traurige, nachdenkliche Geschichten einer Generation der Nachkriegszeit. Durch die poetische Kraft der Sprache verleiht sie ihnen jedoch etwas Tröstliches und Versöhnliches.

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    • 5
  • Wenn Menschen zur rechten Zeit die Worte fehlen

    Mir ist die Zunge so schwer
    Waschbaerin

    Waschbaerin

    06. March 2017 um 19:20

    Dieses Buch von Lucia Leidenfrost ist nicht nur vom Cover her ein düsteres Buch. Schwarz, dazu noch Grau sind die vorherrschenden Farben.Die Autorin hat achtzehn Geschichten von Menschen zusammengetragen, denen zur rechten Zeit die Worte fehlten. Jede dieser Geschichten könnte die Grundlage für ein eigenständiges Buch sein, wenn man in die Tiefe gehen würde. Doch Kurzgeschichten können nur streifen. Dieses Buch handelt in der Zeitspanne während des Krieges oder in der Nachkriegszeit. Die Ereignisse hängen den Menschen auch noch nach langer Zeit wie Mühlensteine um den Hals. Einige der Protagonisten haben ihr Leben lang geschwiegen und hadern auch noch Jahre später mit dem Erlebten, den unerfüllten Hoffnungen, ihrer Schuld oder Gleichgültigkeit. Sei es, dass sie die damaligen, braunen Zeit mit Jubel begrüßten und im Nachhinein feststellte, was alles falsch war oder gewissen "Dingen"  noch immer nachhängen.  Gewalt spielt in den Erzählungen eine große Rolle, Kinder wurden aus nichtigen Gründen verprügelt. Einfach so. Paare kamen zusammen, heirateten, weil die Bäurin auf dem Hof starb und eine neue Frau auf dem Hof gebraucht wurde. Man mochte sich, aber es war keine Liebe im Spiel. Die nüchternen Überlegungen gaben den Ausschlag.Wunderschön, ja fast heiter die Geschichte,  die aus dem Grab heraus erzählt wird. Auf dem Friedhof in den Bergen liegen ein Jude, ein Mitläufer und ein Nazi in einer Reihe. Daneben noch ein Bergsteiger. Der Mitläufer spricht über die einzelnen Besucher und beschreibt die Schritte derer, die an den einzelnen Gräbern verweilen. Sehr gut beschrieben. Wie ich anfangs bemerkte, es handelt sich um ein Buch mit überwiegend düsterem Inhalt. Aber so war die Kriegs- als auch Nachkriegszeit.  Die Welt war aus den Fugen geraten und die Menschen mussten funktionieren, auch wenn ihnen der Boden unter den Füßen weggebrochen war. Dieses Buch kann man nicht wie ein Roman lesen, dann wird man den einzelnen Geschichten nicht gerecht. Jede Erzählung will einzeln betrachtet und überdacht werden.Für mich war dieses Buch eine sehr interessante Lektüre. 

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  • Anders als erwartet

    Mir ist die Zunge so schwer
    Sanya03

    Sanya03

    06. March 2017 um 16:27

    Ich bin etwas zwigespalten. Ich hatte hohe Erwartungen an das Buch, aber es war deutlich härterer Stoff, als ich gedacht hatte. Zunächst einmal konnte ich immer nur ein kurzes Stück lesen. Es war kein zusammenhängender Text, sondern viele kleine Kurzgeschichten. So weit, so gut. Allerdings haben mich manche Geschichten derart sprachlos hinterlassen, dass ich danach das Buch erst mal für ein paar Tage aus der Hand legen musste. Es gab Geschichten, die einfach ans Herz gingen, voller Unglück und Ungerechtigkeit. Es gab aber auch Geschichten, die mich einfach nur fassungslos gemacht haben. So wie die eines Mannes, der im Krieg einen anderen Mann anschoss und dann einsperrte, sodass dieser qualvoll verblutete. Und dafür nach all den Jahren nicht einmal Reue zu empfinden... Dieses Geständnis gehörte zu denen, die ich lieber nicht erfahren hätte. Es waren einfach viele Menschen in diesem Buch, in die ich mich nicht hineinversetzen konnte. Eine schöne Idee, aber das Lesen hat mich viele Nerven gekostet.

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  • Tabu einer Generation

    Mir ist die Zunge so schwer
    Buchstabenliebhaberin

    Buchstabenliebhaberin

    24. February 2017 um 21:22

    Die Nachkriegsgeneration leidet unter ihren Traumen, unter ihren Erinnerungen, unter der schweren Zeit. Damals wurde vieles einfach hingenommen und viel weniger über das werte Befinden gesprochen. Jeder hatte seine Aufgaben, seine Bestimmung, ein Ausbruch war nicht gewünscht. Die Mutter hatte zu funktionieren, der Vater das Geld zu verdienen, Kinder mussten brav sein. Lucia Leidenfrost verleiht diesen Menschen eine Stimme. Mit bleierner Zunge, voller Scham, Melancholie, und anderen Gefühlen. Es geht um Demenz, Krieg, um verlorene Kinder, verstorbene Eltern, echte und gespielte Behinderung, um den Tod. Meine Lieblingsgeschichten: Hans Warum und Karfreitag am Sonntag.  Hans Warum überrascht mit einem verblüffenden Ende - diesen Humor hätte ich gern öfter gelesen, den fand ich ganz reizend und wundervoll.  Karfreitag am Sonntag ist eine sehr ehrliche Geschichte, ein echtes Zeitzeugnis. Romantik in Beziehungen - Fehlanzeige zur damaligen Zeit. Die Eheleute haben einander gebraucht und fertig. Toll geschrieben! Insgesamt war mir der Ton der Geschichten oftmals zu leise, zu zurückhaltend. Kaum gelesen, sind die Geschichten meist sofort verblasst und ich musste sie noch einmal lesen, um etwas dazu schreiben zu können. Manche musste ich auch mehrmals lesen, und sie haben sich mir trotzdem nicht erschlossen. Ich fand sie auch größtenteils zu kurz, um eine Beziehung aufbauen zu können. Auch fiel der Wechsel direkt zur nächsten, ganz anderen Geschichte dann recht schwer. Und diese sensiblen, schweren Themen hätten mehr Zeit und Raum gut gebrauchen können.

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    • 3
  • Emotionale Rückblicke auf verschiedene Lebenssituationen

    Mir ist die Zunge so schwer
    grit0707

    grit0707

    20. February 2017 um 10:54

    Klappentext: In achtzehn Kurzgeschichten kommen Menschen zu Wort, die zeit ihres Lebens versäumt haben, zu sprechen. Es sind Täter und Opfer, Sehnsüchtige und Missverstandene, Einsame und Trauernde, die erst in hohem Alter mit der Vergangenheit hadern und mühselig ihre Erinnerung ans Licht bringen. Sie sprechen von Geheimnissen, Fehlern und Missverständnissen, von verlorenen Lieben, von Kriegserfahrungen und Schuld. Sie alle verbindet die Schwierigkeit, Vergangenes in Worte zu fassen, und eine tiefe Sehnsucht nach dem Leben. Mit großem Feingefühl und bildgewaltiger Sprache entwirft Lucia Leidenfrost ein Psychogramm der österreichischen Nachkriegszeit. Fast hört man die Stimmen ihrer Figuren, so genau trifft sie deren Ton. Bemerkenswerte Geschichten voller Schönheit, Melancholie und einer Ahnung von Hoffnung. Meine Meinung: Lucia Leidenfrost hat in ihrem ersten Buch 18 Geschichten von Menschen erzählt, die sich ihre Vergangenheit von der Seele reden. Hier kommen die verschiedensten Menschen zu Wort und alle Erzählungen unterscheiden sich voneinander. Der Schreibstil ist angenehm und alle Geschichten lassen sich sehr gut lesen. Natürlich ist es bei den verschiedenen Erfahrungen so, dass die eine Geschichte mehr berührt als die andere. Bei der Geschichte „Gefangenspielen“ hat mir die Rückschlüsse des Erzählers gefehlt, aber ansonsten sind die Erfahrungsberichte nachvollziehbar und oftmals sehr ergreifend. Mein Fazit: Wen Geschichten, die das Leben schreibt interessieren, der ist hier richtig. Bis auf eine Geschichte, bei der mir am Ende der Tiefgang fehlte, haben mir die Erzählungen von Menschen in schwierigen Zeiten sehr gut gefallen. Ich konnte die Geschichten, die doch teilweise sehr emotional beschrieben sind, gut nachvollziehen.

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  • Verspricht mehr, als es halten kann

    Mir ist die Zunge so schwer
    Benne_

    Benne_

    19. February 2017 um 10:44

    In „Mir ist die Zunge so schwer“ schildert Lucia Leidenfrost 18 Schicksale der Nachkriegszeit. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, dennoch verbindet sie alle der Kern der Vergangenheit.  Der Inhalt: Man kann die Handlung nur sehr schwer zusammenfassen, da das Buch aus 18 Erzählungen besteht. Die Diversität dieser Geschichten zeigt sich unter anderem in den Motiven: Tod, das Bündnis der Familie, Reue, Selbstfindung etc. Vor allem diese Motive haben immer wieder andere Facetten gezeigt und meine Gedanken in eine andere Richtung gelenkt. Erst grübelte ich, wie ich mich kurz vor dem Tod fühlen würde: Würde ich etwas in meinem Leben bereuen? Habe ich mich und den Sinn des Lebens gefunden? Man wird oft zum Nachdenken gebracht. Dann überlegte ich, wie es die nächsten Jahrzehnte mit meiner Familie weitergehen würde: Wer sorgt für wen? Kann für die Gesundheit eines jeden gesorgt werden? Der Schreibstil: Der Aussage, das Buch überzeuge mit „bildgewaltiger Sprache“ kann ich nicht zustimmen, das ist aber nur eine persönliche Meinung. Sowohl Dialoge als auch Beschreibungen lasen sich wie ein plumper Text ohne viel Gefühl. Die fehlenden Anführungszeichen trugen dazu bei. Es kann sein, dass man Dialoge auch ohne Anführungszeichen schreiben kann, aber ich als Leser fühlte mich in meinem Lesefluss gestört und der Struktur tat es ebenfalls nichts Gutes. Die Kriterien einer Erzählung/ Kurzgeschichte sind sehr wohl erfüllt: Wenig Charaktere, keine langwierigen Einführungen, kompakte Handlung u.Ä. Trotzdem war es schwer nach 8 Seiten einer Geschichte mit fünf erwähnten, teils handelnden Personen, plötzlich auf eine neue Geschichte zu treffen und zu rätseln, wie denn dort die Verwandschaftsbeziehungen stehen. Daher konnte man nicht lange mit den Personen mitfühlen, die Handlung wurde schnell beendet. Zusammenfassend kann ich sagen, dass Lucia Leidenfrost dem Leser mit „Mir ist die Zunge so schwer“ 18 Erzählungen liefert, die, oft viel zu kurz, von berührenden Erinnerungen verschiedenster Personen erzählen, sodass Jahrzehnte später Eindrücke des Krieges hier niedergeschrieben und greifbar gemacht wurden. Es fehlt mir aber an Originalität, an der Tiefe der Geschichte. Leider waren die kurzen Texte viel zu schnell zu Ende und ließen mich zurück ohne, dass etwas geschehen ist.

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    • 3
  • Stimmgewaltiges Debüt der leisen Töne

    Mir ist die Zunge so schwer
    MrsFraser

    MrsFraser

    17. February 2017 um 18:07

    Lucia Leidenfrosts erstes Buch 'Mir ist die Zunge so schwer' ist eine Sammlung von Erinnerungsfragmenten, die sich thematisch mit dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit danach befassen. Die junge, in Österreich geborene Schriftstellerin schreibt dabei in der Sprache ihrer Figuren, einfach und lebensnah, doch die Gefühle und Stimmungen, die sie mit ihrer schlichten Sprache erzeugt sind überwältigend. In 18 Geschichten kommen alle zu Wort: Täter, Opfer, Kinder, Mütter, Väter, Söhne, Tote, Lebende und diejenigen, die auf den Tod warten oder ihm gerade so entronnen sind. Sie schildern schlicht ihr Leben, das geprägt ist von Erinnerungen bzw. lassen uns an ihren prägendsten Erinnerungen teilhaben. Das scheint ganz banal. Und doch ist dies das bewegendste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Das in den Erzählungen geschilderte Leben ist uns so nah (vieles kenne ich von Familienmitgliedern) und doch scheint es in einer anderen Welt zu spielen. Was früher schon die Kleinsten erlebt haben, welche Verantwortung sie trugen und mit welchen Konflikten sich die Erwachsenen konfrontiert sahen, das scheint ewig weit weg zu sein, und doch muss man auch heute nur über ein paar (Alters-)Grenzen hinweg schauen, um eben diese Menschen zu sehen. Was dieses Buch bedeutend macht, ist die Bandbreite der enthaltenen Geschichten. Hier wird nicht ein Aspekt heraus gegriffen und darauf eine spannende, filmreife Geschichte aufgebaut, hier hat man 18 Geschichten, von denen jede einzelne bewegender ist als ein millionenschweres Kriegsdrama im Kino. Weil die Figuren unsere Großeltern bzw. Eltern sein können (bzw. sind). Und weil ihr Leiden ohne große Show geschildert wird, weil es schlicht und einfach ihr Leben war bzw. ist. Die Sprache von Lucia Leidenfrost ist dabei zwar vordergründig einfach und schlicht, doch voll von tiefgründigen Symbolismen und so lebensnahen Formulierungen, dass sie eine Seite im Herzen anschlagen und dort eine Melodie erklingen lassen. Das Faszinierende dabei ist, dass sie den Leser inspiriert, gleichsam bewegend schreiben zu wollen und ähnlich poetische Formulierungen zu finden, um dem Gelesenen gerecht zu werden. Das habe ich noch nie so erlebt. Es ist die Mischung aus einer zutiefst bewegenden Thematik und dieser anrührenden Sprache, die 'Mir ist die Zunge so schwer' einen ganz besonderen Platz im meinem Herzen gesichert hat.

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  • Kleine Geschichten über das Erinnern

    Mir ist die Zunge so schwer
    misery3103

    misery3103

    15. February 2017 um 12:19

    In Lucia Leidenfrosts Buch "Mir ist die Zunge so schwer" findet man 18 Erzählungen über Erinnerungen an die Kindheit, oft im Krieg, oft mit Entbehrungen verbunden, über Gewalt und das Vergessen. In jeder Geschichte stecken die geheimen Gedanken der erzählenden Personen, ihre Ängste und Sehnsüchte. Beeindruckt haben mich Geschichten wie "Die vom Bach" oder "Hans Warum" (eine makabre Friedhofsgeschichte, die mich schmunzeln ließ) und "Kalbin". Jede Geschichte für sich erzählt von einem Leben, einer Liebe oder verlorenen Angehörigen und nimmt den Leser mit auf eine Reise voller Bilder und Emotionen. Schön zu lesende kleine Geschichten, die einen nachdenklich machen, traurig, aber auch froh, weil man das Geschilderte nicht selbst erleben musste!

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