Lucie Rico

 3 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf

1988 in Perpignan geboren, schreibt Filme in Aubervilliers, Bücher in Perpignan und unterrichtet literarisches Schreiben in Clermont-Ferrand. Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen gewann 2021 den Prix du roman d'écologie und den Cheval Blanc Literaturpreis.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen (ISBN: 9783751845458)

Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen

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Neu erschienen am 30.04.2026 als Taschenbuch bei Matthes & Seitz Berlin.

Alle Bücher von Lucie Rico

Cover des Buches GPS (ISBN: 9783751810593)

GPS

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Erschienen am 26.02.2026

Neue Rezensionen zu Lucie Rico

Cover des Buches GPS (ISBN: 9783751810593)
L

Rezension zu "GPS" von Lucie Rico

Lust_auf_literatur
GPS

Dieser Roman hat mir mal wieder gezeigt, warum ich so den unabhängigen Matthes & Seitz Verlag so schätze. In seinen Programmen finde ich immer wieder ein paar ganz besondere Perlen. 

Wie eben zum Beispiel „GPS“ der französischen Schriftstellerin und Regisseurin Lucie Rico.

Ihre Erzählerin Ariane (ihren Namen erfahre ich erst spät im Roman) lebt sehr zurückgezogen in ihrer kleinen Wohnung und vermeidet die Außenwelt wo sie nur kann. Als Journalistin schreibt sie Artikel über Verbrechen für kleinere, lokale Zeitungen, was sie remote erledigen kann. Als ihre beste Freundin Sandrine sie zu ihrer Verlobungsfeier in einer Parkanlage einlädt, zögert sie erst, kann sich dann aber doch durchringen, die Party zu besuchen. Sie freut sich darauf Sandrine wiederzusehen, kann deren zukünftigen Mann John aber nicht leiden. 


Während dieser Verlobungsfeier verschwindet Sandrine spurlos.

Vor der Party hatte sie noch ihren GPS-Standort mit der Erzählerin geteilt, damit sie leichter zur Location findet.

Jetzt verfolgt die Erzählerin diesen roten Punkt auf ihrem Display und versucht anhand seines Standortes herauszufinden, warum Sandrine von der Party verschwunden ist.

Sie spekuliert über Sandrines Motive und lässt ihre gemeinsame Vergangenheit Revue passieren. Mysteriöserweise scheint sich der rote Punkt (Sandrine) auf Orte ihrer gemeinsamen Vergangenheit zuzubewegen. 

Die Erzählerin verliert sich immer mehr in der digitalen Welt der GPS-Karte, auf der sich der Punkt bewegt. Dann wird an einem See, an dem sich auch der Punkt aufgehalten hat, eine verbrannte Leiche gefunden…


Ja, dieser Roman liest sich wirklich teilweise spannend wie ein Thriller und enthält ähnliche Elemente. Mich erinnert die Art, wie die eingekapselte Erzählerin aus ihrer Wohnung heraus das Geschehen auf ihrem Smartphone verfolgt, sehr stark an „Das Fenster zum Hof“, wobei Rico allerdings im Unklaren lässt, wieviel der Handlung vielleicht nur im Kopf ihrer Erzählerin stattfindet.


Und es ist nicht wirklich ein Thriller, dafür arbeitet Rico viel zu literarisch. Nach meiner Lesart bieten sich verschiedene Interpretationsansätze an und ich finde, das obsessive Verfolgen des GPS-Punkts, der für die Freundin Sandrine steht, könnte für die späte Aufarbeitung ihrer Freundschaft stehen. Oder auch als Prozess des Loslassens und der Trauerarbeit, dass ihre Freundschaft sich nach der Verlobung ändert (oder endet?). Außerdem folgt die Protagonistin Ariane dem GPS ähnlich wie einem Ariadnefaden (beachte die Namensähnlichkeit) durch unsere verwirrende, labyrinthische und angstauslösende moderne Welt.


Interessant finde ich auch, das sich Rico für die zweite Person Singular, also das „Du“ als Erzählposition entschieden hat, also eine zusätzliche Beobachtungspostion, was das Thema des Romans aufgreift.


Der Roman liest sich ausgesprochen spannend und schnell, auch wenn Rico kurz vor dem beschleunigten Schluss abrupt das Tempo drosselt, bis es mit Ein-Satz-Seiten quasi zum Erliegen kommt. Mir macht so was großen Spaß, das könnte aber, genauso wie der interpretationsoffene Schluss, für manche Leser*innen eventuell zu experimentell wirken.


Aber für alle, die gerne besondere literarische Spannung entdecken wollen, ist „GPS“ eine echte Empfehlung!

Cover des Buches GPS (ISBN: 9783751810593)
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Rezension zu "GPS" von Lucie Rico

lesefreude_book
Gute Idee, wirre Umsetzung

Ariane, eine arbeitslose Journalistin für lokale Kriminalfälle, lebt seit zwei Jahren zurückgezogen. Als sie von ihrer früheren besten Freundin Sandrine zu deren Verlobungsfeier im Stadtwald eingeladen wird, scheint es eine seltene Gelegenheit zu sein, wieder Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. Am nächsten Morgen ist Sandrine jedoch spurlos verschwunden. Alles, was Ariane bleibt, ist der geteilte GPS-Standort ihrer Freundin – ein roter Punkt auf der Karte ihres Smartphones, der sich weiter bewegt. Besessen verfolgt sie jede Bewegung und versucht, das Rätsel um Sandrines Verschwinden zu lösen.

Die Grundidee des Buches hat mich sofort angesprochen. Ein verschwundener Mensch, dessen Standort weiterhin über eine geteilte GPS-Verbindung verfolgt werden kann – das ist eine moderne und spannende Ausgangssituation. Gerade in einer Zeit, in der Standortfreigaben und digitale Spuren zum Alltag gehören, steckt darin enormes Thrillerpotenzial. Besonders zu Beginn gelingt es der Geschichte auch, genau diese Spannung aufzubauen. Der rote Punkt auf der Karte wird zu einem starken Symbol für Hoffnung, Angst und Kontrolle zugleich.

Leider verliert sich der Roman im weiteren Verlauf zunehmend. Aus der zunächst klaren und vielversprechenden Prämisse entwickelt sich ein immer abstruserer und verworrener Handlungsverlauf. Statt die Spannung rund um das Verschwinden der Freundin konsequent auszubauen, driftet die Geschichte immer stärker in eine fast surreale Richtung ab. Dadurch wird es zunehmend schwierig, der Handlung zu folgen oder eine klare Linie zu erkennen.

Gerade das Ende hinterließ bei mir ein Gefühl von Chaos. Die Geschichte scheint viele Ideen anzudeuten, bringt sie aber nicht wirklich zusammen. Dadurch wirkt der Roman eher wie ein wirrer Trip als wie ein durchdachter Thriller. Das ist schade, denn die Ausgangsidee hätte durchaus Stoff für eine sehr packende Geschichte geboten.

Ein spannender Ansatz mit einer modernen Thrilleridee, der zunächst großes Potenzial zeigt. Leider verliert sich die Handlung im Verlauf immer mehr und endet in einer verwirrenden und wenig befriedigenden Auflösung.

Cover des Buches GPS (ISBN: 9783751810593)
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Rezension zu "GPS" von Lucie Rico

Sonjalein1985
Der rote Punkt

Inhalt: Seit sie arbeitslos ist, zieht sich die junge Journalistin Ariane immer weiter zurück. Kaum jemand schafft es noch, sie aus ihrem Schneckenhaus zu locken. Eine Ausnahme ist ihre alte Freundin Sandrine, die den Kontakt nie abreißen ließ. Als Sandrine ihre Verlobung in der großen Parkanlage des Stadtwaldes feiert, teilt sie ihren Standort über Google Maps, damit Ariane den Weg leichter findet. Doch nach der Feier ist Sandrine plötzlich verschwunden. Zurück bleibt nur der rote Punkt auf der Karte, der sich unaufhörlich weiterbewegt. Für Ariane wird dieser Punkt schon bald zu einer Obsession, die sie immer stärker in ihren Bann zieht.

Meinung: Dieses Buch ist ungewöhnlich und ich musste mich zunächst an den Schreibstil gewöhnen. Der Leser wird direkt angesprochen, was es leicht macht, sich mit Ariane zu identifizieren. Sie lebt seit ihrer Arbeitslosigkeit sehr zurückgezogen, ist schüchtern und voller Selbstzweifel. Ihre Fantasie jedoch hat sie sich bewahrt. Auch ihr Freund, ein Feuerwehrmann, ist noch Teil ihres Lebens und besucht sie regelmäßig.
Zu ihrer alten Freundin Sandrine, die deutlich aktiver und lebensfroher wirkt, pflegt Ariane weiterhin einen engen Kontakt. Deshalb ist es nur konsequent, dass sie sich trotz ihrer Ängste zur Verlobungsfeier aufmacht. Da Sandrine sie nicht selbst abholen kann, aktiviert sie das Standort teilen über Google Maps. Als das Signal jedoch auch nach Sandrines Verschwinden aktiv bleibt und Ariane auf eine gedankliche Reise in die Vergangenheit mitnimmt, entwickelt sich daraus eine intensive Besessenheit.
Das Buch hebt sich definitiv von der Masse ab. Ich hätte mir stellenweise etwas mehr Spannung gewünscht. Auch wenn ich Ariane in vielen Momenten verstehen konnte, bin ich mit den Figuren insgesamt nicht ganz warm geworden. Dennoch regt die Geschichte zum Nachdenken an, über Freundschaft, über das Leben und über unseren Umgang mit Technik.

Fazit: Ein interessantes und etwas anderes Buch, das zum Nachdenken anregt. Nicht perfekt, aber auf jeden Fall lesenswert.

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