Es ist natürlich immer schwer, ein überarbeitetes Buch zu bewerten. Ich kenne die Originalfassung nicht und frage mich daher natürlich: Wie viel Lucinda Riley steckt hier drin? Wie wäre die Geschichte, hätte sie sie selbst überarbeiten können? Darauf wird man natürlich keine Antworten bekommen, deswegen muss man die Dinge so nehmen wie sie sind.
Dieses Buch lässt definitiv ihre Züge erkennen. Frauen im Mittelpunkt, ernste Thematiken und eine Geschichte aus der Vergangenheit, die die Gegenwart beeinflusst, auch wenn der Aufbau anders ist als in ihren späteren Werken. Der Lesefluss wird ebenfalls nicht gestört, sprachlich habe ich nichts auszusetzen.
Die Geschichte rund um Leah hat mir gut gefallen. Neid, Missgunst, Unterdrückung, Stalking, Gewalt, Misogynie. Aktuelle und wichtige Themen. Mittendrin eine Frau, die in eine fremde Welt geworfen wird, niemals vergisst, wo sie herkommt und stets für ihren eigenen Werte einsteht und sich nicht verbiegen lässt. Gleichzeitig wird aber auch das Gegenteil aufgezeigt. Viele Frauen werden Opfer emotionaler Manipulation und dem Teufelskreis der Abhängigkeit zu entfliehen, ist nicht einfach. Es ist wichtig, über diese Thematiken zu sprechen, Frauen zu zeigen, dass sie nicht allein sind und auch keine Schuld tragen.
Die Geschichte aus der Vergangenheit betrachte ich zwiegespalten. Der Holocaust darf niemals vergessen werden, wenn man sich entscheidet, darüber zu schreiben, sollte man dem Ganzen allerdings auch gerecht werden und das ist hier nicht unbedingt gelungen. Es hatte definitiv gute, ernste Momente, wurde stellenweise aber doch etwas abstrus und hat den Fokus für mich zu sehr verlagert. Diesem ganzen Zeitstrang hat es an Tiefe gefehlt und auch die Verstrickungen in die Hauptgeschichte waren mir einfach zu absurd und unglaubwürdig.
Die Liebesgeschichte geht beinah gänzlich unter, große Gefühle und Romantik kommen gar nicht auf.
Mein größter Kritikpunkt ist allerdings die allgemeine düstere Stimmung des Buchs. Die einzelnen Thematiken sind schwer und definitiv nicht leicht zu verdauen, von Lucinda Riley ist man es aber sonst meist gewohnt, dass am Ende das Positive gewinnt und man die Schrecken der Vergangenheit zurücklässt. Man muss dabei nicht kitschig werden, aber hier ist man einfach buchstäblich bis zum letzten Satz negativ geblieben und mir erschließt sich nicht, warum das als notwendig erachtet wurde. Das hätte man genauso gut weglassen können. So bleibt nach dem Lesen hauptsächlich Negativität und Düsternis übrig und wenn man sich danach sehnt, braucht man in der heutigen Zeit ja nicht nach einem Buch zu greifen. Das Buch zieht eher runter, als dass es unterhält.
Wenn man nach einem Roman mit mehr Heiterkeit sucht, sollte man definitiv eines ihrer anderen Werke vorziehen.