Lucy Fricke

 3.8 Sterne bei 86 Bewertungen
Autorin von Ich habe Freunde mitgebracht, Töchter und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Lucy Fricke

Hamburgs Allroundtalent: Die 1974 in Hamburg geborene, mehrfach ausgezeichnete, Autorin zeichnet sich durch vielseitige Talente aus. Nicht nur ist sie schriftstellerisch tätig - ihr erster Roman "Durst ist schlimmer als Heimweh" erschien 2007 - sondern sie engagiert sich auch für junge Musik und Literatur. Dies tut sie, als Veranstalterin des Hamburger Festivals HAM.LIT, das 2010 erstmals stattfand. 2005 gewann, die in Berlin lebende Autorin den Berliner "Open Mike". Auch hier konnte sie mit ihren Werken die Zuhörerschaft von ihren schreiberischen Fähigkeiten überzeugen. Beruflich war sie zuvor lange Zeit in der Film- und Fernsehproduktion als Schnittassistentin und Script/Continuity tätig. Ihr im Februar 2018 erschienener Roman "Töchter" knüpft an ihrem Erfolg an und erzählt die Erlebnisse zweier bester Freundinnen, die mit einem todkranken Vater eine Reise antreten, die in der Schweiz enden soll.

Alle Bücher von Lucy Fricke

Töchter

Töchter

 (22)
Erschienen am 20.02.2018
Ich habe Freunde mitgebracht

Ich habe Freunde mitgebracht

 (26)
Erschienen am 02.04.2012
Durst ist schlimmer als Heimweh

Durst ist schlimmer als Heimweh

 (18)
Erschienen am 24.10.2014
Takeshis Haut

Takeshis Haut

 (18)
Erschienen am 27.11.2015
Töchter

Töchter

 (1)
Erschienen am 23.07.2019

Neue Rezensionen zu Lucy Fricke

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Buchstabenliebhaberins avatar

Rezension zu "Töchter" von Lucy Fricke

Töchter bleiben Töchter
Buchstabenliebhaberinvor 3 Tagen

Dieses Buch ist nicht für Menschen unter vierzig geeignet. Und eine eigene suboptimale Kindheit ist hilfreich, um dieses Buch zu lieben und zu verstehen.

Es geht um Verdruss, um neue und alte Wunden, das Altern, Freundschaften, Familie und was man dafür hält. Um Verständnis und Eigenheiten, Krankheiten und unerfüllte Wünsche, ein Leben das einem immer schneller vorkommt, weil man selber langsamer wird. 

Klingt deprimierend, ist aber saukomisch mit Tiefgang. Weil Lucy Fricke schreiben kann! Schon nach 3 Seiten dachte ich mir, wie schade dass das Buch so dünn ist, diese Sätze möchte ich endlos genießen.

"Schön war ich immer nur in der Vergangenheit. Das Alter kam über Nacht, und es kam immer wieder."(S.14)

Betty idealisiert Ernesto, der ihr mehr Vater war als all die anderen Männer, die ihre Mutter im Lauf ihrer Kindheit anschleppte. Aber Ernesto verschwand eines Tages, ohne Abschied. Seit zehn Jahren will sie sein Grab in Italien besuchen. Jetzt macht sie sich auf den Weg. Aber sie schafft es nicht. Ein Anruf ihrer besten Freundin Martha holt sie zurück, es gilt, Marthas totkranken Vater zum Sterben in die Schweiz zu fahren. Die beiden Freundinnen machen sich mit dem sterbenden Kurt auf der Rückbank auf den Weg.

"Ein Herzinfarkt ist leidenschaftslos. Tätowierungen hingegen sind ins Fleisch gebrannte Geschichten. Also, diese Generation ist gut vorbereitet auf die Demenz. Da können sie ihren Körper anschauen und sich erinnern, der Rest lagert in der Cloud. Am besten lässt man sich schon jetzt das Passwort über die Pulsader stechen."(S.38)

Das Verhältnis von Kurt und Martha ist kompliziert, seine Sterbehilfelüge ist da nicht hilfreich. Er will zum Lago Maggiore. Also fahren Betty, Martha und Kurt nach Italien. Und das Grab von Ernesto wird in diesem Aufwasch gleich mit eingeplant.

" Martha sang aus Angst. Ein Verhalten, dass ich so lang für einzigartig gehalten hatte, bis ich in einem Flugzeug saß, dass dem Boden entgegenrauschte. Während wir stürzten, begann jeder vierte Passagier zu singen, es war ein zerrissener Chor der Furcht, ein disharmonischer Kanon, der durch die Maschine waberte und schließlich, als so etwas wie Stabilität einkehrte und wir uns kontinuierlich wieder nach oben bewegten, nach und nach verklang."(S.89)

Unsere Geschichte ist in der Rückschau nicht mehr dieselbe. Vor allem, wenn Väter und Töchter die Erinnerungen neben einander legen und vergleichen. 

"Damals, als ich noch nicht ahnte, dass eine Offenbarung mich um die Erinnerung bringen konnte. Ich wollte spucken auf die Schönheit, die so unschuldig tat."(S.235)

Das Leben ist kompliziert, anstrengend, und oft ungerecht. Zu uns allen, auch unseren Eltern ergeht es da kein Stück anders. Eine Auseinandersetzung mit den Menschen um uns herum lohnt sich, der Blick in die eigenen Abgründe.

So habe ich das Buch verstanden. Für mich ist es melancholisch, versöhnlich, und zutiefst menschlich. Leseempfehlung!

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Rezension zu "Töchter" von Lucy Fricke

Ein 'Lese-Roadtrip'
Malistavor 3 Monaten

Eine intensive Geschichte verpackt in einen Roadtrip. So fühlt man sich auch beim Lesen: Geradeaus, Kurven dann eine Anhöhe und wieder ein Tal. Nur der Schluss gleicht eher einer Serpentinenstraße die ins Nirgendwo führt. 

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Rezension zu "Töchter" von Lucy Fricke

Wilde Fahrt mit Tiefgang
Teewurstvor 5 Monaten

„Martha und ich entschieden uns fürs Durchbrettern. Vor uns hatten wir das Ziel, von hinten drängte das Unglück. Wir waren eingeklemmt zwischen Vätern, Erinnerungen und Tod, wir glaubten, wir könnten alles überwinden, indem wir schneller fuhren.“

Ich-Erzählerin Betty lässt sich mit ihrer Freundin Martha auf eine Reise in einem klapprigen Golf ein, deren Ziel der Tod sein soll: Nämlich der von Marthas Vater, der schwer krank ist und seinem Leben ein selbstbestimmtes Ende setzen möchte. Doch alles kommt ganz anders, statt in der Schweiz landet die Reisegruppe in Italien und später in Griechenland, mal scheint alles möglich, mal gar nichts. 

Die beiden Frauen um die 40 sehen sich bei diesem Roadtrip nicht nur mit vielen schrägen Begegnungen konfrontiert, sondern auch  mit Tod und Leben, Verlust und Nähe, Abschied und Wiedersehen, Sehnsucht und Enttäuschung, Wunsch und Realität, Sinn und Unsinn. Dieser Roman pendelt zwischen Gegensätzen, wie so häufig liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen und jede der Frauen hat ihr ganz eigenen Päckchen zu tragen. 

Die Themen sind beileibe keine leichte Kost, aber mit leisem Witz und überraschenden Wendungen macht Lucy Fricke auch Schweres erstaunlich gut verdaulich - vermeintlich. Denn: Auch wenn der Schreibstil ein Vergnügen ist und ich den Roman ratzfatz ausgelesen hatte, blieb ich etwas unschlüssig zurück und erwischte mich dabei, dass ich am Inhalt doch noch etwas länger zu knabbern hatte. Und doch oder gerade deshalb hat mir das Buch gefallen, auch weil es eine besondere Frauen-Freundschaft beleuchtet.

„Bei diesem Satz lachte Martha zum ersten Mal seit unserer Abfahrt. Sie hörte gar nicht mehr auf. Sie lachte Tränen, und ich auch. Es gab niemanden, mit dem ich so lauthals über das Unglück lachen konnte wie mit ihr. Das war einer der Gründe, warum ich sie so schätzte. Die wenigsten Frauen lachen über das Unglück, schon gar nicht über ihr eigenes.“

„Töchter“ ist zweifelsohne ein besonderes Buch, und doch kann ich nur vier Sterne geben, weil mir die Entwicklungen besonders zum Schluss ein bisschen zu wild sind. Aber spannend, unterhaltsam und lesenswert erzählt ist diese ungewöhnliche Geschichte allemal. 

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Gespräche aus der Community

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ROZUBIs avatar

Leserunde zu "Durst ist schlimmer als Heimweh" von Lucy Fricke - ET 24.10.14
 
Ihre Jugend war hier zu Ende, und Judith wäre jetzt gerne allein gewesen. Denn schon das Wort Gruppenabend hatte Panik in ihr ausgelöst. Judith verabscheute Gruppen, Gruppenspiele, Gruppensport, das klang für sie nach dem Befund einer tödlichen Krankheit: Es tut mir leid, aber Sie haben Gruppe. Wie konnte ausgerechnet sie in einer betreuten Wohngemeinschaft landen? Ohne Drogen, ohne Waffen, dafür an jeder Ecke etwas, das sie Hilfe nannten.

Als Hoffnungslose unter Hoffnungslosen taumelt Judith durch Therapien, Aushilfsjobs und durch die erste Verliebtheit. Sensibel, drastisch und mit lakonischem Witz erzählt Lucy Fricke von Verlustschmerz und Aufruhr beim Abschied von einer desaströsen Jugend.
 
Auch diesmal verlosen wir unter allen Bewerbern eins von 10 Exemplaren! Bewerben könnt ihr euch bis zum Erscheinungstermin,
dem 24. Oktober, indem ihr folgende Frage beantwortet:
 
Was gefällt euch an einem nächtlichen Spaziergang durch die Stadt?
 
Wir sind gespannt, was euch nachts an eurer Stadt begeistert und ob ihr auch die Einsamkeit ab und an ein wenig genießt! An alle, die leider nicht gewinnen - lest gerne mit - ein fantastischen Buch, welches berührt und zwar ganz tief drinnen ...
 
Beste Grüße,
 
Till
 
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