Ludger Fittkau

 5 Sterne bei 3 Bewertungen

Lebenslauf von Ludger Fittkau

Der gebürtige Essener Ludger Fittkau, geb. 1959, studierte Sozialpädagogik. Ab Mitte der 80er-Jahre war er in der offenen Jugendarbeit in Essen und Oberhausen tätig, seit 1994 als freier journalistischer Mitarbeiter u. a. für den WDR und den Deutschlandfunk. An der Fernuniversität Hagen absolvierte er ein Studium der Sozialwissenschaften, 2006 wurde er im Fach Soziologie promoviert. Seit 2013 berichtet Ludger Fittkau als Landeskorrespondent aus Hessen für den Deutschlandfunk.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Ludger Fittkau

Cover des Buches Die Konspirateure (ISBN:9783806238938)

Die Konspirateure

 (3)
Erschienen am 01.02.2019
Cover des Buches Ruhrkampf 1920 (ISBN:9783837513486)

Ruhrkampf 1920

 (0)
Erschienen am 23.12.2014

Neue Rezensionen zu Ludger Fittkau

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Rezension zu "Die Konspirateure" von Ludger Fittkau

Interessante Hintergrundinformationen zum 20. Juli 1944
Patnovor 5 Monaten

Mit dem 20. Juli 1944 verbinde ich den Namen Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Es war der Tag, an dem er einen Sprengkörper im Führerhauptquartier Wolfsschanze deponierte. 
Bislang war mir allerdings nicht bekannt, dass hinter den Attentatsplänen auf Adolf Hitler auch ein gewaltiges Netz an zivilen Widerständlern existierte. 

Ludger Fittkau und Marie-Christine Werner haben nach Spuren gesucht und sich mit den Frauen und Männern des Leuschner-Netzes näher auseinandergesetzt. 
Ihr Buch „Die Konspirateure“ ist am 13.02.2019 bei wbg Theiss erschienen. 
Es waren Nicht-Militärs, die hier Pläne schmiedeten. 
„Die Konspirateure verstanden das Handwerk der Maskierung, des Verschleierns. Sie bewegten sich unauffällig auf Bahnhöfen, in Kneipen, in abgelegenen ländlichen Rückzugsräumen. Die Topographie des zivilen Flügels des 20.Juli 1944 war weit verzweigt, führte oft auch weg von den Zentren an die urbane Peripherie oder eben aufs Land.“ ( Auszug aus dem Buch) 
Man traf Vorbereitungen für eine Zeit nach Hitler. 
Leuschner und seine Konspirateure sollten die Gestapo entmachten, Radiostationen stürmen und Rathäuser vereinnahmen. 
Marie-Christine Werner und Ludger Fittkau haben den zivilen Widerstandskämpfern mit diesem Buch ein Denkmal gesetzt.
Es sind Namen wie Emil Henk, Gustav Kettel, Anna Beyer, Ludwig und Elisabeth Schwamb, Adolf Reichwein, die Ehepaare Margot und Christian Fries sowie Ludwig und Elisabeth Schwamb u.v.m.
Allen voran Wilhelm Leuschner, der bereits 1934 Kontakt mit ehemaligen Gewerkschaftlern und Sozialdemokraten suchte, um gemeinsam den Widerstand zu organisieren. 
Die Konspirateure mussten damit rechnen enttarnt zu werden. Nach dem gescheiterten Attentat wurden viele von ihnen gefoltert und ermordet. 

Das Sachbuch ist flüssig und gut verständlich geschrieben. 
In jedem Kapitel thematisieren die Autoren einen anderen Schauplatz mit den dort agierenden Konspirateuren. 
Dabei gewähren sie kurze biografische Einblicke in ihre Leben. Ergreifende Geschichten, die mich in die damalige Zeit zurückversetzen. 
Das Buch ist umfassend recherchiert und überzeugt mit vielen interessanten Details und anschaulichem Bildmaterial. 
Ich sympathisiere mit Akteuren, frage mich, wie stark man sein muss, um seine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund zu stellen, um der guten Sache zu dienen und dabei sogar sein Leben aufs Spiel zu setzen. 
Leuschner hatte ein verflochtenes, gut organisiertes System aufgebaut, welches im Geheimen agierte. Vermutlich hätten die Akteure ihre Aufgabe sorgfältig ausgeführt, wenn sie dazu Gelegenheit bekommen hätten. 
Zum besseren Überblick befinden sich im Anhang des Buches Eckdaten der wichtigsten Akteure seines Netzes, Anmerkungen und Bildnachweise. 

Wer sich für die Thematik des 20.Juli 1944 interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei. 


Ein bislang wenig bekanntes Stück Zeitgeschichte, exzellent aufgearbeitet  mit hohem Informationsgehalt.

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Rezension zu "Die Konspirateure" von Ludger Fittkau

Ein wichtiges Stück Zeitgeschichte
Sikalvor 8 Monaten

Wer kennt sie nicht? Die Namen des Widerstands gegen Hitler, über die unzählige Bücher geschrieben wurden, Filme gedreht wurden, denen unsere Bewunderung gilt. Doch wie viele Menschen wirklich im Widerstand gegen dieses politische System waren, wie viele ein Rädchen im Netzwerk rund um Graf von Stauffenberg darstellten, war mir nicht bewusst. Klar kennt man Stauffenberg und bringt ihn mit dem Attentat gegen Hitler am 20. Juli 1944 in Verbindung. Doch es gab auch andere, unbekannte Namen, die tapfer ihr Leben hintan stellten, um einer großen wichtigen Sache zu dienen.

 

Dieses Buch will die Hintergründe des Attentats beleuchten – es geht um Zivilpersonen, die vieles riskierten um zu unterstützen, um heimliche Treffpunkte, um tarnen und täuschen. Es geht hier um das Netzwerk, um Widerstandsorganisationen, die im Falle des Falles – also, beim Gelingen des Attentats – parat gestanden wären. Diese Menschen hätten von heute auf morgen das politische Leben nach dem Umbruch übernehmen können, hätten Radiosender ebenso übernommen wie die öffentliche Verwaltung.

 

Interessant finde ich, dass es keine bestimmte Menschengruppe war, die sich hier gegen das System stellte. Sie agierten als Kaufleute, Händler, waren Polizisten, Lokalbetreiber oder sonstiges – möglichst unauffällig mussten sie reisen können oder zu Treffen erscheinen. Diese fanden oft an sehr unüblichen Orten statt, oft mitten in Menschenmengen oder auch im Hinterzimmer oder auf einem Berggipfel.

 

Sie verteilten Flugblätter, vernetzten sich über Grenzen hinweg, versteckten Juden oder verhalfen ihnen zur Flucht. Wenn man bedenkt, wie gefährlich ihr Tun war (und viele bezahlten mit ihrem Leben), muss man wirklich den Hut vor ihnen ziehen.

 

Die beiden Autoren Marie-Christine Werner, Redakteurin und Moderatorin beim SWR, und Ludger Fittkau, Journalist, haben hier eine beeindruckende Sammlung an Namen herausgebracht. Personen, die es verdienen, nicht in Vergessenheit zu geraten.

 

Ein wichtiges Stück Zeitgeschichte, das nicht in Vergessenheit geraten darf. Gerne vergebe ich dafür 5 Sterne.

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Rezension zu "Die Konspirateure" von Ludger Fittkau

Gegen das Vergessen
Igelmanu66vor einem Jahr

»Immer schauen, ob jemand gezielt hinter einem hergeht oder nicht. Die Bahnhöfe, die Züge bieten den Schutz der Menschenmasse, aber in der hektischen Menge lauert auch jederzeit Gefahr. Die Polizeistationen sind nicht weit von den Gleisen entfernt. Die Knotenpunkte werden von den Behörden überwacht, damals wie heute. Durchatmen kann, wer weit draußen ist. Am Strand eines Seebades. Oder in den Bergen, wenn man beim Wandern genau sehen kann, dass einem niemand folgt.«

 

Den Namen Claus Schenk Graf von Stauffenberg kennt vermutlich jeder und bringt ihn auch ohne Detailkenntnisse mit dem Attentat des 20. Juli 1944 in Verbindung. Der deutsche Widerstand war jedoch nicht auf diesen prominenten Namen beschränkt, es gab weitverzweigte zivile Widerstandsstrukturen, die wichtige Arbeit leisteten und ohne die ein erfolgreiches Attentat in der Folge nicht zum Ziel geführt hätte.

Leider schwinden die Namen dieser zivilen Verschwörer aus der kollektiven Erinnerung immer mehr – wenn sie denn überhaupt je präsent waren. Dieses Buch hat sich die Aufgabe gestellt, gegen das Vergessen zu arbeiten und die vielfältigen Aktivitäten der Männer und Frauen (neu) bekannt zu machen.

 

Es würde vermutlich kaum möglich sein, alle Widerständler namentlich zu erfassen, aber hier wird schon eine ordentliche Anzahl vorgestellt. Interessant ist dabei die Gliederung des Buchs nach Orten ihrer Aktivitäten. Einige davon befinden sich ganz in meiner Nähe, andere kenne ich von Reisen und ich muss sagen, es berührt mich auf eigenartige Weise, wenn ich mir vorstelle, dass sich nur wenige Straßen entfernt Menschen trafen, die aktiv und mutig gegen Hitler und sein Schreckensregime arbeiteten.

 

Wer waren nun diese Menschen? Sie kamen aus verschiedenen sozialen Milieus, hatten teils große politische Differenzen, doch sie einte, dass sie »aus einem Geist heraus empfanden, dachten und handelten«. Wichtiger als Dinge, die Menschen sonst trennt, war das gemeinsame Ziel. Man begegnete sich mit Achtung, schloss Freundschaften und hatte großes Vertrauen zueinander. Wenn man sich vor Augen führt, wie gewaltig und gefährlich der Feind war, gegen den sie kämpften, war das auch unbedingte Voraussetzung. Sehr interessant fand ich auch die Ausführungen zu Frauen im Widerstand, die beachtliche Leistungen brachten!

Die verschiedenen Vereinigungen waren in ihrer Größe sehr verschieden. Das Leuschner-Netz beispielsweise war sehr groß und weit verzweigt, umfasste im Wesentlichen den deutschen Südwesten, die Rheinschiene und Teile des Ruhrgebiets.

 

Fasziniert las ich, wie Menschen ihr Leben ausrichteten, was sie alles (noch zusätzlich zur Gefahr) in Kauf nahmen, um bestmöglich agieren zu können. Da wurde der Beruf des Händlers ergriffen, um eine Rechtfertigung für die zur Kommunikation untereinander notwendigen häufigen Reisen zu haben. Da wurde auf Privatleben verzichtet oder – besonders heftig – Mitgliedschaften in der SS angestrebt, um Informationen über geplante Aktionen zu bekommen. Die schweren persönlichen Gewissenskonflikte, die so etwas mit sich bringt, kann man sich leicht vorstellen. Solche Widerständler landeten nach dem Krieg zudem in Internierungslagern der Alliierten und mussten um ihre Anerkennung als NS-Gegner kämpfen. Nicht immer erfolgreich.

 

Das Verstecken von Juden, Verteilen von Flugblättern, die Pflege internationaler Kontakte und Pläne für die Zeit „danach“ bestimmten den Alltag der Konspirateure. Wäre das Attentat vom 20. Juli erfolgreich gewesen, wäre sogleich ein ausgeklügelter, flächendeckender Plan angelaufen, um Rathäuser, Radiostationen und Polizeiposten auch kleinerer Orte schnell von Regimegegnern zu übernehmen. Es ging schließlich nicht nur um den Tod Hitlers, sondern um die Beendigung des Kriegs und des Massenmords an den Juden. Viele der Akteure wirkten dann auch nach Kriegsende am Aufbau der Bundesrepublik Deutschland mit. Andere zahlten für ihre Arbeit einen hohen Preis, kamen ins KZ, wurden gefoltert und teils noch kurz vor Kriegsende hingerichtet.

 

Trotz des schweren Themas liest sich das Buch sehr leicht. Kurze Kapitel unterstützen dies noch, eingestreute Fotos lockern weiter auf. Ein umfangreicher Anhang zeigt die gründliche Recherche-Arbeit der Autoren und bietet Kurzbiographien der im Buch vorgestellten Personen.

 

Fazit: Ein wichtiges Buch! Diese tapferen Männer und Frauen haben einen Platz im kollektiven Gedächtnis verdient!

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