Ludwig Endres Yesterday when I was young – oder war’s vorgestern?

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Inhaltsangabe zu „Yesterday when I was young – oder war’s vorgestern?“ von Ludwig Endres

Das Buch (zu bestellen bei LudwigEndres@Hotmail.com) ist ein Beleg dafür, dass der Autor erlebnismäßig mit Ludwig Thoma nicht nur den Vornamen teilt. Meist humorvoll und mit einem Augenzwinkern erzählt, an verschiedenen Stellen jedoch auch nachdenklich und tiefgründig. Der bekannte Extremsportler, Motivationstrainer und Buchautor Hubert Schwarz meint zu diesem Buch: „Nachdem mir Ludwig vor kurzem sein Manuskript überreicht hatte, konnte ich fast nicht mehr aufhören darin zu lesen. Ich kann mich nicht entsinnen, wann ich das letzte Mal so lange wach in meinem Bett gelegen bin und jede Zeile aufgesogen habe. Nicht nur weil viele Erinnerungen in mir geweckt wurden, sondern auch, weil Ludwig so viel Wahrheit mit Tiefsinn erzählt. Ludwig beschreibt in seinem Buch viele Situationen und Erlebnisse und hält uns allen den Spiegel vor, denn letztendlich sind es die Geschichten unserer Kindheit, welche in unserem Leben Spuren hinterlassen. Dieses Buch wird Impulse geben auf der Suche nach dem eigenen Sinn des Lebens, ganz praktisch, ohne zu belehren oder vorzuschreiben. Es wird alle seine Leser in die eigene Kindheit zurückversetzen und viele Anreize dazu bieten, uns wieder auf unsere Wurzeln zu besinnen.“ Ein kleiner Auszug: . . . Das war aber nicht das erste Mal, dass ich unter dem Zusammenwirken meiner ganzen Familie in solcher Form hinters Licht geführt wurde. Bereits ein, zwei Jahre zuvor, wurde ich unter Beihilfe aller Familienmitglieder auf den anstehenden Besuch des Nikolauses vorbereitet. Vorbereitet trifft die Sache sicher nicht ganz. Es war eher ein abgestimmtes Bedrohungsszenarium, was da vor mir aufgebaut wurde. Und dann war es so weit. Es klingelte und der angedrohte Nikolausbesuch bekam ein konkretes Gesicht oder sollte ich lieber sagen einen Überzug. Was ich mir von den mir bereits bekannten Schokoladennikoläusen abgeleitet hatte, stand jetzt nicht so wirklich vor mir. Dieses zappelnde Etwas war in einen Bettüberzug verhüllt, der mir irgendwie bekannt vorkam. So ein Zufall, hatte doch der Nikolaus tatsächlich als Verkleidung das gleiche Gewand, wie meine Eltern als Bettwäsche. Wir mussten im gleichen Geschäft einkaufen. Wahrscheinlich beim Bekleidungshaus Nüsslein oder im Textilfachgeschäft Zottmann, obwohl wir uns dort noch nie begegnet waren. Wobei der Nüsslein ja gar keine Bettwäsche sondern nur Bekleidung in seinem Sortiment hatte. Zumindest hatte ich dort keine Bettüberzüge als Herren- oder Damenmode gesehen. Doch damit der Gemeinsamkeiten nicht genug. Der Nikolaus hatte zudem eine Stimme, die der meiner Großmutter so ähnlich war, dass man annehmen musste, sie würde unter dieser abenteuerlichen Verkleidung stecken oder zumindest eng mit dem Nikolaus verwandt sein. Meine erste Frage ging dann auch in diese Richtung: „Omma, bischd des du?“ Worauf der Nikolaus, er musste aufgrund seines Dialektes ein gebürtiger Spalter sein, antwortete, dass ich jetzt brav sein sollte, sonst würde es mit Geschenken schlecht aussehen und er aufgrund meines Verhaltens nicht ausschließen können, dass er mich mitnehmen müsste. Trotzdem ging die ganze Sache dann doch ziemlich undramatisch zu Ende. Und da der Nikolaus schon mal da war, hat er auch die mitgebrachten Sachen an mich übergeben. Es war zwar nicht sehr viel, aber das ewige Hin- und Herschleppen hatte er anscheinend doch satt. Gleichzeitig musste er ja beide Hände frei haben, um zu verhindern, dass ich unter seinen Umhang krabbeln konnte um abzuklären, ob nicht nur seine Stimme sondern auch sein Aussehen meiner Oma so ähnlich wäre. Kaum hatte dieser Bettwäsche-Nikolaus die Wohnung verlassen, klingelte es erneut. Freudig öffnete ich die Tür in der Annahme, dass der Nikolaus festgestellt hatte, dass er aus Versehen einige Geschenke zu wenig hiergelassen hatte. Aber es war meine Großmutter, die mich, offensichtlich noch im-mer ganz gefangen in ihrer Rolle, jetzt mit der zum Nikolaus passenden, verstellten Stimme begrüßte und mir anschließend Glauben machen wollte, dass sie ganz enttäuscht sei, den Nikolaus so knapp verpasst zu haben. Wahrscheinlich war auch der Nikolaus ziemlich enttäuscht, dass er meine Oma nicht mehr gesehen hatte, da sie so schnell war, dass sie sich in ihrer Nikolausrolle selbst überholt hatte. Ich bin mir sicher, sie hätte nur das von ihr getragene Bündel aufwickeln und den Inhalt überziehen müssen und sie und der Nikolaus wären sich begegnet. Dann wären beide vereint in einer Person, also sozusagen als abgespeckte Version der Heiligen Dreifaltigkeit, dort gestanden, wo meine Oma gerade alleine stand. . . .“ Oder wie gefällt Ihnen dieser Auszug? „ . . . „Brobier blouß nedd, oahn ä su z‘machn, wäischd du bischd. Weil du waschd däs und dä Herrgodd wass des a: Oahner vo deiner Sordn langd!“ Also zugegeben, so hat er das nicht gesagt, der Emerson Ralph Waldo. Was uns gleich zeigt, dass er kein Franke war. Er hat’s ja nicht einmal so gesagt: „Versuche nie, jemanden so zu machen, wie du bist. Denn du weißt es und Gott weiß es auch: Einer von deiner Sorte ist genug.“ Nein, seine Empfehlung kam in English: „Never try to make any-one like you: You know and God knows, that one of you is enough.” An wen und in welcher Sprache auch immer Ralph Waldo Emerson diese Empfehlung gerichtet hat, sie war auf jeden Fall in einem gewissen Sinn zu umgehen. Mich gab es nur einmal. Aber dafür gab es Charlie, meinen Cousin. Auch er war einmalig. Das Problem war jedoch, dass wir uns trotzdem sehr ähnlich waren. Und dort wo wir uns etwas unterschieden, führte dies meist dazu, dass der eine noch etwas schlimmer oder spitzbübischer war als der andere. Wir haben uns sozusagen hervorragend ergänzt – zum Schrecken der anderen. Deshalb versuchte man uns im Verwandtschaftskreis wann immer es ging, so selten wie möglich gemeinsam auftreten zu lassen. Was allerdings nicht immer mit ausreichendem Erfolg gelang. Wenn ich es in den Augen meiner Eltern wieder einmal recht schlimm trieb, kam von ihnen der Hinweis, dass ich nach meinem Onkel Anton komme. Dieser muss in der Generation vor mir eine lausbubenhafte Berühmtheit gewesen sein. Darüber wurde aber in unserer Familie im Detail nicht viel geredet, so dass meiner Phantasie, in meinem Bemühen ihm nachzueifern, keine Grenzen gesetzt waren. Das wenige, was ich über meinen Onkel erfahren konnte, war so viel wie fast gar nichts. Es wurde einfach nicht darüber gesprochen. Höchstens gedroht, dass es mir wie ihm ergehen könnte. Was war damit gemeint? Letztlich wusste ich, dass er als vermisst galt, also aus dem Krieg nicht mehr zurückgekehrt war. Waren diese Aussagen deshalb so zu verstehen, dass ich eines Tages ebenfalls spurlos verschwinden würde? War das wirklich in diesem Sinn als Warnung gemeint oder gar als Drohung? Musste ich nach diesen deutlichen Hinweisen stets auf der Hut sein und entsprechende Vorkehrungen treffen, die mein plötzliches Verschwinden unmöglich machen sollten? Wären hier Anregungen von Hänsel und Gretel genau die Hilfen gewesen, die ich in der nächsten Zeit dringend benötigt hätte? Ich weiß es nicht, kann aber Entwarnung geben: Ich bin immer noch hier. So war über meinem Onkel Toni stets nur die eine oder andere unpräzise Andeutung herauszulocken. Doch wie gesagt, immer wurde dabei unmissverständlich unterstrichen, dass mein Verhalten ganz klar in seine Richtung tendierte und dass dies nicht gut war. Dabei habe ich niemals die beim Neuwirt wartenden Pferde, die Fuhrwerken vorgespannt waren, während die dazugehörenden Bauern sich dort die eine oder auch andere Halbe Bier genehmigten, durch gezielte Steinwürfe dazu gebracht, den Wagen trotz angezogener Bremse und ohne den dazugehörigen Bauern vorzeitig nach Hause zu ziehen. Die zu meiner Zeit dort geparkten Traktoren waren solchen Maß-nahmen gegenüber ziemlich tolerant. Okay, dafür konnte mein Onkel bei den Pferden und den eisenbereiften Leiterwagen die Luft nicht aus den Reifen lassen. Auch dass mein Onkel ziemlichen Hunger hatte, als er in der Bäckerei Herzog einen Laib Brot aus dem Regal nahm und diesen herzhaft angebissen hat, wurde ihm kaum strafmildernd angerechnet. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass ich beim Bäcker, weder beim Herzog noch beim Baulabeck und schon gar nicht beim Menzel oder Grau, so ungeniert in die Auslagen gebissen hätte. Jedenfalls wurden all diese Andeutungen zu den Parallelen mit meinem Onkel von meinen Eltern und meiner Oma nie im Zusammenhang mit positiven Aktionen gemacht. Auch die gab es wirklich bei mir. Meiner Ansicht nach sogar öfter als von meinen Eltern wahrgenommen. Aber wahrscheinlich waren diese differenzierten Wahrnehmungen durch die unterschiedlichen Bewertungsskalen begründet, die von meinen Eltern und mir angewandt wurden. Auf der meinen gab es mehr Pluspunkte. Für mich. Ich hatte eben meine eigene Bewertung. Auf alle Fälle soll mein Onkel Toni ein ziemliches Bürschchen gewesen sein. Ihn selbst konnte ich dazu nicht befragen, wie ich meine Palette mit Anregungen aus seiner Jugend erweitern konnte. Er war, wie schon gesagt, seit 1944 vermisst. Aber ich hatte ja genug eigene Phantasie.“ Eine weitere Besonderheit des Buchs stellt die ausführliche und in dieser Form einmalige Beschreibung des Hopfenanbaus und des Hopfenzupfens in den 50er und 60er Jahren dar. Natürlich ist auch diese Darstellung angereichert mit Anekdoten, Erlebnissen und Lausbubenstreichen.

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