Ludwig Laher Verfahren

(18)

Lovelybooks Bewertung

  • 19 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 11 Rezensionen
(1)
(9)
(6)
(0)
(2)

Inhaltsangabe zu „Verfahren“ von Ludwig Laher

Jelena, eine Kosovo-Serbin, wird in ihrer Heimat wiederholt Opfer unvorstellbarer Gewalt. Die geht nicht vom Staat aus, sondern von enthemmten Mitgliedern der Mehrheitsbevölkerung. Schwer traumatisiert, hofft die junge Frau nach zwei Selbstmordversuchen auf einen Neuanfang in Österreich. Dort aber gerät sie in die Mühlen eines unmenschlichen Asylrechts, das seinem Namen nicht gerecht wird. Seit langem prägt das Thema Asyl die öffentlichen Debatten und sorgt nach jedem von den Medien aufgegriffenen Einzelfall für heftige Kontroversen. Ludwig Laher überträgt diese brandaktuelle Thematik auf eine literarische Ebene. Er erzählt die exakt recherchierte Geschichte Jelenas als roten Faden eines aufwühlenden Romans, in dessen Mittelpunkt das Justizwesen selbst steht, die Welt der Paragraphen und ihrer Anwendung, ein Spiegelbild unserer Verfassung im doppelten Wortsinn: vielschichtig, mitreißend diskret, erhellend und weit davon entfernt, komplexen Fragestellungen mit einfachen Antworten beikommen zu wollen.

Rezensionssperre bis einschließlich 25.02.2011

— BTOYA

Stöbern in Romane

Kukolka

Hammerharte Realität, hammerhart erzählt. aber Umsetzung + Stil waren leider nicht so mein Fall. Sehr distanziert. Dennoch grausame Realität

Yuyun

Lauter gute Absichten

Kurzweilige Geschichte um einen angry young man, der sich gegen die Familie auflehnt - und an den eigenen Ansprüchen scheitert.

Marina_Nordbreze

Die Lichter von Paris

Generationenübergreifend. Legt sich wie eine kuschelige Decke romantisch um deine Schultern! Angenehme Atmosphäre.

Simonai

Was man von hier aus sehen kann

Eine Geschichte, die mich mit ihrer Wärme und liebevollen Erzählart absolut bezaubert hat.

Kathycaughtfire

Wie der Wind und das Meer

Eine wunderbare Geschichte über eine Liebe, die nicht sein darf! Ein Lesegenuss!!!

Fanti2412

Das saphirblaue Zimmer

Drei Frauen, drei Entscheidungen, in Zeiten, wo die Meinung einer Frau nichts galt. Ein grandioser, historischer Liebesroman.

FreydisNeheleniaRainersdottir

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Verfahren" von Ludwig Laher

    Verfahren

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    21. May 2011 um 16:12

    Der Haymon Verlag schreibt "Der Roman zum Thema Asyl": Exakt recherchiert, facettenreich, berührend und erhellend. Ich stimme dieser Aussage in fast allen Punkten zu - "erhellend" ist dieser Roman aber höchstens im Sinne von aufdeckend. Indem das Buch Fakten zu Tage bringt, die der breiten Öffentlichkeit meist verborgen bleiben, mag "Verfahren" wahrlich erhellend sein - was aber die Stimmung des aufmerksamen Lesers betrifft, in keinem Fall, denn hier sieht es eher düster aus ... Jelenas Leben ist ein einziger Kampf. Die Kosovo-Serbin lernt von kleinauf, dass in dieser Welt wohl ausschließlich der Hass regiert. Schon in der Familie geht es los, denn hier tobt der Krieg zwischen Mann und Frau. Dann der im Prinzip völlig sinnlose Kampf der Volksgruppen untereinander, der ewige Kampf um Macht und Geld .... und schließlich der Kampf ums nackte Überleben. Pech, wenn das Elternhaus weit und breit das einzige serbische Haus ist und dann noch unglücklicherweise auf albanischem Grund und Boden steht. Das beleidigt und befleckt, es darf nicht sein. Zuerst kamen die Drohungen, bis der bittere Ernst zur grausigen Realität wurde. Der ewige Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt. Jahrtausende alte Männerrituale, die eine kilometerbreite Blutspur quer durch die Menschheitsgeschichte gezogen haben. Ob im Kosovo oder sonstwo. Wenn man zu viel darüber nachdenkt, wird man verrückt. "Dieses öde Gewäsch von Ehre und Rache, die Macht- und Kriegsspiele." Auch Jenena ist kurz davor, verrückt zu werden. Der Vater trank, schoss auf die Mutter, verschwand und kam wieder zurück, doch verziehen wurde ihm nie. Die Geschwister, drei und vier Jahre alt, sind im und mit dem Haus verbrannt, nachdem die Drohungen der Albaner umgesetzt wurden. Die Mutter starb an Tuberkulose und Brustkrebs. Und wenn man schon in der Hölle ist und im Leben die dunkle Karte gezogen hat, kann es eigentlich nur so weitergehen. In Jelenas Fall sogar noch schlimmer. Nach mehreren Tagen in albanischer Gefangenschaft lehrten sie ihre Peiniger das Fürchten, eine weitere Facette der männlichen Dominanz. Sie war noch Jungfrau, was ihren "Wert" erhöhte. Vom Leben und dem Schicksal wie ein Spielball behandelt und nach zwei Selbstmordversuchen ergab sich schließlich die Flucht nach Österreich. Das gelobte Land. Die Insel. Die Rettung. Der Irrtum ... Völlig unerwartet stürzt sie in die Mühlen eines unbarmherzigen Asylrechts, welches längst jeden Überblick und erst recht den konzentrierten Blick auf Einzelschicksale verloren hat. Bornierte Beamte setzen gehorsamst einen Paragraphendschungel um, sie können ja nichts dafür (tun aber auch nichts dagegen). Jelenas Antrag wird abgelehnt, begründet durch einen Berg von ebenso unverständlichen wie amtlichen Satzkonstruktionen, die jeden Zusammenhang oder gar einen Sinn im Höchstfall erahnen lassen. Ihr Leidensweg setzt sich fort. Ludwig Laher zeichnet das Bild einer bürokratischen Verstrickung, ein wahrhaft "verfahrenes Verfahren". Hierbei verschachtelt er sich im Sumpf der Gegebenheiten nicht selten selbst, was freilich an der Sache nichts ändert, aber dem einen oder anderen Leser das Verständnis nicht gerade erleichtert. Lösungsangebote gibt es nicht wirklich, denn einfache Antworten gilt es nicht zu heucheln. Ein böser Wille kann "denen da oben" prinzipiell nicht unterstellt werden, denn "nicht aus sich selbst sind sie nämlich erstanden, sondern als demokratische Widerspiegelung eines kollektiven Bewusstseinsstandes längst entsolidarisierter Individuen". Jelena und die anderen 25.000 Verfahren: Es ist eine "verfahrene" Welt, wenn sich das ungeheure Martyrium eines einzelnen Menschen derart in der Masse verliert. Dieses Buch klärt auf, erlaubt einen Blick hinter die Kulissen, ist ein ganz schwerer Brocken und bietet keine preiswerten Patentrezepte. Bis endlich Recht gesprochen wird kann es also noch eine ganze Weile dauern. Was den Betroffenen bis dahin bleibt, ist Hoffnung. Mehr gibt es nicht. © Thomas Lawall - www.querblatt.com

    Mehr
  • Rezension zu "Verfahren" von Ludwig Laher

    Verfahren

    RoccosMom

    13. May 2011 um 10:50

    Jelena, eine Kosovo-Serbin, wird in ihrer Heimat wiederholt Opfer unvorstellbarer Gewalt. Die geht nicht vom Staat aus, sondern von enthemmten Mitgliedern der Mehrheitsbevölkerung. Schwer traumatisiert, hofft die junge Frau nach zwei Selbstmordversuchen auf einen Neuanfang in Österreich. Dort aber gerät sie in die Mühlen eines unmenschlichen Asylrechts, das seinem Namen nicht gerecht wird. Seit Monaten prägt das Thema Asyl die öffentlichen Debatten und sorgt nach jedem von den Medien aufgegriffenen Einzelfall für heftige Kontroversen. Ludwig Laher überträgt diese brandaktuelle Thematik auf eine literarische Ebene. Er erzählt die exakt recherchierte Geschichte Jelenas als roten Faden eines aufwühlenden Romans, in dessen Mittelpunkt das Justizwesen selbst steht, die Welt der Paragraphen und ihrer Anwendung, ein Spiegelbild unserer Verfassung im doppelten Wortsinn: vielschichtig, mitreißend diskret, erhellend und weit davon entfernt, komplexen Fragestellungen mit einfachen Antworten beikommen zu wollen. Quelle: Haymonverlag Jelenas Leben durchzieht das Buch als Hauptgeschichte, während auch von anderen Fällen berichtet wird. Dabei wechselt die Erzählung zwischen der Vorstellung einzelner Schicksale und der Vorgehensweise einzelner Beamter sowie zwischen Auszügen von asylrechtlichen Entscheidungen! Obwohl die Thematik durchaus interessant ist, hat der recht langatmige und bürokratische Schreibstil mir oft die Lust am Lesen genommen. Nur die einzelnen, sehr interessanten, traurigen Schicksale konnten mich bei der Stange halten. Denn ich wollte natürlich wissen was aus den Asylbewerbern geworden ist. So manches Mal konnte ich auch eigene, unbewusste Vorurteile reflektieren und musst mir eingestehen, dass ich mir zuweilen eine Meinung bilde ohne die Leute wirklich zu kennen. Weil es oftmals einfacher ist alle über einen Kamm zu scheren. Ich denke davon kann sich (fast) keiner frei sprechen. Richtig erschreckt haben mich nicht nur die Erlebnisse der traumatisierten, Schutz suchenden Menschen, sondern auch das langatmige Asylrecht mit seinen lustlosen Beamten. Flüchtlinge, die mehr mitgemacht haben als es unsere Vorstellungskraft erlaubt, müssen sich mit bürokratischen Spitzfindigkeiten rumschlagen. Ich kann mir noch nicht einmal vorstellen wie grausam es sein muss über Monate nicht zu wissen ob man DAUERHAFT in Sicherheit ist. Oder wie es sein mag wegen eines Übersetzungsfehlers abgeschoben zu werden. Da läuft doch irgendetwas falsch! Das Cover gibt einen guten Einblick darauf, worum es im Buch schlussendlich geht. Es zeigt nämlich eine junge Frau, wartet in einem Flur. In diesem Fall wartet sie auf eine willkürliche Entscheidung über ihre Aufenthaltserlaubnis. Sie wartet auf Gerechtigkeit und wird dabei doch alleine gelassen. VERFAHREN ist auf jeden Fall ein Buch mit dem man sich Zeit lassen muss. Hier wird einem aufgezeigt das oft vielmehr hinter einem Schicksal steckt als man vermuten würde. Unsere Gesellschaft soll wachgerüttelt werden und merken wie unberechtigt – und nicht wirklich objektiv – lebenswichtige Entscheidungen getroffen werden. Dennoch ist es auch wahrlich kein einfaches Buch, an dem viele sich wohl die Zähne ausbeißen werden.

    Mehr
  • Rezension zu "Verfahren" von Ludwig Laher

    Verfahren

    depe58

    24. April 2011 um 14:43

    Verfahren ist ein Roman, der zwar ein Roman ist jedoch meiner Meinung nach auch zu einem Sachbuch neigt, da es meiner Meinung nach zu sachlich geschrieben worden ist. Die Thematik ist meiner Meinung nach jedoch gut. Über das Asylrecht wird des Öfteren diskutiert. Dieses Buch hätte das Potenzial, das Verfahren, wie das Asylrecht handelt, was ein Asylanträger durchleiden/durchleben muss. Ich hatte einige Schwierigkeiten mich in dem Buch zurecht zu finden, da es meiner Meinung nach relativ wirr geschrieben ist. Ich habe mich des Öfteren ebenfalls gefragt: "Wieso?", "Wie kommt es auf einmal dazu?". Was ich damit sagen will ist, das es meiner Meinung nach für mich Sprünge gab, die ich nicht auf anhieb nachvollziehen konnte. Dies kann allerdings auch an meiner Person liegen. Was mir ebenfalls aufgefallen ist, das dialoge "eigenartig" dargestellt werden. Dieses Schreibmittel unterstützt dabei allerdings den Standpunkt des Buches, dass das komplette Verfahren sehr anonym abläuft, so werden Antragssteller/Antragsstellerinnen niemals mit Namen angesprochen sondern nur mit einer verallgemeinter Floskel. Im Großen und Ganzen ist "Verfahren" kein schlechtes Buch, jedoch auch kein gutes. Dieses Buch ist meiner Meinung nach eher eine etwas schwierigere Lektüre, die man mit einwenig einlesen sehr gut lesen kann. Es ist meiner Meinung nach ebenfalls für jeden geeignet der sich für "Lebensgeschichten" oder ähnliches interessiert geeignet.

    Mehr
  • Rezension zu "Verfahren" von Ludwig Laher

    Verfahren

    sabatayn76

    22. April 2011 um 10:16

    '(...) noch einmal anzufangen an einem Ort, an dem nichts an früher erinnern sollte außer das eigene Gehirn' Inhalt: Jelena ist Kosovo-Serbin und wurde in ihrer Heimat mehrfach traumatisiert: der Vater war Alkoholiker, die Geschwister starben bei einem Hausbrand, die Mutter war Krebspatientin und Jelena selbst wurde von vier Albanern entführt und vergewaltigt. Nach mehreren Suizidversuchen und Psychiatrieaufenthalten flieht Jelena schließlich aus ihrer Heimat und sucht Asyl in Österreich. Mein Eindruck: 'Verfahren' ist kein Buch für Zwischendurch. Lahers Sprache und sein Stil sind oft nicht leicht verständlich, und beim Lesen musste ich mich immer wieder sehr konzentrieren. 'Verfahren' liest sich stellenweise eher wie ein Sachbuch - weniger wie ein Roman - und bietet spannende Einblicke ins Asylrecht und in die Lage auf dem Balkan. Dabei ist die Geschichte um Jelena, die nur einen von mehreren Handlungssträngen darstellt, aber den roten Faden des Buches repräsentiert, sehr bewegend. Hier ist dem Autor eine überzeugende und realistische Schilderung massiver Traumatisierung und einer posttraumatischen Belastungsstörung gelungen. Mein Resümee: Kein einfaches, aber ein sehr lehrreiches und spannendes Buch für diejenigen, die sich für Asylrecht und für den Kosovokrieg/Kriegstraumatisierung interessieren.

    Mehr
  • Rezension zu "Verfahren" von Ludwig Laher

    Verfahren

    Sternenstaubfee

    20. April 2011 um 17:06

    Es war mühselig, dieses Buch zu lesen. Es geht um das Asylverfahren in Österreich, was allein von der Thematik her natürlich schon keine leichte Kost ist. Aber der komplizierte Schreibstil des Autors sowie die ständigen Zeitsprünge haben das Lesen nicht gerade angenehmer gemacht. Ich hatte leider keine Freude beim Lesen dieses Buches und bin immer wieder schnell abgeschweift mit den Gedanken. Es konnte mich nicht fesseln, und öfters mußte ich Abschnitte zweimal lesen, um deren Sinn zu verstehen. Schade! Ich glaube, das Thema ist durchaus interessant und man hätte viel mehr aus der Geschichte herausholen können!

    Mehr
  • Rezension zu "Verfahren" von Ludwig Laher

    Verfahren

    NiliBine70

    09. April 2011 um 17:38

    Nach dem Lesen der Kurzbeschreibung habe ich mich auf das Buch gestürzt. Es hatte mein Interesse geweckt und ich wollte mir nun mein eigenes Urteil bilden. Nur fällt mir das jetzt, nach dem Lesen des Buches, sehr schwer. Die Geschichte Jelenas, einer Kosovo-Serbin, sollte aufrütteln, wachmachen, Sinne schärfen und auch Verständnis erwecken, für so manchen Asylanten, der alles verliert und in einer für ihn/sie völlig fremden Welt einen neuen Anfang finden, endlich ein Leben. Nur wird das –egal ob in Deutschland oder Österreich- für viele zum Horrortrip. Ich hatte mich darauf gefasst gemacht, eine extrem harte Geschichte zu lesen. Doch dann wurde ich verwirrt, durch Sprünge in unterschiedlichen Lebensgeschichten, durch einen Stil, der mir persönlich es schwer gemacht hat, bei der Sache zu bleiben. Und das hatte nichts mit einem Dialekt zu tun, sondern mit dem Konstrukt des Autors. Zeitweise erreichte mich Jelena, ja, aber nicht durchweg. Trotzdem würde ich dieses Buch nicht von vorneherein als schlecht oder misslungen abtun, nur als sehr schwer zu lesen. Der Versuch, die manchmal irrwitzigen Bürokratien darzustellen, ist Laher allerdings perfekt gelungen. Genauso stelle ich mir das manchmal vor, in den Amtsstuben und wie gesagt, ich mache das jetzt keine Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich. Es sollten Regeln gelten, es sollten Fachleute das Verfahren das Asylrecht betreffend anwenden, aber doch menschlich bleiben und nicht mehr Amtsschimmel in die Welt schütten, als zwingend notwendig. Das ist das, was unter dem Strich in meinem Kopf hängen geblieben ist. Empfehlen würde ich dieses Buch Menschen, die über ein gewisses Maß an Toleranz gegenüber ausländischen Asylbewerbern hegen und bereit sind, sich auf einen nicht ganz so flüssigen und einfachen Schreibstil einzulassen.

    Mehr
  • Rezension zu "Verfahren" von Ludwig Laher

    Verfahren

    dark_angel

    08. April 2011 um 09:38

    In ihrer Heimat wird Jelena, eine Kosovo-Serbin, wiederholt Opfer von Gewalt, die nicht vom Staat selbst ausgeht, sondern von der Mehrheitsbevölkerung. Schwer traumatisiert und nach zwei Selbstmordversuchen hofft sie auf einen Neuanfang in Österreich. Doch sie hat nicht damit gerechnet, in die Mühlen des undurchsichtigen Asylrechts zu geraten... Der Autor Ludwig Laher ist dafür bekannt, aktuelle Themen in seinen Romanen zu verarbeiten. So geschieht dies auch hier mit dem Thema "Asyl", das wohl nie an Aktualität verlieren dürfte. Nach gründlichen Recherchen erzählt er die Geschichte von Jelena, die sich wie ein roter Faden über den aufwühlenden Roman zieht, und gewährt zugleich Einblick in das (österreichische) Justizwesen, das von Paragraphen beherrscht wird und nichts Humanes an sich hat. Das Asylrecht spaltet die Menschen. Die einen finden es in Ordnung, so wie es ist, die anderen zu lasch, zu streng oder gar zu einladend für irgendwelches "Gesindel". Wenn man sich von Lahers Roman rasche und aufklärende Antworten erhofft, so dürfte der Leser enttäuscht werden. Denn es gibt keine einfachen Antworten oder Ausführungen zu einem derart komplexen Thema. Der Autor legt anhand von Beispielen die Sachlage dar, wobei der Leser zum Nachdenken angeregt wird und sich seine eigene Meinung bilden kann/soll. Dabei erzählt der Autor die Geschichten von Jelena und Kurt Lippmann, wie sie in ein fremdes Land gingen und über deren Aufenthalt entschieden wurde. Dies schafft einen guten Ausgleich zum Rest des Romans, in dem der Autor auf die Beamtensprache zurückgreift und den Leser in die Welt des Justizwesens, Asylrechts und den Dschungel der Paragraphen begleitet. Man mag vielleicht bemängeln, dass das Beamtendeutsch sehr nüchtern, sachlich und unverständlich daherkommt und es dem Leser dadurch schwer fällt, einen Bezug zum Thema zu erhalten. Persönlich werte ich dies jedoch als Geniestreich des Autors. Denn wenn bereits jemand, der der deutschen Sprache mächtig ist, seine Mühe mit dem Beamtendeutsch hat, wie dürfte es da wohl z.B. einem Asyl-Antragsteller gehen, der noch nicht einmal die deutsche Sprache richtig beherrscht? Wenn er nicht gerade einen Top-Anwalt an seiner Seite hat, der sich in diesem Dschungel auskennt; wie kann er auf seine Not hinweisen, ohne über irgendwelche juristische Spitzfindigkeiten zu stolpern, die sich vielleicht sogar ungünstig auf sein Begehren auswirken? Es ist in der Tat kein Buch, das man in einem Rutsch liest und mit der Zeit in Vergessenheit gerät. Wer sich die Zeit nimmt und sich auf den komplexen Inhalt einlässt, wird mit einem aufrüttelnden, aufwühlenden und dramatischen Inhalt belohnt, im dem mehr als nur ein Körnchen Wahrheit steckt und den Leser auch danach nicht kalt lässt.

    Mehr
  • Rezension zu "Verfahren" von Ludwig Laher

    Verfahren

    Klusi

    17. March 2011 um 13:46

    Exemplarisch wird das bisherige Schicksal der Kosovo-Serbin Jelena geschildert. Die junge Frau war in ihrer Heimat mehrfach das Opfer von Gewalt, die ihr unter dem Vorwand ihrer Nationalität angetan wurde. Nach unvorstellbarem Elend und missglückten Selbstmordversuchen ist sie am Ende ihrer Kraft. Ein letztes Mal nimmt sie all ihren Mut zusammen und geht nach Österreich, bittet dort um Asyl. Das Asylgesetz in Österreich ist eines der strengsten in Europa. Wieso die verängstigte, eingeschüchterte Jelena jedoch in Schubhaft genommen wird, kann ich nicht verstehen, denn eigentlich liegt keiner der Punkte vor, die hierfür allgemein als Gründe genannt werden. Der deutschen Sprache noch nicht mächtig, ist sie nun der Willkür von Richtern, Protokollführern und Dolmetschern ausgesetzt, die manches anscheinend gar nicht verstehen wollen. „Verfahren“ trifft hier im doppelten Sinn zu, denn einerseits erwartet Jelena im Land ihrer Zuflucht ein solches, zugleich ist ihre Situation ebenfalls als verfahren zu bezeichnen. Der Autor schreibt im Nachwort, dass das Leben seiner Protagonistin beängstigende Parallelen mit einem realen Schicksal hat. Ich habe mir nicht nur bei einer Szene gewünscht, sie möge nicht wirklich passiert, sondern der Fantasie des Autors entsprungen sein. Parallel zu Jelenas Fall gibt es zwei weitere Handlungsstränge, die auf den ersten Blick unabhängig nebeneinander herlaufen, sich aber nach und nach zu einem verständlichen Konzept zusammenfügen. Da ist einmal das Interview mit einem zuständigen Asylrichter. Dieser Doktor Zellweger plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen, ziemlich selbstgerecht, wie mir scheint. Er gibt sich nach außen hin menschenfreundlich und gefällig, aber es gelingt ihm nicht völlig, dies glaubwürdig darzustellen. Zuletzt erfährt der Leser noch vom Schicksal eines jüdischen Arztes, der als Kind, auf der Flucht vor den Nazis, Wien verlassen musste und in Großbritannien Aufnahme gefunden hat. Seine Geschichte gestaltet sich somit gegengleich zu Jelenas, und seine schwere Vergangenheit veranlasst ihn, sich in der Hilfe für heutige Asylbewerber zu engagieren. Anfang und Ende des Romans bilden zwei Kapitel über eine reale Demonstration, bei der ei Brüderpaar verhaftet wurde, dem anschließend ein unverhältnismäßig schwerer Prozess drohte. Der Roman ist ein harter Brocken, sowohl was den dramatischen Inhalt betrifft, als auch von der Ausdrucksweise, denn der Autor hat häufig Auszüge aus real existierenden Unterlagen und Protokollen verwendet, und diese sind im absoluten Fachjargon verfasst. "Verfahren" liest sich ganz sicher nicht leicht und schnell, und doch kann man es bis zuletzt nicht beiseite legen. Ludwig Laher hat sich mit intensiven Recherchen dem komplexen Thema Asylrecht gewidmet und einen Roman daraus gemacht, der durch die sachliche Schreibweise einerseits distanziert wirkt und doch sehr nahe geht. Die Geschichte hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Sie gibt viel Stoff zum Grübeln und hat mich animiert, mehr über den Kosovo zu erfahren, mich ausführlicher mit dem Thema Fremdenrecht zu beschäftigen und genauer hinzusehen.

    Mehr
  • Rezension zu "Verfahren" von Ludwig Laher

    Verfahren

    Bellexr

    09. March 2011 um 09:18

    Das Asylrecht … . … hieran scheiden sich bekanntlich die Geister. Die einen finden es zu lasch, die anderen zu streng, zu willkürlich, zu wenig auf die Betroffenen eingehend. Ich muss gestehen, dass ich mich bisher sehr wenig damit auseinandergesetzt habe und nur hier und da etwas aus den Medien aufgeschnappt habe und meist die scheinbare Willkür der Ämter nicht nachvollziehen konnte. Deswegen war ich auf das Buch ziemlich neugierig und hatte mir hier etwas Klarheit erhofft. . Doch Ludwig Laher macht es einem sehr schwer, einen Bezug zu dem Thema wie auch zu seinem Buch zu erhalten. Schuld daran trägt meiner Meinung nach der extrem sachliche, nüchterne Schreibstil. Ohne Zweifel hat der Autor dieses Thema sehr gut recherchiert, sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt und hier liegt das Problem. Ludwig Laher verwendet in seinen Ausführungen viel Beamtendeutsch mit vielen Abkürzungen, die oft ein Nachschlagen im Anhang notwendig machen. Hinzu kommen viele Original-Auszüge aus Protokollen, die in der typischen Beamtensprache verfasst sind. Und wer muss nicht oft ein Schreiben vom Amt zweimal lesen, um zu verstehen, was die Behörde einem eigentlich sagen möchte. So ging es mir zeitweise auch bei den Auszügen in dem Buch. . Der mehr oder weniger rote Faden des Buches ist das Schicksal der jungen Jelena, die dem unmenschlichen Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien entflohen ist. Die Grausamkeiten, welche die junge Frau in ihrer Heimat erleben musste, sind beispielhaft für viele Frauen aus diesem Land und sollten einem eigentlich berühren und betroffen machen. Allerdings hat man dazu kaum eine Chance, denn ihr Schicksal wird sehr distanziert und sachlich geschildert. In einem weiteren Erzählstrang lernt man einen Richter des Asylgerichtshofs kennen und dessen Erfahrungen mit Asylbewerbern. In Form eines Interviews wird einem dies vermittelt. Der Richter beleuchtet die Vor- und Nachteile, erzählt von Einzelschicksalen, so auch von Jelena und doch hatte ich stellenweise das Gefühl, dass seine Äußerungen zu positiven Bescheiden nur eine Alibifunktion hatten. Wirklich glaubhaft war er für mich nicht. . Das Buch hat auf mich auch eher den Eindruck eines Sachbuchs und weniger eines Romans gemacht. Keine Frage, es ist fundiert recherchiert und engagiert geschrieben, spricht aber meiner Meinung nach eher Menschen an, die sich intensiv mit dem Thema Asylrecht beschäftigen. Diese Leser werden das Buch mit Sicherheit als sehr informativ und hilfreich empfinden. Für Leser jedoch wie mich, die sich weniger mit dem Thema beschäftigen und sich hier mehr Informationen in Form eines Romans erhofft hatten, werden eher enttäuscht sein.

    Mehr
  • Rezension zu "Verfahren" von Ludwig Laher

    Verfahren

    sternthaler75

    28. February 2011 um 09:20

    Asyl, ein Wort, bei dem man sich eigentlich nicht wirklich klar machen kann, was Menschen aushalten und ertragen müssen, wenn sie Asyl beantragen. Egal, aus welchem Grund sie ihr Land verlassen. Ludwig Laher gibt dem Leser hier Einblick in das verwirrende Reich der Bürokratie. Er berichtet von verschiedenen Fällen, von Menschen, die um Asyl bitten. Jelena ist eine von ihnen. Sie kommt aus dem Kosovo, ist dort schrecklicher Gewalt und Zerstörung ausgeliefert gewesen, hat mehrmals versucht, sich umzubringen, und hofft nun auf Asyl in Österreich. Doch in der Händen der Bürokratie gefangen, geht es nicht so, wie sie sich das erhofft hatte. Das Wirrwarr der Paragraphen erschlägt einen förmlich, inkompetente Dolmetscher, die ihren Job mehr schlecht als recht machen, verwirren das ganze Verfahren nur noch mehr. Allein wegen verbaler Mißverständnisse kommt es oftmals zu Ablehnung von Anträgen, und selten gibt sich jemand die Mühe, diese Probleme zu finden und sie entsprechend zu beheben, denn eigentlich gibt es kein direktes öffentliches Interesse daran. Selbstverständlich gibt es auch Darstellungen von Asylbewerbern, die so widersprüchlich in sich sind, dass selbst dem Laien klar ist, warum der eine oder andere Antrag abgelehnt wird. 177 Seiten, von denen ca. die Hälfte mit Bürokratenöstereichisch geschrieben ist, das ist ein Brocken. Ludwig Laher versucht zwar, das Ganze dem Leser durch Beispiele näher zu bringen, allerdings ist das doch schwieriger, als vermutet. Mit schrecklichen Schachtelsätzen, die sich teilweise über eine halbe Seite erstrecken, kommt der Leser kaum zurecht. Manchmal muß ein Satz ein zweites Mal gelesen werden, da der Anfang schon wieder so fern ist und man gerade nicht mehr nachvollziehen kann, um was es doch eigentlich gerade zu Beginn ging. Erschwerend kommt die Amtssprache und deren Abkürzungen dazu, die im hinteren Bereich glücklicherweise in einem Verzeichnis festgehalten werden. Die Passagen der zu verhandelnden Personen hingegen sind sehr interessant, ihr Handeln durchaus verständlich. Doch es ist fürchterlich, mitzulesen, wie die Bürokratie die Menschen an den Rand der Verzweiflung bringt, und die Antragsteller häufig allein gelassen werden. Sie lassen uns teilhaben an ihren verschiedenen Schicksalen, die sie zum Fliehen aus ihrer Heimat gezwungen haben. Demütigung und Leid sind häufig dabei im Vordergrund, die Angst, sich bloßzustellen, das Erlebte noch einmal in Gesprächen zu erleben.

    Mehr
  • Rezension zu "Verfahren" von Ludwig Laher

    Verfahren

    sarahsbuecherwelt

    24. February 2011 um 10:23

    Fällt der erste Blick auf das Cover des Buches und nimmt man den Titel dazu, würde jeder Leser davon ausgehen, dass es sich hierbei um ein Gerichts-Buch handelt. Doch schon nach der Inhaltsangabe ist klar, dass dieses Werk eine ganz andere Thematik beinhaltet. „Verfahren“ setzt sich mit dem Thema „Asyl“ auseinander. Gerade in der heutigen Zeit, aber auch in den letzten Jahren ist das Begriff Asylrecht häufig in den Medien zu finden. Manche Leute finden, dass die Asylbewerber es in der heutigen Zeit viel zu leicht haben. Andere sind der Meinung, dass die Gesetze entschärft werden müssen. So hat jeder zu dieser Thematik seine eigene Meinung. Ludwig Laher setzt sich auf ganz besondere Weise mit dieser brisanten Angelegenheit auseinander. Er hat am Schicksal von Jelena, einer Kosovo-Serbin, aufgedeckt und zeigt auf, wie die Realität als Asylbewerber heutzutage aussieht. Monatelang hat er dafür an Jelenas Geschichte recherchiert. Wer jetzt ein Buch erwartet, das die komplette Geschichte von Jelena und am Besten noch aus ihrer Sicht erzählt, der sollte sich das Buch nicht kaufen. Ludwig Laher zieht den Leser durch einen aufrüttelnden Stil in den Bann. Sachlich, vielseitig, diskret, aber dafür aufweckend, mitreißend und bewegend hat er ihre Geschichte verpackt. Alles beginnt mit einer Demonstration, die den Leser in die Situation rund um das Asylrecht führen soll. Nach und nach setzt sich Jelenas Geschichte wie versteckte Puzzleteile in dieser Geschichte fest. Schon nach wenigen Seiten wurde für mich deutlich, dass dies keine leichte Kost werden würde. Alleine schon der Schreibstil, den Ludwig Laher an den Tag legt, ist komplex und oftmals nicht leicht zu verstehen. Es wird schnell klar, dass dieses Buch meine volle Aufmerksamkeit benötigen und vieles mich nachdenklich stimmen würde. Je mehr ich als Leser in diesem Buch fortschritt, desto leichter fiel mir jedoch der Stil. Auf schockierende und grausame Weise deckt der Autor auf, wie die langsamen Mühlen der Justiz gerade beim Thema Asylrecht mahlen. Der Autor stellt in seinem sachlichen Buch die richtigen Fragen und sorgt dadurch, dass ich als Leser einen ausführlichen und authentischen Eindruck dieser Problematik bekommen konnte. Allerdings kann dieses Werk, genau wie die Thematik alleine stets von zwei Perspektiven betrachtet werden. In einzelnen Fällen ist es traurig zu erfahren, wie hart der Weg vorher war und wie schwer der Kampf auf das ersehnte Asylrecht am Ende noch werden würde. Auf der anderen Seite gibt es allerdings genügend Personen, die dieses Asylrecht ausnutzen. Für die Justiz eines jeden Landes ist es schwer, genau zu beurteilen, wer als Asylbewerber wirklich Hilfe benötigt und wer nicht. Ich selber habe mich schon vor diesem Buch mit dieser Thematik befasst. Grund dafür war zum Beispiel die Vorgeschichte meines letzten Lebensgefährten, Arbeitskollegen in der Gastronomie oder Nachbarn. Dort kann man sich ein gutes Bild von der Gesamtsituation machen. Nicht jeder Asylbewerber ist da ehrlich. Da sich dieses Buch jedoch auf die Situation der österreichischen Justiz bezieht, kann ich als Deutsche, dies nur bedingt beurteilen. Aus diesem Grund kann ich das Buch auch nur bedingt empfehlen. Wer von Anfang an eine negative Einstellung gegenüber dem Asylrecht hat, wird zwar dieses traurige Schicksal lesen, sich aber trotzdem weiterhin bestätigt fühlen, dass dies nur Einzelfälle sind. Wer jedoch einmal erfahren möchte, wie die Justiz und ihre Paragraphen mit einem Asylbewerber verfahren, der sollte dieses Buch unbedingt lesen.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks