Ludwig Tieck Die sieben Weiber des Blaubart

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Inhaltsangabe zu „Die sieben Weiber des Blaubart“ von Ludwig Tieck

Die 1797 erstmals erschienene Erzählung „ Die sieben Weiber des Blaubart“ fällt wegen ihrer auf den ersten Blick provozierenden Sinnlosigkeit aus dem Rahmen. Der Literaturkritiker Rudolf Haym sah sich 1870 in ein „Kasperletheater versetzt“ und schloss das Kunstmärchen in seinem Buch „Die romantische Schule“ aus dem Literaturkanon aus. Auch mit den phantastischen und magischen Elementen des Romans konnte er wenig anfangen. Der Roman wurde von Kritik und Publikum ignoriert und verschwand aus Tiecks Werkausgaben. Zu unrecht! Die „Darstellunsgparodie“ entpuppt sich als ein Sammelsurium von genialen Anspielungen auf Goethe, Klopstock und Perrault. Tieck nimmt die Liebeskonzepte seiner Zeit zum Anlass und erzählt so die erste unfreiwillige Mordserie eines Ritters.

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  • Rezension zu "Die sieben Weiber des Blaubart" von Ludwig Tieck

    Die sieben Weiber des Blaubart

    Hallogen

    13. May 2010 um 12:36

    Tieck parodiert hier eine Reihe von literarischen Erscheinungen seiner Zeit. Mich erinnert das oft an Werke der Funny Fantasy, etwa wenn sich der Held der Vorgabe des Zauberers oder seines Ratgebers verweigert und keine Lust mehr hat, ein Held zu sein oder er durch seine Dummheit alles vermasselt. Ich hatte viel Spaß beim Lesen, aber sicher wird das nicht jedem so gehen, denn dies ist ein absolutes Anti-Werk. Es gibt einen roten Faden, nämlich Blaubarts 'Pech' mit den Frauen, aber eine echte Handlung würde ich das nicht nennen. Der Autor bricht mit sämtlichen Konventionen, verweigert sich der Weitschweifigkeit von Romanen genauso wie schematischen Abläufen, und zeigt dennoch über welche Meisterschaft er schon damals (1797) verfügte. Durch den Kunstgriff zweier Zauberer (ganz offensichtlich Substitute für Schriftsteller), die beschließen sich des Lebens jeweils eines Kindes anzunehmen und es nach ihrem Willen zu lenken, kann Tieck auf verschiedenen Ebenen diese Verweigerung durchführen, nämlich als Autorenkommentar und im direkten Gespräch. Während Almida ihrer Adelheid ein harmonisches Leben ohne Abenteuer und Unregelmäßigkeiten (wie Schönheit, übergroßer Verstand oder seltsame Zufälle) bescheren will, hat Bernard vor, Peter zu einem echten Helden zu machen. Tieck konzentriert sich auf den dümmlichen Peter, der sich das größte Glück und Unglück selbst aus einem Angebot auswählen darf. Zwar wählt er Glück im Kampf, aber dann ausgerechnet Unglück mit den Frauen. Um ihm wenigstens etwas Hilfe zu geben, lässt Bernard Peter über eine 'Beschützerin' einen weisen Bleikopf zukommen, der ihm als Ratgeber zur Seite stehen soll. Statt auf dessen Antworten zu hören, macht Peter aber meist, was er für richtig hält, und verärgert zudem bald die Beschützerin mit seinem Wunsch durch einen Bart klüger zu wirken, so dass er zu seinem Markenzeichen (dem Blaubart) kommt. Was man dem Werk besonders anmerkt, ist die Belesenheit Tiecks, der hier Ritterromane und Liebesgeschichten, Schauergeschichten und Märchen parodiert. In der Zeit, in der Adelheid und Peter gemeinsam aufwachsen, knüpfen sich zarte Bande, doch statt diese zu schildern, lästert Tieck: "Herr la Fontaine (nicht der französische Dichter) wiederholt sie in allen seinen Büchern auf die weitläuftigste Art. Es wäre mir unmöglich, so viele Unnatürlichkeiten und Unwahrscheinlichkeiten zu erfinden, wie z. B. im 'Sonderling' stehn, der weder ein Sonderling noch sonderlich ist." Er greift also auch Bestsellerautoren seiner Zeit (gemeint ist August Lafontaine) direkt an. Die Leser solcher Werke verspottet er ebenfalls: um diese zu schonen, verzichtet er auf die Beschreibung der Ermordung von mehreren Ehefrauen! Oder als es zu einem Duell kommt: "Ich kann diese Kampf nicht weitläuftig beschreiben, weil die Beschreibung doch unmöglich ins Heroische fallen könnte. Genug, Peter siegte, indem er in geschickter Weise dem Hans ein Ohr abschnitt und dadurch seinen Schlüssel wiedergewann. Sie schieden darauf als ziemliche Freunde." :-) Das diese fehlende Fähigkeit nur ein Scherz ist, und er auf platte Handlungsabläufe hinweisen will, zeigen intensive Kapitel, die völlig mit der parodistischen Grundstimmung brechen und in finsterste Welten abtauchen, in denen etwa eine junge Frau das Leben als Kerker begreift, aus dem nur der Dolch Befreiung verschafft oder in dem eine Küchenmagd zur 'Beruhigung' eine Geschichte erzählt, die auch heute noch jeden Horrorschocker locker in die Tasche steckt. Neben der Verweigerung des Autors gibt es wie gesagt die des Helden, die an vielen Stellen auftaucht. Einmal dingt sich ihm zum Beispiel ein Kobold an, doch dessen destruktive Fähigkeiten empfindet Peter nicht als hilfreich, also lehnt er die angebotene Hilfe ab. Oder er beschließt eine Wallfahrt ins Heilige Land, hat dann aber keine Lust mehr, weil es so wenig gute Wirtshäuser am Weg gibt und es so weit dorthin ist. Genau in dieser Vielschichtigkeit der Parodie liegt die Meisterschaft eines Werkes, dass locker doppelt so lange hätte ausfallen können, und das auch mehrere groteske (Ritterturnier der Tiere), allegorische (Jakobine) und phantastische (Himmelfahrt) Szenen enthält. Anzunehmen ist, das auch das Fehlen eines 14. Kapitels und der Namenswechsel einer Figur (von Strahlheim zu Strahlenberg) Teil dieser Parodie sind. Fingiert ist das ganze als Reaktion eines L. T. auf Peter Lebrechts (Pseudonym Tiecks) "Ritter Blaubart", doch auch ohne Kenntnis dieses Werkes kann man alles verstehen, denn was Tieck hier erzählt ist der Vorlauf zu eben jenem Theaterstück. Am deutlichsten wird das, was Tieck hier versucht hat im 26. Kapitel erklärt, wo er auf die Gemälde des 'Höllenbreughel' (Pieter d. J. Bruegel) verweist, und fordert, dieselbe Hinzufügung von "widersprechendem Unsinn" auch einem Schriftsteller zu erlauben. Sein Ziel sei ein Buch ohne Zusammenhang gewesen, behauptet er hier, denn Bücher "mit trefflichem, dauerhaftem Zusammenhang" gäbe es schon genug, und schließlich sei das Leben oft genug auch völlig unregelmäßig.

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