Luise Maier Dass wir uns haben

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Inhaltsangabe zu „Dass wir uns haben“ von Luise Maier

Das Debüt dieser jungen Autorin ist von enormer Intensität. Sie erzählt ohne Kommentar und Wertung, als wäre der Ablauf des Geschehens fast naturnotwendig. Eine Familiengeschichte mit Tiefgang. Dieser Roman ist ein Kammerspiel mit vier Beteiligten. Eine Familie: Mutter, Vater, der Bruder, die kleine Schwester. In kurzen Sequenzen erinnert sich die Schwester an das Familienleben, so alltäglich wie existentiell. Von eindringlichster Nähe ist die Rede und von sprachloser Distanz. Dass es unter der Oberfläche brodelt, lässt sich schnell erahnen. Ein Aufeinanderbezogensein und ein Sich-Verlieren der Familienmitglieder werden diskret sichtbar gemacht, die Sehnsucht nach Zärtlichkeit ebenso wie die Erfahrung von Gewalt. Und als die Familie schließlich zerbricht, zeigt sich, dass trotz aller äußerlichen Veränderungen niemand leicht aus seiner Rolle kommt. Was das Mädchen erlebt, liegt oft außerhalb seines Fassungsvermögens, die kunstvolle Schmucklosigkeit, mit der die Autorin erzählt, gibt der Geschichte ihre ungeheure Kraft.

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  • Enorme erzählerische Kraft und sprachliche Wucht

    Dass wir uns haben
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    21. June 2017 um 12:49

    Dieser kleine Roman der 1991 geborenen, nun in der Schweiz lebenden Luise Maier ist ein kraftvolles, ein bewegendes und ein den Leser tief erschütterndes Buch. Es handelt in kurzen Abschnitten, teilweise wie aus einem Notizbuch, vom Familienleben der namenlosen Erzählerin. Zusammen mit den Eltern und dem großen Bruder lebt sie in einem grünen Haus in einem kleinen Dorf vermutlich in Bayern, wie man aus einigen Hinweisen entnehmen kann.Es geht in dieser Familie vorrangig um gegenseitigen Terror durch Gewalt und durch Schweigen. Schon gleich zu Beginn des Buches fesselt der Vater den Bruder und misshandelt ihn übel, weil der wiederum seine Schwester geschlagen hatte. Mutter und Tochter, die gleiches ebenfalls oft erleben in diesen grausamen Erinnerung versuche n ihn zu trösten:„Er weinte den restlichen Nachmittag. Mutter und ich saßen abwechselnd an seiner Bettkante und streichelten über seinen Rücken. Der Rücken hörte nicht auf zu zucken. Ich streichelte nur ganz vorsichtig, dort, wo ich auch am liebsten gestreichelt werde, wenn ich weine.“Diese widersprüchliche Gleichzeitigkeit zwischen erbarmungsloser Brutalität gegeneinander und beeindruckender Zärtlichkeit füreinander, zieht sich durch die ganzen 150 Seiten des Buches, das man deshalb mehr als einmal aus der Hand legen möchte, weil man diese Schilderung kaum aushalten kann, auch deshalb, weil die Ätiologie dieser familiären Gewalt im Unklaren bleibt.Die enorme erzählerische Kraft und sprachliche Wucht, mit der Luise Maier diese wohl biographisch konnotierte Familiengeschichte erzählt, lässt vermuten und hoffen, dass diese junge Frau mit ihrem Debüt einen ersten Schritt aus dieser verhängnisvollen Gewaltgeschichte heraus getan hat und der Beginn, wo sie wie in Rage immer wieder auf einen Notizzettel schreibt: „Ich darf keine Kinder haben“ irgendwann in ihrem Leben keine Bedeutung mehr haben wird.Ich hoffe, sie meldet sich bald mit einem zweiten Roman zurück. Denn Schreiben kann  tatsächlich heilen.

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