Luiz Ruffato Es waren viele Pferde

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Inhaltsangabe zu „Es waren viele Pferde“ von Luiz Ruffato

São Paulo, ein Tag im Mai 2000. In 69 Szenen – Schlaglichtern, Stimmen, Gedanken – entwirft der erste Roman des brasilianischen Ausnahmeautors Luiz Ruffato ein kaleidoskopisches Bild der Megacity São Paulo mit ihrem Glamour, ihrem Elend, ihrer Verlogenheit und ihrem Schmerz. Jede der Geschichten hat eine eigene Stimme, einen eigenen Ton, eine eigene soziale Färbung. Mit fast paranoider Präzision gelingt es Luiz Ruffato, den Klang, die Gerüche, die Farben, die Angst einer 22-Millionen-Stadt poetisch exakt zu erfassen und zu dem verstörenden Porträt einer zerrissenen Gesellschaft zusammenzusetzen.

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  • Rezension zu "Es waren viele Pferde" von Luiz Ruffato

    Es waren viele Pferde

    WinfriedStanzick

    15. November 2012 um 13:55

    Einen „Klassiker der modernen brasilianischen Literatur“ hat der kleine in Berlin und Hamburg ansässige linke Verlag Assoziation A mit dieser Übersetzung von Michael Kegler den deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht. „Es waren viele Pferde“ ist nach einem debütierenden Erzählungsband der erste Roman des 1961 geborenen Luiz Ruffato, der in einer armen Migrantenfamilie aufwuchs. Dieser Roman wurde von der brasilianischen Kritik begeistert aufgenommen. Man attestierte Ruffato, mit seinem Erstling die brasilianische Literatur regelrecht revolutioniert zu haben und Ruffato erhielt dafür den Premio Machado de Assis der brasilianischen Nationalbibliothek. Der Roman besteht aus 69 shortcuts, mit denen der Autor ein Bild der großen Stadt Sao Paulo geben will mit all ihren Licht- und Schattenseiten. Man liest diese Geschichten, die sich am Ende zur Geschichte eines Landes voller Gewalt und Entwurzelung zusammenfügen, mit dem Gefühl, als sitze man vor einer Art Bildschirm und zappe sich durch die Programme. Aus den einzelnen Stimmen, die man da hört, aus den Schicksalen, denen man da kurz, aber umso eindrücklicher begegnet, wird eine Art Film. Man kann die Farben regelrecht sehen, die Gerüche riechen. Jede einzelne Person, jede einzelne Stimme aus diesen 69 Geschichten hat ihren eigenen Charakter. Lutz Taufer wies in einer Besprechung in der taz darauf hin, dass die Armen (vielleicht nicht nur in Brasilien) ihr „Lebensschicksal narrativ bewältigen, nicht analytisch“. Wenn man als Leser in diese narrative Welt einsteigt, begreift man etwas von der Wirklichkeit des Landes, seiner Menschen und seiner Gesellschaft. Luiz Ruffato hat dem für ihn wohl überraschenden Erfolg seines ersten Romans zwischen 2005 und 2011 den fünfbändigen Zyklus „Provisorische Hölle“ geschrieben, deren Bände ab 2013 bei Assoziation A erscheinen werden. Man darf mit Recht darauf gespannt sein.

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