Luana

von Luiza Sauma 
4,2 Sterne bei16 Bewertungen
Luana
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SitataTirulalas avatar

Zu sagen es wäre eine schöne Geschichte würde den Figuren und ihren Erlebnissen vermutlich nicht gerecht. Aber eine sehr schöne Geschichte!

hannipalannis avatar

Ich war in Brasilien mit Luana und André und habe ihre Geschichte miterlebt. So lebendig geschrieben, so schön. Große Leseempfehlung!

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Inhaltsangabe zu "Luana"

»Wunderbar vielschichtig und mitreißend erzählt.« Elle

Selbst nach Jahrzehnten in London kann André seine Heimat nicht vergessen: Rio de Janeiro und den sonnengetränkten Strand von Ipanema. Besonder verfolgen ihn die Erinnerungen an den Sommer 1985. Es war der Sommer, als seine Mutter starb. Und der Sommer, als er sich in das Dienstmädchen Luana verliebte. Eine geheime, eine unmögliche Liebe. Dreißig Jahre später schreibt Luana ihm einen Brief, und André reist nach Brasilien. Er will sich endlich der Verantwortung stellen, vor der er als junger Mann geflohen war, und muss die schmerzhafte Erfahrung machen, dass manche Versäumnisse endgültig sind.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783455004540
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:Atlantik Verlag
Erscheinungsdatum:17.07.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    SitataTirulalas avatar
    SitataTirulalavor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Zu sagen es wäre eine schöne Geschichte würde den Figuren und ihren Erlebnissen vermutlich nicht gerecht. Aber eine sehr schöne Geschichte!
    Luiza Sauma - Luana

    Rezension hier: https://licentpoeticae.wordpress.com/2018/07/14/luiza-sauma-luana/#more-203

    Ipanema, 1985: Andrés behütetes Leben gerät aus den Fugen, als seine Mutter bei einem Autounfall stirbt. Plötzlich ist der ihm und seinem Bruder beinahe fremde Vater für sie verantwortlich. Trost findet er bei der Haushälterin der Familie, die ihn praktisch mit aufgezogen hat – und bei ihrer Tochter Luana. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten verlieben sich die beiden Teenager ineinander, doch ihre Liebe hält nur einen Sommer. Dreißig Jahre später, André ist mittlerweile verheiratet, lebt in London und hat zwei Töchter, bekommt er einen Brief von Luana, der sein Leben erneut auf den Kopf stellt. Wann ist es zu spät, etwas wiedergutzumachen?

    Luanas Brief bringt Andrés Leben völlig aus dem Gleichgewicht. Dabei ist es dreißig Jahre her, dass er sie zuletzt gesehen hat. Das hat mich sehr neugierig gemacht, was damals geschehen sein muss, dass es auch nach einem so langen Zeitraum noch immer solche Wellen bei André schlägt, wenn die Erinnerung kurz angestoßen wird. Auf zwei Handlungsebenen nähert sich die Geschichte den Ereignissen aus jenem Sommer an. André erzählt zum einen in der Gegenwart, was Luanas Briefe für ihn bedeuten, aber auch – und das eigentlich fast überwiegend – aus der Vergangenheit, aus diesem traumhaften Sommer als Luana und er gerade an der Schwelle zum Erwachsenwerden standen und sich trotz aller Widrigkeiten ineinander verliebten.
    Luiza Sauma erzählt dabei eine gefühlvolle Liebesgeschichte. Es ist keine leidenschaftliche Liebe auf den ersten Blick, denn die beiden sind schließlich miteinander aufgewachsen, sondern ein vorsichtiges, vielleicht sogar zaghaftes Annähern, wobei sie sich beide schwer tun, ihre Gefühle füreinander zu erkennen und einzugestehen. Denn ebenfalls aufgewachsen sind sie mit dem Standesbewusstsein ihrer Generation: sie ist bloß ein Dienstmädchen, er wird einmal wie sein Vater Medizin studieren und Arzt werden. Doch am Ende ist es nicht nur dieser Standesunterschied, der zwischen ihnen steht und ihre junge Liebe nur einen Sommer lang anhalten lässt.
    Für mich hatte das Buch zwar kleine Längen, die sich aber angesichts des überschaubaren Seitenumfangs in Grenzen hielten. Und ein bisschen Spannung war auch immer dabei: passiert es jetzt? Ist es dieses Mal mehr als nur ein Blick? Ein Gedanke? Eine zufällige Berührung? Und was um alles in der Welt ist vor dreißig Jahren geschehen, dass der Bruch so endgültig war?

    Zu sagen es wäre eine schöne Geschichte würde den Figuren und ihren Erlebnissen vermutlich nicht gerecht. Aber Luana und André dabei zu begleiten hat mir trotzdem gefallen. Daher gibt es von mir vier Punkte für „Luana“.

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    buecherwurm1310s avatar
    buecherwurm1310vor 2 Jahren
    Von der Vergangenheit eingeholt

    Der Mediziner André Cabral lebt und arbeitet in London, als ihn ein Brief von Luana erreicht. Luana war vor dreißig Jahren genau wie ihre Mutter Dienstmädchen Rita im Haus seiner Familie. Erinnerungen werden wach. Seltsamerweise verfolgte ihn Luana in letzter Zeit in seinen Träumen.

    Der Schreibstil ist gut lesbar und so bildhaft, dass ich mir alles sehr schön vorstellen konnte. Der Leser erfährt auch einiges über die brasilianische Lebensart.

    Wir erfahren die Geschichte aus der Sicht Andrés und aus den Briefen von Luana. Die Zeiten wechseln zwischen der jetzigen Zeit und dem Jahr 1985. Luana hat sich informiert, wie Andrés Lebensweg verlaufen ist. Sie hat ihn also quasi im Auge behalten, während André doch viele Jahre alles verdrängt hat. Die Personen sind gut und authentisch dargestellt. Allerdings hätte ich gerne noch mehr über Luana erfahren.

    André hat sein Leben in Ipanema hinter sich gelassen und nicht weiter daran gedacht. Aber seine Träume und dann der Brief von Luana, bringen das, was geschehen ist, wieder an die Oberfläche. Er ist in einer wohlhabenden Familie großgeworden. Der Vater war ein vielbeschäftigter Chirurg und selten zu Hause. Nach dem Tod der Mutter verlieren der sechszehnjährige André und sein zehn Jahre jüngerer Bruder Thiago den Halt. Der Vater flüchtet sich noch mehr in die Arbeit. Rita gibt den Jungen Trost, aber das ist für André nicht genug, er ist mit seiner Trauer und der Leere allein. So kommt es wie es kommen muss, er fühlt sich zu Luana hingezogen. Obwohl ihr beider Lebensweg vorgezeichnet ist und sich in total unterschiedliche Richtungen bewegen wird, denn Luna wird immer bei wohlhabenden Familien arbeiten müssen, während André in die Fußstapfen seines Vaters treten soll, verlieben sich die beiden ineinander. Aber es darf nicht sein, was nicht sein kann und schließlich flieht André vor seinen Gefühlen und seinem Vater und auch vor der Verantwortung.

    Nun aber erreichen ihn Briefe von Luana und er muss sich dem stellen, vor dem er vor so vielen Jahren geflohen ist. Er ist zwar verheiratet und Vater von zwei Kindern, lebt aber seit einer Weile von seiner Frau getrennt. Nach dem Brief sind seine Gefühle sehr zwiespältig, aber er entschließt sich nach Brasilien zu reisen. Doch man kann nach so langer Zeit nicht einfach da weitermachen, wo es einst endete, und man kann auch nichts wieder gutmachen.

    Die Geschichte der beiden hat mich sehr berührt. Hätte es eine Chance für sie gegeben? Hätten sie Standesunterschiede überbrücken können?

    Die Geschichte entwickelt sich nicht so, wie ich es angenommen hatte, da es immer wieder überraschende Wendungen gibt. Dennoch ist das Ende sehr passend.

    Dieser Roman hat mir gut gefallen.

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    Girdies avatar
    Girdievor 2 Jahren
    Einfühlsam geschrieben mit einigen überraschenden Wendungen

    Ein Brief aus Brasilien löst bei André Caraval, Mitte 40 und Allgemeinmediziner in London, Erinnerungen an seine Jugend in Rio de Janeiro aus. Doch bereits seit Monaten träumt er von der Absenderin Luana, dem früheren Dienstmädchen der Familie. In seinen Träumen ist sie für ihn unerreichbar.

    Im gleichnamigen Roman konfrontiert Luiza Sauma gleich zu Beginn den Leser damit, dass André etwas in seinem Inneren ganz tief verborgen hat. Der Brief bringt Gefühle in ihm an einen langen heißen brasilianischen Sommer an die Oberfläche. Es war 1985 kurz nach dem Tod seiner Mutter und das Jahr in dem er seinen schulischen Abschluss gemacht hat. Luana war in diesem Sommer 16 Jahre alt. Schon das Titelbild in schwarz-weiß führt den Leser in der Zeit zurück. Das Cover zeigt eine junge Frau, die am Fenster Abkühlung im leichten Windzug sucht und offenbart dabei auf den zweiten Blick erkennbare Intimität, die eine zweite anwesende Person in der Szene erwarten lässt.

    Andrés Familie ist wohlsituiert und beschäftigt ihrem Stand entsprechend ein Dienstmädchen. Luanas Mutter ist in dieser Rolle der Familie von André seit vielen Jahren verbunden. Seit einiger Zeit wird sie durch ihre Tochter unterstützt. Der Vater von André ist als Chirurg bis spät abends beschäftigt. André und sein zehn Jahre jüngerer Bruder sind also, nachdem die Mutter verstorben ist, häufig mit den beiden Bediensteten zu Hause allein. Luanas Haut lässt vermuten, dass ihr Vater ein Weißer ist, doch näheres erfährt sie nicht von ihrer Mutter.

    Sie ist anmutig und hübsch, ihrem Charme kann André sich nicht gänzlich entziehen. Aus der Sicht eines heute verheirateten, aber seit kurzem getrennt lebenden Manns mit zwei Kindern blickt er auf die Ereignisse Mitte der 1980er Jahre zurück. Mag der räumliche Abstand von seiner Heimat es ihm ermöglicht haben, das damalige Geschehen auszublenden, vergessen hat er es nicht. Jetzt beginnt er seine eigene Handlungsweise zu hinterfragen und aufzuarbeiten.

    Obwohl ein Dienstmädchen möglichst präsent im Haushalt ihres Dienstherrn zu sein hatte, war ihr Platz grundsätzlich in der Küche oder dem eigenen kleinen Zimmer im Haus, wo sie Essen oder einer Beschäftigung außerhalb des Haushalts nachgehen konnte. Ihre Lebenswege scheinen auf diese Weise vorgezeichnet zu sein. Doch wenn er mit Luana allein ist, weichen die Grenzen zwischen ihnen zurück. In seinen Schilderungen kommt zum Ausdruck, dass er seine Mutter sehr stark vermisst. In der Wohnung bleibt alles an seinem Platz, vieles muss ihn an sie erinnern. Vielleicht ist es die Suche nach Geborgenheit, die er bei dem jungen Dienstmädchen zu finden hofft. Vielleicht ist es aufgrund der fehlenden Vaterfigur die Suche nach männlicher Stärke von der Luana André entgegen getrieben wird.

    Luiza Sauma nähert sich dem alles ändernden, entscheidenden Zeitpunkt im Leben von André eher vorsichtig, aber äußerst offen, aus der Perspektive des inzwischen erwachsenen André in der Ich-Form erzählt. Sein Verhalten wird neben dem Unfalltod der Mutter auch beeinflusst von den Anforderungen des Vaters an ihn, den Erwartungen seiner Freunde und dem in der Gruppe üblichen Alkohol und Drogenkonsum gegen die endlose Langeweile der Kinder reicher Eltern. Der Sommer 1985 ist für beide Protagonisten eine wichtige Zeit in der ihnen die Gestaltung ihrer Zukunft offen stehen sollte. Aber für beide existieren aus unterschiedlichen Gründen Einschränkungen und Alternativen fehlen.

    Die Autorin schreibt in einem leicht lesbaren Schreibstil in den sie einige portugiesische Wörter eingeflochten hat, die die Gestaltung des Umfelds abrunden. Die Kenntnis der Gegebenheiten in ihrem Geburtsort Rio de Janeiro lässt die Geschichte glaubhaft und real erscheinen. Während ich glaubte, die Hitze des Sommers zu spüren und die Luft flirren zu hören, habe ich ganz nebenbei auch einiges von der Lebensweise der Brasilianer in Ipanema erfahren können. Durch die Briefe Luanas konnte ich mir bereits einige Vorstellungen davon machen, was damals passiert ist. Doch meine Vermutungen reichten nicht daran heran, was wirklich geschah. Über allem liegt ein geheimnisvoller Schleier, der ein gewisses Spannungselement in den Roman einbringt und erst sehr spät gelüftet wird.

    „Luana“ ist ein einfühlsam geschriebener Roman mit einigen überraschenden Wendungen über die gesellschaftliche Stellung durch Geburt, die Auswirkung des Vertuschens von Verfehlungen und der Unmöglichkeit der Korrektur verpasster Möglichkeiten. Im Vordergrund steht jedoch immer die Liebe zum Leben. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und daher empfehle ich es gerne weiter.

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    krimielses avatar
    krimielsevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Unkitschig erzählte dramatische Familien-und Liebesgeschichte
    Dramatische brasilianische Familiengeschichte

    Der Debütroman "Luana" von Luiza Sauma ist eine mitreißende und tragische Familiengeschichte, die nach Hitze, Sonne und Wehmut Brasiliens schmeckt.

    "Mamãe starb im Januar 1985 bei einem Autounfall auf der Straße, in der ich aufgewachsen bin. Alles, was danach passierte, war zweitrangig."

    André Cabral ist 16 Jahre alt, als seine Mutter in Rio de Janeiro tödlich verunglückt und die Familie mit dem Vater und seinem 10 Jahre jüngeren Bruder traumatisiert zurück lässt. Er erlebt nach dem Unfall alles wie durch einen Schleier, kapselt sich von seinen Freunden ab und versucht, den Tod der Mutter zu verarbeiten. Unterschwellig spürt er ständig den Verlust, fühlt die Leere in der Wohnung, die sie zurück gelassen hat, sieht sie in seinen Träumen und Albträumen.
    Andrés Vater verschanzt sich hinter seiner Arbeit als Schönheitschirurg, der kleine Bruder Thiago sucht Trost bei Rita, dem Hausmädchen, das mit ihrer Tochter, wie damals bei reichen Brasilianern üblich, in der Wohnung der Familie in Rio wohnt.
    Es ist die Zeit des Endes der Militärdiktatur in Brasilien, doch André bekommt wegen seiner Trauer kaum etwas davon mit und es interessiert ihn auch nicht wirklich. Er ist, wie seine Freunde auch, aufgewachsen mit dem silbernen Löffel im Mund, ohne politische Sorgen.
    Ein Jahr nach dem Tod der Mutter verlieben sich André und Luana, die schöne halbwüchsige Tochter von Rita, ineinander, und sind sich dabei bewusst, dass ihre Liebe wegen Überschreitung der gesellschaftlichen Klassengrenzen keine Zukunft hat.
    André verlässt Rio nach der Schule mit 18 Jahren und geht nach London, wo er Medizin studiert, seine spätere Frau Esther kennenlernt und mit ihr eine Familie gründet. Nach vielen Jahren bekommt er einen Brief von Luana mit rätselhaften Andeutungen, der ihn aus der Bahn wirft...

    "Ich werde Dich warten lassen, so wie Du uns hast warten lassen.“

    André ist zu Beginn des Buches über 40 Jahre alt und gestandener Hausarzt, wohlsituiert und seit kurzem getrennt von seiner Frau in London lebend, erinnert sich an seine Jugend in Brasilien, insbesondere an die Zeit nach dem Unfall seiner Mutter. Einfühlsam, poetisch und ein bisschen melodramatisch erzählt die Autorin die Geschichte des jungen André, der versucht, sein Leben weiter zu leben. Er vermisst seine Mutter, die Umarmungen des liebevollen schwarzen Hausmädchens Rita, denen er als 17jähriger fast-Mann entwachsen ist und um die er seinen kleinen Bruder beneidet. Zurückgezogen leidet er allein, nachts, in seinen Träumen.
    Sein Vater versucht, ihn zur Arbeit anzuleiten, er möchte, dass sein Sohn seine Klinik übernimmt. Doch André wehrt sich gegen den ihm eigentlich nicht vertrauten Vater, bricht aus Konventionen aus, zum Beispiel durch seine Liebe zu Luana, und flüchtet schließlich aus Brasilien, ohne zurück zu blicken.

    Unterbrochen werden die Erinnerungen, die André an seine Jugend hat, von Luanas Briefen, wodurch Stück für Stück ein vergrabenes Geheimnis offenbart wird, das André letztlich dazu bringt, nach Brasilien zu reisen. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, zu spät und nach zu langer Zeit hat André sich erinnert und aufgerafft, manchmal kann nichts bereinigt oder gerichtet werden.
    Darin liegt wohl die Tragik der Geschichte, er versucht, seiner Vergangenheit zu entfliehen und wird nach vielen Jahren von ihr doch wieder eingeholt.

    „Du warst zu jung, um zu wissen, was du tatest und ich war zu jung, um dich davon abzuhalten.“

    Wie André übergeht die Autorin in ihrem Buch die gesellschaftspolitische Lage im damaligen Brasilien weitgehend. Man bekommt einen kleinen Einblick in die Klassenteilung, erfährt am Rande des Geschehens von der täglichen Gewalt durch Raubüberfälle, spürt der Lebensart der reichen hellhäutigen Brasilianer nach. Mehr jedoch nicht, und darum geht es in dem Roman auch nicht vordergründig.
    Die Kritik ist subtil und unterschwellig eingeflochten, wenn zum Beispiel die Rede davon ist, dass die Dienstmädchen Rita und Luana der Familie Cabral nicht gleichgestellt sind, oder dass Luana die Schule nicht beenden kann.
    Für André, durch dessen Augen man das Geschehen betrachtet, ist dies normal, und durch seinen Schmerz hat er keinen freien Blick entwickeln können. Erst im Nachhinein erlebt er diesbezüglich eine Änderung, als er schon lange in London gelebt hat.

    Völlig unkitschig schreibt sie Autorin, von der Trauer, von der Liebe zwischen André und Luana und von seinem Neuanfang in Europa. Ohne Happy End, ohne Tränen sondern einfach so, wie im richtigen Leben, schließt sich der Kreis für André bei seiner Reise nach Brasilien, und er muss für sich selbst einen neuen Anfang finden.
    Sprachlich schafft es die Autorin dabei, die Hitze und Lebenslust der Brasilianer spürbar zu machen. Gleichzeitig gelingt ihr auch der Vermittlung der verzweifelten Versuche Andrés, sein Leben zu meistern und mit der Trauer um seine Mutter zurecht zu kommen. Ein bisschen wohldosierte Melodramatik, wie in einer guten Telenovela, bekommt der Geschichte dabei sehr gut.

    Fazit
    Ein mitreißendes und eindringlich erzähltes Buch, sehr zu empfehlen für alle, die unkitschige Familiengeschichten mögen; ein Buch, das durch Zeitwechsel, Rückblicke und teils überraschende Wendungen spannenden Lesegenuss bietet. Das ist mir eine Leseempfehlung und gute vier Sterne wert.

    Die Autorin Luiza Sauma, geboren in Rio de Janeiro, lebt in London und wurde 2014 mit dem Pat Kavanagh Award ausgezeichnet. Luana ist ihr Debüt.

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    Pelikanchens avatar
    Pelikanchenvor 2 Jahren
    Sehnsucht und Schmerz

    Wir tauchen ein in ein wundervolles Land, das leider nicht für alle so wunderschön ist. Andre wächst in Brasilien auf und hat einen jüngeren Bruder.  Sein Vater ist Schönheitschirurg und verdient so viel Geld das sich die Familie das Dienstmädchen Rita mit ihrer Tochter Luana gut leisten können. Rita und Luana kümmern sich im Haushalt um alles und Rita ist fast wie eine Mutter zu den beiden Kindern. Luana kennt das Leben nicht anders, als für die Familie zu arbeiten und die Familie kennt es nicht anders, als das andere für sie die Arbeit machen. Als dann Andres Mutter bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt, verliert er irgendwie den Boden unter den Füßen und kommt nur sehr schwer mit der Situation zu Recht.
    Andres empfindet mehr für Luana, aber kann daraus etwas werden?
    Andres Vater hat ein Geheimnis, aber da hatte ich ziemlich bald den richtigen Verdacht........................mehr will ich gar nicht verraten.


    Mir hat das Buch sehr gut gefallen und der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart und eben die Briefe von Luana haben die Geschichte für mich lebendig gemacht. Die Charaktere wurden lebensecht beschrieben und ich fand es toll, das Land und die Leute besser kennen zu lernen. Das Verhältnis zwischen Arm und Reich, wurde hier wirklich gut geschildert und ich konnte mir eine Vorstellung machen, wie sich die Menschen dort fühlen.


    Einzig hätte ich mir gewünscht, etwas mehr über Luana zu erfahren, denn obwohl sie mit eine der Hauptrollen hatte, war sie mir einfach etwas zu Farblos. Ihre Gedanken, ihre Gefühle, die ich mir zwar vorstellen konnte, die sie aber viel besser schildern hätte können.
    Die Geschichte also mal kurz aus ihrer Sicht, das hätte für mich das Buch noch schöner gemacht.


    Eine schöne Geschichte, die einen Brasilien, die Menschen dort und Liebe und Sehnsucht näher bringt. 

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    19angelika63s avatar
    19angelika63vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Emotionale Familengeschichte ...
    Emotionale Familiengeschichte

    Klappentext
    Ipanema, im Sommer 1985: Als Andrés Mutter bei einem Autounfall stirbt, findet der Sechzehnjährige Trost bei dem Dienstmädchen der Familie - und ihrer Tochter Luana, mit der er aufgewachsen ist, wenn ihre Leben auch kaum unterschiedlicher sein könnten: André wird wie sein Vater Medizin studieren, Luana wird das Dienstmädchen einer wohlhabenden Familie werden. Allen Widrigkeiten zum Trotz verlieben sich die Teenager, bis die jugendliche Unbeschwertheit an der Wirklichkeit zerbricht. Dreißig Jahre später bekommt André, der mit seiner Frau und zwei Töchtern in London lebt einen Brief von Luana ...



    "Das Papier roch holzig, feucht, leicht tropisch. Die Vergangenheit besitzt einen bestimmten Geruch, nicht wahr? Für mich riecht sie nach Brasilien. Ich hielt mir den Brief vors Gesicht, atmete ein und spürte, wie dein Jahre dahinschmolzen. Mit einem Mal war ich wieder siebzehn, noch ein Junge. Seit fast dreißig Jahren hatte ich Luana nicht mehr gesehen." (Seite 6)

    André bekommt nach dreißig Jahren einen Brief von Luana. In diesem ersten Brief erzählt sie ihm davon, dass sie ihn bewusst im Internet gesucht hat und genau weiß, was er in den letzten dreißig Jahren so gemacht hat. Sie erzählt auch ein wenig von sich und kündigt an, ihm weitere Briefe zu schreiben, in denen sie André von ihrem Leben erzählen wird.

    Zunächst ist André verwirrt und erinnert sich dann an das Jahr 1985. Seine Mutter war gerade gestorben. Rita, die empregada der Familie wird schnell zum Mutterersatz. Rita holt ihre Tochter Luana ins Haus und André ist von diesem Mädchen fasziniert. Die beiden freunden sich an, doch schon bald wird mehr daraus ... die beiden verlieben sich ineinander. Aber die Liebe steht unter keinem guten Stern, denn man verliebt sich nicht in eine empregada. Zunächst kämpfen die beiden für ihre Liebe, doch dann geschieht etwas unvorhergesehenes und André flieht in die Welt und landet schließlich irgendwann in London, heiratet und vergisst sein altes Leben in Ipanema. Dreißig Jahre später reist er nach Brasilien, um Luana wieder zu sehen und um sich seiner  Vergangenheit zu stellen.

    "Wenn man jung ist, begreift man die Dinge noch nicht in dem Moment, in dem sie geschehen; erst wenn die Bilder erneut im Geist abgespielt werden, lange nachdem das Haar ergraut und der Bauch erschlafft ist, wird einem ihre Bedeutung bewusst." (Seite 41)

    Die Geschichte fängt mit Luanas Brief an, und macht sofort neugierig. Es gibt Andeutungen auf ein Ereignis, welches auch für André neu zu sein schein. In Zeitsprüngen nimmt mich die Autorin Luiza Sauma in Andrés  und Luanas Leben mit. Einmal bin ich im hier und jetzt, dann wieder in Ipanema 1985. In einer wunderschönen und leisen Sprache erzählt Sauma von der ersten Liebe der Teenager, von einer Liebe, die so nicht sein darf, da André ein Junge aus reichem Haus ist, und Luana nur eine empregada (Dienstmädchen). Nebenbei erfahre ich auch einiges über Brasilien, den Menschen  und ihr Leben im Jahr 1985. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse und André verlässt Brasilien. Ich erfahre von seinem Leben in London. Spüre seine innere Zerrissenheit und seine Sehnsucht nach der Heimat.

    "Meinen Vater scherten Regeln nicht, abgesehen von denen, die er selbst aufstellte. Was das anging, war er keine Ausnahme. Das Land - genau genommen der ganze Kontinent - wurde von Männern wie ihm regiert. Regeln waren für die Bedienstete und arme Leute da und für die glücklichen Gringos, die in zivilisierten Ländern lebten." (Seite 112)

    Durch die Zeitsprünge und den wechselnden Perspektiven schafft es die Autorin eine Spannung zu halten, der ich mich nicht entziehen konnte und so habe  das Buch in einem Rutsch gelesen. An manchen Stellen war ich über die Entwicklung der Geschichte überrascht.

    Ich habe die Geschichte von André und Luana sehr gern gelesen. Immer hatte ich die Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet. Doch was wäre gut gewesen? Hätten André und Luana in der brasilianischen Gesellschaft eine Chance gehabt?  Ich denke die beiden hatten nie eine wirkliche Chance, auch wenn sie es sich noch so sehr gewünscht haben. Außerdem wird auch klar, dass manche Versäumnisse im Leben unwiederbringlich sind.

    "Ich habe den gleichen Fehler begangen, den Menschen seit Anbeginn der Zeit machen: zu denken, man könnte sich ändern, indem man einfach woandershin geht." (Seite 294)


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    ChrischiDs avatar
    ChrischiDvor 2 Jahren
    Vergangenheit und Gegenwart

    Der junge André wird völlig aus der Bahn geworfen als seine Mutter bei einem Unfall stirbt. Gemeinsam mit Vater, Bruder und Dienstmädchen Rita sowie deren Tochter Luana, versucht er über den herben Verlust hinwegzukommen. Sein Vater, angesehener Schönheitschirurg, verschanzt sich hinter seiner Arbeit und drängt André in seine eigenen Fußstapfen zu treten. Dieser jedoch möchte sich seine Zukunft nicht diktieren lassen. Vielmehr plant er bereits früh nach seinem Abschluss Brasilien hinter sich zu lassen. Zuvor allerdings nähern Luana und André sich immer weiter an, bedacht darauf, keine Aufmerksamkeit zu erregen. Viele Jahre später, André lebt inzwischen in London, hat zwei Töchter und lebt seit kurzem wieder allein, erhält er Briefe von Luana, die ihn die Zeit damals nicht nur reflektieren, sondern einen ganz anderen Blick darauf werfen lassen...

    Mittels der Briefe, die André von Luana erhält, strömen sämtliche Erinnerungen auf ihn ein, die er nicht nur Revue passieren lässt, sondern auch gewissermaßen von außen betrachtet, zuweilen sogar bewertet. Schnell wird klar, dass er seine Vergangenheit zwar in gewisser Weise hinter sich gelassen, aber noch lange nicht verarbeitet hat. Der Leser begibt sich also auf eine Reise nach Brasilien, Mitte der 80er Jahre. André, inzwischen selbst Mediziner, erscheint in der Gegenwart als ein Charakter, der, mit Hilfe der damaligen Ereignisse, eine Wandlung vollzieht, aufrichtiger sich selbst und anderen gegenüber wird. Sicherlich war er noch ein Jugendlicher, dennoch hätte er für die ein oder andere Handlung gerade stehen sollen und müssen, manches Mal möglicherweise besonnener handeln, wobei sich dies im Nachhinein und von außen immer leicht sagt.

    Neben den Personen lernt der Leser Land, Leute und Kultur kennen, womit man bisher gemeinhin vermutlich weniger in Kontakt gekommen ist. Manches mag zunächst befremdlich erscheinen, anderes erweckt Vertrauen, doch ist man bereit sich auf das Geschehen einzulassen, lernt man schnell in andere Denkmuster zu verfallen, um die verschiedensten Lebensformen besser zu begreifen.

    Die Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie die eingeflochtenen Briefe Luanas lassen die Geschichte lebendig werden und halten die Spannung auf hohem Niveau. Obwohl es sich um einen Roman und keinen Krimi handelt, gibt es durchaus Passagen, bei denen man unbedingt wissen möchte wie es weiter geht. Hier wird dann zumeist ein Perspektiv- oder Ortswechsel eingefügt, um die Neugierde zu schüren und den Leser dazu zu animieren, selbsttätig über einen möglichen Verlauf zu sinnieren. Sicherlich sind einige Ereignisse vorhersehbarer Natur, anderes allerdings geschah und geschieht sprichwörtlich aus heiterem Himmel. Vor allem sollte man niemals zu versteift bezüglich der Figuren und ihrer Charaktereigenschaften sein.

    Bei „Luana“ handelt es sich um eine wundervolle Erzählung, die dem Leser das Leben in Brasilien, damals wie heute, ein wenig näher bringt und gleichzeitig eine Geschichte voller Sehnsucht birgt, deren Fortgang immer wieder für Überraschungen gut ist, mit einem Ende, das passender nicht sein könnte.

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    hannipalannis avatar
    hannipalannivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ich war in Brasilien mit Luana und André und habe ihre Geschichte miterlebt. So lebendig geschrieben, so schön. Große Leseempfehlung!
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    19angelika63s avatar
    19angelika63vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Emotionale Familengeschichte ...
    SteffiWausLs avatar
    SteffiWausLvor 6 Monaten

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