Lukas Bärfuss

 3.4 Sterne bei 106 Bewertungen
Autor von Koala, Hundert Tage und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Lukas Bärfuss

Lukas Bärfuss ist ein schweizer Schriftsteller, der 1971 geboren wurde und unter anderem als Gärtner, Tabakbauer, Eisenleger, Dramaturg und Buchhändler arbeitete. Seit 1997 ist er jedoch als freier Schriftsteller tätig und fungiert als Lehrbeauftragter am Schweizerischen Literaturinstitut. Nach zahlreichen Theaterstücken erschien 2002 mit "Die toten Männer" sein Prosadebüt. 2014 ist sein aktueller Roman "Koala" erschienen, mit dem er auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2014 steht.

Neue Bücher

Hagard

 (28)
Erscheint am 10.12.2018 als Taschenbuch bei btb.

Alle Bücher von Lukas Bärfuss

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Koala

Koala

 (40)
Erschienen am 08.02.2016
Hundert Tage

Hundert Tage

 (30)
Erschienen am 01.02.2010
Hagard

Hagard

 (28)
Erschienen am 10.12.2018
Hundert Tage: Roman

Hundert Tage: Roman

 (4)
Erschienen am 05.12.2012
Die toten Männer

Die toten Männer

 (2)
Erschienen am 22.07.2002
Öl

Öl

 (0)
Erschienen am 01.09.2009

Neue Rezensionen zu Lukas Bärfuss

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KasiaJaeckels avatar

Rezension zu "Koala" von Lukas Bärfuss

Requiem für einen Systemflüchtling
KasiaJaeckelvor 9 Monaten

Meine erste Begegnung mit dem mehrfach ausgezeichneten Dramatiker Lukas Bärfuss war dessen Roman „Hagard„. Mein Dahinscheiden nach der Lektüre eher zwiegespalten. Dennoch griff ich in der Bibliothek zu, als mir „Koala“ ins Auge sprang.

Ich denke, nicht zuletzt auf Grund ambivalenten Gefühle gegenüber dem erwähnten Roman von Bärfuss „Hagard“. Lange hatte ich mich damals gefragt, wie dieses eher abgebrochen wirkende Werk seinen Weg in einen namhaften Literatur-Wettbewerb hatte schaffen können. Letzten Endes schürte auch die Thematik, nämlich der Auseinandersetzung mit dem Suizid des eigenen Bruders des Autors, meine Neugier. Wie würde diese Auseinandersetzung und Analyse aussehen? Würden hier Schuldfragen gewälzt? Dynamiken offenbart?

Ich wurde nicht enttäuscht, nein. Ich würde tief berührt.

Erneut nahm mich der etwas eigene Stil für sich ein. Etwas altbacken anmutende Ausdrucksweise gepaart mit der Darstellung einer bourgeoisen Lebensweise überraschten. Eine Ausschweifung, die zur Reise in die Geschichte einer Tierart und auch eines ganzen Kontinents wird, nahm mich gefangen.

Bärfuss hat mich nicht nur gefangen, sondern auch berührt mit diesem mutigen Stück Literatur, in dem er nicht nur herbe Kritik gegenüber seinem Herkunftsort durchscheinen lässt. Vielmehr stellt er auch sich selbst und sein Verhalten immer wieder in Frage und ließ mich als Leserin tief in seine eigene Innenwelt, in seine intimen Erinnerungen an ein liebes Familienmitglied hinein.

Wie geschickt er bei aller Abschweifung und Skurrilität den Bogen schlägt – zwischen dem traurigen Ereignis, den Nachwehen des Ganzen hin zu dem Spitznamen des Bruders und darüber hinaus zu einer Hypothese bezüglich der Selbsttötung – mutete mir persönlich geradezu genial an.

Trotz harter Thematik kann ich die Lektüre empfehlen. Die im Wallstein-Verlag erschienenen 182 Seiten sind ein gelungenes Requiem.

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flokratissons avatar

Rezension zu "Hagard" von Lukas Bärfuss

Ein Mann, eine Verfolgung und viele Fragen
flokratissonvor 9 Monaten

Ein altes Sprichwort besagt: Mischt der Zufall die Karten, so verliert der Verstand das Spiel. Etwa so lässt sich das Schicksal Philips, der Hauptperson in Lukas Bärfuss‘ „Hagard“ zusammenfassen. Es ist eine Geschichte von Zufall und Obsession, einem Wechselspiel beider Elemente. Ein Eintauchen in die Psychologie eines Mannes, der beginnt, seinen Verstand zu opfern, um seinen Sinnen zu folgen. Dazu gesellt sich Kritik an der Gesellschaft und der Welt, dessen grässliche Visage „Hagard“ zu entblößen versucht.

Alles beginnt mit einemPaar Schuhe. Philip, ein Immobilienhändler, wartet in einem Café auf einen Kunden, als er ein blaues Paar Ballerinas erspäht. Die Trägerin: eine zierliche, junge Frau. Philip erkennt ihr Gesicht nicht, doch fasst den Entschluss sich unauffällig an ihre Fersen zu heften. Der zunächst bedeutungslose Zeitvertreib entwickelt sich zu einem Spiel. Die Neugier plagt ihn, er möchte mehr über die Frau erfahren. Schnell wird aus Neugier Hingabe und aus Hingabe Obsession. Philip verfolgt die Unbekannte überall hin, überwacht ihr Haus, gibt seinen Alltag vollends auf. Es folgt eine kräftezehrende Jagd, in der Philip hungert und verwahrlost, sogar Diebstahl begeht und schließlich ins Verderben rennt.


Das Geschehen in „Hagard“ wird primär aus der Perspektive Philips geschildert, eingeleitet wird sie jedoch von einem anonymen Ich-Erzähler, eine Art Verfolger des Verfolgers, der „als Zeuge vollständig und ungeschönt“ von Philips Taten berichten will, samt der „schmutzigen und kranken Momente“. Das Interesse des Lesers ist geweckt, das bizarre Treiben kann losgehen.


Gelingt es Bärfuss die Handlung zu Beginn noch interessant und fließend zu gestalten, verliert er sich zunehmend in belanglosen Beschreibungen und abschweifenden Gedankenströmen. Nahezu jede Beobachtung, die Philip macht, erzeugt Assoziationen und es entstehen langwierige Exkurse zu Gott und der Welt. So liegen nur wenige Sätze zwischen der Beschreibung eines Pelzes und der Erläuterung einer artistischen Sexualpraktik. Die Gedankengänge des Protagonisten mögen unterhaltsam, zum Teil erhellend sein, auf Dauer sind sie vor allem eines: Ermüdend. Zu oft verharrt die Handlung im Stillstand.


Abstrus wird es zum Ende hin, wenn Bärfuss über zehn Seiten vom Leben einer Person erzählt, die in der Handlung keinerlei Rolle spielt. Bärfuss hat, so scheint es, Spaß am Erzählen und es ist ein Handwerk, das er gut beherrscht. Doch in zu vielen Passagen des Buches stellt sich die Frage, worauf er hinaus und was er dem Leser vermitteln möchte.


Bärfuss ist sehr um Zeitkritik bemüht. Ob Vogelgrippe, Krim-Krise oder die verschwundene Boeing 777 der Malaysia Airlines – zahlreiche Katastrophen der Gegenwart sind in der Erzählung eingestreut und so ergibt sich eine düstere Grundstimmung. Der Titel „Hagard“ mag je nach Aussprache so klingen wie der Wandschrank eines schwedischen Möbelhauses, doch es handelt sich hierbei um den französischen Begriff für „verängstigt“ - ein klares Statement zu unserem Zeitgeschehen.


Zu diesem gehören auch die Menschen, über die in Hagard der Stab gebrochen wird. Philips Abneigung gegen alles und jeden ist unübersehbar. „Zwei Spießgesellen in gelber Weste, grinsend und gefräßig“, ist nur eine von vielen spöttischen Personenbeschreibungen. Vielleicht liegt gerade in der Aversion gegen seine Mitmenschen die Ursache für seine Handlungen. Die Abneigung gegen den farblosen Alltagstrott, die Konformität der Gesellschaft und ihre Oberflächlichkeit. Vielleicht projiziert er auf die unbekannte Frau seinen Wunsch, dem Alltag zu entfliehen und sieht in ihr einen Freigeist, der über jenem Alltag steht.


Als Philip eine Meldung von der Polizei erhält, erkennt er, dass er zu seinem normalen Leben zurückkehren muss. Doch ist es allein die Meldung, die seinen Entschluss evoziert oder die Tatsache, ein Geheimnis gelüftet zu haben? Philip hat ihr Antlitz gesehen, er hat herausgefunden, welcher Arbeit seine „Göttin“ nachgeht, dass auch sie nur eine von vielen ist. „Solange sie ein Geheimnis ist, so lange kannst du glauben“, heißt es an anderer Stelle. Nun hat Philip Gewissheit – und das Spiel seinen Reiz verloren.


Die Antwort auf die Fragen des Werks kann sich der Leser nur selbst geben. Der Autor beantwortet sie nicht, sondern stellt stetig mehr Fragen in den Raum. Bärfuss‘ Erzählweise ist gut, zuweilen spöttisch und bissig. Das breite Repertoire an Themen regt zum Nachdenken an, doch zu oft verliert er sich in Abschweifungen, entfernt sich vom Pfad der Handlung und somit auch vom Leser, der am Ende des Werkes ratloser scheint, als zu Beginn.

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Rezension zu "Hagard" von Lukas Bärfuss

Lukas Bärfuss | HAGARD
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: Philip, erfolgreicher Immobilienmakler mittleren Alters, entschließt sich aus einer Laune heraus, eine Frau zu verfolgen, die er noch nie vorher gesehen hat. Im alltäglichen Berufsgedränge ist sie ihm aufgefallen wie ein helles Licht in dunkler Nacht. Er lässt sie nicht mehr aus den Augen, sagt kurzerhand alle Termine ab und verfolgt sie durch die halbe Stadt bis vor ihr Haus, vor dem er die Nacht verbringt. Unglückliche Zufälle lassen ihn am nächsten Morgen seine Papiere verlieren, die Hälfte seines Schuhwerks, er sieht schlimm aus und riecht unangenehm, aber er von seiner Angebeteten kann er nicht mehr lassen – längst ist aus dem kleinen Abenteuer eine Obsession geworden, ein Zwang, der ihn an den gesellschaftlichen Rand und schließlich auch in den Ruin treiben könnte.

FORM: Was Lukas Bärfuss (*1971) hier auf rund 170 Seiten zwischen zwei Buchdeckel quetscht, ist eine Mischung aus Psychogramm und surrealem Thriller. In teils komisch-skurrilen, teils unheimlichen Szenen lässt er den willenlosen Helden seiner irrlichternen Göttin nachsteigen und tritt dabei nach freiem Belieben aufs Gas- oder Bremspedal. Manchmal ist die Prosa halsbrecherisch rasant, an anderen Stellen poetisch zart – auf keiner Seite jedoch hat man als Leser das Gefühl, Bärfuss könne auf irgendeine Art die Kontrolle verlieren.

Die Charaktere, die in HAGARD auftreten, könnten unterschiedlicher kaum sein, und Bärfuss widmet sich jeder Figur auf andere Weise: Während Philip selbst als Hauptperson bis in die tiefsten Tiefen ausgelotet wird, bleibt sein Irrlicht naturgemäß unscharf; und damit wir gewisse Beweggründe verstehen, wird die komplette Vita eines Taxifahrers ausgerollt, auch wenn dieser erst zum Ende der Geschichte auftaucht; und dann gibt es ja auch ab der ersten Seite diesen ominösen Ich-Erzähler, der selbst gar nicht zur Handlung gehört, auf metaphysische Art aber Philip lenkt.

FAZIT: Ein großer kleiner Spaß, den uns Bärfuss hier auftischt. HAGARD (übrigens ein Begriff aus der Jägersprache, der einen abgerichteten Jagdfalken bezeichnet) weiß sowohl zu unterhalten, als auch stilistische Ansprüche zu bedienen. Ein kleines Meisterwerk – Fünf Sterne!

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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Zusätzliche Informationen

Lukas Bärfuss wurde am 30. Dezember 1971 in Thun (Schweiz) geboren.

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