Lukas Bärfuss

 3.4 Sterne bei 111 Bewertungen
Autor von Koala, Hagard und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Lukas Bärfuss

Lukas Bärfuss ist ein schweizer Schriftsteller, der 1971 geboren wurde und unter anderem als Gärtner, Tabakbauer, Eisenleger, Dramaturg und Buchhändler arbeitete. Seit 1997 ist er jedoch als freier Schriftsteller tätig und fungiert als Lehrbeauftragter am Schweizerischen Literaturinstitut. Nach zahlreichen Theaterstücken erschien 2002 mit "Die toten Männer" sein Prosadebüt. 2014 ist sein aktueller Roman "Koala" erschienen, mit dem er auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2014 steht.

Alle Bücher von Lukas Bärfuss

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Koala

Koala

 (42)
Erschienen am 08.02.2016
Hundert Tage

Hundert Tage

 (30)
Erschienen am 01.02.2010
Hagard

Hagard

 (30)
Erschienen am 10.12.2018
Hundert Tage: Roman

Hundert Tage: Roman

 (4)
Erschienen am 05.12.2012
Die toten Männer

Die toten Männer

 (2)
Erschienen am 22.07.2002
Öl

Öl

 (1)
Erschienen am 01.09.2009
Stil und Moral

Stil und Moral

 (0)
Erschienen am 11.06.2018

Neue Rezensionen zu Lukas Bärfuss

Neu

Rezension zu "Koala" von Lukas Bärfuss

Die Geschichte des Koalas
mandyswonderworldvor 2 Monaten

Am Anfang habe ich mich schwer getan mit dem Lesen. Lange, komplizierte Sätze und dazu auch noch das schwierige Thema Suizid, welches mich aber dazu angeregt hatte, das Buch zu lesen. Zu Beginn des Romans erfährt der Ich-Erzähler von dem Suizid seines Bruders. Er fährt in seine Heimatstadt und merkt, was für ein Tabuthema ein Suizid noch ist. Der Ich-Erzähler fängt an über das Leben nachzudenken, was auch mich dazu gebracht hat über einige seiner Fragen nachzudenken. Plötzlich habe ich mich dann aber in der Geschichte der Entdeckung des Koalas wiedergefunden. Der Bruder wurde von seinen Freunden Koala genannt und der Ich-Erzähler möchte nun erfahren, wieso das so ist. Diesen Teil des Romans fand ich zwar auch interessant, aber das war nicht der Grund, wieso ich das Buch ausgewählt habe. Da die Geschichte des Koalas gefühlt kein Ende zu nehmen schien, habe ich mich gefragt, ob ich vielleicht irgendeinen weiteren Zusammenhang zu der Ausgangsgeschichte übersehen habe. Darauf habe ich bis heute keine Antwort gefunden. Auf den letzten Seiten des Romans befindet man sich dann doch wieder in der Anfangsgeschichte und es gibt einige Gedanken, die ich sehr wahr und schön fand. Generell muss ich aber sagen, dass ich die Koala-Geschichte viel zu ausschweifend fand und es dann irgendwann auch langweilig wurde.

»Ich schämte mich für das eigene Glück. Was ich erreicht hatte, verwies nur auf meinen Ehrgeiz. Und mein Ehrgeiz war ein Beweis für das Begehren.«

Trotzdem sind einige Klebezettel mit nachdenklichen und inspirierenden Sätzen in meinem Buch gelandet und ich habe viel über das Thema Leben und Tod nachgedacht.

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Rezension zu "Hagard" von Lukas Bärfuss

Das Begehren trifft den Tod
jenvo82vor 3 Monaten

„Er hat sein Verderben nicht gesucht, nicht einmal die Gefahr, obwohl er dann, als es soweit war und er begriff, an welchem Faden seine Existenz hing, sich dieser Gefahr stellte, ohne zu zögern.“


Inhalt


Erzählt wird die Geschichte von Philip, einem Geschäftsmann um die vierzig, mit einem ganz profanen Leben, zwischen Verpflichtungen, anstehenden Terminen und einer hinreichend verplanten Zeit. Einer von Vielen, der in der grauen Masse verschwindet und sich mit ihr tagtäglich im gleichen Trott bewegt. Eine Zufallsbekanntschaft auf der Straße, ein willkürlicher Akt der Begegnung stellt seinen Tag und im Folgenden sein ganzes Leben auf den Kopf. Philip folgt einem Paar pflaumenblauer Ballerinas durch die Großstadt, die dazugehörige Frau betört ihn, vor allem weil er ihr Gesicht noch nicht gesehen hat und es im Grunde seines Herzens egal ist, ob sie zwanzig oder vierzig Jahre alt ist. Sie wird seine Obsession und er folgt ihr bis nach Hause, versucht in ihren Wohnkomplex zu gelangen und ihre Haustür ausfindig zu machen. Die nächsten 48 Stunden verbringt er im verbotenen Rausch der unentdeckten Beobachtung einer Fremden, sich der Gefahr, die ihm droht durchaus bewusst. Doch von ihr lassen will er auch nicht, selbst dann nicht, als sein Auto nicht mehr auffindbar ist, er nach der Flucht aus der Bahn seinen Schuh verloren hat und sein Handy keine Ladung mehr besitzt. Losgelöst von Raum und Zeit und dennoch erschreckend getrieben steuert das Intermezzo seinem Finale entgegen und Philip seinem Verderben.


Meinung


Der Schweizer Autor Lukas Bärfuss ist Dramatiker und Romancier zugleich und gehört der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung an, sein vorliegendes Buch wird diesem Anspruch mehr als gerecht, vermag er doch eine vollkommen belanglose, willkürliche Situation in ein fesselndes Spiel zu verwandeln und sie darüber hinaus noch  hinterfragend, sezierend und philosophisch zu verpacken. Sprachlich konnte mich dieses Buch auf ganzer Linie überzeugen – so viel Inhalt, so viele Varianten in nur wenigen Sätzen, die außerdem noch ausreichend Interpretationsspielraum lassen – sehr faszinierend.


Der Autor lässt den Leser rätseln, indem er einen übergeordneten Erzähler einsetzt, der seinerseits versucht die Ansprüche des Protagonisten Philips zu entschlüsseln. Dieser Ansatz wirkt wie ein Variante, das Unerklärliche zu offenbaren und wahrt andererseits eine interessante Distanz, die eher aufarbeitend als vorwurfsvoll daherkommt.


 Inhaltlich hingegen ist das Werk sehr diskutabel und schwer greifbar. Man fühlt sich selbst wenig involviert und hat auch kein genaues Bild vor Augen. Die geschilderten Momentaufnahmen sind ein Experiment, ja ein Gedankenexperiment bezüglich einer kleinen Realitätsverschiebung. Bärfuss geht der Frage nach, warum Menschen von ihren erlernten Verhaltensmustern abweichen und sich plötzlich in einer Art Parallelwelt wiederfinden, die vollkommen neue Perspektiven bietet aber auch ungeahnte Abgründe erscheinen lässt. Und er geht sogar noch weiter. Denn nicht nur Philip allein entscheidet, wie er handelt, sondern auch andere unbeteiligte Zeitgenossen in Form von Kontrolleuren, Taxifahrern und Postboten, ja sogar in der Erscheinung einer Elster, die ihren Platz beansprucht. Außerdem liefert er die Antwort auf alle resultierenden Fragen, die den Leser beschäftigen gleich mit, indem er schreibt: „Vielleicht wollte mir seine Geschichte etwas sagen, mich an etwas erinnern, dass ich nicht hätte vergessen dürfen. Bloß hatte ich keine Ahnung, was das hätte sein können, welche Lehre ich aus der Geschichte hätte ziehen sollen.“


Fazit


Ein ganz klassischer Fall für eine Bewertung mit 3 Lesesternen, denn das Für und Wider hält sich hier die Waage. Kulinarisch betrachtet würde ich sagen, es handelt sich weder um Fleisch noch um Fisch und kann damit keinen nennenswerten Beitrag leisten, doch interessant ist dieser sezierende Blick auf gesellschaftliche Werte allemal. Ein optimales Buch für eine Diskussionsrunde, für ebenfalls vielschichtige Meinungsäußerungen und unterschiedliche Blickwinkel, demnach auch eine Empfehlung für den gymnasialen Oberstufenunterricht. Ein Buch, welches in Erinnerung bleibt – ohne wirklich Bestand zu haben und diese literarische Leistung möchte ich loben, selbst wenn mir persönlich alles zu schwammig und offen blieb.

Kommentare: 3
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Rezension zu "Koala" von Lukas Bärfuss

Requiem für einen Systemflüchtling
KasiaJaeckelvor einem Jahr

Meine erste Begegnung mit dem mehrfach ausgezeichneten Dramatiker Lukas Bärfuss war dessen Roman „Hagard„. Mein Dahinscheiden nach der Lektüre eher zwiegespalten. Dennoch griff ich in der Bibliothek zu, als mir „Koala“ ins Auge sprang.

Ich denke, nicht zuletzt auf Grund ambivalenten Gefühle gegenüber dem erwähnten Roman von Bärfuss „Hagard“. Lange hatte ich mich damals gefragt, wie dieses eher abgebrochen wirkende Werk seinen Weg in einen namhaften Literatur-Wettbewerb hatte schaffen können. Letzten Endes schürte auch die Thematik, nämlich der Auseinandersetzung mit dem Suizid des eigenen Bruders des Autors, meine Neugier. Wie würde diese Auseinandersetzung und Analyse aussehen? Würden hier Schuldfragen gewälzt? Dynamiken offenbart?

Ich wurde nicht enttäuscht, nein. Ich würde tief berührt.

Erneut nahm mich der etwas eigene Stil für sich ein. Etwas altbacken anmutende Ausdrucksweise gepaart mit der Darstellung einer bourgeoisen Lebensweise überraschten. Eine Ausschweifung, die zur Reise in die Geschichte einer Tierart und auch eines ganzen Kontinents wird, nahm mich gefangen.

Bärfuss hat mich nicht nur gefangen, sondern auch berührt mit diesem mutigen Stück Literatur, in dem er nicht nur herbe Kritik gegenüber seinem Herkunftsort durchscheinen lässt. Vielmehr stellt er auch sich selbst und sein Verhalten immer wieder in Frage und ließ mich als Leserin tief in seine eigene Innenwelt, in seine intimen Erinnerungen an ein liebes Familienmitglied hinein.

Wie geschickt er bei aller Abschweifung und Skurrilität den Bogen schlägt – zwischen dem traurigen Ereignis, den Nachwehen des Ganzen hin zu dem Spitznamen des Bruders und darüber hinaus zu einer Hypothese bezüglich der Selbsttötung – mutete mir persönlich geradezu genial an.

Trotz harter Thematik kann ich die Lektüre empfehlen. Die im Wallstein-Verlag erschienenen 182 Seiten sind ein gelungenes Requiem.

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Zusätzliche Informationen

Lukas Bärfuss wurde am 30. Dezember 1971 in Thun (Schweiz) geboren.

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