Lukas Pellmann

 4,4 Sterne bei 38 Bewertungen
Autor*in von Tod am Neusiedler See, Rache am Neusiedler See und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Lukas Pellmann wurde 1979 in Essen geboren und lebt seit 1990 in Wien. Zwischen 2008 und 2015 war Pellmann als Journalist tätig, seit 2014 porträtiert er auf seinem Instagram-Account @leopold_stadt den zweiten Wiener Gemeindebezirk in Bildern.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Lukas Pellmann

Cover des Buches Tod am Neusiedler See (ISBN: 9783740815233)

Tod am Neusiedler See

(12)
Erschienen am 21.07.2022
Cover des Buches Rache am Neusiedler See (ISBN: 9783740818821)

Rache am Neusiedler See

(9)
Erschienen am 24.08.2023
Cover des Buches Zwei Tage im Sommer (ISBN: 9783990651384)

Zwei Tage im Sommer

(4)
Erschienen am 04.09.2025
Cover des Buches Ruhe sanft am Neusiedler See (ISBN: 9783740822262)

Ruhe sanft am Neusiedler See

(4)
Erschienen am 22.08.2024
Cover des Buches Prater (ISBN: 9783950451047)

Prater

(4)
Erschienen am 18.05.2018
Cover des Buches Mord im Zweiten (ISBN: 9783945431207)

Mord im Zweiten

(3)
Erschienen am 01.12.2016
Cover des Buches Bodenturbulenzen (ISBN: B00RKSYZOM)

Bodenturbulenzen

(2)
Erschienen am 29.12.2014

Neue Rezensionen zu Lukas Pellmann

Cover des Buches Zwei Tage im Sommer (ISBN: 9783990651384)
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Rezension zu "Zwei Tage im Sommer" von Lukas Pellmann

sonnenseiten_des_lesens
Lesehighlight

Zwei Tage im Sommer von Lukas Pellmann

Edition Atelier Verlag | 304 Seiten | ET: 04.09.2025


Ganz leise hat sich dieser dystopische Roman zu einem kleinen Highlight für mich entwickelt. Warum bloß langsam und allmählich und nicht mit voller Wucht? Weil ich jetzt, einige Zeit nach dem Lesen der Lektüre, noch häufig an das Buch zurückdenken muss. Immer wieder tauchen Szenen vor meinem inneren Auge auf, die ich noch einmal erlebe. Ein Zeichen dafür, dass mich die Geschichte und das Schicksal von Simone, Nicola und Thorsten, insbesondere aber auch das von Balázs und Kermit nicht wirklich loslässt.

In einer nicht allzu fernen Zukunft verbringt eine deutsche Familie ihren Sommerurlaub in Österreich. Es sollte eine entspannte Zeit werden, doch die Stimmung verdüstert sich. Die Touristen verschwinden aus dem Burgenland. Es wird still am Neusiedler See. In den Nachrichten ist auf einmal von Krieg die Rede. Kann das wirklich sein? Mitten in Europa? In diesen Zeiten? Ja, genauso ist es. Ungarn möchte Land zurückerobern, welches ihm in der Vergangenheit vom Nachbarland genommen wurde. Eine Gruppe ungarischer Soldaten zieht in das Burgenland ein, fällt über die Bewohner her. Unter ihnen der Ranger Balázs. Er würde viel lieber durch die Wälder streifen und die Natur des Nationalparks genießen, als „Krieg zu spielen“. Doch wie vielen anderen jungen Männern in seinem Alter, bleibt auch ihm keine Wahl.

[…] „Ich kann das nicht, ich will das nicht. Ich kann den Leuten hier nichts antun, das sind doch ganz normale Menschen, die nichts getan haben.“ […] S. 205

Lukas Pellmann hat eine bestechende Art, uns diese Geschichte nahezubringen. Es kommt alles unglaublich realistisch daher, die Personen sind derart authentisch, dass man regelrecht in einen Sog gerät, so als würde man all dies tatsächlich miterleben. Demnach bin ich mit Balázs durch das Hotel gestreift, auf der Suche nach Simone und Nicola. Dann wiederum habe ich neben eben diesen beiden in einem Kellerraum gesessen, mit abgeklebten Fenstern, lediglich erleuchtet von einer einzelnen Glühbirne. Ich habe die Explosionen und Schüsse gehört, gesehen wie die Kettenfahrzeuge die Landschaft zerstören, Blut, Urin und Angstschweiß gerochen.

[…] Was war die Menschheit nur für eine furchtbare Spezies, dass sie sich selbst solche Gräuel antat? […] S. 243

Doch zwischen all dem Kriegsgeschehen, gibt es auch einen Lichtblick - in Form von Mitgefühl, Empathie und Mut. Auf diese Weise hat mich der Roman immerhin nicht völlig zerstört zurückgelassen. Denn es besteht irgendwo immer noch ein Fünkchen Hoffnung.

[…] „Wir Einzelne können den Gang der großen Geschichte nicht aufhalten oder beeinflussen. Aber wir können im Kleinen reparieren, was im Großen zerstört wurde.“ […] S. 295

Einzig die Perspektive aus der Sicht von Svenja, 25 Jahre nach dem Neun-Tage-Krieg, konnte mich emotional nicht so sehr erreichen, da sie recht sachlich gehalten ist. Diese Kapitel sind jedoch notwendig, um die Geschichte vollständig auszuerzählen.

Lieber Lukas Pellmann, du hast ein Werk erschaffen, welches man nicht einfach beiseitelegt, um freimütig zum nächsten Buch zu greifen. Man reflektiert, stellt sich den Fragen über Moral und Sinn(-losigkeit), über Menschlichkeit und Verbundenheit, über Vergebung und vielleicht sogar über Freundschaft?!

Bleibt abschließend also nur noch eins zu sagen: lest dieses Buch!

Cover des Buches Zwei Tage im Sommer (ISBN: 9783990651384)
L

Rezension zu "Zwei Tage im Sommer" von Lukas Pellmann

Lustaufbuch
»Menschen lernen aus der Geschichte, die Menschheit tut das nicht.«

»Menschen lernen aus der Geschichte, die Menschheit tut das nicht.«


Nachdem amtliche Warnungen an ihm abgeprallt sind, konnte Simone ihren Mann Thorsten doch endlich noch überreden, zusammen mit ihrer siebenjährigen Tochter Nicola ihren Urlaub am Neusiedler See abzubrechen. Schließlich spitzt sich die Lage zwischen Ungarn und Österreich dramatisch zu und eine Eskalation scheint bevorzustehen. Doch als sie nach Deutschland zurückfahren wollen, werden sie von dem nun aufgebauten Grenzposten abgewiesen – es ist zu spät.

Der junge ungarische Soldat Balázs Varga, Bruder des gefeierten Nationalhelden László, will nicht in dessen Fußstapfen treten und muss dennoch an die Front, wo er auf die deutsche Familie stößt und sie zu retten versucht.

Zuletzt begegnen wir Svenja, die unverhofft eben jene Nicola – das junge Mädchen –, 25 Jahre später interviewen soll und das doch eine ganz andere Wendung nimmt.


Wenn man am Anfang hinsichtlich der drei Perspektiven noch etwas verwirrt ist, legt sich das mit dem Verlauf des Buches und es wird klar, dass es zwar unterschiedliche Sichtweisen sind, aber schlussendlich eine zusammenhängende, wirklich großartig konstruierte dystopische Geschichte, die – leider – beklemmend nah an der Realität angesetzt, deswegen aber umso wichtiger zum Lesen ist.

Schon von Beginn an wird man bei der Lektüre von einer bedrückenden Atmosphäre überschattet, die vom Autor bildlich hervorgerufen wird und seine Wirkung erzielt. Trotz allem blickt in diesen dunklen Zeiten immer wieder die ach so ersehnte Menschlichkeit hervor und es wird deutlich, dass es ein großes Anliegen des Autors war, diesen Roman zu schreiben.

Während des Lesens bin ich sehr oft über Zitate gestolpert, die ich mir merken musste, weil sie unsere heutige Gesellschaft und das Miteinander treffend beschreiben.

Zudem war ich wirklich überrascht, was für ein guter Autor Lukas Pellmann ist und wie er es schafft schwierige Themen einerseits feinfühlig, andererseits aber auch mit einem gewissen Weckruf zu bearbeiten und diese den Leser*innen detailgetreu nahezubringen.

Cover des Buches Zwei Tage im Sommer (ISBN: 9783990651384)
Svenjas_BookChallengess avatar

Rezension zu "Zwei Tage im Sommer" von Lukas Pellmann

Svenjas_BookChallenges
Ein brisanter und brillant geschriebener Roman mit ernsten Themen

„Zwei Tage im Sommer“ mag vom Titel her unschuldig klingen – hat es aber sowas von sich! Denn der neue Roman von Lukas Pellmann zeichnet eine düstere Zukunftsvision von einem gespaltenen Europa, in dem die Folgen des Klimawandels, politische Konflikte und brutale Angriffskriege vorherrschen. Im Zentrum der Handlung steht der Angriff eines faschistischen Ungarns auf das österreichische Burgenland, das annektiert werden soll und dessen Bevölkerung der Willkür und Brutalität der ungarischen Armee ausgesetzt ist. Mittendrin: eine deutsche Familie, die am Neusiedler See Urlaub macht und vom Angriff der Ungarn überrascht wird.

Aus drei Perspektiven erzählt Lukas Pellmann eindringlich, wie unerwartet und doch vorhersehbar ein solcher Angriffskrieg für Politik, Bevölkerung und Urlauber*innen kommen kann und was er für beide Seiten bedeutet. Einerseits lässt er uns an der Seite von Simone, ihrem Mann und ihrer siebenjährigen Tochter den Überfall aus Sicht von vollkommen unbeteiligten Menschen erleben – andererseits lässt er den ungarischen Soldaten Balázs zu Wort kommen, der nicht aus Überzeugung am Angriffskrieg beteiligt ist und mit den furchtbaren Taten seiner Landsleute hadert. Eine dritte Perspektive, die nämlich der Journalistin Svenja, ermöglicht einen distanzierten Blick auf die Geschehnisse und thematisiert die Folgen eines solchen Konfliktes 25 Jahre später.

Von Anfang an war ich gefesselt und schockiert von dieser einnehmenden Geschichte, von der man sich beim Lesen wünscht, sie sei reine Fiktion und so in Europa niemals möglich. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, der als Vorlage für den fiktiven Angriff Ungarns auf Österreich dient, macht aber deutlich: Leider ist genau das möglich. Vor allem dann, wenn Politik und Bevölkerung weiterhin dabei zuschauen, wie faschistische Parteien an Zuspruch gewinnen, Bündnisse wie die NATO und die EU an Bedeutung verlieren und der Klimawandel unterdessen weiter fortschreitet.

Lukas Pellmann gelingt es sehr überzeugend, die Gefahren und möglichen verheerenden Folgen aktueller Entwicklungen aufzuzeigen – vor allem für vollkommen unbeteiligte Menschen wie Simone und ihre Familie oder Balász, dessen Pech es einfach ist, ungarischer Staatsbürger zu sein. Gleichzeitig ist die Geschichte so packend erzählt, dass ich gar nicht aufhören wollte zu lesen und mich den Schicksalen der handelnden Figuren einfach nicht entziehen konnte. Für mich ist „Zwei Tage im Sommer“ deshalb ein absolutes Jahreshighlight, das ebenso brisant wie brillant ist und definitiv jede Aufmerksamkeit verdient!

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