Zwei Tage im Sommer von Lukas Pellmann
Edition Atelier Verlag | 304 Seiten | ET: 04.09.2025
Ganz leise hat sich dieser dystopische Roman zu einem kleinen Highlight für mich entwickelt. Warum bloß langsam und allmählich und nicht mit voller Wucht? Weil ich jetzt, einige Zeit nach dem Lesen der Lektüre, noch häufig an das Buch zurückdenken muss. Immer wieder tauchen Szenen vor meinem inneren Auge auf, die ich noch einmal erlebe. Ein Zeichen dafür, dass mich die Geschichte und das Schicksal von Simone, Nicola und Thorsten, insbesondere aber auch das von Balázs und Kermit nicht wirklich loslässt.
In einer nicht allzu fernen Zukunft verbringt eine deutsche Familie ihren Sommerurlaub in Österreich. Es sollte eine entspannte Zeit werden, doch die Stimmung verdüstert sich. Die Touristen verschwinden aus dem Burgenland. Es wird still am Neusiedler See. In den Nachrichten ist auf einmal von Krieg die Rede. Kann das wirklich sein? Mitten in Europa? In diesen Zeiten? Ja, genauso ist es. Ungarn möchte Land zurückerobern, welches ihm in der Vergangenheit vom Nachbarland genommen wurde. Eine Gruppe ungarischer Soldaten zieht in das Burgenland ein, fällt über die Bewohner her. Unter ihnen der Ranger Balázs. Er würde viel lieber durch die Wälder streifen und die Natur des Nationalparks genießen, als „Krieg zu spielen“. Doch wie vielen anderen jungen Männern in seinem Alter, bleibt auch ihm keine Wahl.
[…] „Ich kann das nicht, ich will das nicht. Ich kann den Leuten hier nichts antun, das sind doch ganz normale Menschen, die nichts getan haben.“ […] S. 205
Lukas Pellmann hat eine bestechende Art, uns diese Geschichte nahezubringen. Es kommt alles unglaublich realistisch daher, die Personen sind derart authentisch, dass man regelrecht in einen Sog gerät, so als würde man all dies tatsächlich miterleben. Demnach bin ich mit Balázs durch das Hotel gestreift, auf der Suche nach Simone und Nicola. Dann wiederum habe ich neben eben diesen beiden in einem Kellerraum gesessen, mit abgeklebten Fenstern, lediglich erleuchtet von einer einzelnen Glühbirne. Ich habe die Explosionen und Schüsse gehört, gesehen wie die Kettenfahrzeuge die Landschaft zerstören, Blut, Urin und Angstschweiß gerochen.
[…] Was war die Menschheit nur für eine furchtbare Spezies, dass sie sich selbst solche Gräuel antat? […] S. 243
Doch zwischen all dem Kriegsgeschehen, gibt es auch einen Lichtblick - in Form von Mitgefühl, Empathie und Mut. Auf diese Weise hat mich der Roman immerhin nicht völlig zerstört zurückgelassen. Denn es besteht irgendwo immer noch ein Fünkchen Hoffnung.
[…] „Wir Einzelne können den Gang der großen Geschichte nicht aufhalten oder beeinflussen. Aber wir können im Kleinen reparieren, was im Großen zerstört wurde.“ […] S. 295
Einzig die Perspektive aus der Sicht von Svenja, 25 Jahre nach dem Neun-Tage-Krieg, konnte mich emotional nicht so sehr erreichen, da sie recht sachlich gehalten ist. Diese Kapitel sind jedoch notwendig, um die Geschichte vollständig auszuerzählen.
Lieber Lukas Pellmann, du hast ein Werk erschaffen, welches man nicht einfach beiseitelegt, um freimütig zum nächsten Buch zu greifen. Man reflektiert, stellt sich den Fragen über Moral und Sinn(-losigkeit), über Menschlichkeit und Verbundenheit, über Vergebung und vielleicht sogar über Freundschaft?!
Bleibt abschließend also nur noch eins zu sagen: lest dieses Buch!










