Luke Williams Das Echo der Zeit

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Inhaltsangabe zu „Das Echo der Zeit“ von Luke Williams

Schon im Mutterleib verfügt Evie Steppman über ein hochsensibles Gehör und lauscht dem Vater, der ihr durch die Bauchdecke Dickens, Stevenson und Wilde vorliest. Als man Evie kennenlernt, ist sie bereits Anfang fünfzig und lauscht in einer Dachkammer in Schottland ihrer Vergangenheit nach. Ihr einst empfindliches Gehör droht sich für immer zu verabschieden, und sie versucht, die langsam verklingenden Echos in Worte zu fassen und aufzuschreiben. Etwa die Erinnerungen an ihren Großvater, einen skurrilen Uhrmacher, der davon besessen ist, seiner herzschwachen Frau ein mechanisches Herz einzusetzen. Oder die an ihre Kindheit in Nigeria, wo sie in den fünfziger Jahren als Tochter eines britischen Kolonialbeamten aufwächst. Dann wieder erklingen Geschichten, wie die von al Idrisi aus Ceuta, der als Kartenzeichner am königlichen Hof in Palermo landet und unbedingt die Kunst des Erzählens lernen will. Ungewöhnlich und einfallsreich beschwört Williams nicht nur eine Familiengeschichte, sondern den Mythos eines gesamten Empire.

"Eines der interessantesten und beeindruckendsten literarischen Debüts seit langem." The Sunday Times

"Voller Geschichten, literarischer Anspielungen und absonderlicher Details. Ein betörender Roman." The Guardian

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  • Rezension zu "Das Echo der Zeit" von Luke Williams

    Das Echo der Zeit

    michael_lehmann-pape

    16. October 2012 um 12:59

    Geschichten Das Debüt von Luke Williams wird, mehr als andere Bücher sonst, in seiner Wertung deutlich vom Geschmack und von den Vorlieben des jeweiligen Lesers abhängen. Seine eigenwillige Struktur und seine assoziativen Anschlüsse von kleinen und größeren Geschichten kümmern sich in letzter Konsequenz wenig um einen wirklich stringenten roten Faden, auch wenn eine „Rahmengeschichte“ all diese kleinen und großen Geschichten, Anekdoten und Ereignisse in sich bündelt. Diese aber immer wieder unterbrochen wird durch Abschweifungen, eingefügte „andere“ Geschichten (in immer hochwertiger, anregender und mitreißender Sprache). Auch ein thematisch roter Faden ist nicht einfach zu finden, vor weniger ständig zu sehen im Buch. Vorsichtig könnte man dahingehend eine „Basis“ des Buches finden, dass es, in der ein oder anderen Form, um „die Zeit“ geht, Um das Empfinden von Zeit, das Vergehen, durchaus aber auch zu Zeiten um den Versuch, die Zeit anzuhalten (wie Herr Rafferty, der Vater von Evie´s Mutter, mithin ihr Großvater, der den Verfall, das Serben seiner Frau aufhalten wollte durch ein „Uhrmacherherz“ und dabei scheiterte, seitdem als geistesverwirrter Mörder gilt. Dennoch aber so lange es ging weiter forschte, um einen „Körper“ zu erstellen, der weitgehend wie ein solides Uhrwerk „tickt“). Dies im Rahmen der Erinnerungen Evie Steppmanns, die, nun knapp über 50 Jahre alt und feststellen muss, dass so langsam die vielen Geschichten ihres Lebens im Strom der Zeit beginnen, verschwommen zu werden, zu vergehen. Diese festzuhalten und niederzuschreiben ist ihr Anliegen und dies bildet den formalen Rahmen des Buches. In der Mansarde ihres Hauses in Ost-Schottland gibt sie sich den Erinnerungen hin. Ihrer Familie, ihren Eltern und Großeltern, derer Zeit in Oxford, ihr eigenes Aufwachsen in Lagos, in Nigeria. Erinnerungen auch an enge Beziehungen, intime Stunden, die für sich ebenfalls besondere Situationen in den Raum setzen. Wie auch später ihre Beziehung zu einer Frau in Edinburgh. Erinnerungen, die sich zudem oft an dem ein oder anderem gesammelten Stück festmachen, welches auf der Mansarde verstaubt gelagert wurde. Stücke, die neben der eigenen Geschichte auch eine Vielzahl anderer Geschichten in den Raum setzen werden. So wie die uralte Weltkarte voller antiker Geschichten steckt, von denen die ein oder andere dringend erzählt werden will. Oder wie Geschichten aus Nigeria ihren Eingang in die Erinnerungen Evies finden. Geschichten die eigentlich das einzige sind, was Evie Steppmann noch begleitet, denn ohne wirkliche Kontakte lebt sie ihr Leben. Evie, die all diese Geschichten, die Eindrücke von der Welt, das, was sie im Innersten geprägt hat, weitgehend ihrem außerordentlichem Gehör zu verdanken hat. Ein Gehör, dass schon im Mutterleib sehr gut funktioniert hat, das den vielen Geschichten (fantasiereichen Geschichten, sollte man sagen) des Vaters durch die Bauchdecke hindurch lauschte. Ein solch anregender Zustand, dass Evie eigentlich gut noch viel länger im Mutterleib hätte verweilen können. So lange, als es irgend ging, schob sie ihre eigene Geburt auf. Um dann an vielen Orten des Lebens, versehen mit vielen Erinnerungsstücken und einer Familie von ganz eigenen Charakteren, die fast aus der Zeit selbst wegzudriften scheinen, nun den „Echos“ dieses Lebens nachhört. In Form und Stil legt Luke Williams diese „Lebensechos“ wunderbar vor die Augen des Lesers, sprachlich einprägsam, bilderreich, poetisch bis nüchtern, komplex bis hin zu ganz einfachen Sätzen. Aber, wie gesagt, eine solch auch assoziative „Reise durch Geschichten“ ist letztendlich eine reine Geschmacksache. Wer Geschichten mag, einen roten Faden durchaus einmal hinten anstellen kann und eine hervorragende Sprache zu schätzen weiß, ist mit diesem Buch sicherlich gut bedient.

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