Lutz Budrass

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Lutz BudrassAdler und Kranich
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Adler und Kranich
Adler und Kranich
 (2)
Erschienen am 11.03.2016

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Rezension zu "Adler und Kranich" von Lutz Budrass

Akribisch aufgearbeitet
michael_lehmann-papevor 3 Jahren

Akribisch aufgearbeitet

Zunächst kann man sich unbedarft durchaus fragen, worin denn der Reiz bestehen sollte, die Geschichte einer Fluggesellschaft näher zu beleuchten, wenn man nicht interne Interessen verfolgt oder dem Unternehmen aus anderen Gründen nahe steht.

Aber schnell bei der Lektüre wird klar, dass hier anhand der Jahre von 1926 bis 1955 nicht nur die die Geschichte eines konkreten gegenwärtigen Konzerns erzählt wird, sondern ein wichtiges und exemplarisches Stück Zeitgeschichte in besonderer Form sehr fundiert und akribisch aufgearbeitet von Budrass offen gelegt wird.

Die europäische Hoffnung auf ein stärkeres Zusammenwachsen der 20er Jahre, der Hass gegen den siegreichen Kriegsgegner auf der anderen Seite, die zunehmende Bedeutung von Flugzeugen auch als strategische, kriegerische Mittel. So entsteht die „Luft Hansa“ 1929 aus den Anfängen der zivilen Luftverkehrsgesellschaft. Eine militärische Ausrüstung, eine „Waffe“ der Landesverteidigung, die ebenso zum Angriff bestens ausgerichtet werden kann.

Ein militärisches Denken, das von Beginn an mit im Raum stand, mit in der Planung war. Die Verstrickung der „Luft Hansa“ in diese Konglomerat, die sich aufheizende und ständig sich erweiternde Aufrüstung im dritten Reich, der Umgang (und die Vielzahl) mit Zwangsarbeitern. Dabei auch die später in den Kriegsjahren negativen Stimmen vom Versagen der Luftwaffe (das zwar Göring in Person angelastet wird, dennoch aber seine Schatten auf die Gesellschaft mit wirft). All dies zeigt die wichtige, zentrale Bedeutung der heutigen Lufthansa im dritten Reich.

Eine Geschichte, um deren Aufarbeitung sich die Gesellschaft selbst wenig ausgezeichnet hat. Erst 2001, anlässlich geplanter Feiern zum 75jähirgen Bestehen der Lufthansa wurden vielfache Verwicklungen in die Politik des dritten Reiches und vor allem der Umgang mit den tausenden von Zwangsarbeitern publik und sorgten für erhebliche kritische An- und Nachfragen.

Vor allem, wenn man bereits in der Frühzeit der Gesellschaft die enge Verbindung zu militärischen Kreisen in solcher detaillierter Weise vorgelegt bekommt, wie in diesem Werk.

Dass die zivile Luftfahrt kein gewinnbringender Wirtschaftszweig ist, das ist zu jener Zeit schnell deutlich. Dass aber im Zuge der zunächst heimlichen, dann immer offener zutage tretenden Wiederaufrüstung der Wehrmacht zunächst militärisch geschult wird und später militärisch „mitgemacht“ wird, das legt Budrass sehr eindrucksvoll offen und verbindet so die „Magie des Fliegens“ und die Stützung auf den hervorragenden Ruf deutscher Technik und Ingenieurskunst (die positiven Aspekte, auf die die Lufthansa noch in der Gegenwart rekurriert) mit von Beginn an konkreter, militärischer Ausrichtung als wichtiger Teil des dritten Reiches (was in der Gegenwart lieber nicht ausführlich thematisiert wird).

Wenn zudem Budrass zudem in ruhiger Art und Weise die „Industrialisierung“ der Lufthansa offen legt und dabei verdeutlicht, dass an Zwangsarbeitern nicht nur „direkt“ verdient wurde (durch Nutzung der Arbeitskraft), sondern auch „indirekt“ (drum herum) mit Versorgungsleistungen für deren Unterbringung und Transport, dann zeigt sich bei der Lektüre überzeugend argumentiert, dass ein „weiter so“ mit fast gleichem Personal, gleichem Logo und unter gleichem Namen ab der Neugründung 1955 nur so stattfinden konnte, indem die eigene Vergangenheit tief vergraben vermutet wurde.

Von Beginn an zeigt Budrass Schritt für Schritt dabei auf, wie der eigentliche Zweck der Luft Hansa die „geheime Rüstung“ war, wie die entscheidenden, politischen Kräfte nur „zum Schein“ einer „zivilen Luftfahrtgesellschaft“ ihre Unterstützung anboten und hinter den Kulissen ausschließlich an „Luftwaffe“ statt an „Luftfahrt“ dachten.

Was 1932 noch offenkundiger wurde, als die letzten Restriktionen des Versailler Vertrages fielen, Deutschland offiziell eine Luftwaffe Schritt für Schritt aufbaute. Und damit die Luft Hansa überflüssig erscheinen ließ. Was die Leitung der Gesellschaft eben kreativ auf eine Vielzahl neuer Ideen brachte, die wenig mit der heute so hoch gehaltenen zivilen Luftfahrt zu tun hatte.

Sehr umfangreich recherchiert, sehr ruhig, fundiert und sachlich vorgelegt bietet das Werk erst malig einen umfassenden Blick auf die Geschichte der Lufthansa und damit exemplarisch auch auf das „wirtschaften“ im dritten Reich an sich.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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HEIDIZs avatar

Rezension zu "Adler und Kranich" von Lutz Budrass

Vorgeschichte der Lufthansa
HEIDIZvor 3 Jahren

Ich habe „Adler und Kranich“ gelesen und fühle mich nun rundherum informiert.

 

Daten zum Buch:
=============

 

·  Gebundene Ausgabe: 704 Seiten

·  Verlag: Karl Blessing Verlag (11. März 2016)

·  Sprache: Deutsch

·  ISBN-10: 3896674811

·  ISBN-13: 978-3896674814

·  Größe und/oder Gewicht: 16,2 x 4,2 x 23,3 cm

 

PREIS: 34,99 Euro

 

Gliederung:
=========

 

Einleitung

 

„Gesunder Wettbewerb“  Die Luftverkehrsgesellschaften 1919 – 1925 Die Idee der Deutschen Luft Hansa AG und der „Avio-Trust“ Im Schlaraffenland: Die Luft Hansa, die Subventionen, der „Luftkrieg“ und Gotthard Sachsenberg, 1926 – 1929 Von Katastrophe zu Katastrophe: Die Luft Hansa 1929 – 1932 Vom Opfer zur Avantgarde zum Nachzügler der Rüstung: Die Lufthansa 1933 – 1939 Die Industrialisierung der Lufthansa 1939 – 1945 Vom Ende der ersten Lufthansa zur Gründung der zweiten: Der Aufbau einer  zivilen Luftverkehrsgesellschaft in der Bundesrepublik 1945 – 1955

 

Schlussbetrachtung

 

Anhang

Exkurse

Abkürzungen

 

Leseprobe

Die Erosion der Industrie wurde nicht einfach hingenommen. Mit drastischen Argumenten erreichte Lahs 1929, dass das Verkehrsministerium, das für 1930/31 zunächst nur 6,5 Mio. RM als Industriesubventionen beantragen wollte, Industrie- und Forschungsuntertitel umschichte. (284) …

 

Zweimal gibt es im Buch verschiedene Seiten mit schwarz-weißem Bildmaterial zur Geschichte der Lufthansa.

 

Lutz Budrass ist der Autor des Buches. Man spürt nicht nur, dass er historisch bewandert ist (Er ist seines Zeichens Historiker), sondern man merkt auch, dass er sich in die Geschichte eingedacht hat und in seine Leser, denen er die Geschichte der Lufthansa ansprechend, verständlich und informativ präsentiert. Eigentlich könnte man dieses Geschichtsbuch als Geschichte vor der Geschichte bezeichnen. Man muss wohl diese Vorgeschichte gelesen haben, um die eigentliche Geschichte verstehen zu können.

 

Fundierte Aufarbeitung und verständlich Aufbereitung würde ich es nenne, was der Autor mit diesem Buch vorlegt. Man liest von Zwangsarbeitereinsatz während des NS-Regimes und vom ersten Flug im Jahr 1955 nach der Wiedergründung und und und

Es ist sicher auch Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit der Lufthansa.

 

Alle in allem brisant, sachlich, informativ und auf den Punkt gebracht. Die Geschichte der Lufthansa ist sozusagen zweigeteilt und wir lernen den ersten Teil kennen – detailliert und tiefgründig …

 

 

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