Normalerweise mag ich es nicht, wenn Journalisten nicht nur erzählen, was sie herausgefunden haben, sondern auch wie sie es rausgefunden haben und wie sie sich dabei gefühlt haben. Kleveman hält sich im großen und ganzen dann doch an sein Thema: der Untergang von Smyrna (und hundert Jahre früher der von Chios) ist für ihn Anlass, über das Ende des toleranten osmanischen Imperiums und den Beginn des Nationalstaates Türkei zu sprechen, der seine Existenz mit der Vertreibung der anderen begann. Gleichzeitig trifft er noch immer Menschen, die stolz auf ihre multiethnischen Wurzeln sind und die neuen Weltbürger, die überall und nirgends Zuhause sind und zu denen er selbst gehört.
Das ist genug Stoff für ein tiefgründiges Buch, aber Klevman bleibt Journalist und will lieber über seine Erfahrungen mit fremden Interviewpartnern erzählen, die ihm mit der Zeit doch vertraut werden.
Kleveman gelingt es, Interesse für sein Thema zu wecken, am Ende hat er vieles aber doch nur gestreift. Aber so richtig tadeln will man ihn für eine gewisse Oberflächlichkeit dann doch nicht. Ein furztrockenes Sachbuch hätte ich doch gar nicht gelesen.




