Lutz Rathenow Gelächter, sortiert

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Inhaltsangabe zu „Gelächter, sortiert“ von Lutz Rathenow

Lutz Rathenow hat seine Art, die Welt lyrisch mißzuverstehen, neu sortiert. Das Ergebnis sind verschiedene Arten von Gelächter – einschließlich aufdringlicher Abwesenheit von Humor. Sagt Rathenow. Und wagt sich an Versuche über Paderborn (immerhin zwei). Sarkastisches vermischt sich in den Betrachtungen mit Leichtem, lockere Stimmungsbilder mit warnenden Beispielen. Erfrsichend ist die konsequente Politisierung des Alltäglichen. Rathenow versteht es, einen eigenen Ton zu finden, der sich von ostalgischer Geschichtsvergessenheit ebenso wohltuend unterscheidet wie von der Beliebgkeit gefälliger Lifestyle-Kolumnen; Rathenow bringt den Leser zum Lachen, ohne der Situation den Ernst zu nehmen.

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  • Rezension zu "Gelächter, sortiert" von Lutz Rathenow

    Gelächter, sortiert

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    14. August 2009 um 13:36

    Gedichte (vor)lesen > „Kündige ich Gedichte an, wird es stiller im Raum. Ob Schulklasse oder Buchhandlung, Akademie oder jugendbesuchte Szenekneipe. Die Konzentration wächst.“ Da sagt er es selbst, der Autor. In den Zuworten seines 2008 erschienen Gedichtbandes Gelächter, sortiert, „[…] eigentlich für den Anfang gedacht“ steht etwas kleiner und kursiv gedruckt darunter. Und nun, im veröffentlichten Buch, steht’s doch am Ende. Warum sind die „Bemerkungen in Prosa“ überhaupt in einem Gedichtband zu finden? Warum muss sich die Lyrik irgendwie immer rechtfertigen? Warum fühlt sich sogar ein Lyriker dazu gezwungen, sich doch besser zu erklären? Rathenow bemerkt, dass „[w]ahrscheinlich Angst eine Rolle [spielt], etwas nicht zu verstehen und besonders aufpassen zu müssen, um nicht allzu dumm dazusitzen.“ Das muss nicht sein, nicht unbedingt. Denn blättert man die ‚sortierten Gelächter‘ einmal auf, findet sich in den Titeln schon Vieles, das einem nah vorkommt. Und liest man die Verse, dann sind sie es auch – erstaunlich nah, manchmal kokett, witzig. Dann auch unterlaufen sich die Zeilen, der Text sich selbst und wendet die großen Wörter wieder ab. Und eigentlich sind sie hieran wirklich sehr traurig und melancholisch, diese oft kurzen, kleinen Gedichte. Immer wieder ist der Text für den Autor Lutz Rathenow auch Anstoß zum „Erstaunen über den eigenen Text. Das bei einigen, wirklich nur bei einigen Gedichten sich ins Wundern hineinliest: Was, das hast du geschrieben?“ Sympathisch wird einem die Dichterperson beim Lesen dieser Zeilen und man nickt auch verstehend über diese Selbstbefragung. Jeder sucht doch seine Sparte und reflektiert über die eigene Berechtigung in dieser. So vergleicht der Dichter Rathenow in einem der Gedichte, wenn man das lyrische Ich hier mit dem Autor gleichsetzen darf, seine Arbeit mit einem Graffiti: „Eigentlich mache ich, der Schriftsteller, nicht anderes:/ jeden Tag setze und male ich meine Worte/ in und an und auf die Zeit“ und so entsteht ein Bild für ein Leser, dass diesen der Wirklichkeit enthobenen Begriff des Dichters, der so weit weg und abstrakt ist, heranholt, in eine Wirklichkeit verpflanzt, die ganz nah und alltäglich ist. Und dabei, wie man sieht, auch Material sein kann. „Dicht, nicht ganz dicht, wirklich dicht […]“ sind sie wohl Gedichte, aber hier ganz und gar nicht weltenthoben. Wie könnte man das auch, wenn man als Schriftsteller selbst schon die Erfahrung gemacht hat, welche Folgen das Schreiben haben kann. Nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns wurde Rathenow selbst verhaftet und Anfang 1977 kurz vor seinem Examen exmatrikuliert. 1980 dann wegen des nur im Westen erschienenen Buches Mit dem Schlimmsten wurde schon gerechnet verhaftet. „Gelächter, sortiert“ ist 2008 erschienen, die neueste unter den zahllosen Veröffentlichungen des Autors. Für Kinder hat er Lyrik geschrieben, als Theatermitarbeiter gewirkt, und immer wieder auch seine ostdeutsche Herkunft im Blick gehabt. Das erste Gedicht des vorliegenden Bandes heißt „Das blaue Leuchten“. Um die Gegenwart, die technische Zwischenmenschlichkeit geht es dort: „Handys an einem frühen Winterabend/ funken ihr kleines Licht/ in die Augen der jungen Frauen, / Männer. Verirrte Sterne/ wandern über den dunklen weiten Platz“ – und kein Punkt schließt das Gedicht ab. Die dunkle Weite ist endlos. So nah wirkt dieser Text und dabei verliert er sich in einer nicht mehr greifbaren Schwermut. Dunkel wird es da. Lang. So klar sind sie mitunter, diese Texte, können den Leser ganz schlicht einfangen und bleibende Bilder erzeugen. Erlebnislyrik ist in diesem Buch auch zu finden. Manchmal sind die Gedichte mit Datum versehen, manchmal drehen sie sich um prägende Erlebnisse. Aus verschiedenen Jahrzehnten sind die Texte des Buches, der in vier Zyklen eingeteilt ist, und auch hier findet sich die Vergangenheit des Autors: „Gedichte werden nicht besser/ durch das Lesen in Stasiakten“ schreibt Lutz Rathenow, wird dabei ganz persönlich und bleibt auch hier nah beim Leser. Zweifellos findet sich in diesem Buch die Auseinandersetzung mit dem Anderen, der Kommunikation, der Zwischenmenschlichkeit, auch der Verbindung zwischen Mensch und Umwelt. Dabei wirkt der Titel, das „Gelächter, sortiert“ sehr ernsthaft und man möchte meinen, im einfachen, manchmal witzigen Ton will ehrlich und eindringlich gesprochen werden. Möge der Leser das Buch weiterreichen und verschenken, auf dass sich die Zeilen des Autors in der Welt verteilen, so, wie es Rathenow in einem der Gedichte, „Liebe zu dritt“ auch schreibt: „Der Leser schließt das Buch. Und verschenkt es.“ Fazit: In diesem Gedichtband zeigt sich einmal mehr, dass Lyrik nicht unbedingt kompliziert und unzugänglich sein muss, um zu wirken und zu erstaunen. Kleine und auf den ersten Blick unscheinbare Verse können klare Bilder im Leser erzeugen und lange nachwirken, sich doppeln im Betrachter und bei ihm bleiben. Und natürlich eignet sich dieser schöne Band nicht nur für Einsteiger in die Lyrik. Nein, hier findet sich so manches Schätzchen fürs Gedächtnis.

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