Lutz Seiler

 3,6 Sterne bei 224 Bewertungen
Autor von Kruso, Stern 111 und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Lutz Seiler wurde 1963 geboren und wuchs im thüringischen Gera auf. Zunächst absolvierte er eine Leere als Baufacharbeiter und arbeitete als Maurer und Zimmermann. Während seines Wehrdienstes begann er erste Gedichte zu schreiben. Dann studierte er Germanistik und war Herausgeber der Literaturzeitschrift Moosbrand. 2007 erhielt er den Ingeborg-Bachmann-Preis für seine Erzählung "Turksib". Mit seinem aktuellen Roman "Kruso" steht er auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2014. Seiler lebt derzeit in Schweden.

Alle Bücher von Lutz Seiler

Cover des Buches Kruso (ISBN: 9783518466308)

Kruso

(131)
Erschienen am 08.09.2015
Cover des Buches Stern 111 (ISBN: 9783518471302)

Stern 111

(53)
Erschienen am 09.03.2021
Cover des Buches Die Zeitwaage (ISBN: 9783518466285)

Die Zeitwaage

(12)
Erschienen am 08.09.2015
Cover des Buches pech & blende (ISBN: 9783518121610)

pech & blende

(4)
Erschienen am 26.07.2000
Cover des Buches Turksib (ISBN: 9783518419687)

Turksib

(4)
Erschienen am 28.01.2008
Cover des Buches im felderlatein (ISBN: 9783518421697)

im felderlatein

(3)
Erschienen am 22.09.2010
Cover des Buches schrift für blinde riesen (ISBN: 9783518430002)

schrift für blinde riesen

(2)
Erschienen am 18.08.2021
Cover des Buches vierzig kilometer nacht (ISBN: 9783518414576)

vierzig kilometer nacht

(2)
Erschienen am 20.08.2003

Neue Rezensionen zu Lutz Seiler

Cover des Buches Kruso (ISBN: 9783518466308)
jerazis avatar

Rezension zu "Kruso" von Lutz Seiler

jerazi
Handlungslosigkeit als Zumutung

„Ughhh … das Buch ist wie ein endloser innerer Monolog in einem schlecht beleuchteten Umkleideraum – nur ohne die Hoffnung, dass irgendjemand jemals rauskommt oder wenigstens ein Handtuch reicht.“


Ich begann zu lesen. Ich las das Bernstein-Kapitel - und weiter. Ich suchte Handlung. Ich fand: Sediment. Sprachlich verdichtete Erstarrung. Keine Bewegung, keine Flucht, keine Konsequenz. Stattdessen: ein Mann, der abwäscht. Ein anderer, der sich zum Inselpriester stilisiert. Und eine Insel, die nicht Ort der Sehnsucht ist, sondern Endpunkt des Landgefängnisses DDR – ein Rand, an dem sich Hoffnung in Stillstand verwandelt.


Ich erwartete Fluchtbewegungen. Ich bekam Introspektion. Ich erwartete Handlung. Ich bekam Sprachnebel. Ich erwartete Konsequenz. Ich bekam: nichts. Und das über Hunderte von Seiten. Ich fragte mich: Verlange ich zu viel?  Leise würde ich noch hinzufügen:

„Ich hätte lieber 300 Seiten lang einem Fuchs beim Denken zugehört.“


Die Fiktion der Freiheit als Verhöhnung


Seiler konstruiert eine „Gemeinschaft der Herausgefallenen“. Eine Art Inselutopie. Eine Männergemeinschaft, die sich dem System entzieht, ohne verfolgt zu werden. Ohne Konsequenz. Ohne Realität. Diese Gemeinschaft hat es nie gegeben. Sie konnte es nie geben. In der DDR bedeutete „herausfallen“: Überwachung. Repression. Gefängnis. Fluchtversuch bedeutete: Tod.


Was Seiler hier entwirft, suggeriert eine Form von literarischer Freiheit,  was angesichts der realen DDR-Repressionen historisch falsch und schmerzhaft wirkt. . Es ist, als würde man den Inhaftierten von Bautzen zurufen: Ihr hättet euch nur poetischer verhalten müssen. Es ist, als würde man den Ertrunkenen in der Ostsee vorwerfen, sie seien nicht metaphysisch genug geschwommen. Ist Kruso eine Erzählung – oder eine Verhöhnung des realen Leids?


Sexismus, Sprachnebel, Preisvergabe


Die Frauen in Kruso? Sie sind Staffage. Beilagen. Narrative Ressourcen für männliche Selbstverwirklichung. Der „Klausner“ ist kein Ort der Gemeinschaft, sondern ein männlicher Rückzugsraum, eine literarische Sauna, in der sich Männer gegenseitig ihre Bedeutung zuschwitzen. Dass dieser Roman 2014 den Deutschen Buchpreis erhielt, zeigt, wie tief der deutsche Literaturbetrieb in (patriarchalen) Mustern verhaftet bleibt – und wie blind er gegenüber struktureller Gewalt ist.


Ich stand am Grab von Daniel Defoe in Bunhill Fields. Weiß ich, was eine Robinsonade ist, was sie leisten kann? Was Seiler liefert, ist keine Robinsonade – eher eine literarische Nebelspur durch das Gedächtnis.


Ins Regal der Enttäuschung


Kruso steht jetzt in meinem fiktiven Regal neben Helianth. Neben dem Telefonbuch von Bielefeld. Nicht aus Spott. Diese Bücher sind Sedimente. Sie lagern sich ab. Sie bewegen nichts. Sie sprechen nicht. Sie sind die literarische Entsprechung jener Systeme, die einst Weltmaßstab waren und heute nur noch museal existieren wie die britische Automobilindustrie. 


Ein Empire stirbt – nicht mit einem Knall, sondern mit einem Klappentext. Die Sprache, einst Trägerin von Weltdeutung, wird zur Pose. Der Kanon, einst Speicher kollektiver Erfahrung, wird zu bloßer Selbstbespiegelung. Kruso ist kein schlechtes Buch. Es ist ein Symptom. Es zeigt, wie weit sich die deutsche Literatur von der Welt entfernt hat. Wie sehr sie sich in ihren eigenen Sedimenten suhlt. Wie wenig sie noch wagt, zu berühren, zu riskieren, zu handeln.


Ich denke: Das Buch ist fürs Feuilleton - aber womöglich nicht für Leser mit meiner Erwartungshaltung.


 

Cover des Buches Stern 111: Roman (ISBN: B07Z54JPJB)
Tilman_Schneiders avatar

Rezension zu "Stern 111: Roman" von Lutz Seiler

Tilman_Schneider
viel zu lang, viel zu blutleer

Zwei Tage nach dem Mauerfall verkündet das Ehepaar Bischoff ihrem Sohn Carl, dass sie weg gehen. Weg aus ihrem alten Leben, ihrer Heimat und drüben ein neues Leben anfangen wollen. Carl soll zurück bleiben und das Haus hüten und nach dem rechten schauen und sie wollen in Kontakt bleiben. Die Reise der Eltern führt sie durch Auffanglager und verschiedene Arbeite und sie wollen zu ihrem Geheimnis gelangen. Endlich, nach Jahrzehnten! Carl wiederum hat andere Pläne und die Liebe seines Lebens weiß nichts von seinen Gefühlen und vielleicht wird es ja was, oder doch nicht. Er schließt sich einer Gruppe an, die sich verschanzt, selbst befreit und ihren eigenen Weg gehen möchte und auch Carl will selbst laufen lernen, endlich, jetzt. 

Der Inhalt klingt gut und mit viel Ost Verwandschaft war es für mich auch sehr reizvoll. Lutz Seiler hatte mir in Kruso schon einiges abverlangt und leider, wurde es jetzt auch in Stern111 nicht viel anders. Was aufregend und spannend klingt vom Inhalt her, dass verliert leider viel Blut. Es tröpfelt so dahin und plätschert und ist leider deswegen zum großen Teil bedeutungslos. Die Figur der Mutter gefällt mir da noch am besten und es ist am spannendsten, wie sie im neuen Leben Fuß fassen möchte. Carl ist einfach lahm, sorry, aber ich wollte immer schreien  zieh den Stock aus dem Arsch und werde endlich locker.  Sprachlich ist das Buch zum Teil echt großartig und begeistert, aber dann reihen sich wieder Metaphern aneinander, die einfach nur Nerven und die Geschichte auch nicht interessanter macht. 

Literatur ist Gott sei Dank immer Geschmacksache, aber mein Geschmack ist Stern111 leider nicht und die große Überraschung bleibt für mich aus und der ewig lange Epilog ist ein Zeugnis für das Buch, einfach viel zu lang, für so wenig Leben im Buch.

Cover des Buches Kruso (ISBN: 9783869091846)
Tilman_Schneiders avatar

Rezension zu "Kruso" von Lutz Seiler

Tilman_Schneider
trotz Franz Dinda viel zu langatmig

Kein anderes Buch wird in letzter Zeit so oft besprochen, kritisiert, gelobt und hinterfragt wie Kruso. Soeben ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis und sofort auf allen Bestenlisten.Edgar Bendler ist nach dem Tod seiner Freundin aus der Bahn geraten und er schmeißt sein Studium hin. Die Lyrik liebt er, aber wie soll er ohne seine Geliebte weiter machen? Er geht nach Hiddensee und findet im Klausner eine Anstellung als Abwäscher. Hier kann er abschalten, vergessen, ausschwitzen und doch auch weiter fabulieren. Er lernt hier Kruso kennen und diese beiden Männer entwickeln eine tiefe Freundschaft und sind Beide Getriebene und Suchende und Kruso treibt Ed immer wieder an und hat auch sonst im Klausner das Sagen und Lenken. Hier im letzten Sommer der DDR, begegnen wir vielen Lebenswegen und Schicksalen und im Klausner finden sie eine Insel.Lutz Seiler war bisher als Lyriker bekannt und hat mit diesem Roman ein Werk geschaffen, dass fast nur gelobt wird und eben jetzt mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Literatur ist immer Geschmacksache, Gott sei Dank. Am Anfang fand ich die Sprache fesselnd, frisch, neu und die vielen  lyrischen Anspielungen und großartigen Metaphern ergänzten den wunderbaren Stil. Nach 200 Seiten etwa aber, verlor ich den Faden, die Geduld, das Interesse und es wiederholte sich leider vieles und inmeinen Augen begeisterten die Figuren nicht mehr. Ich lege selten ein Buch weg und bin weiter im Klausner geblieben und wollte doch wissen, was passiert, wenn sich das Jahr 1989 zum Ende neigt? Wo führt der Weg von Ed und Kruso hin? Am Ende kam für mich nochmal Spannung auf und ich konnte die Protagonisten fertig begleiten und sie hallen doch weiter nach. Lutz Seiler verlangt einem einiges ab und ich persönlich hätte in paar Kürzungen besser gefunden. Im direkten Vergleich zum Preisträger der Leipziger Buchmesse 2014  Sasa Stanisic "Vor dem Fest," verliert Lutz Seiler in meinen Augen. Stanisic hat auch einen außergewöhnlichen Erzählstil, aber auch wenn bei ihm nichts passiert, lebt die Geschichte und die Sprache. Denn auch in "Vor dem Fest," geht es genau genommen um eine DDR Geschichte, auch wenn diese da schon länger Geschichte ist, aber sie bebt doch nach. "Kruso" ist kein schlechtes Buch, aber in meinen Augen wird es etwas überschätzt. Aber Gott sei Dank ist Literatur Geschmacksache, bilden Sie sich selbst Ihr Urteil.

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Zusätzliche Informationen

Lutz Seiler wurde am 08. Juni 1963 in Gera (Deutschland) geboren.

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