Im Gegensatz zu seinem Mittäter Dellwo, der momentan wegen seiner Äußerungen zu den G20-Krawallen einiges an Kritik, jüngst vom Ex-Mescalero in der taz, auf sich zieht, scheut sich Lutz Taufer nicht,klares Bedauern für die Morde von Stockholm zu äußern ,mehr noch...er bezeichnet sie als grausam.
Sein Ton ist unaufgeregt,wohltuend bei einem Thema, das auch nach über 40 Jahren für heftige Emotionen auf beiden Seiten sorgt.
Das Schweigen der meisten Überlebenden ist auch eine Emotion.
Anschaulich erzählt Taufer seine Jugend,sein Studium,zeichnet seine Weg zum SPK nach... hier skizziert er,bleibt diskret.
Sein Zusammenwohnen mit Sieglinde Hofmann beschreibt er nicht weiter,auch wenn sicher einige darauf warten.
Der Schnittpunkt ist für ihn wie für die meisten Mitglieder der 2.Generation, der Hungertod von Meins im November 1974.
Selbst die Schilderung der grausig schiefgelaufenen Botschaftsbesetzung ist lesbar.
Besonders finde ich,was Taufer über seine Haftzeit mitteilt.
Stammheim mit den erkämpften Privilegien war für knapp zwei Jahre für bis zu acht Gefangene die große Ausnahme.
Wie aber der Vollzug für die mindestens fünfzig anderen RAF oder 2.Juni-Gefangenen war, die Geschichte nach 1977 bis mindestens 1989, liegt im Dunkeln.Hier hellt Taufers Bericht einiges auf.
Viele aus diesem Zusammenhang machten ähnliche Erfahrungen wie Taufer.Das nach vielen Jahren einigen der Kleingruppenstatus zugestanden wird,mildert die erfahrenen Beschädigungen.
Vielleicht liegt hier auch ein Grund für das unselige Schweigekartell, dem sich die meisten noch lebenden RAF-Mitglieder unterworfen haben.
Um so mutiger und wichtiger nun der Bericht von Lutz Taufer...Sehr spannend auch seine Emigration, er wollte dem Prestige des Ex-RAF-Gefangenen entfliehen...aber das ist schon fast ein eigenes Buch, ein Reisebericht der ganz besonderen Art...
Wichtiges Buch für alle, die eine andre Facette der RAF-Debatte kennenlernen möchten...
Lutz Taufer
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Über Grenzen
Neue Rezensionen zu Lutz Taufer
Im Gegensatz zu seinem Tatgenossen Dellwo,der momentan wegen seiner Äußerungen zu den G20-Krawallen einiges an Kritik, jüngst vom Ex-Mescalero in der taz auf sich zieht, scheut sich Lutz taufer nicht,klares Bedauern für die Morde von Stockholm zu äußern ,mehr noch...er bezeichnet sie als grausam.
Sein Ton ist unaufgeregt,wohltuend bei einem Thema,das auch nachüber 40 Jahrenfür heftige Emotionen auf beiden Seiten sorgt.
Das Schweigen der meisten Überlebenden ist auch eine Emotion.
Anschaulich erzählt Taufer seine Jugend,sein Studium,zeichnet seine Weg zum SPK nach...hier skizziert er,bleibt diskret.
Sein Zusammenwohnen mit Sieglinde Hofmann beschreibt er nicht weiter,auch wenn sicher einige darauf warten.
Der Schnittpunkt ist für ihn wie für die meisten Mitglieder der 2.Generation der Huingertod von Meins im November 1974.
Selbst die Schilderung der grausig schiefgelaufenen Botschaftsbesetzung ist lesbar.
Besonders finde ich,was Taufer über seine Haftzeit mitteilt.Stammheim mit den erkämpften Privilegien war für knapp zwei Jahre für bis zu acht gefangene die große Ausnahme.
Wie aber der Vollzug für die mindestens fünfzig anderen RAF oder 2.Juni-Gefangene war, die Geschichte nach 1977 bis mindestens 1989 liegt im Dunkeln.Hier hellt Taufers Bericht einiges auf. Viele aus diesem Zusammenhang machten ähnliche Erfahrungen wie Taufer.Das nach vielen Jahgren einigen der Kleingruppenstatus zugestanden wird,mildert die erfahrenen Beschädigungen.
Vielleicht liegt hier auch ein Grund für das unselige Schweigekartell,dem sich die meisten Mitglieder der ".Generation unterworfen haben.
Umso mutiger und wichtiger der Bericht von Lutz Taufer.
Besonders spannend dann seine Emigration nach der Haft.
Der Bericht über sein Leben in Südamerika liest suich wie ein zweites Buch,ein ganz besondere Reisebericht.
Bei allem Widerspruch,den das Thema RAF generiert ist dies eins der wenigen Bücher zum Thema,die sich lohnen und den Blick öffnen oder eben erweitern.
Dieses ehrliche und radikale literarische Selbstzeugnis von Lutz Taufer ist ein wichtiges Dokument der Zeit- und Widerstandsgeschichte der alten BRD zwischen 1960 und 1980. Das ehemalige und zu eine langen 20-jährigen Haft verurteilte RAF-Mitglied Lutz Taufer beschreibt darin seinen einer permanenten Suchbewegung gleichenden Lebensweg, der ihn aus den ersten Protesten in der badischen Provinz in Freiburg zum Sozialistischen Patientenkollektiv in Heidelberg führe, bevor er als Mitglied des Kommandos Holger Meins der RAF verhaftet und zu 20 Jahren verurteilt wurde. Er beschreibt schonungslos seine Haft, seine zahlreichen Hungerstreiks und dann seine Basisarbeit in den Favelas von Rio de Janeiro nach seiner Freilassung.
Es ist ein Leben in verschiedenen Zusammenhängen der linksradikalen Geschichte des Landes, ein Dokument, das nichts schönredet, sich mit gemachten Fehlern schonungslos auseinandersetzt und so zu einem wichtigen Werk der Protestgeschichte der 1960 bis 1980 er Jahre wird.
Selten hat man von einem ehemaligen RAF-Mitglied eine ehrlichere Auseinandersetzung gelesen über die Zerstörung des einst emanzipatorischen Anspruchs durch maßlose und gegen unschuldige Menschen gerichtete Gewalt. Aber auch die extreme Repression in der Haft wird von Taufer in einer so vorher nicht gekannten Dichte beschrieben.
Die Emigration nach Brasilien und sein Engagement in den Favelas und seine Arbeit im Vorstand des Weltfriedensdienstes, die er anschaulich beschreibt, haben nicht nur seinem Leben einen neuen Sinn gegeben, sondern zeigen dem Leser, dass ein Mensch sich ändern kann ohne seine Grundprinzipien aufzugeben.
Ein wichtiges Zeitdokument und ein herausragendes Beispiel an biographischer Genauigkeit und kritischer Selbstreflexion.

