LwL Römermuseum in Haltern am See 2000 Jahre Varusschlacht - Imperium

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Inhaltsangabe zu „2000 Jahre Varusschlacht - Imperium“ von LwL Römermuseum in Haltern am See

Das IMPERIUM Romanum auf dem Höhepunkt seiner Macht steht
hier im Mittelpunkt der Darstellung. Hochkarätige Exponate internationaler Museen beleuchten Kunst, Kultur und Politik zur Zeit des Kaisers Augustus. Wie entwickelte sich Rom vom Dorf zur Weltmacht? Wie stellte das Imperium seinen Führungsanspruch zur
Schau und festigte seine Herrschaft? Die politischen und militärischen
Folgen der Varusschlacht für die antike Welt im Allgemeinen
und die römische Außenpolitik im Besonderen werden dabei ebenso
nachgezeichnet wie Schauplätze und Lebensweg des namensgebenden Verlierers der Schlacht: Publius Quinctilius Varus.

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  • Rezension zu "2000 Jahre Varusschlacht - Imperium" von LwL Römermuseum in Haltern am See

    2000 Jahre Varusschlacht - Imperium

    wolfschwerdt

    17. May 2010 um 17:50

    Was war eigentlich so Besonders an der Varusschlacht, dass sie uns seit etwa 500 Jahren nicht mehr aus dem Kopf geht und wir das 2000ste Jubiläum so ausgiebig mit Ausstellungen, Vorträgen, Büchern und kulturellen Veranstaltungen feiern? Nach der Lektüre des Begleitbandes zur Sonderausstellung IMPERIUM, die ab dem 15. Mai 2009 ihre Pforten im LWL Römermuseum Haltern öffnet, wird klar: für die Römer eigentlich so gut wie gar nichts. Der Verlust römischer Legionen gegen Barbaren gehörte ebenso zur Geschichte des römischen Reiches, wie der nach römischen Maßstäben ehrenvolle und konsequente Selbstmord des Feldherrn. Da hatten die Römer ganz andere traumatische Ereignisse zu verkraften gehabt, man denke da nur an „Hanibal ante Portas“. Aber das war zur Zeit des Augustus, dem Gründer des Prinzipats, dem Schöpfer des Goldenen Zeitalters, dem Bringer des Pax Romana, des immerwährenden Weltfriedens, längst Teil einer bis in die früheste Zeit reichenden Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die mythologisch verklärt und politisch instrumentalisiert, die Grundlage des imperialen Selbstverständnisses der Führungselite seit der Gründung Roms gewesen war. Und so befasst sich weder die Ausstellung noch der Begleitband IMPERIUM mit dem eigentlichen, vordergründigen Anlass des Jubiläums, sondern vor allem mit den ideologischen, strukturellen, kulturellen, politischen und geschichtlichen Hintergründen und Entwicklungen des römischen Imperiums zur Zeit des Augustus. Der erste und umfassendste Teil des Ausstellungsbandes umfasst allein 27 mit Exponatfotos reichlich ausgestattete Aufsätze zu den verschiedenen Schwerpunkten der Ausstellung in Haltern. So erfährt der Leser in „Die Macht des Anfangs“ alles über das mythologisch- politische Selbstverständnis der römischen Führungselite und die daraus resultierende Dynamik, die letztendlich zur Errichtung des römischen Weltreiches und dem Sendungsbewusstsein eines Augustus geführt hatte. Natürlich kommt auch der „Held“ der Geschichte, Publius Quinctillus Varus nicht zu kurz. Mehrere Aufsätze behandeln seine Karriere, führen den Leser mit Varus nach Rom, zusammen mit Augustus in den Orient, in die Schlachten, in denen Varus mit seiner 19. Legion unter Tiberius und Drusus den Voralpenraum befriedete, natürlich auch nach Syrien, wo Varus ebenso wie zunächst in Germanien als Statthalter beeindruckte. Für Augustus übrigens ein sehr nützlicher Mann, der durch die aktive Heiratspolitik des Erhabenen (lat. augustus) in die Elite des Imperiums aufsteigen durfte. Sowohl die politischen Konzepte, zu denen innenpolitisch eben auch die Heiratspolitik, außenpolitisch Vertragspolitik und Krieg gehörten, sind Gegenstand weiterer Aufsätze. Das Buch IMPERIUM ist umfassend, anders kann man es kaum beschreiben. Was aber zudem fasziniert, ist das Einbeziehen aktuellster Informationen und Quellen. So widmet sich das Kapitel „Sieg in den Bergen“ der augusteischen Expansion in Kantabrien ab 29 vor Christus. Im offiziell befriedeten Hispanien jedenfalls drohten sich die Aufstände der Cantabrer so auszuweiten, dass die spanischen Provinzen des römischen Reiches in Gefahr zu geraten schienen. Durch entschlossenes militärisches Eingreifen konnte Augustus nicht nur die Provinzen und damit eine Getreidekammer Roms und natürlich die reichen Goldminen sichern, sondern auch das Hinterland für das Engagement in Germanien kontrollieren. Bislang verfügte man lediglich über schriftliche Quellen dieser Ereignisse, in den letzten Jahren allerdings sind auch archäologische Funde hinzugekommen –Befestigungsanlagen, Lager, Schlachtfelder- die nicht nur über die Militärstrategien der Römer bei der Niederschlagung der Aufstände Aufschluss geben. Die Erforschung dieser Stätten steht noch ganz am Anfang, hat aber dennoch bereits Niederschlag im Buch IMPERIUM gefunden. Kultur und zeitgenössische Geschichtsschreibung sind ebenfalls Thema der Ausstellung. Von Architektur über Literatur, bis zur bildenden Kunst spannen die Autoren ihren Bogen. Dabei erkennt man die politischen Intentionen der unterschiedlichen Geschichtsschreiber und beginnt zu begreifen, wie wenig aussagefähig die zahlreichen literarischen Quellen ohne archäologische „Gegenproben“ eigentlich sind. Gerade aus diesen Beiträgen wird verständlich, warum der Fund eines Römerlagers bei Hedemünden oder eines Schlachtfeldes am Harzhorn historisch- wissenschaftlich tatsächlich so aufregend sind. Was ist die augusteische Pax Romana, wie hat sie sich ausgedrückt, welches Selbstverständnis steckt dahinter und wie löst sich der Widerspruch zwischen dem römischen Anspruch des verwirklichten Weltfriedens und den ununterbrochen an den Grenzen des römischen Reiches geführten Kriegen auf? Das Buch bietet auch hier Antworten und je mehr man sich in das wirklich umfangreiche Werk hineingräbt, desto mehr bekommt man das Gefühl, über ein römisches Reich zu lesen, von dem man zumindest in der Schule noch nie etwas gehört hat. Wenn der Hype um die Varusschlacht etwas Gutes hat, dann solche Ausstellungen und solche Bücher wie IMPERIUM und die dazugehörigen Bände KONFLIKT und MYTHOS. Auch wenn die Fotos vieler Exponate bereits in den jeweiligen Aufsätzen zur Illustration herangezogen werden, lohnt sich doch ein tiefer Blick in den Kataloganhang. Den thematischen Abteilungen der Ausstellung zugeordnet, erfährt der Leser über die Exponatbeschreibung hier noch einmal einige historische und handwerkliche Hintergründe zu den jeweiligen inhaltlichen Schwerpunkten.

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