Lydia Tschukowskaja

 3.9 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Untertauchen, Sofja Petrowna und weiteren Büchern.

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Lydia TschukowskajaUntertauchen
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Untertauchen
Untertauchen
 (6)
Erschienen am 24.08.2017
Lydia TschukowskajaSofja Petrowna
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Sofja Petrowna
Sofja Petrowna
 (2)
Erschienen am 26.09.2003
Lydia TschukowskajaAufzeichnungen über Anna Achmatowa
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Aufzeichnungen über Anna Achmatowa
Lydia TschukowskajaEin leeres Haus (6235 816)
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Ein leeres Haus (6235 816)
Ein leeres Haus (6235 816)
 (0)
Erschienen am 01.01.1990
Lydia TschukowskajaUntertauchen (Nr.148)
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Untertauchen (Nr.148)
Untertauchen (Nr.148)
 (0)
Erschienen am 01.07.1996

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19angelika63s avatar

Rezension zu "Untertauchen" von Lydia Tschukowskaja

Erinnerungen
19angelika63vor 3 Jahren

Zum Buch
Nina Sergejewna verbringt winterliche Wochen im Jahr 1949 in einem Sanatorium für Künstler auf dem Lande. Hier ist alles auf Vergessen gestimmt. Doch sie will mehr über die Vergangenheit, über ihr eigenes Leid und das ihrer Mitmenschen erfahren.
Als sie Bilibin kennenlernt, der im gleichen Arbeitslager wie ihr Mann war, sucht sie seine Nähe. Es entspinnt sich eine zarte Zuneigung, doch enttäuscht wendet sie sich ab, als auch Bilibin nicht die Wahrheit, sondern das Verdrängen und Vergessen sucht.



„Ich blieb stehen, warf den Kopf zurück: Mir schwindelte, als ich in diese gleichmäßig schwankenden Wipfel und die langsam kriechenden grauen aufgequollenen Wolken blickte. Die Wolken hatten sich so dicht zusammengezogen, als wären es dort oben, auf der himmlischen Erde, ganz hohe Schneewehen. Ich ging den Fußpfad immer weiter, trunken von den vorbeziehenden schwingenden grauweißen schlanken Stämmen, und ich empfand eine nagende Trauer, wie immer in den Augenblicken des entschiedenen Glücks …
All das wird mir wieder genommen werden. All das werde ich wieder hergeben müssen. Niemand Bestimmter wird es zurückverlangen, mur etwas Ungreifbares wird dann vorübergegangen sein, jenes Etwas, das wir >Zeit< nennen, (…).“ (Seite 15/16)

Nina Sergejewna verbringt einige Zeit im Winter 1949 in einem Sanatorium für Künstler. Offiziell arbeitet sie an einer Übersetzung, doch in Wirklichkeit will sie sich ihrer Vergangenheit stellen, schreibt ihre Träume und Gedanken in ein Tagebuch, dass sie „Untertauchen“ nennt. Sie lernt viele Künstler kennen, unter anderem den Schriftseller Nikolaj Bilibin kennen. Von ihm erfährt sie, dass er mit ihrem Mann zusammen in Gefangenschaft war.

„Heute habe ich meine Schuld erkannt. Im Traum. Ich lebe. Das ist es. Ich lebe, ich lebe immer noch, obwohl man ihn mit Knüppeln ins Wasser getrieben hat. Er kam für einen Augenblick, um mir das vorzuwerfen. Das zeigt der Traum.“ (Seite 35)

Nina und Bilibin nähern sich an. Nina möchte unbedingt mehr über das Leben und den Tod ihres Mannes erfahren. Doch anstatt der Wahrheit erzählt Bilibin ihr geschönte Geschichten. Enttäuscht wendet sich Nina ab und sucht Trost und Antworten bei Spaziergängen durch die verschneiten Birkenwälder.

„Als ich endlich auf dem Pfad zwischen den hohen üppigen Schneebergen gelangt war, blieb ich stehen und blickte mich um. Das  zerbrechliche Wort >swerkanje< kräuselte sich auf meinen Lippen. Wie genau entspricht es dem Muster der vereisten zweige! >Swerkanje<. Ein fragiles Wort, ein feines, scharfes Ästchen. Wie die winzigen grünen und blauen, unter den Birken im Schnee blitzenden Funken.“ (Seite 52)* Swerkanje: russ.Funken, Blitzen, Glitzern

„Untertauchen“ ist eine autobiografische Erzählung der Schriftstellerin Lydia Tschukowskaja, in der sie versucht das Erlebte zu verarbeiten. Unter Stalin wurde sie verfolgt und ihr Mann umgebracht.

Aber auch in späteren Jahren war Lydia Tschukowskaja auf der Flucht. In einem Nachwort von Hans Jürgen Balmes beschreibt er das Leben und Wirken von Lydia Tschukowskaja, was für mich eine sehr interessante Information war.

1974  schloss man Lydia Tschukowskaja aus dem sowjetischen Schriftstellerverband aus. Kurz vorher hielt sie eine Rede, die man im Anhang nachlesen kann.

„Und ich dachte daran, wie das Alter mich verändert hat. Als Kind und in meiner Jugend war ich überzeugt, dass Gräber etwas Überflüssiges wären. Und jetzt – und jetzt glaube ich: Das Wichtigste in meinem Leben ist der Wunsch, Aljoschas Grab zu finden.“ (Seite 90)

Dieses Buch ist voller melancholischer Poesie und Abschiede. Aber es ist auch eine Geschichte die daran erinnert das Vergangene nicht zu vergessen. „Untertauchen“ erzählt die Geschichte der stalinistischen Ära. Sie veranschaulicht sehr deutlich wie sehr die Menschen unter Stalin gelitten haben.

Zu erwähnen ist auch auf jeden Fall das wunderschöne Cover und die Innengestaltung des Buches. Die weißen Birken auf blauem Grund und Lydia Tschukowskajas poetischen Beschreibungen über die winterlichen Wälder Russlands, lesen sich wie eine Liebeserklärung an den Winter in Russland. 

Für mich ein Buch, das eine kleine feine Entdeckung ist, die gelesen werden sollte.

„Heute fand ich im Wald eine wunderbare Tanne. Wie war es möglich, dass ich sie nicht schon früher entdeckt habe! Majestätisch, mächtig steht sie in einem engen Rund aus Birken. Gefangen. In einer glückseligen Gefangenschaft. Ich lachte laut, als ich sie plötzlich sah. Die birken tanzen Reigen um die Tanne, wie kleine festlich gekleidete Mädchen. Ihr ganzes Leben lang feiern sie Weihnachten.“ (Seite 96)






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