Lydie Salvayre

 3,5 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor*in von Weine nicht, Die Macht der Fliegen und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Lydie Salvayre, 1948 in Südfrankreich geboren, studierte Literaturwissenschaft und Medizin. Sie arbeitete als Psychiaterin in Marseille und begann in den 1970er Jahren mit dem Schreiben. Für „La compagnie des spectres“ erhielt sie 1997 den Prix Novembre Ihre Romane wurden in viele Sprachen übersetzt, auch in Deutschland erschienen drei Romane. Für "Weine nicht" ("Pas pleurer") wurde sie 2014 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Lydie Salvayre

Cover des Buches Weine nicht (ISBN: 9783896675644)

Weine nicht

 (10)
Erschienen am 29.02.2016
Cover des Buches Pas pleurer (ISBN: 9782021116199)

Pas pleurer

 (1)
Erschienen am 21.08.2014

Neue Rezensionen zu Lydie Salvayre

Cover des Buches Weine nicht (ISBN: 9783896675644)
AlexanderPreusses avatar

Rezension zu "Weine nicht" von Lydie Salvayre

Erzählt mit einer wunderbaren Leichtigkeit ein schweres Thema
AlexanderPreussevor 3 Jahren

Rezension meines Blogs: Link siehe linktree

Der Spanische Bürgerkrieg ist in der Literatur vielfach thematisiert, berühmte Schriftsteller wie George Orwell („Mein Katalonien“) oder Ernest Hemingway („Wem die Stunde schlägt“) haben über ihre Erlebnisse berichtet, es gehören literarische Perlen wie das Buch von Almudena Grandes („Der Feind meines Vaters“) und viele andere dazu. Auf dem vorzüglichen Literaturblog Kaffeehaussitzer findet man ein Leseprojekt Spanischer Bürgerkrieg, das eine anregende Buchliste enthält. 

2014 hat die Verleihung des französischen Literaturpreises Prix Goncourt ein weiteres Buch ins Rampenlicht gestellt: Weine nicht. Deren Autorin, Lydie Salvayre, hat Wurzeln, die nach Spanien reichen. Sie wurde als Tochter einer Frau geboren, die gerade noch vor den siegreichen Streitkräften des faschistischen Diktators Franco fliehen konnte. Ihr Roman nähert sich dem Thema auf besondere Weise. 

Der Spanische Bürgerkrieg gilt vielen als Präludium für den Zweiten Weltkrieg. Das ist etwas eurozentrisch gedacht und auf das Deutsche Reich fokussiert, das in Spanien mit der so genannen „Legion Condor“ Franco unterstützte, während die Verteidiger der Republik nur durch die Sowjetunion Unterstützung erhielten – zu einem hohen Preis, was in „Weine nicht“ dankbarerweise nicht verschwiegen wird: Stalin schickte Waffen und Terror nach Spanien, dem mehrere zehntausend Menschen zum Opfer gefallen sind.

Vielfältige Perspektiv- und Zeitwechsel

Selbstverständlich werden auch die Hinrichtungen durch die Franco-Faschisten nicht übergangen. Die Darstellung ist besonders eindrücklich, weil die Autorin dafür die Perspektive des konservativen Katholiken George Bernanos wählt. Erschüttert durch die Brutalität und die ignorante, menschenverachtende Haltung der Katholischen Kirche räumt der Mann seine politische Position und dokumentiert die Gräueltaten in seinem Werk: Die großen Friedhöfe unter dem Mond.

Salvayre lässt Teile daraus und andere Dokumente geschmeidig in ihren Roman einfließen, ihre Erzählung wandelt spielerisch zwischen faktenreicher Darstellung, Erzählung und Erinnerung, Fiktion und Auszügen aus Quellen. Die Handlung spielt auf mehreren zeitlichen Ebenen, die Autorin mischt kräftig mit, erläutert und kommentiert ihren Schreibprozess, außerdem ist die Interpunktion sehr freizügig gestaltet. 

Beeindruckende Leichtigkeit

Der Roman rutscht trotzdem zu keinem Zeitpunkt in ein undurchsichtiges Wirrwarr ab und  erzählt mit einer wunderbaren Leichtigkeit.  Das liegt auch daran, dass ihm im Kern eine (tragische) Liebesgeschichte als Leitfaden eingewoben wurde. Die Hauptfigur, Montserrat, schließt sich mit ihrem Bruder den Verteidigern der Republik an. Für kurze Zeit erlebt sie Freiheit und ihre große Liebe. 

So ist das Zitat auch zu verstehen, dass der Krieg zum rechten Zeitpunkt gekommen wäre. Diese flammende Liebe mündet in ein würgendes Desaster, mit lebenslangen Folgen. Es gehört zu den großen Stärken des Buches, dass es den Leser einmal nachempfinden lässt, wie weit die Schatten eines Krieges reichen, auch wenn die Kampfhandlungen lange beendet sind. 

Zum Zeitpunkt dieses persönlichen Liebes-Desasters machen Montserrat und ihr Bruder Erfahrungen mit der grausamen Realität der Kriegführung. Die Ideale sind menschenverachtender Ideologie gewichen, auch die Sache der Verteidiger der Republik hat ihren Glanz eingebüßt. Auch aus diesem Grund kehren beide in ihre Heimat zurück. 

Besonders wertvoll macht diesen Roman der Umstand, dass er eindrücklich nacherzählt, wie sich die Haltung der Bevölkerung in Montserrats Heimatort gegenüber Revolution und dem sich abzeichnenden Sieg der Franco-Seite wandelt. Wer von Umstürzen träumt, sollte hier genau lesen und zuhören, denn so einfach ist die Sache nicht, auch wenn zu Beginn einer Umwälzung die Begeisterung groß ist.

Cover des Buches Weine nicht (ISBN: 9783896675644)
kingofmusics avatar

Rezension zu "Weine nicht" von Lydie Salvayre

Erschütternd
kingofmusicvor 4 Jahren

„[…] daher vertrete er von nun an die Idee einer illusionslosen Utopie – einer Utopie, […] anders gesagt einer unmöglichen, unerreichbaren Utopie, nach der man jedoch unentwegt und bis zum höchstmöglichen erreichbaren Emanzipationsniveau streben müsse.“ (S. 222)


Es gibt ja immer wieder Bücher, die einen nicht „direkt“ anspringen, sondern sich langsam, von hinten heranschleichend, im Leser oder der Leserin verankern und die dann ihre „Beute“ nicht mehr loslassen.


So ging es mir mit „Weine nicht“ der französischen Schriftstellerin Lydie Salvayre. Das mag vornehmlich daran liegen, dass wir es bei vorliegendem Buch nicht direkt mit einem Roman zu tun haben. Es ist eher ein „biografisches durchsetztes Aufklärungsbuch“.


Biografisch deshalb, weil die Autorin, die für dieses Buch im Jahre 2014 mit dem „Prix Goncourt“ ausgezeichnet wurde, die Geschichte ihrer Mutter im Sommer 1936 (dem Beginn des spanischen Bürgerkriegs) zugrunde legt und diese Biografie mit den Erlebnissen des Autors Georges Bernanos auf Mallorca mischt, der seine Erlebnisse in „Die großen Friedhöfe unter dem Mond“ (1938) niederschreibt.


Dadurch kommt es zu einem aus meiner Sicht überragenden Lehrbuch in Sachen „Spanischer Bürgerkrieg“ – ohne auf Vollständigkeit zu pochen. Jedoch bekommt die geneigte Leserschaft einen ziemlich guten Einblick in den Verlauf des Krieges, die verschiedenen Gruppierungen und verfeindeten Lager und die Gräueltaten der Faschisten, die von der katholischen Kirche allesamt „abgesegnet“ und somit öffentlichkeitswirksam geduldet wurden – beispiellos ekelhaft und menschenverachtend.


Es kann nicht genug solche Aufklärungsbücher geben; mögen sie die „richtigen“ Leser*innen erreichen und ein Umdenken stattfinden (siehe Zitat).


5*


©kingofmusic

Cover des Buches Weine nicht (ISBN: 9783896675644)
L

Rezension zu "Weine nicht" von Lydie Salvayre

Schade, ich vermute die Übersetzung ist nicht wirklich gelungen
Literatur_Famulusvor 5 Jahren

Der Spanische Bürgerkrieg und die beteiligten Organisationen sind in Österreich immer noch sehr unbekannt. In diesem Sinne ist der Roman von Lydie Salvayre eine Bereicherung.

Über die Erzählung der Mutter wird deren Vergangenheit lebendig. Die kurze Nacht der Anarchie in Barcelona lässt sich erahnen, die Probleme in den spanischen Familien auch. Vor allem ist auch den kritischen LerseInnen wenig bekannt, welch schlimme Rolle die Kommunisten in dieser Zeit gespielt haben. Die Uneinigkeit der Linken hat sich ganz besonders im Spanischen Bürgerkrieg gezeigt. Die Rolle der Faschisten wissen wir schon eher.

Schade, aber es ist zu vermuten, dass die Übersetzung zu wörtlich gemacht wurde. In vielen Passagen ist die spanische Sprechweise erkennbar, für einen litearischen Roman ist sie in deutsch allerdings schwer nachvollziehbar.

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