Roberta ist elf Jahre jung, als sie ungewollt mit dem Vater durch Amerika reist. Zu früh sieht sie sich gezwungen, erwachsen zu werden. Die Demütigungen, die sie über sich ergehen lassen muss, zerstören ihr kindliches Sein und vergiften das hilflose Kind. Sie versucht zu funktionieren und rational zu denken, um zu überleben. Später wächst Roberta über sich hinaus, könnte vielleicht sogar ein normales Leben führen, doch die Rechnung hat sie ohne ihre Mutter gemacht, die wie der Vater nicht gerade ein Paradebeispiel liebevoller Erziehung ist. Roberta entgleitet immer mehr der Realität, betäubt sich mit Drogen und tröstet sich mit dem Gedanken, wie es wäre, die Welt zu verlassen und all den Dreck hinter sich zu lassen.
Der Schreibstil war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Roberta wechselt zwischen der Ich-Form und der Erzählperspektive hin und her. Daran wird deutlich, wie sehr bestimmte Dinge sie aufregen oder generell beschäftigen. Ihre Aggression wurde dadurch deutlich spürbar. Im Verlauf pendelt die Erzählweise sich dann auf die Ich-Form ein. Der Autorin gelingt es selbst die hässlichsten Details humorvoll auszuschmücken und unterhaltsam darzustellen.
Robertas Erzählung ist unheimlich traurig und ergreifend. Was mich so besonders daran bewegt ist die Tatsache, wie sehr ein Mensch an jemand anderem hängen kann, obwohl derjenige, zu dem man aufsieht, einem nicht gut tut. In Situationen, wo Außenstehende traurig den Kopf schütteln und vielleicht helfen möchten, aber nicht wissen wie oder geschockt vor Entsetzen die Hand vor den Mund schlagen, dem Betroffenen ganz normal vorkommen, nichts ahnend, dass nichts an der Situation normal ist. Emotionale Abhängigkeit ist grausam und der Roman zeigt deutlich, welch fatale Auswirkungen das haben kann, finde ich.
Das Ende hat mich dann einerseits entsetzt, andererseits habe ich es auch erwartet, obwohl ich noch immer hoffe, dass Roberta es sich doch noch anders überlegt hat.
Robertas Geschichte hat mich bewegt und zum Nachdenken angeregt. Was ihr passiert ist, ist entsetzlich und traurig und vom Geundkern her erschreckend realistisch.
Eine Geschichte, die die hässlichsten Abgründe der Menschen zum Vorschein bringt und einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Ein Buch, das auch nach dem Lesen noch lange nachhallt.
Herb, abscheulich, verstörend und einfach großartig.




